Freitag, 9. März 2007

Doppeltes Pech für Annie Friesinger

Annie Friesinger dürfte derzeit mit ihrem Schicksal ein wenig hadern. Ist sie doch ausgerechnet zum Saisonabschluss und damit zu den Einzelstreckenweltmeisterschaften, die sie neben den Sprintweltmeisterschaften als großes Saisonziel ausgegeben hatte, durch einen fiebrigen Effekt nicht nur zurückgeworfen worden, sondern zumindest über ihre Paradestrecke, die 1500m, komplett ausgefallen.

An ihrer Stelle stürmte die junge Holländerin Ireen Wüst zu ihrem ersten Einzelweltmeistertitel.
Es muss bitter für Friesinger sein, Wüst ein zweites Mal innerhalb einer Woche auf dieser Strecke so glänzen zu sehen. Hat die Holländerin ihr doch erst vergangenes Wochenende beim Weltcupfinale in Calgary den schon fast sicher geglaubten Gesamtweltcup über die 1500m in letzter Sekunde noch aus den Händen gerissen. Natürlich profitierte Wüst zum einen von dem krankheitsbedingten Ausfall ihrer Konkurrentin, aber gleichzeitig war sie auch Nutzniesserin einer eher zweifelhaften Regelung: Das Weltcup-Reglement will es so, dass bei Punktgleichheit diejenige Läuferin den Gesamtweltcup gewinnt, die beim Weltcupfinale das bessere Ergebnis vorzuweisen hat. Es zählen nicht, wie sonst üblich, die in der Summe besseren Platzierungen im Weltcup, bei denen Friesinger die Nase vorn gehabt hätte.
So kann sich nun Wüst des Gesamtweltcups über die 1500m freuen - Bitter für Annie Friesinger...
Man kann nur hoffen, dass die Internationale Eisschnelllaufunion, diese unsinnig erscheinende Regel bald abschaffen wird!

Aber nicht genug des Pechs für Annie Friesinger: Sie musste nicht nur das Weltcupfinale in Calgary krankheitsbedingt absagen, sondern auch den WM-Lauf über die 1500m auf dem Olympias-Eis von Salt Lake City... - Das Ende ist bekannt: Wüst siegt einmal mehr, und Annie Friesinger bleibt ein zweites Mal nur die bittere Zuschauer-Rolle.
Sie hofft noch, über die 1000m antreten zu können, um so wenigstens bei einer WM-Entscheidung um die Medallien laufen zu können, aber sicher ist dieses noch nicht.
Ihre Teilnahme am Teamwettbewerb hatte sie bereits vor einiger Zeit abgesagt, um sich voll und ganz auf die Einzelstrecken konzentrieren zu können. Diese Entscheidung hatte hohe Wellen geschlagen und für viel Unverständnis gesorgt. Es ist nun fast eine Ironie des Schicksals, dass Annie Friesinger auch auf den Einzelstrecken ausgebremst ist.
Drücken wir ihr aber die Daumen, dass sie zumindest über die 1000m an den Start gehen kann!

Kommen wir aber zurück zum Rennen über die 1500m: Hinter Ireen Wüst gingen Silber und Bronze durch Cindy Classen und Kristina Groves an Kanada.
Damit stand erstmal seit 10 Jahren keine deutsche Läuferin auf dem Podest - eine beeindruckende Serie ist beendet. Neben der krankheitsbedingt passenden Annie Friesinger traten nämlich ebenfalls die Langstreckenspezialistinnen Claudia Pechstein und Daniela Anschütz-Thoms über die 1500m nicht an, um sich für die 3000m, 5000m und den Teamwettbewerb zu schonen.
So ging nur Lucille Optiz ins Rennen und erreichte einen 11. Platz.

Hoffen wir, dass der Rennverzicht von Claudia Pechstein und Daniela Anschütz-Thoms die erhoffte Spritzigkeit über die langen Distanzen bringen wird. Beide fühlen sich gut in Form und hoffen auf Medallien.
Vor allem die 35jährige Claudia Pechstein will beweisen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört und traut sich durchaus auch zu, die in dieser Saison auf der Langstrecke überragende Tschechin Martina Sablikova zu schlagen.
Drücken wir unseren Kufenflitzerinnen die Daumen!

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