Montag, 24. Januar 2022

Handball-EM: Halbfinal-Aus gegen Schweden

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft wird nach der 25:21-Niederlage gegen Vizeweltmeister Schweden kein Wort bei der Medaillenvergabe dieser EM mehr mitsprechen können. Nach den Hauptrundenniederlagen gegen Spanien, Norwegen und eben gestern gegen Schweden ist auch rechnerisch das Halbfinale nicht mehr zu erreichen.

Aber wenn man ehrlich ist, hatte man das im Vorfeld der EM auch nicht ernsthaft von dem jungen Team, das Alfred Gislason mit Blick auf die Heim-EM 2024 formen möchte, erwartet. Dabei wäre vielleicht sogar eine Überraschung möglich gewesen, wenn denn das Team, das sich in den Vorbereitungsspielen vor allem gegen Frankreich als ebenbürtiger Gegner gezeigt und stark agiert hatte, wenigstens überwiegend diese EM hätte gemeinsam durchspielen dürfen. Aber Corona machte es unmöglich: Kein anderes Team musste dermaßen viele Ausfälle verkraften, wie die deutsche Mannschaft. Zuletzt traf es den Polen-Helden Christoph Steiner und Nachrücker Firnhaber. Und auch der  direkt erkrankte Henrik Wagner, rechtzeitig zum Schweden-Spiel einsetzbar, musste nach etwa 4 Minuten entkräftet aufgeben. Es war kein gemeinsames Training möglich, um sich so auf die Gegner einstellen zu können, wie es eigentlich erforderlich gewesen wäre. Mit Videovorbereitungen in EM-Partien zu gehen war nicht nur für die Spieler neu! Da ist es nicht erstaunlich, dass im Angriff Spielzüge nicht klappen und Bälle verloren gehen. Gegen Schweden zugegebener Maßen einmal mehr zu viele, aber dieser Mannschaft, die immer aufopferungsvoll kämpfte und sich voll in jedes Spiel reinhing, möchte mach dennoch keine Vorwürfe machen!
Und es tut einem auch leid für Alfred Gislason, für Viele der weltbeste Trainer: Wie soll der Isländer eine neue Mannschaft formen, wenn es ihm die äußeren Bedingungen einmal mehr fast unmöglich machen?!

Und obwohl diese Mannschaft in den einzelnen Aufstellungen vorher in dieser Form so gut wie nie zusammen gespielt hatte, zeigten sie auch wieder gegen Schweden, welches Potential in ihnen steckt: Von Anfang an zwar hinten liegend, ließ das deutsche Team die Schweden nie wirklich wegziehen und ging mit einem 2-Tore-Rückstand in die Pause. Aus dieser kamen die Deutschen mit viel Power und konnten zum 13:13 ausgleichen. Zu diesem Zeitpunkt, und auch noch später in der Partie, hätte das Spiel kippen können. Die deutschen Handballer um Shootingstar Julian Köster hatten mehrfach Chancen in Führung zu gehen, vergaben diese aber kläglich. Kein Tempogegenstoß, der gegen die eingespielten Skandinavier so wichtig gewesen wäre, zündete. Da nütze es auch nicht, dass zwischenzeitlich in der Abwehr Beton angerührt wurde und die Recken um Abwehrchef Johannes Golla eine wirklich Klasse-Leistung zeigten.
So kam es wie es kommen musste: Zum Ende ging der deutschen Mannschaft ein wenig die Puste aus,  und die Schweden konnten uneinholbar davonziehen. Der Vize-Weltmeister nutzte seine Chancen einfach besser als das deutsche Team und agierte abgebrühter, so dass die Schweden letztendlich verdient gewonnen haben. Allerdings kann die deutsche Mannschaft mit erhobenem Haupt von der Platte und in das abschließende Hauptrundenspiel gegen Russland gehen: Nach einem recht dürftigen Auftritt gegen Spanien haben sie sich erst gegen Norwegen und nun noch einmal deutlich gegen Schweden gesteigert. Das macht Lust auf mehr, und zwar dann hoffentlich wieder mit einem Team, das nicht immer wieder neu zusammengesetzt durch ein Turnier gehen muss! Der Trainer an der Seite ist auf jeden Fall einer der Besten und brennt darauf Handball-Deutschland wieder da hinzubringen, wo sie nach Ansicht Vieler hingehören: In die Weltspitze!

Dienstag, 18. Januar 2022

Handball EM: Deutschland mit überragender Leistung gegen Polen

Die deutsche Handball Nationalmannschaft ist mit dem heutigen Spiel eindeutig im Turnier angekommen: Mit einem überragenden 30:23-Sieg gegen Polen geht die deutsche Mannschaft mit 2 Punkten in die Hauptrunde! - Und dass nach dieser Vorgeschichte: Nach den Corona-Fällen von Kühn, Häfner, Wolf, Mertens, Kastening, Witzke und Wagner war lange nicht klar, in welcher Besetzung die Mannen von Alfred Gislason überhaupt in die Partie gehen können. Und als dann auch noch Till Klimpke und Marcel Schiller positiv getestet worden sind, war die Erleichterung groß, dass die Nachrücker um Johannes Bitter und Paul Drux alle spielberechtigt waren. Was ist das für eine EM?! - Man darf zu recht zweifeln, ob ein Turnier unter diesen Bedingungen überhaupt Sinn macht. Keiner weiß, ob er beim nächsten Spiel noch auf der Platte stehen wird, aber der Zusammenhalt ist riesig. Die Mannschaft steht zusammen und möchte, egal in welcher Besetzung, die beste Leistung bringen. Und wenn sie das schaffen, können sie, auch wenn es fast etwas vermessen klingt, jeden schlagen!

Eine sehr gute, die wichtigste Nachricht ist auch, dass es, nach bisherigen Informationen, den infizierten Spielern den Umständen entsprechend gut geht. Aber natürlich ist unklar, ob sie nochmals die deutsche Mannschaft unterstützen können. Daher ist es auch so wichtig, dass die aktuelle Mannschaft mit der "zweiten Reihe" richtig gut aufspielt. Allen voran ist da der 21-jährige Julian Köster zu nennen, der heute zu recht Man of the Match wurde. Tor um Tor zimmerte der 2.-Liga-Spieler vom VfL Gummerbach in's Netz, brachte mit Zauberpässen Goller & Co. in Position. 

Auch Christoph Steinert ist an dieser Stelle zu nennen, der alle 7-Meter einnetzte und ebenfalls mehrfach im Angriff zündete. Da musste der Nachrücker Fabian Wiede gar nicht eingreifen, obwohl auch hier ein Wort an die Nachrücker gerichtet sein sollte. Diese alle, die wie z.B. Wiede die EM abgesagt hatte, reisten geschlossen nach Bratislava, um die deutsche Mannschaft zu unterstützen, auch wenn die Corona-Gefahr an jeder Ecke lauert. Wie viel wurde im Vorfeld über die vielen Absagen geschrieben? - Nun zeigt sich, dass die deutschen Nationalspieler zusammen stehen, wenn es darauf ankommt. Und das ist das, was zählt!

Kommen wir zu Jogi Bitter, unseren 2007er Weltmeister, 39 Jahre alt und immer noch Weltklasse: Als einziger Torwart, direkt aus dem Urlaub, in eine Partie zu gehen, hat wahrscheinlich auch Bitter noch nicht erlebt. Und er machte seine Sache gut, sehr gut. Er war der so wichtige Rückhalt, ein emotional Leader wie ihn jede Mannschaft braucht.

Zur Halbzeit lag die deutsche Mannschaft mit drei Toren in Front, aber sicher war die Kiste noch längst nicht. Die Polen glichen in der zweiten Halbzeit aus, aber die deutsche Mannschaft war hellwach, stand aggresiv in der Abwehr und zeigte die ganze Partie über den absoluten Willen, dieses Spiel zu gewinnen! Das ist ein ganz anderes Gesicht als noch in den Partien gegen Belarus und Österreich! So brachte die deutsche Mannschaft dieses so wichtige Spiel mit 30:23 nach Hause und kann nun mit großem Selbstbewusstsein in die erste Hauptrundenpartie übermorgen gegen Spanien gehen. Und eines sollte das heutige Spiel gezeigt haben: Mit der heutigen Leistung kann auch der amtierende Europameister geschlagen werden!

Mittwoch, 5. Januar 2022

Innsbrucker Ersatzspringen in Bischofshofen: Kobayashi vor Grand Slam?!

Nachdem am gestrigen Tag am traditionsreichen Bergisel in Innsbruck aufgrund von Fönwinden kein Springen möglich war, wurde das 3. Springen der Vierschanzentournee, wie bereits 2008,  in Bischofshofen nachgeholt.

Kurzzeitig kam dabei an der Paul-Ausserleitner-Schanze Spannung auf, ob Ryoyu Kobayashi, Japans Überflieger, vielleicht doch noch vom Thron der Gesamtwertung gestürzt werden konnte: Der Norweger Marius Lindvik kam nach einem blitzsauberen ersten Durchgang auf bis 4m an den Japaner heran, ehe Kobayashi im 2. Durchgang mit einem Satz auf 137,5 m und 19er Noten allerdings wieder an Lindvik vorbeiflog. Der Norweger sprang zwar nur 2 m kürzer, wirkte aber ein wenig verkrampft und konnte den Sprung auch nicht so sauber stehen wie der Japaner. So liegt Kobayashi vor dem abschließenden Springen am morgigen Dreikönigstag 17,9 Punkte vor dem Norweger. - Ein Vorsprung, den Kobayahsi in der derzeitigen Form eigentlich nicht mehr aus der Hand geben dürfte, denn - dieses muss man neidlos anerkennen - der Gesamtsieger von 2018/2019 ist in einer bestechenden Form und wird seiner Favoritenrolle in eindrucksvoller Weise gerecht.
So stellt sich beinahe nur noch die Frage: Gelingt Ryuyo Kobayahsi als erstem Springer zum zweiten Mal der Grand Slam, d.h. der Sieg bei allen 4 Springen der Vierschanzentournee?! - Die Chancen dazu stehen sehr gut, denn, auch wenn die Konkurrenz immer wieder am Throns Japaners rüttelt, wie Markus Eisenbichler beim Neujahrsspringen oder heute Marius Lindvik beim nachgeholten Bergiselspringen, es scheint nicht zu gelingen, den Japaner in 2 Durchgängen in Schach zu halten. 

Aber warten wir es ab. Vielleicht flattern dem Favoriten morgen doch noch einmal die Nerven, oder er hat Pech mit den Bedingungen. - Dann könnte der Grand Slam evtl. noch verhindert werden. Der Gesamtsieg sollte dem Japaner allerdings fast nicht mehr zu nehmen sein dürfen. Einzig Marius Lindvik scheint noch eine Chance zu besitzen, an Kobayashi vorbeizuziehen. Dafür müsste dann aber schon sehr viel passen. Wahrscheilicher ist es, dass es Kobayashi Janne Ahonen gleichmacht und beide Springen von Bishofshofen gewinnt wird, wie es dem Finnen 2008 gelungen ist.

Der Dritte der Gesamtwertung, Lindviks Landsmann Halvor Egner Granerud, liegt mit 38,7 Punkten Rückstand auf Kobayashi schon beinahe aussichtslos zurück. Granerud dürfte eher ein Kampf um den Podestplatz mit den beiden deutschen Vorfliegern, Markus Eisenbichler, derzeit Gesamtvierter, und Karl Geiger, mit 4,1 Punkten Rückstand auf Granerud zur Zeit auf Rang 5 der Gesamtwertung, bevorstehen.
Ja, es wäre den deutschen Adlern zu wünschen, in Bischofshofen wenigstens auf dem Podium der Gesamtwertung zu stehen, nachdem der angepeilte erste deutsche Gesamtsieg nach Sven Hannawalds Grand Slam vor 20 Jahren nicht gelingen dürfte.
Immerhin scheint Karl Geiger heute sein Tief verlassen zu haben und zeigte fast wieder seine alte Stärke, die ihn, der als Gesamtweltcupführender in die Tournee gegangen ist, vor der Tournee ausgezeichnet hatte. Sein Satz auf 136,0 m im zweiten Durchgang lässt zumindest für das morgige Springen einen Podestplatz als möglich erscheinen, nachdem der Oberstdorfer heute mit dem undankbaren 4. Platz Vorlieb nehmen musste.
Vielleicht kann aber auch Markus Eisenbichler zwei ähnliche Granaten zünden, wie im 2. Durchgang heute, bei dem er mit 140,5 m die größte Weite in den Schnee zauberte. Drauf hätte es der Siegsdorfer alle Mal, aber er muss eben auch mal 2 Top-Durchgängen nach unten bringen.

Es bleibt damit trotz der deutlichen Führung von Ryoyu Kobayashi spannend beim morgigen Dreikönigsspringen in Bischofshofen...