Montag, 29. Dezember 2014

Deutsche Springer einmal mehr chancenlos

Es sollte anders werden bei der diesjährigen Vierschanzentournee, anders als in den vergangenen Jahren, wo die deutschen Adler den Anforderungen nicht gerecht wurden und das Podium in der Gesamtwertung in weiter Ferne lag. Und die Vorraussetzungen waren nicht schlecht: Beide deutschen Vorzeigespringer, Freund und Freitag, konnten in dieser Saison bereits einen Weltcupsieg erringen, und vor allem Freund schien seit dem Team-Olympiasieg von Sotschi und dem Weltmeistertitel im Skifliegen gereift - aber nun das: Freund scheint sich seine schlechtesten Saisonsprünge für den Tournee-Auftakt auf seiner Heimschanze aufgespart zu haben. Wie kann das passieren?!


Bundestrainer Werner Schuster fand zum Ende des Skisprungtages von Oberstdorf deutliche Worte und zeigte sich schlicht und ergreifend enttäuscht von dem Auftreten seiner Topspringer!
36.9 Punkte Rückstand auf den Tagessieger Stefan Kraft aus Österreich hat Freund als Tages-Dreizehnter im Tourneegepäck, Freitag gar 40.5... Das scheint zu viel, um noch einmal ganz vorne angreifen zu können. Scheinbar schaffen es die deutschen Adler nicht, ihr ohne Zweifel vorhandenes Können auch in der Heimat und vor allem bei der prestigeträchtigen deutsch-österreichischen Vierschanzentournee abzurufen. Wieder einmal sind sie an ihren Nerven gescheitert...
Zugegebener Maßen sind dieses deutliche Worte, die sich jedoch ein als Tournee-Mitfavorit gestarteter Freund anhören können muss.

Jedoch sei angemerkt, dass sich die deutschen Springer in bester Gesellschaft befinden: So hat der ebenfalls als Mitfavorit an den Start gegangene 4-fache Olympiasieger Simon Ammann aus der Schweiz bereits alle Chancen auf eine vordere Platzierung verspielt. Anders als bei Freund & Co., die durch ein starkes Auftreten bei den verbleibenden 3 Springen durchaus theoretisch noch etwas erreichen können, liegt Ammann nach dem verpassten 2. Durchgang von Oberstdorf zu weit hinten. Der Schweizer wollte im 1. Durchgang zu viel, als er bei 133.0 m noch einen Telemark in den im Auslauf recht tiefen Schnee zaubern wollte. Bekanntermaßen sind Ammann und der Telemark nicht unbedingt Freunde. Dieses hat sich heute leider einmal mehr bewahrheitete.

Unglücklich lief auch der Wettkampf für den hoch gehandelten zweimaligen Gesamtsieger Gregor Schlierenzauer, der nach dem 1. Durchgang noch auf Rang 6 lag, sich am Ende jedoch noch hinter Freund und Freitag auf Platz 17 wiederfand.
Damit lag der Tiroler nur einen Rang vor Marinus Kraus, der nach dem Fast-Sturz am Vortag einen beeindruckenden Wettkampf zeigte.

Die Adler haben nun einen Tag Pause, bevor es am Silvestertag mit der Qualifikation für das Neujahrsspringen weiter geht.
Neues Spiel, neues Glück, heißt es dann.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Auftakt der Vierschanzentournee verschoben

Der Auftakt der diesjährigen Vierschanzentournee geriet am heutigen Nachmittag in Oberstdorf leider zu einer Farce: Verschiebungen des Starts im 15- bzw. 30-Minuten-Takt machte es den Springern fast unmöglich, sich auf ihren Sprung angemessen vorzubereiten. Wind und Schnee verhinderten leider eins ums andere Mal den Start des Wettkampfs, nachdem bereits der Probedurchgang abgesagt werden musste.
So vergingen bereits 1.5 Stunden, bis um 18:00 mit dem Japaner Kobayashi der erste Springer vom Bakken gehen konnte. Sein Gegner im k.o.-Springen, der Slowene Robert Kranjec, musste ca. weitere 15 Minuten warten, bis er seinen Sprung zeigen konnte. So ging es weiter, bis die Jury gegen 19:15 ein Einsehen hatte und das Springen, nachdem insgesamt 11 Athleten ihren Sprung absolviert hatten, auf den morgigen Tag verschob.

Es war sicherlich die richtige Entscheidung, denn trotz Windregel und der Möglichkeit die Absprungluke anzupassen, war heute einfach kein regulärer Wettkampf möglich. So kam es zu einem Novum bei der Vierschanzentournee: Erstmals konnte das Auftaktspringen in Oberstdorf nicht wie geplant stattfinden und musste verschoben werden.

Was heißt das nun für unsere deutschen Starter?
In erster Linie dürfte Marinus Kraus froh sein über diesen Abbruch. Sein Sprung misslang leider völlig, und er konnte nur unter größten Schwierigkeiten einen Sturz verhindern. Spätestens als der Teamolympiasieger von Sochi dann doch noch irgendwie mehr oder weniger sicher landen konnte, war eigentlich klar, dass es am heutigen Tag wenig Sinn macht, Ski zu springen. Zugegebener Maßen hätte Kraus weniger aggressiv springen können, aber wer soll es dem jungen Athleten verdenken?! Es handelte sich doch schließlich um den Auftakt des traditionsreichen Wettbewerbs, den ein jeder Springer ganz dick in seinem Wettkampfkalender angestrichen hat und bei dem jeder das Ziel hat, möglichst gut abzuschneiden.

Ob Kraus morgen, wenn das Auftaktspringen nochmals angegangen wird, besser springen wird, bleibt abzuwarten, aber mit Severin Freund, Richard Freitag und auch dem Newcomer Markus Eisenbichler hat das deutscheTeam einige Eisen im Feuer, denen einiges zuzutrauen sein dürfte. Und nicht vergessen wollen wir den Oldie Michael Neumayer, der erfahrungsgemäß um den Jahreswechsel gerne zu Höchstform aufläuft.
Aber unstreitbar werden dem Skiflugweltmeister Severin Freund die größten Chancen eingeräumt, endlich wieder den Gesamtsieg nach Deutschland zu holen! Sven Hannawald mit seinem Sieg für die Ewigkeit, als er 2001/ 2002 alle vier Springen gewann, dürfte unerreichbar bleiben, zu viele Siegaspiranten gibt es in diesem Jahr, aber der Gesamtsieg scheint für Freund in diesem Jahr in erreichbarer Nähe zu sein: Der Olympiasieg im Team und der Weltmeistertitel im Skifliegen scheinen aus dem Mann aus Rastbüchel aus einem Top-Ten-Springer endgültig einen Siegspringer gemacht zu haben. Freund wirkt seit diesen Titeln entspannter und auch sicherer in seinem Auftreten. Aber wer soll es ihm verdenken? Hatte er nicht allen Grund nach seinen wiederholten 4. Plätzen zu hadern? Nun, diese Zeit scheint vorbei und Severin Freund ist bereit für den nächsten ganz großen Coup.

Aber neben Freund gibt es ein weitere Namen, die im Zusammenhang mit einem möglichen Gesamtsieg immer wieder fallen: Die der Österreicher Gregor Schlierenzauer, Michael Hayböck oder auch Stefan Kraft, die der Dauerbrenner Simon Amman und Noriaki Kasai, die der Norweger Anders Fannemel und Rune Velta und nicht zuletzt zu nennen sind Peter Prevcs, Roman Koudelka und Kamil Stoch. - Ihnen allen ist der Gesamtsieg zuzutrauen.
Oder wird es wieder ein Nobody, wie im vergangenen Jahr der Österreicher Thomas Diethart?! Und was ist mit dem Sieger von Engelberg, dem Klingenthaler Richard Freitag?

Warten wir ab, wer am Ende in Bischofshofen die Nase vorne haben wird.
Bis dahin erwarten uns noch acht spannende Durchgänge, die hoffentlich ohne weitere Schwierigkeiten durchgeführt werden können.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Spektakel in der Nordfrostarena

Es war angerichtet am gestrigen Abend in der Wilhelmshavener Nordfrostarena: Angerichtet zum Spiel des Jahres für den WHV!
Nachdem der WHV am vergangenen Wochenende eine grandiose Hinrunde mit dem 15. Sieg in Folge und nun 30:0 Punkten perfekt gemacht hatte, gab es gestern als krönenden Abschluss des Jahres noch einmal ganz großes Kino:
Der Tabellenführer der 1. Handball-Bundesliga, die Rhein-Neckar-Löwen, waren zum DHB-Pokal- Achtelfinale zu Gast in der Nordfrostarena.
 
Bei manch einem Fan wurden Erinnerungen wach an das letzte Aufeinandertreffen mit diesem Verein: Gegen die Löwen bestritt der WHV im Jahr 2008 sein (vorerst?!) letztes Erstligaspiel. Größen wie Christian Schwarzer, Henning Fritz und Oliver Roggisch waren damals in den Reihen der Löwen-Spieler und ließen viele Handball-Herzen höher schlagen!
Und gestern? An Emotionen war dieses Spiel vielleicht sogar noch reicher als damals 2008. Denn wer hätte gedacht, dass der kleine WHV es als einziger Drittligist schaffen würde, bis in's Achtefinale vorzustoßen und dann auch noch mit den Rhein-Neckar-Löwen einen derart großen Gegner in Empfang würde nehmen dürfen? Ach, Handballfan, was willst Du mehr?!
 
Das Spiel selber ging zwar mit 27:31 verloren, aber selten dürfte eine Niederlage so gefeiert worden sein. Der WHV gab niemals auf, lag meist nur 2 bis 3 Tore zurück und war mehrmals kurz davor, den Ausgleich zu erzielen. Und was dann hätte geschehen können ... 
Nun, das Wunder ist ausgeblieben, aber die Wilhelmshavener Handballspieler dürfen stolz sein auf ihre Leistung: Angetrieben von einen hochkonzentrierten Spielmacher Oliver Köhrmann, der noch einmal zeigte, was für ein klasse Handballspieler in ihm steckt, im Tor mit dem überrangenden Adam Weiner, der sogar einen Siebenmeter von Nationalspieler Uwe Gensheimer vereitelte, mit Rene Drechsler, der mit seinen 10 Toren überragend aufspielte, mit einem Tobias Schwolow, der keine Scheu gegen die Großen kannte und eins ums andere Mal seinen Hammer auspackte und mit einem Ivo Warnecke, der zum Ende der 1. Halbzeit Oliver Köhrmann, der mit einem Cut über dem Auge das Spielfeld verlassen musste, vertrat und mit einem kleinen schnellen Dreher kurz vor dem Pausenpfiff das wohl schönste Tor des Spiels warf und den derzeit weltbesten Torhüter, Niklas Landin, alt aussehen ließ, - sie alle trugen dazu bei, dass dieser Abend wohl nie in Vergessenheit geraten wird!
 
Es war erstaunlich, wie schwer sich das mit Nationalspielern gespickte Löwen-Team gegen den WHV tat. Als der Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen in der ersten Halbzeit eine Auszeit nahm, weil sein Team drohte den Ausgleich zu bekommen, tobte die Halle und die WHV-Spieler wurden schon jetzt mit Standing Ovations gefeiert! Einen zwei-Klassen-Unterschied sah man gestern in der Nordfrostarena wahrlich nicht. Es war ein wunderschöner Abend, bei dem das Wunder leider ausblieb!