Dienstag, 31. Juli 2007

Blonder Engel mit Real zu Gast bei Hannover

Für Bernd Schuster ist ein Traum in Erfüllung gegangen, als er vor wenigen Wochen seinen Vertrag als Trainer bei Real Madrid unterschrieben hat. - Trainer bei den Königlichen zu sein, bei denen er als Spieler von 1988 bis 1990 brillierte, ist sicher einer der am meisten begehrtesten Trainerposten.
Schließlich ist Real Madrid der erfolgreichste Verein Europas, mit 9 Gewinnen im Europapokal der Landesmeister bzw. der Champions-League, 2 UEFA-Cup-Gewinnen, drei Siegen im Weltpokal, 30 spanischen Meisterschaften sowie 12 Siegen im spanischen Pokal sucht dieser Verein selbst unter den Spitzenmannschaften Europas, heißen sie nun Juventus Turin, FC Barcelona, AC Mailand oder Manchester United, seinesgleichen.
Bernd Schuster, der blonde Engel, hatte schon seit längerem den Trainersitz bei Real Madrid als sein Ziel ausgegeben. Nach zuletzt sehr guter und erfolgreicher Trainertätigkeit beim Madrider Vorstadt-Club FC Getafe, rückte er immer mehr ins Blickfeld des königlichen Fussballclubs. Die Tage seines Vorgängers, Fabio Capello, schienen gezählt und nachdem es im April erste ernsthaftere Anfragen und Kontakte gegeben haben soll, darf Bernd Schuster sich seit Anfang Juli Trainer von Real Madrid nennen. Eine große Aufgabe für den gebürtigen Augsburger, aber seine Karriere hat gezeigt, dass er vor großen Herausforderungen nicht zurückschreckt.

Bernd Schuster ist bereits der zweite deutsche Trainer bei den Königlichen. Jupp Heynckes hatte dieses Amt in der Saison 1997/1998 inne. Dass der Trainerjob bei Real Madrid keine Arbeitsplatzgarantie ist, zeigt besonders dieses Beispiel. Jupp Heynckes durfte nach nur einer Saison die Koffer packen, und dieses trotz des Gewinns der Champions League. - Auch Bernd Schuster ist sich dessen bewusst, aber dennoch mag man meinen, dass jemand wie Bernd Schuster, der zu seinen Spieler-Zeiten bei Madrid regelrecht verehrt wurde, es packen kann bei Real. Wünschen wir es ihm!

Zwei weitere Deutsche haben neben Schuster bei Real Madrid angeheuert: Nationalspieler Christoph Metzelder wechselte von Borussia Dortmund ebenso wie U-19 Nationalspieler Christopher Schorch von Hertha BSC in Spanien's Hauptstadt zu Real.
Neben Schuster haben diese beiden Spieler namenhafte Vorgänger bei den Königlichen: Günther Netzer, Paul Breitner, Ulli Stieleke und Bodo Illgner. Ihres Zeichens Spieler, die erfolgreich in Madrid Fussball gespielt haben und dazu beigetragen haben, dass deutsche Fussballer bei Real einen guten Ruf besitzen.

Heute nun ist Real Madrid zu einem Testspiel bei Hannover 96 zu Gast gewesen. Ein großes Ereignis für die Truppe von Trainer Dieter Hecking, schließlich hat man nicht alle Tage die Möglichkeit, gegen eine Mannschaft zu spielen, die mit Stars nur so gespickt ist und die große weite Fußballwelt repräsentiert.
Dass dieses Spiel von Hannover mit 3:0 gewonnen wurde, dürfte Hannover den Start in die Saison erleichtern. Bernd Schuster hat dagegen noch ein ganzes Stück Arbeit vor sich, seine Mannschaft dorthin zu bringen, wo er sie selbst sehen möchte und wie es von einer Mannschaft, die den Beinamen "Weißes Ballett" trug, erwartet wird: Erfolgreich attraktiven Fußball zu spielen. - Nun, Real Madrid befindet sich noch in der Vorbereitung, dieses Spiel in Hannover darf sicherlich nicht überbewertet werden, aber Bernd Schuster wäre ein gut herausgespielter Sieg sicher nicht unrecht gewesen.

Montag, 30. Juli 2007

Tour am Ende - oder Neuanfang möglich?!

Die Tour de France 2007 ist Geschichte. - Manch einer atmet sicherlich auf, dass das Spektakel nun endlich vorbei ist.
Die letzten drei Wochen haben Spuren hinterlassen, sie haben an den Nerven gezerrt, haben die Freude am Radsport beinahe im Keim erstickt und immer neue Fragen aufgeworfen, wie es mit der Tour, mit dem gesamten Radsport weitergehen kann.
Man fragte sich doch im Verlauf der diesjährigen Frankreichrundfahrt eher, welcher Fahrer als nächstes als Dopingsünder überführt wird, welches Team sich noch zurückziehen wird oder welche Fahrer noch ausgeschlossen werden, als dass über den Sieger der nächsten Etappe oder den Kampf um die Gesamtwertung diskutiert wurde.

Und dass die Tour 2007 tatsächlich Geschichte ist, darf auch angezweifelt werden. Der Gesamtsieger Alberto Contador wurde zwar gestern auf den Champs-Élysées gefeiert und wird in Spanien als der neue Indurain angesehen, aber ob der Verstrickung des jungen Spaniers in die Operation Puerto darf angezweifelt werden, ob sein Gesamtsieg nicht dennoch ein Nachspiel haben wird.
Wir kennen es doch noch nur zu gut aus dem letzten Jahr: Der vermeintliche Tour-Sieger 2006 Floyd Landis vom damaligen Team Phonak wurde erst auf den Champs-Élysées als Tour-Held gefeiert und wenige Tage später als Dopingsünder überführt. Dass dem US-Amerikaner sein Tour-Sieg noch immer nicht aberkannt wurde und er stattdessen immer noch vor Gerichten seine angebliche Unschuld verteidigt, gleicht einer Farce, wie sie in diesen Tagen im Radsport beinahe an der Tagesordnung ist.

Warum wurde ein Michael Rasmussen zur Tour überhaupt zugelassen, obwohl er den UCI-Statuten zur Folge eigentlich nicht hätte starte dürfen? Warum gab es ein tagelanges Ringen bis endlich der Teamsponsor Rabobank die Reißleine zog und den zu diesem Zeitpunkt dem Toursieg entgegenfahrenden Dänen aus dem Verkehr zog?
Wieso stellt sich die UCI nun vehement gegen den Vorschlag der WADA, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen sollen, um gemeinsam zu überlegen, wie der Radsport aus dem Dopingsumpf herauskommen kann? - Warum verhält sich die UCI so?
Selbstverständlich kann man dem Weltradsportverband zugute halten, dass die Dopingtests effektiver geworden sind und immer mehr Radsportler überführt werden. Das ist sicher ein Gewinn, aber wieso hält sich die UCI im Gegenzug nicht an ihre eigene Regeln, warum stellt sie sich gegen eine große Runde am Dopingtisch?! - Man vermag nicht wirklich eine plausible Erklärung zu finden.

Allerdings scheint der Radsport fast nur noch diese eine Chance zu besitzen, dass sich alle zusammensetzen, Organisationen wie die WADA und die UCI, die Tour-Organisation bzw. deren Vereinigung, Teams, Manager, aktive Radsportler, ja auch die Medien, um gemeinsam zu überlegen, wie es weiter gehen kann. Dann scheint ein Neuanfang möglich.
Jedoch liegt die Betonung hier bewusst im Konjunktiv: Ob ein Neuanfang tatsächlich möglich ist, liegt auch an den Gerichtsbarkeiten in den einzelnen Ländern. Solange sich ein Land wie Spanien derart verhält wie im Falle Contador's, kann es keinen kompletten Neuanfang geben. Die Hintergründe, warum der Tour-Sieger von der Fuentes-Liste gestrichen wurde, auf der er erwiesener Maßen stand, möglicherweise sogar mehrmals, sind nicht klar, sie liegen im Dunkeln.
Nur wenn auf der ganzen Linie versucht wird, Dopingpraktiken zu unterbinden, überführte Dopingsünder konsequent zu bestrafen, möglicherweise dem Vorschlag des geständigen Jaksches zu folgen, im Falle eines Dopingvergehens eines Fahrers auch dessen Team zu strafen, - nur dann kann der Radsport sauberer werden. Dass er ganz sauber wird, dieser Illusion sollte man sich nicht hingeben, denn Schwarze Schafe gibt es überall und wird es immer geben!

Sonntag, 29. Juli 2007

Bennati siegt auf den Champs-Élysées

Die Tour de France 2007 endete heute mit einem Massensprint auf den Champs-Élysées, den der Italiener Daniele Bennati vor dem Norweger Thor Hushovd und Erik Zabel gewann. Tom Boonen, der das erste Mal in seiner Karriere das Grüne Trikot des Punktbesten gewinnen konnte, wurde Fünfter.
Der italienischen Lampre-Profi hat damit bereits seine zweite Etappe auf der diesjährigen Großen Schleife gewonnen, wenngleich der heutige Gewinn auf der Schlussetappe einen deutlich höheren Stellenwert besitzen dürfte als sein Sieg auf der 17. Etappe in Castelsarrasin.

Die Gesamtwertung der Tour gewann wie erwartet der Spanier Alberto Contador von Discovery-Channel, der seine 23 Sekunden Vorsprung auf Cadel Evans ins Ziel nach Paris bringen konnte. Hinter dem Australier beendet Contador's Teamkollege Levi Leipheimer auf dem dritten Rang liegend die Tour.
Dass auch auf Contador Dopinganschuldigungen lasten, lässt diesen Sieg nicht in dem Licht erstrahlen, wie sonst üblich. Warten wir ab, was in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird. Aus dem letzten Jahr wissen wir noch zu gut, wie sich Dinge entwickeln.

Das Bergtrikot gewann mit dem Kolumbianer Juan Mauricio Soler vom Team Barloworld ein Radrennfahrer, um den sich in den letzten Tour-Tagen ebenfalls Dopinggerüche rankten.
Die Tour-Direktion bestreitet jedoch, dass an dem Gerücht einer positive Dopingprobe Soler's, das von einer belgischen Zeitung ins Spiel gebracht wurden, nichts mehr als ein Gerücht sei.
So darf Soler den Gewinn des Bergtrikots bei der Tour als dritter Kolumbianer bejubeln.

Samstag, 28. Juli 2007

Contador verteidigt Gelbes Trikot bei Einzelzeitfahren

Die Tour de France 2007 ist entschieden: Der Spanier Alberto Contador konnte sich des Angriffs des Zweiten und Dritten der Gesamtwertung, von Cadel Evans und Levi Leipheimer, beim alles entscheidenden Einzelzeitfahren auf der vorletzten Etappe erwehren. Der Mann in Gelb musste zwar einige Federn lassen, beendete die 55.5 km im Kampf gegen die Uhr aber dennoch als Fünfter.
Cadel Evans hätte 1:50 Minuten auf den Madrilenen aufholen müssen - ein großer Rückstand, aber es war dem Australier dennoch zugetraut worden, dieses zu schaffen. Viele waren der Ansicht, dass der letztendlich auf der Fahrt herrschende Rückenwind den Ausschlag gab, dass Evans doch nicht ins Gelbe Trikot hat fahren können. Er holte auf der Fahrt nach Angouleme zwar Sekunde um Sekunde auf, aber im Ziel hatte der junge Spanier immer noch 23 Sekunden Vorsprung in der Gesamtwertung.

Im Verlauf des Einzelzeitfahrens fuhr sich ein weiterer Fahrer immer mehr ins Rampenlicht: Levi Leipheimer, Team-Kollege von Contador bei Discovery Channel. Der US-Amerikaner fuhr das Zeitfahren seines Lebens und deklassierte die Konkurrenz regelrecht. Im Ziel hatte er 0:51 Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Cadel Evans, der damit lediglich 8 Sekunden Vorsprung in der Gesamtwertung auf Leipheimer retten konnte.
Der Kalifornier hat damit auch die Gesamtwertung noch spannender gestaltet, als es erwartet worden war.
Eine derartige Leistung von Leipheimer, die fast schon einer Leistungsexplosion gleicht, sieht man allerdings in den heutigen Tagen eher mit gemischten Gefühlen ... - Das herausragende Zeitfahren von Alexander Vinokourov von Albi vor einer Woche, bei dem der Kasache, ähnlich wie heute Leipheimer, der Konkurrenz keine Chance ließ, ist allen noch gut in Erinnerung: Der Astana-Kapitän war gedopt - die weiteren Folgen sind bekannt.
Es soll an dieser Stelle keine Anschuldigung Leipheimers erfolgen, aber Spekulationen müssen erlaubt sein - zu viel ist während dieser Tour passiert und ans Tageslicht gekommen.

Kommen wir zurück zum Sportlichen: Die Gesamtwertung der Tour ist trotz des mit 23 Sekunden knappen Rückstands von Cadel Evans auf Alberto Contador wohl entschieden.
Am morgigen Tag wird kein Angriff auf das Gelbe Trikot erwartet, so ist es Sitte bei der Frankreichrundfahrt. Auch Contador's Team-Kollege Leipheimer wird nicht versuchen, die 8 Sekunden Rückstand auf Evans herauszufahren, so dass das Podium in Paris - keinen Sturz oder ähnliches vorausgesetzt - besetzt sein wird mit Aberto Contador, Cadel Evans und Levi Leipheimer.
Ob man sich über den Triumph von Contador, der ebenso wie der inzwischen suspendierte Däne Michael Rasmussen unter Dopingverdacht steht, freuen soll bzw. kann, ist mehr als fraglich. In jedem Fall hätte diese Endplatzierung in Paris wohl kaum jemand vorhersagen können. - Wie auch? Die Geschehnisse der letzten drei Wochen haben auch die schlimmsten Vorstellungen übertroffen ...

Donnerstag, 26. Juli 2007

Rasmussen von Tour ausgeschlossen, Contador in Gelb

Die Ereignisse bei der Tour de France haben sich am vergangenen Mittwoch regelrecht überschlagen.
Wurde zunächst bekannt, dass der Kasache Alexander Vinokourov auch nach seinem Etappensieg am vergangenen Montag in Loudenville-Le-Louron positiv auf Fremdblutdoping getestet wurde, wurde direkt nach der gestrigen Zieldurchfahrt Cristian Moreni in Polizeigewahrsam genommen. Der für den Rennstall Cofidis fahrende italienische Radprofi war nach dem Einzelzeitfahren von Albi positiv auf Testosteron getestet worden. Anders als die in den letzten Wochen und Monaten überführten Fahrer gestand Moreni seine Schuld ein und verzichtete auf das Öffnen der B-Probe.
Sein Rennstall Cofidis zog sich mit sofortiger Wirkung aus der Tour zurück, nach Astana bereits das zweite Team, und man mag nicht vorraussagen, ob es nicht noch weitere Ausstiege bis Paris geben wird.

Diese beiden neuen Dopingfälle haben die Tour erneut aufs heftigste erschüttert, aber es sollte noch nicht alles gewesen sein: Am späten Abend wurde bekannt, dass das niederländische Rabobank-Team die Reissleine gezogen hat - viele mögen denken: "Endlich!" - und den im Gelben Trikot fahrenden Michael Rasmussen mit sofortiger Wirkung suspendiert hatte und damit so aus der Tour ausgeschlossen hat.
Was war geschehen? - Offensichtlich fürchtete der holländische Teamsponsor um sein Image, nachdem sich Rasmussen immer mehr in Unwahrheiten verstrickt hatte und zuletzt bei seinem Etappensieg auf dem Col d'Aubisque sogar bereits vereinzelte Pfiffe zu hören bekam. Auslöser für den letztendlichen Ausschluss soll niederländischen Medienberichten zufolge die Aussage des ehemaligen Radfahrers und heutigen Journalisten Davide Cassani sein, der angab, er habe Rasmussen in den Dolomiten gesehen als dieser nach eigenen Aussagen eigentlich in Mexiko hätte sein müssen. Cassani habe Rabobank über diesen Umstand in Kenntnis gesetzt, worauf die Teamleitung Rasmussen zunächst suspendierte und heute entließ.

Viele fragen sich sicherlich, warum dieser Ausschluss so lange auf sich hat warten lassen. Rasmussen wurde zwar nicht positiv getestet, ist aber aufgrund seines Versteckspiels, seiner Unwahrheiten und fadenscheinigen Beteuerungen immer tiefer gesunken, so dass er mehr als nur unter starkem Dopingverdacht stand und für die Tour im Grunde nicht mehr tragbar war.
Dass der direkte Grund für seinen Ausschluss nicht durch die UCI oder die Tour-Direktion ausgesprochen wurde, sondern aufgrund eines befürchteten Imageverlustes des Sponsors Rabobank, ist zwar nicht der ehrenwerteste Anlass, den man sich für Rasmussen's Ausschluss gewünscht hatte, aber letztendlich zählt das Ergebnis: Das "Hühnchen" fährt nicht mehr.

Dass nun anstelle von Rasmussen der Spanier Alberto Contador in das Gelbe Trikot geschlüpft ist, muss aber dennoch als ein Übel angesehen werden, aber vielleicht doch eher als das kleinere von beiden.
Auch um Contador brauen sich die Dopinggerüchte immer stärker zusammen, und wir warten lieber ab, ob der junge Spanier tatsächlich auf die Champs Elysees einbiegen und Paris erreichen wird. Eine Prognose in diesen Tagen abzugeben, wäre sehr gewagt.
Alberto Contador ist durch seine Verstrickung in die Dopingaffäre um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes, seinen ehemals engen Kontakt zu Manolo Saiz, seiner ehemaligen Zugehörigkeit zum Rennstall Liberty Seguros und seiner deutlichen Leistungsexplosion während der letzten Wochen, ebenfalls unter Dopingverdacht. - Gibt es also trotz Rasmussen's Ausschluss doch einen zweifelhaften Sieger der Tour de France 2007?!

Nun, dieses bleibt abzuwarten. Noch kann viel passieren, zudem wartet am Samstag noch ein 55.5km langes Einzelzeitfahren auf die Radprofis.
Fest steht aber schon jetzt, dass das Endergebnis der diesjährigen Tour im Vergleich zu allen vorangegangenen Frankreichrundfahrten deutlich an Bedeutung einbüßen wird. Was nützt ein Tour-Sieg, was nützt eine Top-Ten-Platzierung, wenn reihenweise Mannschaften aus der Tour ausscheiden und ehemalige Favoriten so um ihre mögliche Siegchance gebracht werden oder gar positiv getestet werden bzw. anderweitig auffallen?!

Zum Abschluss sei noch erwähnt, dass die heutige Etappe von dem italienischen Lampre-Fahrer Daniele Bennati im Spurt einer Ausreissergruppe gewonnen wurde. Der Deutsche Markus Fothen von Gerolsteiner wurde Zweiter, Jens Voigt von CSC Vierter. - Sportliche Notizen, die Angesichts des Unwetters, das zur Zeit über den Radsport hinweg fegt, leider nur noch Randerscheinungen sind ...

Dienstag, 24. Juli 2007

Vinokourov positiv getestet - Tour eine Farce

Nun ist die Tour endgültig am Boden: Alexander Vinokourov wurde nach seinem Sieg beim Einzelzeitfahren auf der 13. Etappe positiv getestet!
Dem ehemaligen Kapitän der Astana-Equippe wurde eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen. - Astana stieg nach Bekanntwerden dieses positiven Dopingbefundes mit sofortiger Wirkung aus der Tour aus. Damit ist auch für die letzte deutsche Hoffnung, Andreas Klöden, die Tour beendet.
Die diesjährige Tour de France, die einen Neuanfang im Profiradsport darstellen sollte, hat endgültig den k.o.-Schlag erhalten!

Man fragt sich: Was kommt noch alles? - Der Träger des Gelben Trikots, Michael Rasmussen, steht unter akutem Dopingverdacht und hätte den UCI-Statuten zufolge eigentlich gar nicht an den Start der Tour gehen dürfen, fährt aber noch immer.
Alberto Contador, Zweiter der Tour-Gesamtwertung hinter Rasmussen, ist in die Affäre um den mutmaßlichen Dopingarzt Fuentes verwickelt und darf nur aufgrund einer Kronzeugenregelung fahren. - Dass er ausgesagt hat, ist jedoch der Öffentlichkeit nicht bekannt.
Beide, Rasmussen und Contador, haben die letzten Anstiege auf den ersten beiden Pyrenäen-Etappen in fast unmenschlichem Tempo bezwungen, das mehr als nur daran zweifeln lässt, dass ihre Leistung sauber erbracht ist.
Von Patrik Sinkewitz wurde nach seinem verletzungsbedingten Tour-Ausstieg eine positive A-Probe, entnommen am 8. Juni während der Tour-Vorbereitung, veröffentlicht. ... - Dieses alles hätte schon genügt, die Tour de France endgültig zur Tour de Farce werden zu lassen, aber nun auch noch das:

Der zweifache Etappensieger und im Vorfeld als der große Favorit gehandelte Kasache Alexander Vinokourov ist positiv getestet!
Bereits gestern kamen Zweifel auf, ob ein solcher Formanstieg, den er mit seinem Sieg auf der zweiten Pyrenäen-Etappe gezeigt hatte, nachdem er Tags zuvor eingebrochen war und auch in den Alpen nicht mit den Spitzenfahrern mithalten konnte, mit ehrliche Mitteln erreicht werden kann... - Nun, das Ergebnis der gestern entnommenen Dopingprobe steht noch aus, aber bereits jetzt steht fest, dass alles nur noch eine Farce ist. Vinokourov's Einzelzeitfahren, bei dem er die übrige Konkurrenz geradezu in Grund und Boden gefahren hat, ist nicht mehr als das Ergebnis von Doping!
Warum die Tour noch weiter fortsetzen? Sollte die Tour-Direktion nicht dem Beispiel von Vinokourov's Rennstall Astana folgen und die Tour abbrechen?!

Montag, 23. Juli 2007

Rasmussen zunehmend unter Druck

Michael Rasmussen vom Team Rabobank hat auf den ersten beiden Pyrenäen-Etappen seine Führung im Gesamtklassement der Tour de France weiter gefestigt. Nachdem er auf der gestrigen Etappe zeitgleich mit Tagessieger Alberto Contador den Zielstrich überquerte, holte er sich heute, ebenfalls zeitgleich mit Contador, den 11. Rang.
An beiden Tagen konnte er die Mitfavoriten um Andreas Klöden und Cadel Evans distanzieren.

Ob dieser Erfolg allerdings tatsächlich etwas wert ist, darf mit Recht angezweifelt werden. Immer stärker wird der Druck auf Rasmussen, immer enger scheint sich das Netz, ihn des mutmaßlichen Dopings oder zumindest der unerlaubten Abwesenheit zu überführen zu ziehen - einzig, der Rabobank-Fahrer sitzt noch immer im Sattel. Ein Umstand, der immer mehr auf Unverständnis stößt.
Es scheint inzwischen erwiesen, dass Rasmussen wiederholt seiner Meldepflicht nicht nachkommen ist und ebenfalls desöfteren zu Dopingkontrollen nicht angetroffen wurde.
Dass er zusätzlich gerade im Juni, wenn der letzte Fein-Schliff für die Tour-Form erfolgt, außerplanmäßig und nicht ordnungsgemäß abgemeldet in Mexiko weilte, lässt tief blicken.
Zudem hätte die UCI schon längst Grund dazu gehabt, ihn ein drittes Mal zu verwarnen, was gleichbedeutend wäre mit einer dreimonatigen Dopingsperre. Warum allerdings die UCI noch nicht gehandelt hat, ist nicht ersichtlich. Vielmehr scheint es, dass der Weltradsportverband seinen eigenen Regeln nicht nachkommt. Ein solches Verhalten der UCI gerade in diesen mehr als nur kritischen Zeiten, in denen der Radsport an einem ganz wichtigen Wendepunkt steht, ist nicht nachvollziehbar!
Auf ebensolches Unverständnis stößt das Verhalten von Rasmussen's Team Rabobank. Nach dem Ehrenkodex der Pro Tour-Teams hätte das holländische Team seinen Kapitän schon längst aus dem Rennen nehmen müssen. Dass dieses nicht geschehen ist, wirft auch auf Rabobank nicht das beste Licht.

In ganz schlechtem Licht steht in jedem Fall Michael Rasmussen selbst. Nach Floyd Landis droht es binnen von zwei Jahren einen zweiten Tour-Sieger zu geben, der mittelbar oder unmittelbar mit Doping in Zusammenhang steht. - Etwas schlimmeres kann dem Radsport eigentlich nicht passieren!
Daher kann man nur wünschen, dass die UCI-, Tour- und Rabobank-Verantwortlichen Rasmussen endlich das weitere Startrecht bei der Tour absprechen.

Rein sportlich betrachtet hat sich hinter Rasmussen Alberto Contador von Discovery Channel zum ärgsten Konkurrenten des Dänen entwickelt. Der im Weißen Trikot des besten Jungprofis fahrende Spanier war der einzige, der Rasmussen bei den vergangenen beiden Etappen am letzten Berg folgen konnte. Da allerdings auch Contador mit dem Dopingarzt Fuentes in Zusammenhang gebracht wird, ist auch seine Leistung kritisch zu beurteilen.
Alle anderen Favoriten, mögen sie nun Andreas Klöden, Cadel Evans oder auch Levi Leipheimer heißen, konnten dem davon stürmenden Duo Rasmussen/ Contador nicht folgen und büßten weitere Zeit ein.
Auf Platz 3 hinter Rasmussen und Contador liegt derzeit der Australier Cadel Evans mit 4:00 Minuten Rückstand. Andreas Klöden fiel am gestrigen Tag auf den fünften Platz in der Gesamtwertung hinter den US-Amerikaner Levi Leipheimer zurück, er hat nun 5:34 Minuten Rückstand auf Rasmussen sowie 9 sec auf Leipheimer.

Auf der gestrigen ersten Pyrenäen-Etappe hatte sich zudem Alexander Vinokourov endgültig aus dem Kreis der Tour-Favoriten verabschiedet. Hatte der Kasache am Samstag das Zeitfahren noch dominiert, brach er am Sonntag völlig ein und kam 28:50 Minuten nach Contador und Rasmussen ins Ziel.
Da der ehemalige Astana-Kapitän keine Gefährdung mehr für das Gesamtklassement darstellte, ließen ihn die Favoriten heute fahren. Vinokourov nutze seine Chance und fuhr seinen zweiten Tageserfolg ein.
Verwundern tut zwar auch diese Leistungsschwankung, aber bei dem Kasachen ist man eine solche Berg- und Talfahrt aus den vergangenen Tour's eigentlich schon gewohnt. - Hoffentlich heißt der Grund nicht: Doping.
Aber wir wollen an dieser Stelle nicht über Alexander Vinokourov spekulieren, vielmehr sollte man für das Fortbestehen der Profisportart Radsport wünschen, dass Michael Rasmussen endlich mit sofortiger Wirkung aus der Tour de France ausgeschlossen wird!

Samstag, 21. Juli 2007

Vinokourov triumphiert beim Einzelzeitfahren in Albi

Alexander Vinokourov ist nach seinem bislang eher bescheidenen Auftreten bei der diesjährigen Tour de France auf der heutigen Etappe wie Phönix aus der Asche gestiegen!
In beeindruckender Manier, als ob er nie durch die auf der 5. Etappe zugezogenen Knieverletzungen zurückgeworfen worden wäre, spulte er die 54 km des ersten langen Einzelzeitfahrens der Tour ab und hatte am Ende über eine Minute Vorsprung auf den Zweiten des heutigen Tages.
Diesen Platz nahm ein wenig überraschend der bisherige Vierte der Gesamtwertung, Cadel Evans von Predicto-Lotto, ein, der dadurch seine Ambitionen in der Gesamtwertung untermauern konnte.

Vielmehr war im Vorfeld mit dem neuen Astana-Kapitän Andreas Klöden gerechnet worden. Nicht wenige Fachleute waren der Ansicht, dass der Wahl-Schweizer dieses erste Einzelzeitfahren der Tour dominieren würde und nach Abschluss der Etappe den ersten Platz in der Gesamtwertung würde inne haben.
Dass es nicht soweit kam, lag zum einem an seinem wiedererstarkten Teamkollegen Vinokourov und zum anderen am Sturzpech des Cottbusers selbst. Andreas Klöden kam leider zum zweiten Mal auf der Großen Schleife zu Fall und zog sich dabei nicht nur blutige Schürfwunden zu, sondern verlor auch wichtige Sekunden um den Tagessieg und den Kampf ums Gelbe Trikot. Klöden war auf regennasser Fahrbahn ausgeglitten, und es dürfte ihn wohl kaum trösten, dass er heute in bester Gesellschaft war, derartige Stürze betreffend, da beispielsweise kein geringerer als Zeitfahrweltmeister und Prologsieger Fabian Cancellara und sein Team-Kollege Andreij Kaschechkin ebenfalls gestürzt waren.
Klöden brauchte ein wenig, um wieder ins Rennen zu finden, kam jedoch dennoch mit der drittbesten Zeit im Ziel an, 1:39 Minuten hinter seinem Teamgefährten Vinokourov.
Den Astana-Triumph komplettierte der ebenfalls gestürzte Kasache Kaschechkin als Vierter mit nur 5 sec Rückstand auf Klöden.

Ein sehr gutes Zeitfahren absolvierte ebenfalls T-Mobile-Profi Linus Gerdemann, der auf dem 13. Rang liegend 3:09 Minuten Rückstand auf den Spitzenreiter hatte. Mit diesem guten Aufreten konnte sich der Münsteraner zudem auf den 13. Rang der Gesamtwertung verbessern.
Im Kampf um das Weisse Trikot des besten Jungprofis büßte er im Vergleich zum derzeit Führenden in dieser Wertung, dem Spanier Alberto Contador von Discovery Channel, zwar weitere ca. 50 sec ein, absolviert aber dennoch eine sehr gute Tour.

Bleibt nun noch die Frage, wie sich der Träger des Gelben Trikots und die weiteren Favoriten bzw. im Vorderfeld der Gesamtwertung bislang Platzierten bei diesem Einzelzeitfahrens verkaufen konnten.
Während die bislang Zweiten und Dritten der Gesamtwertung, die Spanier Alejandro Valverde und Ivan Majo, mit über 6 Minuten Rückstand auf den Tagessieger Vinokourov einkamen und damit in der Gesamtwertung auf die Ränge 11 und 12 abrutschten, fuhr der Mann in Gelb, Michael Rasmussen, ein für seine Verhältnisse erstaunlich gutes Zeitfahren.
Der Däne, der immer mehr in die Kritik gerät und von dem nicht nur aus dem Fahrerlager gefordert wird, dass er von der Tour ausgeschlossen wird, fuhr das Zeitfahrens seines Lebens.
Der ehemalige Mountenbiker, der bekanntermaßen nicht als der beste Zeitfahrer gilt, überholte sogar den 3 Minuten vor ihm gestarteten Valverde und hatte im Ziel auf Rang 11 nur 2:54 Minuten Rückstand auf Vinokourov. Damit konnte er das Gelbe Trikot einmal mehr verteidigen, womit im Vorfeld der heutigen Etappe kaum jemand gerechnet hatte.
Der Däne liegt nun 1:00 Minuten vor Cadel Evans. Auf den dritten Platz verbesserte sich Alberto Contador mit nun 2:31 Minuten Rückstand auf die Spitze, nur 3 sec dahinter liegt Andreas Klöden als Vierter in Lauerstellung. Klödens Astana-Team-Kollege Kaschechkin und der US-Amerikaner Levi Leipheimer folgen auf den Plätzen.
Alexander Vinokourov konnte sich mit seinem Tageserfolg auf Rang 9 der Gesamtwertung verbessern, hat mit 5:10 Minuten aber immer noch einen deutlichen Rückstand auf die Spitze.

Dass Michael Rasmussen nach Abschluss der heutigen Etappe immer noch auf Platz 1 liegt, erstaunt sehr, wie bereits erwähnt. Nicht wenigen ist sicherlich noch sein Zeitfahren von St. Etienne von vor zwei Jahren in Erinnerung, bei dem er mehrfach stürzte und am Ende einen sehr großen Rückstand im Ziel hatte, der ihm den Platz auf dem Podium in Paris kostete. - Und dieser Fahrer soll plötzlich das Zeitfahren gelernt haben?
Natürlich beflügelt ein Gelbes Trikot, aber angesichts der UCI-Verwarnungen wegen seinem Nicht-Nachkommen der Meldepflicht und seinem Ausschluss aus der dänischen Nationalmannschaft, müssen Spekulationen erlaubt sein.
Hat Rasmussen seine heutige Leistung tatsächlich mit ehrlichen Mitteln erreicht? Man möchte es wünschen, glauben kann man es hingegen nicht so recht.
Man darf gespannt sein, was in den nächsten Tagen mit und um Michael Rasmussen geschieht. Leider steht somit wieder einmal nicht nur der sportliche Aspekt des Radsports im Vordergrund, sondern vielmehr mögliche bzw. tatsächliche Dopingfälle von Radprofis.
Morgen geht es zunächst aber in die Pyrenäen, und mit zwei Anstiegen der höchsten Kategorie zum Schluss der Etappe, die mit der Bergankunft in Plateau-de-Baille endet, dürfte es wieder spannend werden in der Gesamtwertung.
Mit Spannung darf ebenfalls erwartet werden, ob Rasmussen diese Etappe in Angriff nehmen darf.

Doping überschattet Tour de France erneut

Zunächst brachte die positive A-Probe von T-Mobile Profi Patrik Sinkewitz vor allem die Radsportwelt in Deutschland und die von Team-Sponsor T-Mobile in's Wanken, dann kam am Donnerstag die Meldung des Dänischen Radsportverbandes, dass der derzeitig Gesamtführende Michael Rasmussen aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden sei, hinzu. - Das Thema Doping und die Tour de France 2007 scheinen in diesem Jahr nicht voneinander zu trennen zu sein.

Eine von Patrik Sinkewitz, der eigentlich für die junge, neue, saubere Mannschaft von T-Mobile stehen sollte, entnommene Dopingprobe während eines Trainingslagers in der Pyrenäen
am 8. Juni ist positiv! Dieses gilt zumindest für die A-Probe, aber kaum jemand bezweifelt, dass auch die B-Probe, deren Öffnung Sinkewitz inzwischen beantragt hat, ebenfalls positiv ist.
Demnach hat Sinkewitz mit Testosteron gedopt, wie schon Matthias Kessler vor ihm, der auch kürzlich überführt wurde.

Die Bekanntgabe der positiven A-Probe Sinkewitz' löste eine wahre Lawine aus: ARD und ZDF beendeten mit sofortiger Wirkung ihre Live-Berichterstattung der Tour de France, die Diskussionen um die weitere Unterstützung von T-Mobile und Gerolsteiner im Radsport brandete erneut auf, beinahe jeder Kenner und Nicht-Kenner der Szene meinte, seine Meinung Kund tun zu müssen, ja selbst die Straßenrad-Weltmeisterschaft im September in Stuttgart steht auf der Kippe ... - Es ist nichts mehr so wie es war ...
In der Tat ist diese positive Dopingprobe mehr als nur ein einfacher Dopingfall. Gerade T-Mobile stand für den Umschwung im Radsport, sprach vom gläsernen Athleten und dass alles getan werde, den Radsport doping-frei zu machen. Und nun steht gerade T-Mobile da mit dem Dopingfall Sinkewitz - sicher mehr als nur schlecht für das Image des Teams und auch des Sponsors, noch mehr kommt die Frage auf: Wem und vor allem was kann man noch glauben? Der dopingfreie Radsport ist und bleibt eine Illusion, zumindest für die kommende Zeit. Denn so vehement T-Mobile, Gerolsteiner & Co. sich in den letzten Monaten auch für einen Umschwung hin zum Radsport ohne Doping eingesetzt haben, es ist spätestens jetzt klar, dass eine solche Veränderung nicht binnen von Monaten möglich ist. Wie soll man erwarten, dass Sportler, die womöglich bereits jahrelang dopen, sich plötzlich davon überzeugen lassen, nur noch sauber zu fahren?! - Das ist sicher ein Prozess, der lange dauert.
Das Konzept von T-Mobile auf junge Fahrer zu setzen ist sicher richtig, aber ein Patrik Sinkewitz gehörte wider aller Beteuerungen in den vergangenen Wochen nicht dazu! Dabei war der 26jährige Radprofi in der Vergangenheit immer wieder aufgefallen, nicht zuletzt seine Verpflichtung beim ehemaligen Mapei-Team, für das er mehrere Jahre fuhr und das inzwischen auch in das Kreuzfeuers des jahrelangen, planmäßigen Dopings geraten ist, hätte Zweifel aufkommen lassen müssen.

Man kann nur hoffen, dass T-Mobile die Fortsetzung seines Engagement im Radsport beschließt, denn die Ansätze bei T-Mobile gegen Doping anzukämpfen, sind sicher nicht schlecht. Schlimm wäre, wenn durch die Überführung von Sinkewitz das alles in Frage gestellt werden würde.

In Frage gestellt werden darf auch der Rückzug von ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung der Tour. Sicherlich ist es korrekt, dass der Radsport zum großen Teil von den Finanzen lebt, die durch Fernseh-Übertragung und Werbeauftritte gewonnen werden, und dass Doping weniger reizvoll wäre, wenn die Einnahmen sinken und weniger Geld im Spiel sein würde. Ob dieses aber durch den Rückzug von ARD und ZDF erreicht werden kann, ist mehr als fraglich.
Sicher haben die Fernsehanstalten damit ein Zeichen gesetzt, das aber im Grunde spätestens dann verpufft war, als der Privatsender SAT1 die Live-Übertragungsrechte erwarb, und schon am Donnerstag auf Sendung war. Da zudem Eurosport ebenfalls live von der Tour berichtet, ist die Medienpräsenz dennoch gegeben, und man fragt sich, ob der Rückzug von ARD und ZDF wirklich sinnvoll ist.
Jeder Zuschauer, der einigermaßen im Bilde ist, ist sich dessen bewusst, dass im Sport gedopt wird, nicht nur im Radsport, nein auch in der Leichtathletik, im Schwimmen, im Langlauf ... , um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Aber Sportsendungen werden dennoch mit großem, in den letzten Jahren sogar wachsendem Interesse verfolgt. Von daher ist die Haltung vieler zu verstehen, die den Rückzug der beiden öffentlichen Sender nicht begrüßen, sondern sich in gewissem Maße betrogen fühlen. Eine kritische Fortsetzung der Berichterstattung wäre möglicherweise angemessener gewesen, aber die Verantwortlichen der beiden großen Fernsehanstalten waren anderer Meinung.

Aber nicht nur das T-Mobile-Team um Patrik Sinkewitz ist in den letzten Tagen in den Verruf geraten. Nein, auch der Träger des Gelben Trikots, Michael Rasmussen.
Laut wurden die Stimmen, stark rauschte es im Blätterwald, als der Dänische Radsportverband verkündete, Rasmussen aus dem Nationalmannschafts-Kader für die WM in Stuttgart und die Olympischen Spiele in Peking im kommenden Jahr gestrichen zu haben.
Der derzeitige Träger des Gelben Trikots war mehrfach seiner Meldepflicht gegenüber der UCI nicht nachgekommen. Da nach UCI-Statuten Radprofis ihren Aufenthaltsort der UCI für mögliche Dopingtests melden müssen, hatte die UCI Rasmussen bereits am 29. Juni offiziell gewarnt. - Nun reagierte der dänische Radsportverband.

Aber auch hier kommen Fragen auf: Es heißt, dass die UCI eigentlich Grund gehabt haben soll, Rasmussen bereits dreimal wegen Nicht-Antreffens bzw. wegen nicht Nachkommens der Meldepflicht hätte verwarnen müssen. Dieses ist offensichtlich nicht geschehen. Denn dann wäre der Däne automatisch drei Monate gesperrt worden, und hätte erst gar nicht bei der Tour de France an den Start gehen dürfen.
Desweiteren hat der Dänische Radsportverband Rasmussen bereits am 26. Juni mitgeteilt, dass dieser nicht mehr im Nationaltrikot fahren dürfe.
Nun darf die Frage erlaubt sein, warum dieses alles erst jetzt an die Öffentlichkeit getragen wird? Mitten während der zweiten Tour-Woche, wo Rasmussen tagtäglich als Träger des Gelben Trikots im Fokus steht?
Antworten auf diese Fragen wären sehr willkommen, auch darauf, ob die UCI tatsächlich ihren eigenen Regeln nicht vollständig nachgekommen ist. Denn so, wie dieser Fall derzeit in der Öffentlichkeit dargestellt wird, kommen Zweifel auf, ob auch bei der UCI alles sauber läuft.
Natürlich, dieses sind nur Vermutungen und Fragen, die aber nicht ohne Grund aufgeworfen werden.

Vor diesem Hintergrund leidet der sportliche Aspekt der Tour de France einmal mehr. Sicher wurde am Donnerstag der erste Sieg eines südafrikanischen Radprofis, von Robert Hunter vom Team Barloworld in Montepellier ebenso bejubelt wie der gestrige Erfolg des ehemaligen Weltmeisters Tom Boonen, der Erik Zabel am Schluss der 12. Etappe in Castres nur knapp schlagen konnte, aber man hat den Eindruck, dass das Thema Doping im Radsport momentan fast wichtiger ist ...

Montag, 16. Juli 2007

Rasmussen nach erfolgreicher Flucht mit Gelbem und Gepunktetem Trikot belohnt

Die 8. Etappe von Le Grand-Bornand hinauf nach Tignes stand ganz im Zeichen des letztjährigen Bergkönigs der Tour, dem Dänen Michael Rasmussen.
Mit zunächst weiteren Mitstreitern hatte der Rabobank-Fahrer sich aufgemacht, auf dem Weg über zwei Berge der ersten Kategorie hinauf zum Skiort Tignes wichtige Punkte für die Verteidigung des Bergtrikots zu sammeln, das er in den vergangenen zwei Jahren gewinnen konnte. Auf den letzten steilen Kilometern demonstrierte der ehemalige Mountenbike-Fahrer dann seine Kletterkünste und bewies so, dass auch in diesem Jahr der Gewinn des Gepunkteten Trikots nur über ihn gehen kann.
Im Ziel hatte Rasmussen einen so deutlichen Vorsprung, dass er nicht nur das Bergtrikot, sondern auch das Gelbe Trikot erobern konnte!
Zweiter wurde der Spanier Ivan Mayo mit 2:47 Minuten Rückstand. Als Dritter konnte Alejandro Valverde zwar einiges auf seine direkten Konkurrenten gut machen, hatte im Vergleich zu Rasmussen aber auch das Nachsehen.

Die Taktik des Astana-Rennstalls dürfte wohl so manchem Zuschauer der gestrigen Etappe ein Rätsel gewesen sein. Mit Andreij Kashechkin hatten sie einen Fahrer in der Valverde-Gruppe, der seine Aufgabe gut machte und zusammen mit der spanischen Tour-Hoffnung das Ziel erreichte.
Seine Teamkollegen Andreas Klöden und Alexander Vinokourov konnten dieser Gruppe bereits nicht mehr folgen und waren abgehängt. Dabei sah vor allem Klöden nicht so schlecht aus, er konnte zusätzliche Kräfte mobilisieren und durch harte Tempoarbeit am Berg den Abstand auf die Valverde-Gruppe ein wenig verringern. Je näher der Gipfel aber kam, desto schwerer wurden die Beine bei Alexander Vinokourov - er musste abreißen lassen. Dass Andreas Klöden sich in dieser Situation nun zu Vinokourov zurückfallen ließ und damit wertvolle Zeit in der Gesamtwertung auf seine direkten Konkurrenten verlor, war wohl den meisten unverständlich. Vinokourov wusste es Klöden zwar direkt nach der Zieldurchfahrt zu danken, dass er so nur ca. 1/2 Minute zusätzlich verlor, aber ob diese Taktik von Astana wirklich sinnvoll war, darf mehr als nur in Frage gestellt werden.
Klöden liegt nun auf dem 13. Rang der Gesamtwertung, 3:46 Minuten hinter Michael Rasmussen und knapp eine Minute hinter Majo und Valverde. - Dieser große Rückstand wäre vermeidbar gewesen, möchte man meinen.
Zudem liegt Vinokourov lediglich auf Rang 22 und besitzt mit 5:23 Minuten einen weitaus größeren Rückstand auf die Spitze als Klöden, der Kasache bräuchte in jedem Fall einen wirklich guten Tag, um aufzuschließen. Ob ihm dieses allerdings angesichts seiner Verletzungen gelingen wird, ist mehr als fraglich. - Man kann wirklich gespannt sein, wie sich das Duo Klöden-Vinokourov auf der morgigen Alpenetappe über das Dach der Tour, den 2770 m hohen Col de l'Iseran, und über den gefürchteten Col du Galibier verhalten wird...

Bester Deutscher in der Gesamtwertung ist aber nach wie vor der T-Mobile Fahrer Linus Gerdemann, mit 43 sec Rückstand auf Rasmussen.
Gerdemann musste zwar leider schon einem Tag nach seinem überraschenden und beeindruckenden Sieg in Le Grand-Bornand das begehrte gelbe Leibchen wieder abgeben, hat aber mit seinem gestrigen Auftritt bewiesen, dass sein Sieg auf der vorherigen Etappe keine Eintagsfliege war. Der Münsteraner musste erst am Schlussanstieg abreißen lassen und kam mit beachtlich kleinem Rückstand von 5:05 Minuten auf Rasmussen ins Ziel und lag damit nur 34 sec hinter Klöden & Co.

Sonnte sich T-Mobile am französischen Nationalfeiertag noch im Erfolg Gerdemann's, war das Team auf der Etappe nach Tignes vom Pech verfolgt: Der etatmäßige Sprinter Mark Cavendish musste während der Etappe ebenso aufgeben, wie der gestürzte Kapitän Michael Rogers, der bis zu diesem Zeitpunkt noch aussichtsreich im Rennen lag.
Auf dem Weg vom Ziel in das Mannschaftshotel kam es noch heftiger, als Patrik Sinkewitz einem Zuschauer nicht mehr ausweichen konnte und in ihn hineinfuhr. Beide erlitten heftige Verletzungen, und Sinkewitz musste die Tour nach erlittener Mittelgesichtsfraktur, Schädeltrauma, Schulter und Knie-Verletzung sowie weiteren Gesichtsverletzungen aufgeben. Der angefahrene Luxemburger musste ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Das verbliebene Rumpfteam, das in den verbleibenden 2 Tour-Wochen von Axel Merckx angeführt wird, dürfte sich über den heutigen Ruhetag gefreut haben, um nicht nur die geschundenen Körper zu regenerieren, sondern um auch die neue Team-Taktik zu besprechen.

Samstag, 14. Juli 2007

Linus Gerdemann triumphiert auf erster Alpenetappe und fährt ins Gelbe Trikot

Linus Gerdemann vom T-Mobile-Team hat mit einer couragierten Fahrt seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France errungen!
Und nicht nur das: Der 24jährige Münsteraner hat gleichzeitig das Gelbe Trikot des Führenden in der Gesamtwertung übernommen. - Ein großer Erfolg nicht nur für den Tour-Neuling, sondern auch für seinen Rennstall T-Mobile, der für die Gesamtwertung eigentlich auf den Australier Michael Rogers setzt(e).

Auf der Fahrt hinein in die Alpen konnte sich wie erwartet eine Verfolgergruppe absetzen, die aus 15 Fahrern bestand, unter ihnen neben Gerdemann mit Fabian Wegmann von Gerolsteiner ein zweiter Deutscher. Diese gut harmonierende Gruppe kam maximal auf einen Vorsprung von etwa 8 1/2 Minuten auf das Hauptfeld und ging geschlossen in den Aufstieg des ersten Alpenriesen, dem zur 1. Kategorie zählenden Col de la Colombière, der sich 13 km vor dem Ziel in Le Grand-Bornand dem Fahrerfeld in den Weg stellte.
Nun fielen immer mehr Fahrer aus dieser Verfolgergruppe raus.
Die deutschen Radsport-Fans dürfte es gefreut haben, dass sich Linus Gerdemann zunächst zusammen mit dem Kazachen Dimitri Fofonov von seinen ehemaligen Mitstreitern absetzen konnte. Dem Crédit Agricole-Fahrer wurden aber schon bald die Beine schwer, so dass Gerdemann auf sich allein gestellt war. - Und der junge T-Mobile-Profi machte seine Aufgabe erstklassig!

Etwa einen Kilometer vor dem Gipfel war klar, dass das Hauptfeld, in dem sich zu diesem Zeitpunkt noch alle großen Tourfavoriten befanden, nicht mehr auf Gerdemann würde auffahren können, wenn der Münsteraner nicht einbrechen würde, was ihm nicht passierte. So war der Euskatel-Fahrer Inigo Landaluze nun sein ärgster Verfolger, der ihn aber auch nicht mehr erreichen sollte. - Der Etappensieg war perfekt!
40sec hinter Linus Gerdemann kam Landaluze ins Ziel, das Hauptfeld mit den großen Tourfavoriten hatte einen Rückstand von 3:38 Minuten, mit dabei Andreas Klöden und Alexander Vinokourov vom Astana-Team, die trotz ihrer Verletzungen mithalten konnten. Nicht wenige hatten damit gerechnet, dass der erste schwierige Alpenanstieg für die beiden nicht im vorderen Feld zu schaffen sein würden. Aber die Astana-Kapitäne haben sich durchgebissen, dennoch bleibt es abzuwarten, wie sie die morgige schwere Alpenetappe mit der Bergankunft in Tignes überstehen werden.

Morgen wird es sich auch zeigen, wie Gerdemann seine Flucht wegstecken kann. - Kommt er morgen wiederum im vorderen Feld ins Ziel, ist in der Gesamtwertung ernsthaft mit ihm zu rechnen.
Darüber dürfte sich der 24jährige jedoch heute keine Gedanken mehr gemacht haben. Überglücklich ließ er sich nicht nur für seinen Etappensieg feiern, sondern konnte auch erstmals in seiner Karriere das Gelbe Trikot und auch das Weiße Trikot des besten Junpgprofis überstreifen. - Hoffen wir, dass dieser Erfolg mit ehrlichen Mitteln errungen wurde. Gerdemann steht für die junge neue Garde, mit der T-Mobile den Neuanfang ohne Doping propagiert hatte. - Man möchte es so gerne glauben!

In der Gesamtwertung führt Gerdemann nun 1:24 Minuten vor dem heutigen Zweiten Landaluze von Euskaltel.
Andreas Klöden liegt mit 3:39 Minuten hinter Gerdemann als Sechster der Gesamtwertung am aussichtsreichsten der Tour-Favoriten, zu denen er trotz seiner Steißbeinverletzung immer noch zu zählen ist.
Auch Alexander Vinokourov liegt noch in Reichweite, wenngleich ihn sein durch seinen Sturz auf der 5. Etappe verursachter Rückstand von 1:24 Minuten sicherlich noch immer schmerzen wird.
Da aber morgen die erste schwere Alpenetappe auf dem Programm steht, kann schon morgen abend die Gesamtwertung erneut komplett auf den Kopf gestellt werden. Für die Spannung wäre dieses sicher schön, für Linus Gerdemann eher weniger. - Warten wir es ab.

Freitag, 13. Juli 2007

Tour de France: Woche der Sprinter endet mit Sieg von Tom Boonen

Die Woche der Sprinter endete bei der Tour de France am heutigen Freitag, den 13. mit einem Sieg des Quick Step-Profis Tom Boonen. Der Weltmeister aus dem Jahr 2005 und große Favorit auf den Gewinn des Grünen Trikots in Paris konnte mit seinem Sprintsieg in Bourg-en-Bresse seinen ersten Tageserfolg bei der diesjährigen Frankreichrundfahrt feiern.
War Boonen auf der 2. Etappe noch eher unplanmäßig hinter seinem etatmäßigen Anfahrer Gert Steegmans Zweiter geworden, konnte er heute über seinen eigenen Tageserfolg jubeln. Mit diesem Sieg entriss Boonen zudem Milram-Profi Erik Zabel das begehrte Grüne Trikot des Punktbesten. Zabel, der erstmals seit fünf Jahren gestern das grüne Leibchen überstreifen durfte, musste es damit nach nur einem Tag wieder abgeben.
Der Unnaer liegt nun mit 9 Punkten hinter Boonen auf dem Zweiten Platz in der Sprintwertung, hat aber dennoch gute Chancen das Grüne Trikot erstmals seit 2001 wieder zu gewinnen. Es wäre dann sein siebter Gewinn, jedoch wird es immer wahrscheinlicher, dass er das 1996 erfahrene Grüne Trikot abgeben muss, da er, wie bekannt, vor einigen Wochen die Einnahme von Epo während der Tour 1996 gestanden hatte. - Hoffen wir, dass Zabel nun tatsächlich sauber fährt. In jedem Fall ist die Verbissenheit der letzten Jahre von ihm gewichen. Heute mag man es ihm glauben, dass er sich so wie heute über einen dritten Platz auch freuen kann. - Früher wäre er vor lauter Enttäuschung nach der Zielankunft kaum ansprechbar gewesen.
Nun, ein Tagessieg ist Zabel bislang noch nicht gelungen, wenngleich er mit den Plätzen 2 und 3 angedeutet hat, dass er mit etwas Glück auch ganz vorne landen kann. Dennoch dürften in den nächsten Tagen andere Fahrer um den Etappensieg fahren. - Morgen geht es in die Alpen, ein Terrain, das den wenigsten Sprintern behagt, wenngleich Zabel traditionell gut über die Berge kommt.

Morgen und vor allem am Sonntag, wo in Tignes die erste Bergankunft auf dem Programm steht, wird die Gesamtwertung mit Sicherheit auf den Kopf gestellt. Und es wird auch sicher die Spitzenposition des Schweizers Fabian Cancellara wackeln. Der seit seinem Prolog-Sieg in Gelb fahrende CSC-Profi konnte zwar auf der 3. Etappe nochmals triumphieren, als er durch einen beherzten Antritt auf den letzten 100 Metern seinen zweiten Tageserfolg feiern konnte, aber er ist bekannter Maßen kein begnadeter Bergfahrer, so dass nun die Stunde der eigentlichen Tour-Favoriten schlagen könnte.
Von diesen liegt Astana-Fahrer Andreas Klöden als Zweiter der Gesamtwertung mit 33sec Rückstand auf Cancellara am aussichtsreichsten. Aber der Cottbuser, der sich in den vergangenen Tagen durch sein Verhalten zum Thema Doping ganz sicher keine Freunde gemacht hat, ist durch einen Sturz geschwächt und es ist fraglich, ob es ihm gelingen wird trotz des gestern erlittenen Haarrisses im Steissbein die Tour bis Paris fortzusetzen.
Klödens Journalisten-Boycott und seine Äußerungen, die Geständnisse von Rolf Aldag und Jörg Jaksche betreffend, haben sicher nicht dazu beigetragen, ihm den sauberen Radsport 100%ig abzunehmen, obwohl er nie verdächtig auffiel. Daher sympathisieren mit dem Bronze-Medaillen-Gewinner von Sydney sicher nicht alle Radsportfans, aber dennoch wünscht man ihm keine solche Verletzung - vor allem bei seiner Vorgeschichte, die ihn bereits einmal zwang die Tour wegen einer Steissbeinverletzung vorzeitig zu beenden. Wünschen wir ihm daher trotz aller unsympathischen und unverständlichen Auftritte während der letzten Wochen alles Gute!
Ebenfalls sehr hart hat es Klödens Team-Kollegen und großen Tour-Favoriten Alexander Vinokourov getroffen. Der Kasache stürzte ebenfalls auf der vorletzten Etappe und zog sich tiefe Fleischwunden an Beinen und Armen zu, so dass er an beiden Knien mit mehreren Stichen genäht werden musste und die heutige Etappe wahrscheinlich nur unter Schmerzen bestreiten konnte.

Vor diesem Hintergrund bleibt abzuwarten, was sich in den nächsten Tagen in der Gesamtwertung tun wird. Ganz sicher wird es spannend werden...

Samstag, 7. Juli 2007

Tour de France: Favoritensieg bei Prolog

Zeitfahrweltmeister Fabian Cancellara von CSC wurde seiner Favoritenrolle gerecht und gewann nach knapp 8 km den Prolog in London. Der Schweizer lag im Ziel 13sec vor dem Mitfavoriten um den Toursieg Andreas Klöden.
Weitere 10sec hinter dem Astana-Fahrer fuhr George Hincapie von Discovery Channel auf den dritten Platz. - Sehr große Zeitabstände für einen Prolog.
Hinter Klöden wurde T-Mobile-Profi Linus Gerdemann als 21. zweitbester Deutscher - ein gelungener Einstand für den Tourneuling. Markus Fothen als 30. sowie Stefan Schumacher als 37. blieben ein wenig hinter den eigenen Zielsetzungen zurück, aber die beiden Gerolsteiner sollten dennoch zufrieden sein.

Die weiteren Favoriten um den Gesamtsieg kamen im geschlagenen Feld an: Alexander Vinokourov wurde mit 30sec Rückstand Siebter, der für den Gewinn des weissen Trikots des besten Jungfahrers favorisierte Alberto Contador hatte auf dem 15. Rang 35sec Rückstand auf Cancellare, womit er noch vor der größten spanischen Hoffnung Alejandro Valverde einkam.

Die große Schleife ist nun also gestartet. Es gab nicht wie im letzten Jahr kurz vor dem Start einen weiteren großen Dopingskandal - Man möchte fast sagen: Gott sei Dank! Denn einen zweiten Skandal von Ausmass der Operation Puerto hätte fast sicher das Ende der Tour bedeutet.
So warten wir ab, was die nächsten Tage bringen werden. Prognosen anzustellen, wird an diese Stelle unterlassen. Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass jederzeit neue Enthüllungen, neue Skandale an die Öffentlchkeit getragen werden können...

Markus Ehning zeigt Größe beim Sieg von Jos Lansink beim CHIO

Bei den "Best of Champions" beim CHIO In Aachen, der Prüfung mit Pferdewechsel, siegte zwar Weltmeister Jos Lansink aus Belgien, eigentlicher Sieger aber war Markus Ehning und der Sport selber.

Kurioses und nie Dagewesenes trug sich an diesem Nachmittag in Aachen zu: Im Finale mit Pferdewechsel traten Marco Kutscher und Markus Ehning, beide aus Deutschland, sowie der brasilianische Olympiasieger Rodrigo Pessoa und Jos Lansink aus Belgien an.
Zunächst schien alles normal zu laufen, die ersten Umritten der Reiter auf dem eigenen Pferd liefen ohne Probleme. Beim zweiten Umritt von Rodrigo Pessoa verweigerte jedoch überraschend des Pferd von Markus Ehning, For Germany, den Dienst, was dem Olympiasieger 24 Strafpunkte einbrachte. Das gleiche Schicksal ereilte den Weltmeister Jos Lansink. Markus Ehning war zuvor auf seinem eigenen Pferd fehlerfrei geblieben. Marco Kutscher hätte auf For Germany das Finale beschließen müssen.
Markus Ehning hatte vor seiner Schlussrunde lediglich 4 Strafpunkte auf seinem Konto und stand kurz davor, einen guten Schlussritt vorausgesetzt, seinen Sieg von 2004 in Aachen zu wiederholen. Aber Ehning zeigte wahre Größe und brach vor dem letzten Hindernis seinen bis dahin fehlerfreien Umritt ab und bekam daher ebenfalls 24 Strafpunke. Er gab damit den sicheren Sieg aus den Händen, da er nicht von dem Unglück seiner Kollegen, das diese auf seinem Pferd erlitten hatten, profitieren, sondern weiterhin einen fairen Wettkampf garantieren wollte. - Hut ab vor einem solch fairen Verhalten!

Am Ende des Finals hatten mit Pessoa, Lansink und Ehning drei Reiter 28 Strafpunkte auf dem Konto. Marco Kutscher hatten seinen letzten Ritt auf For Germany nicht mehr angetreten, da er mit zwei Abwürfen bereits chancenlos zurücklag und das Pferd nicht weiter verwirren wollte.
Da auch Markus Ehning keinen weiteren Ritt auf For Germany riskieren wollte und somit im Stechen nicht mehr antrat, machten Rodrigo Pessoa und Jos Lansink den Sieg unter sich aus. Bei diesem abschließenden Ritt auf eigenem Pferd blieb einzig der Weltmeister Jos Lansink fehlerfrei und sicherte sich somit den Sieg.
Aber eigentlicher Gewinner bei den "Best of Champions" sind Markus Ehning und der Reitsport!

Tour de France startet heute mit Prolog in London

Der 94. Auflage der Tour de France, die am heutigen Samstag mit dem Prolog in London startet, wird mit gemischten Gefühlen entgegen geblickt.

Seitdem direkt vor Start der letztjährigen Tour die Dopingaffäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes aufflog und zahlreiche Fahrer, darunter die Tour-Favoriten Jan Ullrich und Ivan Basso, aufgrund ihrer Verstrickung in diesen Skandal keine Starterlaubnis bekamen, ist es nicht mehr ruhig geworden in der Radsportszenen. - Doping und Radsport gehört in diesen Tagen leider zusammen. Zu viele Doping-Geständnisse ehemaliger und aktiver Radprofis in den letzten Wochen haben den Glauben an einen sauberen Radsport fast im Keim erstickt.
Die UCI, die Tour-Direktion sowie einige Pro-Tour-Teams, allen voran die beiden deutschen Mannschaften T-Mobile und Gerolsteiner, haben reagiert und versucht, die Weichen für einen dopingfreien Radsport zu stellen. - Leider fehlt in einem Großteil der Radsport-(Fan)gemeinde noch der Glaube daran bzw. die Überzeugung, dass dieses tatsächlich möglich ist. Alle 189 haben zwar die Ehrenerklärung, keine Dopingmittel einzusetzen, vor Start der Tour unterschrieben, aber dass auch tatsächlich alle Fahrer mit weißer Weste in die große Schleife gehen werden, darf mit Recht angezweifelt werden. Aber solange keine positiven Dopingproben vorliegen - und alle im Vorfeld von den Startern genommenen waren negativ - gelten die Profis als sauber.

Vor diesem Hintergrund scheint der sportliche Wettstreit der Tour de France an Bedeutung zu verlieren. Noch übertragen die großen deutschen Fernsehanstalten, ZDF und ARD, das Radspektakel auf Frankreichs Straßen, aber sie haben gedroht, sich zurückzuziehen, falls es einen erneuten Dopingskandal gibt. - Und das wäre sicher ein harter, finanzieller Schlag für den Radsport...

Versuchen wir dennoch, die Favoriten der diesjährigen Tour zu benennen: Allen voran ist das Team Astana um die Doppelspitze Alexander Vinokourov und Andreas Klöden zu nennen, das aber leider auch immer wieder mit Doping in Verbindung gebracht wurde, zuletzt durch den positiv getesteten und suspendierten Deutschen Matthias Kessler. Daher vermochte man lange nicht vorherzusehen, wer von diesem Team tatsächlich an den Start gehen wird.
Bei den Buchmachern gilt Vinokourov als erster Anwärter auf den Tour-Sieg. Bedenkt man allerdings, das "Vino" bei fast jeder größeren Rundfahrt immer wieder seine schlechten Tage hat, die ihm einen Rückstand von i.d.R. mehreren Minuten einbringen, erscheint eigentlich Klöden als aussichtsreicherer Favorit. Der in der Schweiz lebende Cottbuser stand bereits zweimal auf dem Podium in Paris und gibt den Gesamtsieg als sein Ziel aus.
Klöden und Vinokourov haben zudem mit dem ehemaligen Giro-Sieger Paolo Salvodelli und dem Kasachen Andrej Kashechkin starke Helfer an ihrer Seite.

Ebenfalls hoch gehandelt um den Tour-Sieg wird Spaniens Hoffnung Alejandro Valverde vom Team Casse d'Epargne. Jedoch muss abgewartet werden, ob der Pro Tour-Sieger des vergangenen Jahres tatsächlich an den Start gehen wird. Ihm wird ebenfalls eine Verstrickung in den Fuentes-Skandal nachgesagt, die allerdings nie richtig geklärt wurde. Ein Pressetermin des Teams endete vor Kurzem in einem Eklat, als der Team-Chef jegliche Fragen zum Thema Doping unterbot und auch Valverde sich auffällig wand.
Unterstützt könnte Valverde von seinem Teamkollegen Oscar Perreiro werden, der die Tour im letzten Jahr hinter dem eigentlich des Doping-überführten Floyd Landis beendete, der aber immer noch darauf wartet, nachträglich zum Gesamtsieger 2006 erklärt zu werden. - Aber auch der Name Oscar Perreiro fiel in der letzten Zeit immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema Doping...

Weiteren Fahrern, wie Levi Leipheimer von Discovery Channel, Carlos Sastre von CSC oder Iban Mayo von Saunier Duval-Prodir werden allenfalls Aussenseiter-Chancen zugesprochen.
Dieses gilt noch viel mehr für die deutschen Starter hinter Andreas Klöden, bei denen Markus Fothen vom Team Gerolsteiner und Patrik Sinkewitz von T-Mobile die besten Chancen für das Gesamtklassemant besitzen dürften, evt. kann Grischa Niermann von Rabobank in diesen Kreis vorstossen.
Jens Voigt wird, wie in den Jahren zuvor, darauf aus sein, in einer Ausreissergruppe erfolgreich zu sein, und Milram-Kapitän Erik Zabel möchte ebenso wie Robert Förster von Gerolsteiner im Sprint triumphieren.

Was aber genau in den nächsten drei Wochen auf den Straßen Frankreichs passieren wird, ist in diesem Jahr so schlecht vorherzusehen, wie vielleicht noch nie in den 104 Jahren Tour-Geschichte.

Freitag, 6. Juli 2007

Gold für Florett-Herren bei EM in Gent

Im Mannschafts-Wettbewerb des Herren-Floretts konnte das deutsche Team den ersten EM-Titel bei diesen Titelkämpfen erringen!
Das Florett-Trio um Weltmeister Peter Joppich, bestehend aus Joppich selbst, Vize-Europameister Benjamin Kleibrink und Christian Schlechtweg hatte dieses Endspiel durch einen 43:36 Sieg gegen Olympiasieger Italien erreicht.
Im Finale hieß der Gegner dann Russland, das Weltmeister Frankreich im Halbfinale ausschalten konnte.

In den 9 Final-Gefechten mussten die drei deutschen Fechter alles geben, um nach einem spannenden Finale das glücklichere Ende für sich zu behalten.
Einen wichtigen Meilenstein zum späteren Sieg legte Benjamin Kleibrink im sechsten Gefecht, in dem er einen zwischenzeitlichen 4-Treffer-Rückstand aufholen und in eine 1 Treffer-Führung verwandeln konnte. So konnte das deutsche Trio in Führung liegend in die letzten drei Gefechte gehen.
Christian Schlechtweg konnte dann bei seinem letztem Auftritt bei dieser EM den Vorsprung um einen Treffer ausbauen, bevor Kleibrink im nächsten Gefecht wieder eine sehr gute Figur machte und mit einem kleinen 40:36-Polster auf Peter Joppich übergab.
Der Weltmeister hatte die schwere Aufgabe, die Führung über die 3 Minuten zu bringen oder als erster die 45-Treffer-Grenze zu erreichen. - Es wurde ein sehr spannendes Duell, der Russe kam Treffer um Treffer heran und lag wenige Sekunden vor Schluss nur noch 42:43 zurück. Dann aber gelang Joppich 3sec vor Schluss der letztendlich entscheidenden Treffer zum 42:44. Der Russe konnte zwar durch einen Blitzangriff noch einen weiteren Treffer setzen, aber den ersten deutschen Mannschaftserfolg seit 5 Jahren dennoch nicht mehr verhindern.