Dienstag, 29. Dezember 2015

Freund siegt in Oberstdorf

Einstand in die Vierschanzentournee nach Maß für Deutschlands Vorzeigespringer: Severin Freund siegt vor dem Österreicher Michael Hayböck und dem großen Favoriten auf den Gesamtsieg, Peter Prevc! - Die Schattenbergschanze von Oberstdorf ist ein einziges schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer!

Nach dem 1. Durchgang noch auf dem 5. Rang liegend waren dem Weltmeister die äußeren Bedingungen beim 2. Durchgang mehr hold, und er sprang bei verkürztem Anlauf, aber guten Windbedingungen 137.5 m weit und kletterte Platz um Platz nach vorne: Die beiden Norweger Fannemel und Forfang, Platz 4 und 2 nach Durchgang 1, fielen genauso hinter den Mann aus Rastbüchl zurück wie Vorjahressieger Stefan Kraft aus Österreich.
Nun saß nur noch einer auf dem Bakken, der den perfekten Start in die Tournee für Freund verhindern konnte: Peter Prevc aus Slowenien. Aber Prevc hatte diesmal weniger Glück mit dem Wind und kam, trotz verlängertem Anlauf, nur auf 130 m. Das reichte nicht für ganz Vorne! Der Topfavorit fiel nicht nur hinter Freund, sondern ebenfalls hinter Michael Hayböck, der heute mit 139.0 m die Tagesbestweite erzielte, zurück.

Richard Freitauf auf Platz 9 sowie Andreas Wank, Andreas Wellinger und Stephan Leyhe mit den Rängen 13 bis 15 komplettierten das gute Abschneiden der deutschen Adler!
Mit diesem guten Ergebnis war nach dem 1. Durchgang, bei dem die deutschen Springer zumeist Pech mit dem Wind hatten, nicht unbedingt zu rechnen. Aber bei Durchgang 2 passte bei den meisten nicht  nur der Wind, nein, auch die Technik klappte besser, so dass die deutschen Adler Lust auf mehr machen!

Wie geht es nun weiter bei der Tournee?
Freund hat nun allerbeste Karten, aber sein wir ehrlich: Noch ist nichts gewonnen, noch ist lediglich ein, wengleich auch sehr wichtiger Schritt von vieren in Richtung Bischofshofen gemacht.
Wie wird Freund damit klar kommen nun der Gejagte zu sein? Es ist für ihn, der außer der Tournee alles gewonnen hat, auch eine neue Situation, denn noch nie durfte er bei einem Tourneespringen auf dem Siegerpodest ganz oben stehen, noch nie stand er an der Spitze der Tourneegesamtwertung.
Noch vor zwei Jahren wären einige Zweifel aufgekommen, ob Freund mit diesem Druck umgehen kann, aber durch die Erfolge bei Olympia und WM in den vergangenen zwei Jahren, hat Freund bewiesen, mit Drucksituationen klar kommen zu können. Hoffen wir, dass dieses auch für die Tournee gilt!

Peter Prevc wird in Garmisch ganz sicher stark zurückkommen, und ein Vorsprung von weniger als 8 Punkten, den Freund auf den Slowenen hat, ist wahrlich nicht viel.
Und auch der Österreicher Michael Hayböck hat die Leistung gebracht, die sich seine Landsleute von ihm erhofft haben: Er hat immer noch die ganz große Chance den achten Gesamtsieg bei der Tournee in Folge für Felix Austria zu erringen.

Ein wenig enttäuscht haben die norwegischen Adler, die zwar 5 Springer unter den Top 10 platzieren konnten, aber mit Anders Fannemel auf Rang 4 das ersehnte Podest verfehlten. Zeigt sich hier, dass die Norweger nach den Rücktritten von Anders Bardal und Anders Jacobsen ein sehr junges, unerfahreneres Team am Start haben?!

Nun, warten wir ab, wie es in Garmisch-Partenkirchen beim Neujahrspringen weitergeht. Spannung ist auf jeden Fall garantiert!

Montag, 28. Dezember 2015

Vierschanzentournee-Auftakt in Oberstdorf

Die Weihnachtsgeschenke sind verteilt, der Festbraten verspeist - es ist wieder einmal Zeit für das größte Sportereignis über den Jahreswechsel: Die deutsch-österreichische Vierschanzentournee!
Bereits zum 64. Mal wird dieser prestigeträchtige Wettbewerb ausgetragen, und einmal mehr stellt sich die Frage: Wie werden die deutschen Adler abschneiden? Haben sie endlich wieder das Zeug für einen Gesamtsieg, den ersten nach Sven Hannawald 2002?

Mit dem amtierenden Weltmeister und Gesamtweltcupsieger des Vorjahres, Severin Freund, dürfte das deutsche Team ein ganz heißes Eisen im Feuer haben. Allerdings galt Freund auch in den letzten Jahren zumindest als Mitfavorit, den Erwartungen konnte er jedoch nie gerecht werden.
Wie wird es nun in diesem Jahr sein? Vermag Freund dem Erwartungsdruck standzuhalten? Er, der bei Olympia und WM bereits beweisen konnte, große Leistungen abrufen zu können, auch wenn Aller Augen auf ihn gerichtet sind, sollte doch eigentlich inzwischen für einen Erfolg bei der Tournee reif sei.
Jedoch bleiben Zweifel, Zweifel, ob er nicht ein ähnliches Schicksal zu erleiden droht, wie der vierfache Olympiasieger Simon Ammann, der trotz grandioser Erfolge bei der Vierschanzentournee nie ganz vorne landen konnte.

Unbenommen ist der Mythos Vierschanzentournee ein anderes Kaliber als WM oder Olympia: Auf vier verschiedenen Schanzen innerhalb von nur acht Tagen sind acht exzellente Sprünge abzuliefern. Nur dann hat man eine Chance, den Gesamtsieg zu erringen.

Während der vergangenen 7 Jahre durften jeweils österreichische Springer den Gesamtsieg bejubeln, zuletzt Stefan Kraft. Kann diesmal ein deutscher Springer in die rot-weiß-rote Phalanx einbrechen? - Zu wünschen wäre es den Mannen von Bundestrainer Werner Schuster!
Neben Freund sollten Richard Freitag und Andreas Wellinger die größten Chancen aus deutscher Sicht haben, aber kann Freitag tatsächlich Konstanz über 4 Springen ableisten und hat Wellinger, der trotz seiner erst 20 Jahre als Wettkampftyp gilt, seinen schweren Sturz bereits vollständig überwunden?
Nun, es bleibt abzuwarten.

Wen sollte man neben den deutschen Adlern auf dem Zettel haben?
Da ist vor allem der slowenische Vorspringer Peter Prevc zu nennen. Prevc scheint inzwischen reif für den ganz großen Coup zu sein.
Dann wären noch die Norweger, bei denen in diesem Jahr nach den Rücktritten von Bardal und Jacobsen mit Forfang und Ganges andere Springer das Sagen haben.

Und was ist mit den Österreichern?
Vorjahressieger Kraft schien noch nicht so recht in Form zu sein, bewies aber mit Rang drei bei der heutigen Qualifikation, dass er pünktlich zum Tourneestart wieder da ist.
Und auch seinem Spezi, Michael Hayböck, ist einiges zuzutrauen.
Die Jungen müssen es in diesem Jahr bei den Alpenländlern wohl richten: Der zweimalige Tourneegesamtsieger Gregor Schlierenzauer ist außer Form, Thomas Morgenstern ist zurückgetreten.

Eines ist aber klar: Wir dürfen uns auf spannenden Wettbewerbe freuen!