Freitag, 27. Januar 2023

Nervenkrimi gegen Ägypten

 Mit einem 35:34 nach der 1. Verlängerung erreicht die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Ägypten das Spiel um Platz 5 bei der Handball-Weltmeisterschaft in Polen und Schweden! Was sich wie ein Erfolg anhört, mutet mehr als Enttäuschung mit Happy End an.
Die deutsche Mannschaft startete furios, ging mit 3 Toren Vorsprung in die Halbzeitpause und zog in Halbzeit 2 auf 8 Tore davon. Etwa 20 Minuten vor Schluss schien alles sicher zu sein: Andi Wolff im Tor mit bärenstarker Leistung, eine Abwehr, die ihren Namen verdiente, und durchsetzungsstark im Angriff wieder mal mit einem genial aufspielenden Juri Knoor. Aber dann verloren die Mannen von Alfred Gislason den Faden und erzielten lediglich 3 Tore in den letzten 15 Minuten. Und so kam es, wie es kommen musste: Ägypten kam Tor auf Tor ran und ging sogar erstmals in Führung. Aber die deutsche Mannschaft rettete sich in die Verlängerung, wo sie mit viel Biss und Willen den Sieg letztendlich doch perfekt machen konnte. Dass dieses gelang, ist der deutschen Mannschaft hoch anzurechnen. Dieser Sieg auf der Zielgeraden sollte Selbstvertrauen geben und für die Zukunft hoffen lassen!
Was der deutschen Handball Nationalmannschaft derzeit noch fehlt, ist die Erfahrung bei großen Spielen und auch die Breite an Top-Spielern, was helfen würde, ein Spiel über 60 Minuten konstant gut zu gestalten. Dies zeigte sich auch mehr als deutlich im Viertelfinale gegen Frankreich: Für 40 Minuten war man mit dem Rekordweltmeister auf Augenhöhe, aber dann ging die Puste aus, und die Franzosen zogen davon. Dass der Sieg mit 7 Toren Vorsprung leztendlich zu hoch ausfiel, spiegelt den wahren Spielverlauf zwar nicht wieder, aber die klare Niederlage sprach dann doch gegen die deutsche Mannschaft. Aber das Team hat viel Erfahrung dazu gewonnen, und heute gegen Ägypten den Charakertest eindeutig bestanden. Trotz des Ausscheidens und Nicht-Erreichens des Halbfinals war der deutschen Mannschaft anzusehen, dass sie diese Spiel gegen Ägypten unbedingt gewonnen möchte - auch wenn ab der 40. Minute dieser bedingungslose Wille ein wenig in den Hintergund rückte, und die Mannschaft zwischenzeitlich den Faden verloren hatte.

Am Ende steht aber der verdiente Sieg gegen Ägypten, und es heißt Daumen drücken für das Spiel um Platz 5 am Sonntag, wo es entweder gegen Norwegen oder Ungarn geht.

Freitag, 6. Januar 2023

Granerud in einer eigenen Liga: Sieg bei der Vierschanzentournee

Halvor Egner Granerud triumphiert in unglaublicher Manier am heutigen Tag auch beim Dreikönigsspringen in Bischofshofen und macht damit den Sieg bei der Vierschanzentournee 2022/2023 perfekt. Wahnsinn, wie der Norweger seine beiden Sprünge von der Paul-Außerleitner-Schanze in den Schnee zauberte. Sein Sprung läuft derzeit einfach. Glückwunsch!

Sieg in Oberstdorf, Sieg in Garmisch und Sieg in Bischofshofen - der Beste hat gewonnen!
Es ist fast schade, dass Granerud den Grand Slam nicht geschafft hat, aber der zweite Platz in Innsbruck verhinderte dieses. Nun, der Norweger kann dieses sicher verschmerzen. Die Freude, endlich einmal wieder einen Tourneegesamtsieg für Norwegen ersprungen zu haben, ist riesig. Lange musste das Mutterland des Skispringens warten, bis ein Nachfolger von Anders Jacobsen, der zuletzt 2006/2007 für Norwegen die prestigeträchtige deutsch-österreichische Vierschanzentournee gewinnen konnte, gefunden wurde.
Nun ist Halvor Egner Granerud bei den ganz Großen seiner Zunft angekommen. Er hat dem Zweitplatzierten Dawid Kubacki, heute Dritter hinter dem Slowenen Anze Lanisek, keine Chance gelassen. In Innsbruck, als Kubacki vor Granerud triumphieren konnte, glimmte noch ein kleines Fünkchen Hoffnung auf, dass der Pole die 35 Punkte Rückstand auf Granerud mit einem kleinen Wunder vielleicht doch noch aufholen könnte, aber Granerud war einfach zu gut. - Der Gesamtsieg für den in Trondheim lebenden Norweger ist mehr als verdient. Und nicht zuletzt die Rekordpunktzahl von 1191,2 Punkten sprechen eine mehr als deutliche Sprache!

So groß die Freude im norwegischen Lager ist, so groß ist die Tristesse bei den deutschen Adlern. Mit Andreas Wellinger auf Rang 11 in der Gesamtwertung ist das deutsche Team so schlecht wie seit 12 Jahren nicht.
Der als Tourneemitfavorit angetretene Karl Geiger scheint nach der gescheiterten Qualifikation in Innsbruck nur noch ein Schatten seiner Selbst und kam in Bischofshofen nur auf Platz 23. Der Weltmeister von 2019, Markus Eisenbichler, scheint noch mehr nach seiner Form zu suchen und erreichte lediglich in Innsbruck den 2. Durchgang. Was ist nur los mit den deutschen Vorzeigespringern?!
Da freut es um so mehr, dass mit Philipp Raimund ein junger Springer aus dem Schatten gesprungen ist und direkt aus dem Konti-Cup bei den Großen durchgestartet ist. Die Einzelränge 15, 14, 13 und heute 12 bringen dem in Oberstdorf lebenden 20 jährigen Gesamtrang 13 ein - für den jungen Deutschen ein Riesenerfolg, der ein wenig über das sonst so schlechte Abschneiden der deutschen Adler hinwegtrösten kann. - Was die Norweger heute geschafft haben, versuchen die deutschen Adler seit nunmehr 21 Jahren. Sven Hannawald war mit seinem Grand Slam 2002 der letzte deutsche Springer, dem ein Tourneegesamtsieg gelang. Der Rucksack scheint für die deutschen Springer fast zu schwer, denn dass sie die Klasse grundsätzlich haben, steht außer Frage: Weltmeister- und Olympiasiege sprechen für sich! Aber bleiben wir zuversichtlich: Der nächste deutsche Gesamtsieg bei der Tournee kommt bestimmt, wir müssen nur geduldig sein.