Samstag, 30. Dezember 2023

Wellinger siegt auf Schattenbergschanze

Die 72. deutsch-österreichische Vierschanzentournee hätte besser nicht starten können: Andreas Wellinger ließ seinem ersten Platz in der Qualifikation von Oberstdorf beim gestrigen Auftaktspringen zwei Sprünge nach Maß folgen, wobei vor allem derjenige im ersten Durchgang auf 139,5 m nahe der Perfektion war, und sicherte sich so den ersten deutschen Auftaktsieg bei der Tournee nach Karl Geiger 2020.
Die Freude beim Olympiasieger war grenzenlos: Nach schweren und vor allem schwächeren Jahren nach seinem Kreuzbandriss ist dem Ruhpoldinger mit seinem ersten Einzelsieg bei der Tournee etwas ganz Großes gelungen. Auch Bundestrainer Stefan Horngacher war voll des Lobes.
Vor 25500 Zuschauern an der ausverkauften Schattenbergschanze jubelte das gesamte deutsche Lager, ob nun Springer oder Zuschauer, und genoß den Gänsehautmoment der Nationalhymne bei der Siegerehrung mit dem 28-jährigen.

Neben Wellinger vervollständigten die Mitfavoriten Ryuyo Kobayashi auf Rang 2 und der Weltcupführende Stefan Kraft als 3. das Podium und liegen somit in Lauerstellung. Denn auch wenn Wellinger sich den Sieg beim ersten Springen gesichert hat, bis zur Vergabe des Goldenen Adlers in Bischofshofen warten noch 3 weitere Springen auf die Adler. - Da mag man zum jetztigen Zeitpunkt keine Prognosen anstellen wollen, sondern es eher halten wie unser Sieger von Oberstdorf: Von Sprung zu Sprung denken. - Träumen darf aber erlaubt sein.

Neben Wellinger trumpfte vor allem der Jüngste des deutschen Teams auf, Philipp Raimund, der nach Platz 10 im ersten Durchgang Sechster wurde und damit sein bestes Weltcupergebnis erzielte. Karl Geiger ist nach Rang 7 ebenso in Lauerstellung.
Auch die beiden weiteren Deutschen, Pius Paschke und Stephan Leyhe, holten sich als 11. und 24. Weltcuppunkte, auch wenn die beiden ein wenig unter ihren Möglichkeiten blieben.

Überraschend musste Halvor Egner Granerud im Kampf um die Gesamtwertung bereits in Oberstdorf die Segel streichen, da der Titelverteidiger noch nicht einmal den zweiten Durchgang erreichte. Auch die Polen um den dreimaligen Gesamtsieger, Kamil Stoch, kamen nur unter ferner liefen ein, auch wenn sie im Gegensatz zu Granerud immerhin den 2. Durchgang erreichten. Aber mit Rang 17 bzw. 27 dürften die ehemaligen Gesamtsieger, Stoch und dessen Landsmann Dawid Kubacki, fast schon alle Chancen auf den Gesamtsieg verspielt haben.
Mit im Rennen sind aber eindeutig noch der Norweger Marius Lindvik als Fünfter und Jan Hörl aus Österreich auf Rang 8. Auch die Slowenen kommen immer besser in Schwung, was der 4. Rang von Lovro Kos unterstreicht.

Nach dem heutigen Ruhetag geht es morgen mit der Qualifikation zum Neujahrsspringen weiter. Hoffen wir, dass die deutschen Adler an ihre Erfolge von Oberstdorf anknüpfen können!

 

Mittwoch, 27. Dezember 2023

Vierschanzentournee - Favoritencheck

Die 72. deutsch-österreichische Vierschanzentournee steht in den Startlöchern: Am morgigen Donnerstag beginnt mit dem Qualifikationsspringen von Oberstdorf das Highlight der diesjährigen Skisprungsaison.

Daher stellt sich nun allenthalben die Frage: Wer geht als Favorit in die Vierschanzentournee? Wem ist der Gesamtsieg zuzutrauen? Welche Geheimfavoriten könnten den Arrivierten möglicherweise in die Quere kommen?

Allen voran ist hier sicherlich Stefan Kraft zu nennen. Der Österreicher springt mit einer unglaublichen Konstanz und konnte so gleich die ersten vier Saisonspringen für sich entscheiden. Es erscheint daher unwahrscheinlich, dass er gestoppt werden könnte. 
Dieses Kunststück wäre durchaus einem der in dieser Saison so erfolgreichen deutschen Adler zuzutrauen: Karl Geiger, Doppelsieger von Klingenthal, Andreas Wellinger oder der Premierensieger Pius Paschke, der es im Alter von 32 Jahren erstmals ganz oben auf das Weltcuppodium geschafft hat, sind sicherlich zum Kreis der Favoriten zu zählen. Aber werden sie die Konstanz aufbringen können, die es braucht, am Ende den Goldenen Adler in der Gesamtwertung zu erringen?! Die Bürde, als erster Springer nach Sven Hannawalds Grand Slam 2002 die Vierschanzentournee endlich wieder einmal für Deutschland zu gewinnen, wird mit jedem Jahr größer. Das Potential ist sicherlich mehr als vorhanden, was die zahlreichen Weltmeistertitel und Olympiasiege sowie Podiumsplatzierungen in der Tourneegesamtwertung in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bestätigen, aber die Tournee schreibt ihre eigenen Gesetze, so dass es sehr schwierig werden dürfte, die Negativserie in dieser Saison endlich zu durchbrechen.

Mit wem ist noch zu rechnen? - Ganz sicher muss der Japaner Ruoyu Kobayashi zum Favoritenkreis gezählt werden, der nach eher schwächerem Saisonstart immer besser in den Flow kommt. Dieses gilt ganz grundsätzlich auch für die Norweger um den Vorjahressieger Halvor Egner Granerud. Allerdings scheint den norwegischen Adlern, und hier ist neben Granerud vor allem Marius Lindvik zu nennen, das letzte Etwas zu fehlen. Top-10-Platzierungen, mal ein Podium, werden nicht für einen Tourneesieg reichen, aber da beide Norweger 1a-Wettkampfspringer sind, die häufig da sind, wenn es zählt, könnten sie durchaus für eine Überraschung sorgen.
Das gilt im Allgemeinen auch für den dreimaligen Gesamtsieger Kamil Stoch, der auch bei schwächeren Vorleistungen beim Saisonhöhepunkt oft plötzlich wie Phönix aus der Asche gesprungen ist. Allerdings steht die polnische Skisprungmannschaft in diesem Jahr eher schlecht dar. Auch ein Dawid Kubacki oder Piotr Zyla springen in diesem Jahr hinterher. Daher ist wohl eher mit den Slowenen um Anze Lanisek zu rechnen, wenn auch hier die Top-Platzierungen wie in der Vorsaison noch auf sich warten lassen. So springt z.B. der Weltmeister Timi Zajc noch ganz klar unter seinen Möglichkeiten. Hier spielen sicherlich auch die seit dieser Saison geltenden Regeländerungen, wie der nun nur zugelassene kleinere Keil im Schuh, eine Rolle, denen es den Slowenen schwer macht, das Flugsystem so umzustellen, dass die wieder ganz vorne landen können.

Welche Geheimfavoriten sind zu nennen? - Hier könnten Jan Hörl aus Österreich, aber auch der Schweizer Gregor Deschwanden eine Rolle spielen, aber dass sie die für das Gesamtpodium erforderliche Konstanz mitbringen werden, erscheint eher unwahrscheinlich.

So bleibt es spannend wie immer, wie die Vorschanzentournee ausgehen wird. - Freuen wir uns darauf!

Sonntag, 10. September 2023

Deutscher Fußball am Boden - Flick entlassen

Es sollte die Kehrtwende werden am gestrigen Abend in Wolfsburg: Die Zeit der Experimente sei vorbei, jetzt gelte es, jetzt sollte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft endlich wieder zeigen, dass sie immer noch zu den Weltbesten gehört, immer noch Fußball zaubern und vor allem Spiele gewinnen kann. - Und was wurde daraus? - Nur eine weitere Schmach in der Ära Flick: Die 1:4-Niederlage bedeutet, einmal mehr, einen Tiefpunkt, von denen es in den letzten Jahren, seit dem Vorrundenaus bei der WM 2018 in Russland, einfach zu viele gab.

Und viele mögen denken, endlich wird Flick abgelöst. Hansi Flick, der als Co-Trainer einen entscheidenden Anteil am WM-Triumph 2014 hatte, der mit den Bayern sensationell das Tripple holte, blieb glücklos als Bundestrainer: Jeweils das Vorrundenaus bei den beiden zurückliegenden Weltmeisterschaften, Achtelfinal-Aus bei der EM nach einer zugegebener Maßen sehr souveränen Qualifikation sind leider nicht viel auf der Habenseite des vormals so erfolgreichen Flick.
Hansi Flick, der einem eigentlich nur sympatsch sein kann, hat es einfach nicht geschafft, aus dem Ensemble von Starspielern, von z.T. hochtalentierten Einzelkönnern eine Mannschaft zu formen, die füreinander einsteht und gemeinsam Spiele, Turniere gewinnen möchte. Der unbedingte Wille und Teamgeist, der die deutschen Basketballer heute in Manila zum sensationellen Weltmeistertitel geführt hat, war bei den Fußballern schlichtweg nicht mehr vorhanden. Und Flick gelang es auch nicht, ein Feuer zu entfachen, das die Mannschaft eventuell aus dem Tal hätte herausführen können. - Im Gegenteil: Er schien seit geraumer fehl am Platze auch wenn er sich selber immer noch für fähig hielt, diese Mannschaft zu führen. Er selbst schloss die ganze Zeit über eine Rücktritt aus. Aber genau das wäre, so sind sich viele einige, wahrscheilich für ihn und auch die Mannschaft schon vor Monaten das Beste gewesen. 

So kam es gestern fast wie es kommen musste: Die deutsche Mannschaft ging in Wolfsburg unter und verlor verdient gegen Japan, das zwar im Weltfußball inzwischen eine gute Rolle spielt, aber wahrlich keine überragende.
Dass Deutschland noch nicht einmal gegen solche Gegner gewinnen kann, solche Spiele noch nicht einmal offen gestalten kann, lässt, ob der Einzelstärke der Spieler, schon fast verzweifeln. Und das knapp 1 Jahr vor der Heim-EM, die nach 2006 eigentlich wieder als Sommermärchen geplant ist. 

Heute nun wurde Flick, viele mögen sagen - endlich -, vom Dienst frei gestellt. Sportchef Rudi Völler, der die Nationalmannschaft 2002 bis in's WM-Finale geführt hatte, wird am Dienstag gegen Frankreich auf der Bank sitzen. Aber was bzw. wer kommt dann?!
Namen wie Julian Nagelsmann oder Oliver Glasner hört man in diesen Tagen häufig. Auch der Name Sammer fällt immer wieder, der die Mannschaft für ein Jahr bis zur EM übernehmen könnte, aber wird es so besser?
Werden diese die Spieler erreichen und wieder die Mannschaft formen, die es braucht, um erfolgreich große Turniere, nicht zuletzt eine Heim-EM, spielen zu können?! - ... die Zweifel bleiben...

Man fragt sich, warum der DFB nicht auch einmal ganz neue Wege einschlägt. Warum wird z.B. nicht auf einen Hochkaräter wie Zinedin Zindane, derzeit frei auf dem Trainermarkt, gesetzt?! Würde dieser auf Vereins- und Nationalebene so erfolgreiche Spieler und Trainer nicht vielleicht genau das erreichen, was jetzt benötigt wird? -  Den Glauben der Spieler an sich und die Mannsschaft, den unbedingten Siegeswille zurückbringen, der die in der letzten Zeit z.T. wahrgenommene Sattheit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verblassen lassen könnte?!
Wir müssen abwarten, was die nächsten Tage, die nächsten Wochen bringen, und die Hoffnung nicht aufgeben, dass die deutsche Fußball-Nationamannschaft das inzwischen doch eher Unwahrscheinliche schafft: Zum Start der Heim-EM als Einheit, als Mannschaft auf dem Platz zu stehen, die Spaß am gemeinsamen Spielen und vor allem Siegen hat, und dass die Leichtigkeit zurückkehrt. Denn damit ist vieles möglich, wie uns die Mannen um Dennis Schröder mit dem Triumph heute über Serbien im Finale der Basketball-WM gezeigt haben!

Deutschland ist WELTMEISTER!!!

Wahnsinn!! Deutschland ist Basketball-Weltmeister!!!

Nach Bronze bei der Heim-EM im Vorjahr hat das Team um Dennis Schröder heute gegen Serbien ihr Meisterstück abgeliefert: 83:77 hieß am Ende eines spannenden, hochkarätigen Finals für das Team von Gordon Herbert.
Ungeschlagen hat sich das DBB-Team die Krone der Welttitelkämpfe aufgesetzt. - Unglaublich!!! Als Extra-Bonbon wurde Dennis Schröder zudem noch als MVP ausgezeichnet. Was für ein Tag! Was für ein Moment!

Nach dem gewonnenen Halbfinale gegen die Basketball-Weltmacht USA durfte man von dem Titel träumen, aber man fragte sich doch: Würden die Nerven dieses eingeschworenen Haufens auch im Finale halten? - Ja, das sollten sie, auch wenn es im letzten Viertel dann doch die nervösen Momente gab, aber die Führung, die sich die deutsche Mannschaft  nach dem 47:47 zur Halbzeit im dritten Viertel erarbeitet hatte, wurde auch in der Crunchtime nicht mehr abggeben. - Ein überragendes Spiel, ein überragendes Turnier - nach dem desaströsen 1:4 der Fußballnationalmannschaft gegen Japan am Vortag, darf Sport-Deutschland an diesem Wochenende doch noch jubeln: Erstmal in der Geschichte war Deutschland nicht nur im Finale einer Basketball-Weltmeisterschaft - nein, erstmals krönt sich die Mannschaft auch selbst zum Weltmeister. - Wir verneigen uns vor dieser Leistung, diesem Triumph, diesem Wahnsinns-Turnier!!


 

Montag, 28. August 2023

Nullnummer in Budapest

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Budapest ist leider das eingetreten, was die Kritiker bereits befürchtet, die meisten allerdings dann doch eher für unwahrscheinlich gehalten haben: Deutschland ist erstmals bei den seit 1983 ausgetragenen Weltmeisterschaften in der Leichtathletik ohne eine einzige Medaille geblieben. Das sind alles andere als rosige Aussichten für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Paris.

Wo ist beispielsweise die deutsche Überlegenheit bei den technischen Disziplinen der Damen hin? - Denken wir im Kugelstoßen an eine Astrid Kumbernuss, dann an eine Christina Schwanitz, die reihenweise Medaillen einheimsten? Was ist mit den einst so erfolgreichen Speerwerferinnen um Steffi Nerius, Linda Stahl oder Katharina Molitor?! Im Finale des Diskuswerfens waren zwar immerhin drei deutsche Damen vertreten, aber mehr als Platz 6 von Kristin Prudenz, Silbermedaillengewinnerin von Tokio, sprang nicht heraus. Platz 7 von Christina Honsel beim gestrigen Hochsprungwettbewerb ist für sie persönlich zugegebener Maßen ein sehr großer Erfolg, aber die Weltspitze scheint enteilt.
Das gilt auch für unsere Erupameisterin Gina Lückenkemper, die mit der deutschen Staffel, nachdem sie das Finale über 100 m nicht erreichen konnte, immerhin noch auf Platz 6 einkam.
Ohne eine Milaika Mihambo, Konstanze Klosterhalfen oder Gesa Krause hatten die deutschen Damen wenig Chance auf Edelmetall - eine Überraschung bleib leider aus.

Es gibt aber auch Lichtblicke, so der gestrige 3000 m Hindernislauf von Olivia Gürth, die zwar mit dem Podium nichts zu tun hatte, aber mit einer Zeit von 9:20,08 schneller als Gesa Krause, die gerade aus der Baybapause zurückkommt, im gleichen Alter war. Aber ob Gürth eine solche Entwicklung machen wird wie seinerzeit Krause ist ungewisse, obwohl die Tatsache, dass sie mit Krause eine Trainingsgruppe bildet natürlich hoffen lässt.

Hoffen lassen uns auch die deutschen Zehnkämpfer, von denen man eigentlich eine Medaille erwartet hatte. Aber nachdem Ex-Weltmeister Niklas Kaul am ersten Tag - wieder einmal - nach dem Hochsprung verletzt das Handtuch werfen musste und der neue deutsche Rekordhalter Leo Neugebauer nach Platz 1 zur Hälfte einen Tiefschlag über die 110 m Hürden und den Diskuswurf zu Beginn des zweiten Tages hinnehmen musste, war mehr als Platz 5 des Newcomers nicht drin. Dieses Ergebnis ist alleridngs, auch wenn ohne Medaille belohnt, sehr vielversprechend für die Zukunft. Hat sich der 23jährige im Stabhochsprung doch selbst aus dem Tal hochgezogen und mit Bestleistung im Speer wieder in seine Erfolgsbahn zurückgefunden. Diesmal waren die Lepas, Warner & Co. noch besser, aber in Paris kann es anders ausgehen
Das gilt auch für das Speerwerfen der Männer - eigentlich auch eine deutsche Erfolgsgeschichte, aber wahrscheinlich war der Druck, der auf der letzten deutschen Hoffnung, Julian Weber, lastete, zu groß. Wieder einmal Platz 4 bei einem Großereignis für den Mainzer ist fast schon tragisch, aber mit Johannes Vetter und vielleicht auch mit einem wiedererstarkten Thomas Röhler oder auch Andreas Hofmann an seiner Seite in Paris sieht es auch hier in einem Jahr vielleicht ganz anders aus.

Freitag, 27. Januar 2023

Nervenkrimi gegen Ägypten

 Mit einem 35:34 nach der 1. Verlängerung erreicht die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Ägypten das Spiel um Platz 5 bei der Handball-Weltmeisterschaft in Polen und Schweden! Was sich wie ein Erfolg anhört, mutet mehr als Enttäuschung mit Happy End an.
Die deutsche Mannschaft startete furios, ging mit 3 Toren Vorsprung in die Halbzeitpause und zog in Halbzeit 2 auf 8 Tore davon. Etwa 20 Minuten vor Schluss schien alles sicher zu sein: Andi Wolff im Tor mit bärenstarker Leistung, eine Abwehr, die ihren Namen verdiente, und durchsetzungsstark im Angriff wieder mal mit einem genial aufspielenden Juri Knoor. Aber dann verloren die Mannen von Alfred Gislason den Faden und erzielten lediglich 3 Tore in den letzten 15 Minuten. Und so kam es, wie es kommen musste: Ägypten kam Tor auf Tor ran und ging sogar erstmals in Führung. Aber die deutsche Mannschaft rettete sich in die Verlängerung, wo sie mit viel Biss und Willen den Sieg letztendlich doch perfekt machen konnte. Dass dieses gelang, ist der deutschen Mannschaft hoch anzurechnen. Dieser Sieg auf der Zielgeraden sollte Selbstvertrauen geben und für die Zukunft hoffen lassen!
Was der deutschen Handball Nationalmannschaft derzeit noch fehlt, ist die Erfahrung bei großen Spielen und auch die Breite an Top-Spielern, was helfen würde, ein Spiel über 60 Minuten konstant gut zu gestalten. Dies zeigte sich auch mehr als deutlich im Viertelfinale gegen Frankreich: Für 40 Minuten war man mit dem Rekordweltmeister auf Augenhöhe, aber dann ging die Puste aus, und die Franzosen zogen davon. Dass der Sieg mit 7 Toren Vorsprung leztendlich zu hoch ausfiel, spiegelt den wahren Spielverlauf zwar nicht wieder, aber die klare Niederlage sprach dann doch gegen die deutsche Mannschaft. Aber das Team hat viel Erfahrung dazu gewonnen, und heute gegen Ägypten den Charakertest eindeutig bestanden. Trotz des Ausscheidens und Nicht-Erreichens des Halbfinals war der deutschen Mannschaft anzusehen, dass sie diese Spiel gegen Ägypten unbedingt gewonnen möchte - auch wenn ab der 40. Minute dieser bedingungslose Wille ein wenig in den Hintergund rückte, und die Mannschaft zwischenzeitlich den Faden verloren hatte.

Am Ende steht aber der verdiente Sieg gegen Ägypten, und es heißt Daumen drücken für das Spiel um Platz 5 am Sonntag, wo es entweder gegen Norwegen oder Ungarn geht.

Freitag, 6. Januar 2023

Granerud in einer eigenen Liga: Sieg bei der Vierschanzentournee

Halvor Egner Granerud triumphiert in unglaublicher Manier am heutigen Tag auch beim Dreikönigsspringen in Bischofshofen und macht damit den Sieg bei der Vierschanzentournee 2022/2023 perfekt. Wahnsinn, wie der Norweger seine beiden Sprünge von der Paul-Außerleitner-Schanze in den Schnee zauberte. Sein Sprung läuft derzeit einfach. Glückwunsch!

Sieg in Oberstdorf, Sieg in Garmisch und Sieg in Bischofshofen - der Beste hat gewonnen!
Es ist fast schade, dass Granerud den Grand Slam nicht geschafft hat, aber der zweite Platz in Innsbruck verhinderte dieses. Nun, der Norweger kann dieses sicher verschmerzen. Die Freude, endlich einmal wieder einen Tourneegesamtsieg für Norwegen ersprungen zu haben, ist riesig. Lange musste das Mutterland des Skispringens warten, bis ein Nachfolger von Anders Jacobsen, der zuletzt 2006/2007 für Norwegen die prestigeträchtige deutsch-österreichische Vierschanzentournee gewinnen konnte, gefunden wurde.
Nun ist Halvor Egner Granerud bei den ganz Großen seiner Zunft angekommen. Er hat dem Zweitplatzierten Dawid Kubacki, heute Dritter hinter dem Slowenen Anze Lanisek, keine Chance gelassen. In Innsbruck, als Kubacki vor Granerud triumphieren konnte, glimmte noch ein kleines Fünkchen Hoffnung auf, dass der Pole die 35 Punkte Rückstand auf Granerud mit einem kleinen Wunder vielleicht doch noch aufholen könnte, aber Granerud war einfach zu gut. - Der Gesamtsieg für den in Trondheim lebenden Norweger ist mehr als verdient. Und nicht zuletzt die Rekordpunktzahl von 1191,2 Punkten sprechen eine mehr als deutliche Sprache!

So groß die Freude im norwegischen Lager ist, so groß ist die Tristesse bei den deutschen Adlern. Mit Andreas Wellinger auf Rang 11 in der Gesamtwertung ist das deutsche Team so schlecht wie seit 12 Jahren nicht.
Der als Tourneemitfavorit angetretene Karl Geiger scheint nach der gescheiterten Qualifikation in Innsbruck nur noch ein Schatten seiner Selbst und kam in Bischofshofen nur auf Platz 23. Der Weltmeister von 2019, Markus Eisenbichler, scheint noch mehr nach seiner Form zu suchen und erreichte lediglich in Innsbruck den 2. Durchgang. Was ist nur los mit den deutschen Vorzeigespringern?!
Da freut es um so mehr, dass mit Philipp Raimund ein junger Springer aus dem Schatten gesprungen ist und direkt aus dem Konti-Cup bei den Großen durchgestartet ist. Die Einzelränge 15, 14, 13 und heute 12 bringen dem in Oberstdorf lebenden 20 jährigen Gesamtrang 13 ein - für den jungen Deutschen ein Riesenerfolg, der ein wenig über das sonst so schlechte Abschneiden der deutschen Adler hinwegtrösten kann. - Was die Norweger heute geschafft haben, versuchen die deutschen Adler seit nunmehr 21 Jahren. Sven Hannawald war mit seinem Grand Slam 2002 der letzte deutsche Springer, dem ein Tourneegesamtsieg gelang. Der Rucksack scheint für die deutschen Springer fast zu schwer, denn dass sie die Klasse grundsätzlich haben, steht außer Frage: Weltmeister- und Olympiasiege sprechen für sich! Aber bleiben wir zuversichtlich: Der nächste deutsche Gesamtsieg bei der Tournee kommt bestimmt, wir müssen nur geduldig sein.