Die 72. deutsch-österreichische Vierschanzentournee hätte besser nicht starten können: Andreas Wellinger ließ seinem ersten Platz in der Qualifikation von Oberstdorf beim gestrigen Auftaktspringen zwei Sprünge nach Maß folgen, wobei vor allem derjenige im ersten Durchgang auf 139,5 m nahe der Perfektion war, und sicherte sich so den ersten deutschen Auftaktsieg bei der Tournee nach Karl Geiger 2020.
Die Freude beim Olympiasieger war grenzenlos: Nach schweren und vor allem schwächeren Jahren nach seinem Kreuzbandriss ist dem Ruhpoldinger mit seinem ersten Einzelsieg bei der Tournee etwas ganz Großes gelungen. Auch Bundestrainer Stefan Horngacher war voll des Lobes.
Vor 25500 Zuschauern an der ausverkauften Schattenbergschanze jubelte das gesamte deutsche Lager, ob nun Springer oder Zuschauer, und genoß den Gänsehautmoment der Nationalhymne bei der Siegerehrung mit dem 28-jährigen.
Neben Wellinger vervollständigten die Mitfavoriten Ryuyo Kobayashi auf Rang 2 und der Weltcupführende Stefan Kraft als 3. das Podium und liegen somit in Lauerstellung. Denn auch wenn Wellinger sich den Sieg beim ersten Springen gesichert hat, bis zur Vergabe des Goldenen Adlers in Bischofshofen warten noch 3 weitere Springen auf die Adler. - Da mag man zum jetztigen Zeitpunkt keine Prognosen anstellen wollen, sondern es eher halten wie unser Sieger von Oberstdorf: Von Sprung zu Sprung denken. - Träumen darf aber erlaubt sein.
Neben Wellinger trumpfte vor allem der Jüngste des deutschen Teams auf, Philipp Raimund, der nach Platz 10 im ersten Durchgang Sechster wurde und damit sein bestes Weltcupergebnis erzielte. Karl Geiger ist nach Rang 7 ebenso in Lauerstellung.
Auch die beiden weiteren Deutschen, Pius Paschke und Stephan Leyhe, holten sich als 11. und 24. Weltcuppunkte, auch wenn die beiden ein wenig unter ihren Möglichkeiten blieben.
Überraschend musste Halvor Egner Granerud im Kampf um die Gesamtwertung bereits in Oberstdorf die Segel streichen, da der Titelverteidiger noch nicht einmal den zweiten Durchgang erreichte. Auch die Polen um den dreimaligen Gesamtsieger, Kamil Stoch, kamen nur unter ferner liefen ein, auch wenn sie im Gegensatz zu Granerud immerhin den 2. Durchgang erreichten. Aber mit Rang 17 bzw. 27 dürften die ehemaligen Gesamtsieger, Stoch und dessen Landsmann Dawid Kubacki, fast schon alle Chancen auf den Gesamtsieg verspielt haben.
Mit im Rennen sind aber eindeutig noch der Norweger Marius Lindvik als Fünfter und Jan Hörl aus Österreich auf Rang 8. Auch die Slowenen kommen immer besser in Schwung, was der 4. Rang von Lovro Kos unterstreicht.
Nach dem heutigen Ruhetag geht es morgen mit der Qualifikation zum Neujahrsspringen weiter. Hoffen wir, dass die deutschen Adler an ihre Erfolge von Oberstdorf anknüpfen können!