Samstag, 22. Februar 2014

Sotschi: Licht und Schatten im deutschen Team

Noch läuft der vorletzte Wettkampftag bei den Olympischen Spielen von Sotschi, aber dennoch kann schon jetzt eine kleine Bilanz gezogen werden: Was waren die herausragenden Momente aus deutscher Sicht bei diesen Olympischen Spielen?

An erster Stelle, die Erfolge betreffend, sind sicherlich die Rodelrinnen und Rodler um Felix Loch zu nennen. Mit der maximalen Ausbeute an Olympiasiegen im Herren Einzel durch Felix Loch, Nathalie Geisenberger im Damen Einzel, Tobias Wendel und Tobias Arlt im Doppelsitzer sowie im erstmals ausgetragenen Staffelwettbewerb ist die deutsche Mannschaft die mit Abstand erfolgreichste Nation. Hinzu kam noch die Silbermedaille von Tatjana Hüfner im Damen Einzel.
Jedoch darf man nach dem Verlauf der bisherigen Saison und mit Blick auf die deutschen Erfolge in den vergangenen Jahren mit Recht sagen, dass mit einem erfolgreichen Auftreten der deutschen Rodlermannschaft durchaus zu rechnen war. Alles andere wäre, so ehrlich muss man sein, eine Enttäuschung gewesen.

Nicht unbedingt sicher einplanbar waren die Erfolge des deutschen Skisprunglagers: 2 x Gold ist die erfolgreiche Ausbeute, wobei der Olympiasieg von Carina Vogt als DIE Überraschung im deutschen Team anzusehen ist. Denn dass die Überfliegerin der Saison, Sara Takanashi aus Japan, dem Erwartungsdruck nicht würde standhalten können und noch nicht einmal eine Medaille erringen würde, kam mehr als nur überraschend.
Der Triumph der deutschen Adler im Mannschaftsspringen lag durchaus im Rahmen des Möglichen, aber zu oft hatten die deutschen Skispringer bei Großereignissen das Nachsehen: Der 4. Platz von Severin Freund von der Großschanze passte damit auch in dieses Bild. Aber im Team in der Zusammensetzung Andreas Wank, Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund hat das deutsche Team endlich den so ersehnten großen Erfolg eingefahren: Olympia-Gold! Damit düften nicht nur dem österreichischen Cheftrainer, Werner Schuster, Steine von der Seele gepurzelt sein!

Eine Erfolgbilanz weisen auch die deutschen Nordischen Kombinierer auf. Gold durch Eric Frenzel von der Normalschanze, Fabian Rießle mit Bronze von der Großschanze und Silber im Team!
Der Olympiasieg von Eric Frenzel ist als wahres Meisterstück anzusehen, denn der 25 jährige galt als der absolute Topfavorit auf den Sieg, zu dominat war er in der bisherigen Weltcupsaison.
Dass er den Triumph von der Großschanze nicht wiederholen konnte, war sicherlich einer Viruserkrankung geschuldet, aber dennoch hatten die Deutschen hier die Chance auf den ganz großen Coup: Vor der vorletzten Kurve sah noch alles nach einem großen Triumph aus: Björn Kircheisen, Fabian Rießle, Johannes Rydzek gegen die zwei Norweger Jörgen Graaback und dem bereits ein wenig zurück liegenden Magnus Moan. Aber dann fuhr Riessle Rydzek in der alles entscheidende Kurve über die Ski, die Deutschen kamen in's Straucheln und beide Norweger zogen vorbei. - Es blieb Bronze für Fabian Rießle, eine Medaille, über die sich der 23 jährige zwar sehr freute, die aber auch zeigt, dass durchaus mehr drin gewesen wäre: Licht und Schatten lagen damit dicht nebeneinander.
Silber im Team hinter Norwegen rundete den erfolgreichen Auftritt der Nordischen Kombinierer ab. Leider aber lag der Norweger Jörgen Graaback auf der Zielgerade hauchdünn vor Rießle, so dass wieder einmal "nur" Platz 2 im Team zu Buche stand. Immerhin, so kann man sagen, lag man nicht wieder, wie es wiederholt der Fall war bei vergangenen Großereignissen, hinter Österreich. Dennoch bleibt ein klein wenig Wehmut zurück: Graaback schien auf den letzten Metern einfach abgezockter als der junge Rießle. - Vielleicht kocht der Schwarzwälder das nächste Mal den Norweger ab?!

Was haben wir noch?
Natürlich sind da die Erfolge von Maria Höfl-Riesch mit Gold in der Super-Kombination und Silber im Super-G sowie der ein wenig gold glänzende Bronze-Rang der in dieser Saison durch eine Lungenentzündung gebeutelten Olympiasiegering von Vancouver, Victoria Rebensburg, zu nennen.
Großes Pech hatte hingegen Stefan Luitz im Riesenslalom: Im ersten Durchgang fädelte der Youngster im deutschen Alpin-Team das Ziel und den sicheren zweiten Platz hinter dem späteren Olympiasieger Ted Ligety aus den USA vor Augen beim letzten Tor ein und war ausgeschieden! Welch Tragik!

Silber gab es für Eric Lesser im Einzelrennen beim Biathlon, eine Medaille, die leider über das enttäuschende Abschneiden des deutschen Biathlonteams nicht hinwegtäuschen kann. Nun, noch haben heute die Staffelherren die Chance die magere Bilanz, die mit einer Null-Nummer an Medaillen bei den deutschen Biathletinnen erschreckend ausfällt, aufzupolieren!
Drücken wir Schemp & Co. daher die Daumen! Vielleicht können die deutschen Herren so den unglücklichen 4. Platz im Mixed-Wettbewerb und die beim letzten Schießen verpasste Medaille von Simon Schempp in der Verfolgung vergessen machen.

Richten wir nun unser Augenmerk auf die Langläufer, bei denen der dritte Platz der deutschen Damenstaffel sicherlich als herausragendes Ergebnis zu nennen ist. Und es wäre sogar Gold drin gewesen, hätte sich die im Sprintweltcup führende Dennis Herrmann auf der Schlussgerade nicht von der Schwedin Charlotte Kalla und der Finnin Krista Lähteenmäki überspurten lassen. Trotz Bronze in der Staffel agierte Herrmann ein wenig unglücklich in Sotschi: Im Sprint gab es nicht die erhoffte Medaille und auch im Team-Sprint gingen ihr auf der Zielgerade im Kampf um Bronze leider die Puste aus. Der so errungene 4. Platz im Team ist aber dennoch als Erfolg anzusehen, denn dass Denise Herrmann mit ihrer Partnerin Stephanie Böhler so weit vorne landen würde, war eine kleine Überraschung. Schade, dass nur die blecherne Medaille dabei herauskam.
Ein Drama gab es im Team-Sprint der Herren: Tim Tscharnke, der mit Hannes Dotztler das deutsche Duo bildete, war bärenstark und es schien, als sie ihm auf den letzten Metern alles zuzutrauen. - Dann aber fuhr ihm der Finne Same Jauhojärvi über den Ski, brachte ihn zu Sturz und die sicher erscheinende Medaille war futsch! Dem eingereichten Protest der deutschen Mannschaft wurde leider nicht stattgegeben, so dass man eigentlich nur sagen kann, dass Tscharnke/ Dotzler auf tragische Weise um ihr olympisches Edelmetall gebracht worden sind.

Olympisches Edelmetall erliefen zwar die deutschen Paarläufer Aljona Savchenko und Robin Szolkowy, aber Tränen der Enttäuschung liefen dennoch: Das deutsche Vorzeigepaar war angetreten, um mit Olympia-Gold die so erfolgreiche, mit zahlreichen Weltmeister- und Europameistertiteln gekrönte Karriere abzurunden. Leider, leider gab es aber nur wieder Bronze, wie schon in Vancouver.
Es ist ein unglückliches Ende einer sehr erfolgreichen Karriere, aber es wird hoffentlich die Zeit kommen, dass sich Savchenko/ Szolkowy auch über diese Bronze-Medaille freuen können.

An dieser Stelle auch ein Fazit über das Auftreten der deutschen Eisschnelläuferinenn und Eisschnelläufer: Dieses fällt vernichtend aus, da nicht eine einzige Medaille in dieser einstmals so erfolgreichen Sportart heraussprang. Keine Claudia Pechstein, keine Stefanie Beckert, die dem Zickenkrieg mit Pechstein im Gegensatz zu Annie Friesinger leider nicht gewachsen zu sein scheint, keine Jenny Wolf, im Team noch nicht einmal qualifiziert, die Männer zwar mit einem sehr guten 4. Platz von Nico Ihle über die 1000 m und Patrick Beckert mit einem ebenfalls erfolgreich zu bewertenden 6. Platz über die 10000 m, aber eben ohne Edelmetall lassen wehmütig an das erfolgreiche Auftreten bei vergangenen Olympischen Spielen denken.

Zum Ende aber noch etwas Positives: Diese Olympischen Spiele haben Spaß gemacht und machen es immer noch! Es gab trotz der Enttäuschungen herausragende Leistungen und Medaillen im deutschen Team, die die negativen Eindrücke eindeutig in den Schatten stellen!

Maria Höfl-Riesch verpasst perfekten Abschluss

Nach Gold in der Super-Kombination und Silber im Super-G hatte Maria Höfl-Riesch gestern im abschließenden Slalom die Chance auf ihr drittes Edelmetall bei diesen Olympischen Spielen.

Nach dem ersten Lauf noch auf Rang 2 liegend gelang ihr leider keine perfekte Fahrt im 2. Durchgang, so dass sie auf dem unglücklichen vierten Schlussrang einkam. Olympiasiegerin wurde Weltmeisterin Mikaela Shiffrin aus den USA vor der Altmeisterin Marlies Schild aus Österreich und deren Landsfrau Kathrin Zettel. Beide Österreicherinnen hatten nach dem ersten Durchgang noch keinen Podestplatz inne, so dass im Ziel mehr als nur eine Träne floss.

Maria Höfl-Riesch hatte ihre anfängliche Enttäuschung über die verpasste Medaille in ihrem letzten olympischen Rennen jedoch rasch weggesteckt. Die Freude über die für sie sehr erfolgreichen Olympischen Spiele mit 1 x Gold und 1 x Silber überwog eindeutig. Und das zu Recht!
Mit diesen Erfolgen ist die Partenkirchenerin den Erwartungen mehr als gerecht geworden, und sie kann nun als eine der erfolgreichsten Alpinen bei Olympia mit einem Lächeln im Gesicht zurücktreten. Ob ihr Rücktritt schon zum Ende dieser Saison erfolgt, oder ob sie noch eine Weltmeisterschaftssaison anhängt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall wird sie eine Lücke hinterlassen, die Rebensburg & Co. hoffentlich rasch füllen werden.

Freitag, 21. Februar 2014

Debakel für deutsche Biathletinnen

Das Debakel der deutschen Biathletinnen bei den Olympischen Spielen in Sotschi ist perfekt: Auch im abschließenden Staffelrennen gab es nicht das ersehnte Edelmetall. Nach den Staffelplätzen 1, 2 und 2 in dieser Weltcupsaison gab es durchaus Hoffnung, aber diese wurde leider nicht erfüllt, sondern es gab einen Absturz auf Rang 11!
Dieses Staffelrennen war beinahe bezeichnend für das Auftreten der deutschen Biathletinnen in Sotschi: Gleich in der ersten Runde kam das Küken der Mannschaft, Franziska Preuß, zu Fall, verlor einen Stock und hatte zudem Schnee in der Waffe und schon nach dem ersten Schießen mehr als 2 Minuten Rückstand. - Die Medaille war in weiter Ferne, und dabei bleib es leider. Die drei anderen Läuferinnen, Andrea Henkel, Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier, schossen zwar gut, konnten aber auch kaum Zeit gut machen, sondern verloren weiter.
Franziska Preuß dürfte mehr als nur bedient sein und es bleibt zu hoffen, dass eines der größten Talente im Biathlonteam dieses schreckliche Rennen möglichst schnell vergisst und wegsteckt.

Das Abschneiden der deutschen Biathletinnen in Sotschi ist somit das mit Abstand schlechteste bei Olympia: Seit Aufnahme der Biathletinnen in das olympische Programm 1992 gab es immer reichlich Edelmetall. Vorbei scheinen die Zeiten einer Petra Behle, einer Antje Misersky, einer Uschi Disl, Kati Wilhelm oder Martina Glagow, und nicht zuletzt einer Magdalena Neuner.
Mit dem Abschied von Andrea Henkel, ihres Zeichens ebenfalls mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin, sieht es nicht allzu rosig im deutschen Team aus.
Es gibt zwar durchaus vielversprechende Talente, wie Laura Dahlmeier und auch die heute so unglücklich agierende Franziska Preuß, aber den Sprung an die Weltspitze haben sie (noch) nicht geschafft.

Zum enttäuschenden Abschneiden der deutschen Biathletinnen in Sotschi passt auch der heute bekannt gewordene Dopingfall von Evi Sachenbacher-Stehle, in Sotschi bislang der Lichtblick im deutschen Team, die im Massenstart mit Platz 4 noch ganz knapp an einer Medaille vorbei gelaufen war: Nach bisherigen Kenntnissen soll Sachenbacher-Stehle die Dopingsubstanz ohne ihr Wissen über ein Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen haben. Ob dem tatsächlich so war, wird man wohl nie ganz sicher feststellen können. Fest steht, dass durch diesen, momentan unglücklich erscheinenden, Dopingfall der deutsche Biathlonsport in Sotschi ein noch traurigeres Bild abgibt, als ohnehin schon.
Bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass es die Herren morgen beim abschließenden Staffelrennen es besser machen und zu der ersehnten Olympiamedaille laufen!