Samstag, 30. Dezember 2017

Vierschanzentournee startet heute in Oberstdorf

Es ist wieder so weit: Der Weihnachtsbraten ist verspeist, die Weihnachtsgeschenke sind verteilt und ausgepackt. - Endlich kann es wieder losgehen mit der prestigeträchtigen deutsch-österreichischen Vierschanzentournee!

Und es steht ein deutscher Springer im Mittelpunkt: Beim heutigen Tourneeauftakt in Oberstdorf sind aller Augen auf den derzeit Führenden in der Weltcup-Gesamtwertung gerichtet: Richard Freitag aus Erlabrunn. Sollte endlich einmal wieder ein deutscher Adler ganz oben auf dem Podest der Gesamtwertung stehen?!
Seit Sven Hannawalds sagenhaftem Triumph 2002 mussten die Deutschen immer anderen Springern den Vortritt lassen, zumeist Springern aus unserem Nachbarland Österreich.

Nun aber stehen die Vorzeichen aus deutscher Sicht gut wie lange nicht: Neben Freitag ist vor allem auch Andreas Wwellinger, derzeit Zweiter im Gesamtweltcup, in Top-Form. Und mit Markus Eisenbichler haben wir einen weiteren Podestspringer am Start.
Auch nicht zu vergessen die Adler aus der zweiten Reihe: Karl Geiger (4. der gestrigen Quali) und Stepan Leyhe (gestern Achter).

Aber alle überstrahlt der 26-jährige Freitag, der in diesem Jahr reifer und wie ausgewechselt erscheint. Möglich, dass sein Umzug nach Oberstdorf hier eine entscheidende Rolle gespielt hat: Der Erzgebirgler wirkt erwachsener und wesentlich abgeklärter als in früheren Jahren, wo er zwar immer als großes Talent gehandelt wurde, es aber nie konstant nach ganz oben schaffte.
Seine Weltcupsiege in Nischni Tagil, Titisee-Neustadt und zuletzt in Engelberg sprechen eine eigene Sprache. Aber es ist vor allem diese neue Souveränität, die erstauen lässt. Ein gutes Beispiel dafür gab es gestern in der Qualifikation, die seit diesem Jahr auch für die Top-10 der Weltcupgesamtwertung verpflichtend ist: Der Wind änderte sich ständig, die Jury ging direkt vor ihm, dem letzten Springer der Quali, mal mit dem Anlauf rauf, mal runter. Und was macht Richard Freitag? - Er hockt neben der Anlaufspur und macht geradezu Faxen, um dann - endlich losgelassen - auf 130 m hinunterzusegeln, die Platz 1 in der Qualifikation bedeuten. - Ganz großes Kino!

Aber wir sollten vorsichtig sein und nicht zu euphorisch in die Tournee gehen: Erfahrungsgemäß kann auf den 4 Schanzen eine Menge geschehen. Und auch Überraschungen, wie beispielsweise Thomas Diethardt 2014, gab es immer wieder.
Mit wem ist, neben Freitag und Wellinger, in der Gesdamtwertung aber noch zu rechnen?
Da wären vor allem der letztjährige Vierschanzentourneesieger und Doppelolympiasieger Kamil Stoch und Österreichs Dauerbrenner Stefan Kraft zu nennen. Aber auch die Norweger um Daniel Andre Tande, der nach seinem Bindungsmissgeschickt im vergangenen Jahr in Bischofshofen, gereift scheint, und dem Super-Flieger Johann Andre Forfang sind nicht außer Acht zu lassen.
Dass es Peter Prevc, dem Gesamtsieger von 2016, bereits zur Tournee gelingen wird, die alte Topform zu erreichen, mag man ebenso wenig glauben, wie die "Wiederauferstehung" des Altmeisters Simon Amman.
Eher sollte man Stochs Teamkollegen Matjei Kot und Piotr Zyla auf dem Zettel haben.

Nun, in knapp einer Stunde gehen in Oberstdorf die ersten Springer vom Bakken. - Dann wissen wir mehr.
Freuen wir uns darauf!

Freitag, 3. März 2017

Lahti: Deutsches Skisprungteam auf Erfolgswelle

Das deutsche Skisprungteam ist bei den diesjährigen Nordischen Ski Weltmeisterschaften von Lahti erfolgreich wie nie und gehört bereits jetzt, vor dem abschließenden Mannschaftswettbewerb von der Großschanze, zu den fleißigsten Medaillensammlern: Gold für Carina Vogt im Einzelspringen der Frauen, Gold im Mixed-Wettbewerb, jeweils Silber für Andreas Wellinger von der Normal- sowie der Großschanze und Bronze für Markus Eisenbichler ebenfalls von der Normalschanze! - Das Soll ist mehr als erfüllt! Da erscheint alles, was jetzt noch kommen mag, als Zugabe.

Fangen wir mit Gold für Carina Vogt an: Was hat diese Frau für Nerven?! Es ist unglaublich! Kaum steht ein Großereignis auf dem Programm, ist die junge Frau auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit, ungeachtet so mancher Durststrecken während der Weltcupsspringen: So war es bei den Weltmeisterschaften 2015 in Falun, so war es bei den Olympischen Spielen von Sotschi, so war es jetzt in Lahti: Keiner konnte die Frau vom SC Degenfeld stoppen! Und nun hat sie sogar ihren Weltmeistertitel verteidigt.

Dann kam das Springer der Männer von der Normalschanze, bei dem der Österreicher Stefan Kraft triumphierte. Aber gleich dahinter kam Andreas Wellinger, dem es bei den letzten Springen vor der WM mit seinen zahlreichen Podestplätzen endgültig gelungen war, die durchaus großen Fußstapfen des Weltmeisters von 2015, Severin Freund, auszufüllen. Vizeweltmeistertitel für den Ruhpoldinger!!
Und Markus Eisenbichler krönte die Super-Leistung der deutschen Adler mit seiner ersten internationalen Medaille bei den "Großen" und holte Bronze. - Ein Glückstag für das deutsche Team!

Mit diesen Erfolgen im Rücken war das deutsche Team erklärter Favorit auf den Titel im Mixed-Wettbewerb, und das Team um Carina Vogt, Svenja Wirth, Markus Eisenbichler und Andreas Wellinger wurde dieser Favoritenrolle gerecht und durfte sich zurecht als Weltmeister feiern lassen.

Aber damit nicht genug: Beim gestrigen Springen von der Großschanze hieß es, wie schon von der Normalschanze: Kraft oder Wellinger. Leider hatte, wie bereits zuvor von der kleinen Schanze, der Österreicher die Nase vorn und darf sich nun Doppelweltmeister von Lahti nennen.
Bundestrainer Werner Schuster formulierte es ganz treffend: Die Jury schien Krafts Sprungstil besser zu gefallen als der von Wellinger, der hier die entscheidenden Zähler auf den Bischofshofener verlor.
Aber es fühlte sich für Deutschlands neuen Vorzeigespringer nicht wie eine Niederlage an: Andreas Wellinger hat gestern beim dritten Wettbewerb seine dritte Medaille geholt. - Das kann man schon fast als weltmeisterlich bezeichnen!

Beim abschließenden Mannschaftspringen gelten zwar die Polen als Favorit, die beim Wettbewerb von der Großschanze 4 Springer in die Top-Acht bringen konnten, aber ein Platz auf dem Podium sollte für die deutschen Adler allemal drin sein. Man darf gespannt sein!

Historischer Triumpf der Nordischen Kombinierer

Das deutsche Team um den Erfolgsgaranten Johannes Rydzek hat bei den Nordischen Ski Weltmeisterschaften in Lahti heute Historisches erreicht: Nach 2 x Einzelgold von der Normal- sowie von der Großschanze und dem Staffelsieg wurden Eric Frenzel und Johannes Rydzek beim heutigen Teamwettbewerb ebenfalls Weltmeister!

Unglaublich! Es fehlen die Worte! 4 x Gold in 4 ausgetragenen Wettbewerben für Johannes Rydzek in Lahti!! Das hat es noch nie gegeben und wird wohl auch in der Zukunft Seinesgleichen suchen!!
Nach seinen 2 Goldmedaillen von Falun 2015 ist er nun endgültig mit nun 6 Weltmeistertiteln der erfolgreichste WM-Teilnehmer aller Zeiten!


Auf der Schanze hatten Frenzel und Rydzek die Grundlage für ihren heutigen Erfolg gelegt, auch wenn sie dort nicht ganz vorne landeten, sondern mit einem Rückstand von 16 Sekunden auf Frankreich und Norwegen in die Loipe gingen.
Dass der Weg zur heutigen Goldmedaille nur über Norwegen gehen würde, war im Vorfeld bereits gemutmaßt worden, und so kam es dann auch: In der vorletzten Runde zog Magnus Moan gleich nach dem Wechsel an und zog ein paar Meter davon. Eric Frenzel gab jedoch alles und übergab direkt hinter dem Norweger auf Schlussmann Rydzek. Dieser hatte es nun mit Magnus Krog zu tun.
Die Spannung war greifbar. Wer würde als erstes den Antritt wagen? Würde Rydzek wieder, wie beim Gold von der Großschanze, beim letzten Anstieg versuchen wegzukommen?
Letzteres schien angesichts der Sahneski der Norweger nicht sinnvoll, und so sparte sich Rydzek tatsächlich seine letzten Körner für den Zielsprint auf: In der Abfahrt runter ins Stadion trat er an und ging innen an Krog vorbei. Beinahe wäre es dann in der Schlusskurve noch zu einem Crash mit dem russischen Läufer gekommen, auf den die beiden Führenden aufgelaufen waren, aber auch das ging gut. Die Zielgerade war dann einfach nur noch zum Zungeschnalzen: Rydzek pushte sich mit unglaublicher Power nach Vorne und ließ dem Norweger keine Chance. - Gold für Deutschland!!!

Sonntag, 12. Februar 2017

Hochfilzen: Biathlon-Festspiele gehen weiter

4. Rennen - 4. Medaille für das deutsche Team!
Nach dem Sensationsweltmeistertitel im Sprint durch Benedikt Doll am gestrigen Samstag gelang Deutschlands Top-Läuferin Laura Dahlmeier nach Platz 2 im Sprint heute die Titelverteidigung in der Verfolgung und holte nach dem Sieg in der Mixed-Staffel ihre zweite Goldmedaille!
Da kann man sich nur verbeugen und gratulieren!!!

Mit nur einem Schießfehler beim ersten Schießen glänzte Dahlmeier heute insbesondere am Schießstand. Vor allem ihr Stehendschießeinlagen waren zum Zungeschnalzen: Sie zog nicht durch, wie man es bei ihr auch desöfteren beobachten kann, nein, sie setzte neu an, als sich ihr Trefferbild verlagerte und ein Fehlschuss drohte. Ganz große Leistung!

Auf Platz zwei kam überraschend Daria Domracheva, die erst vor 4 Monaten eine Tochter zur Welt gebracht hatte, vor der Sprint-Weltmeisterin Gabriela Koukalova.

Am Nachmittag steht heute noch die Verfolgung der Männer auf dem Programm, bei dem das deutsche Team mit Sprintweltmeister Benedikt Doll, aber auch mit den Routiniers Arnd Peiffer und Simon Schempp zwei weitere Eisen im Feuer hat. Vor allem Peiffer ist heute einiges zuzutrauen, da er läuferisch in exzellenter Verfassung ist und ihm eigentlich, trotz der zwei Schießfehler beim Sprint-Stehendanschlag, die Schießanlage von Hochfilzen liegt, denken wir nur an sein unglaubliches Stehendschießen bei der siegreichen Mixed-Staffel.
Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein, was das Verfolgungsrennen bringen wird, denn neben den deutschen Läufern scharren vor allem der Seriensieger Martin Fourcarde und die Norweger um den Sprint-Vizeweltmeister Johannes Tignes Boe mit den Hufen.

Sonntag, 22. Januar 2017

Handball WM: Unnötiges Aus der Bad Boys

Es fehlen die Worte. Man fragt sich: Was war das denn?!
Da steht die deutsche Abwehr fast über das ganze Spiel hinweg sicher und entschärft einen Katari-Wurf nach dem anderen. Und dann steht da auch noch ein bärenstarker Andreas Wolf zwischen den Pfosten und hat mit einer Quote von mehr als 50% der katarischen Nationalmannschaft das Fürchten gelehrt.
Aber was macht die deutsche Mannschaft im Angriff?! Es fallen einfach zu wenig Tore! Zugebener Maßen ist der gebürtige Serbe Serbic im katarischen Tor ähnlich stark wie Wolf, aber dennoch ließen die Bad Boys zu viele Würfe liegen und reagierten zu oft nervös.

Dennoch lagen sie das ganze Spiel über in Front bis es in der Schlussphase zu einer folgenreichen Fehlentscheidung des lettischen Schiedrichtergespanns gab. Paul Drux wurde beim Stand von 20:20 im Wurf gestoßen, und die anschließende Aktion am Kreis wurde anschließend als Stürmerfoul gewertet, obwohl jeder, der nicht die katarische Brille auf hatte, einen Siebenmeterpfiff - es wäre der erste im Spiel für die deutsche Sieben - erwartet hätte. Diese Szene sollte den Wendepunkt des Spiels bringen: Katar ging mit 21:20 in Führung und gab sie nicht mehr ab.
Dabei hätten die Bad Boys noch Chancen gehabt, erneut einzunetzen, aber sie agierten zu nervös und gaben so den schon fast sicher geglaubten Sieg - in Halbzeit 2 lagen sie immerhin bereits beim 17:13 mit 4 Toren in Front - noch aus den Händen!

Die Trauer ist groß im deutschen Lager! So hat sich wohl niemand den Schlusspunkt der WM und damit das Ende der Ära Sigurdsson vorgestellt!
Es ist ein kläglicher Abgang von der WM-Bühne, der absolut unnötig war! Die deutsche Mannschaft hätte vorne nur etwas souveräner und durchsetzungsstärker auftreten müssen, dann hätten die Katari keine Chance gehabt. Aber die Mannen von dem scheidenden Bundestrainer Dagur Sigurdsson zeigten ungewohnte Nerven und schlugen sich letztendlich selbst. Warum das ausgerechnet im ersten k-o-Duell passieren musste, fragen sich wohl so manche Handballfans.
So aber muss der Europameister die Heimreiche antreten. Dass er damit in bester Gesellschaft ist, da auch Olympiasieger Dänemark völlig überraschend an Ungarn scheiterte, mag kaum trösten!

Freitag, 13. Januar 2017

Handball-WM: Start gegen Ungarn geglückt

Der Start in die Handball-WM in Frankreich ist der deutschen Handball Nationalmannschaft geglückt, wenngleich es ein Spiel gewesen ist, das ob der Gegensätzlichkeit seines Gleichen suchen dürfte: War die deutsche Mannschaft in der ersten Halbzeit noch absolut souverän und der ungarischen Mannschaft eindeutig überlegen, verlor sie in Halbzeit 2 komplett den Faden und kam überhaupt nicht in die Gänge!

Gleichzeitig war es eine Nervenschlacht der ganz anderen Art für den Zuschauer: Bekanntlich hat es kein deutscher Fernsehsender fertig gebracht, die WM live zu übertragen - schade, dass Handball in Deutschland nicht denselben Stellenwert wie Fußball genießt - die Bad Boys hätten es verdient-, denn bei einer Fußball-WM oder EM wäre es zu einer solchen Situation wahrscheinlich nie gekommen! Nun, glücklicherweise ist die DKB - ja, ein privater Sponsor (!) - in die Bresche gesprungen und zeigt die WM-Spiele per Livestream im Internet. Der deutsche Handballfan dürfte, als dieses endlich feststand, enorm erleichtert gewesen sein, und so konnte man sich auf die heutige Erstrundenpartie der deutschen Handball Nationalmannschaft gegen Ungarn freuen. Aber was passierte dann?! Nachdem die ersten Minuten über Bilder aus Rouen gesendet wurden, war der Bildschirm plötzlich schwarz, und es blieb nur der Live-Ticker, der bekanntlich keine Live-Bilder ersetzt! Hektisch wurde versucht, auf irgendeinem anderen Weg, Bilder des Spiels zu sehen, aber es sollte etwa bis zur 23. Minute dauern, bis der Livestream wieder stand. Unglaublich!!
Im Nachhinein war zu vernehmen, dass diese "Bildstörung" nicht an überlasteten Servern lag, wie wahrscheinlich die Mehrheit vermutete, sondern an dem Provider selbst. Man fragt sich: Wie kann das sein?!

Nun, man erkennt, dass dieses Spiel nicht arm an Spannung und Reizpunkten war, sowohl auf als auch neben der Platte.
Ruhepunkt des Spiels war das Schiedsrichtergespann, dem man heute eine gute Leistung bescheinigen konnte. Das konnte man auch der deutschen Mannschaft für die erste Halbzeit. Mit einem bärenstarken Silvio Heinevetter im Tor kamen die Mannen vom scheidenden Bundestrainer Dagur Sigurdsson so richtig ins Rollen und lagen eine Minute vor dem Pausenpfiff mit 7 Toren in Front. Dass die Ungarn bis zur Pause noch auf 16:11 herankamen, war zwar ärgerlich, schien aber zunächst eher nur ein Schönheitsfehler zu sein.

Aber dann startete die zweite Hälfte, und die deutsche Mannschaft stand komplett neben sich. Stand die Abwehr vorher bombensicher und ließ kaum einen ungarischen Wurf zu, wackelte sie jetzt mehr und mehr. War das deutsche Angriffsspiel zuvor einfach nur zum Zungeschnalzen, wollte jetzt gar nichts mehr gelingen. Über 8 Minuten sollten in Halbzeit 2 vergehen, bis die deutsche Mannschaft erneut einnezten konnte. Aber auch das brachte nicht den erhofften Befreiungsschlag. In dieser Phase war es wohl einzig Silvio Heinevetter zu verdanken, dass die deutsche Mannschaft immer noch in Führung blieb.
Und es sollte bis zu dem Schachzug von Sigurdsson, mit einem 2. Kreisläufer als 7. Feldspieler Verwirrung in die ungarische Abwehr zu bringen, dauern, ehe der amtierende Europameister wieder einigermaßen in die Partie kam.
Der Rest ist schnell erzählt: Die deutsche Mannschaft fing sich mehr und mehr und konnte schlussendlich dieses so wichtige erste Spiel der WM mit 27:23 für sich in entscheiden.
Die Erleichterung ist riesengroß!

Und im Nachhinein mag man Spekulationen darüber anstellen, ob es für die Mannschaft nicht vielleicht sogar besser war, diese schwierige Situation in Halbzeit 2, als man kurz davor war, das Spiel aus der Hand zu geben, gemeistert zu haben, als wie in Halbzeit 1 auch so souverän durch die 2. Spielhälfte marschiert zu sein.
Egal, alles was jetzt zählt, ist der Sieg zum Einstand.
Hoffen wir, dass es bei der WM so weiter geht!

Freitag, 6. Januar 2017

Kamil Stoch im Skisprung-Olymp

Kamil Stoch hat es geschafft: Er hat mit dem heutigen Tagessieg beim Abschlussspringen der Vierschanzentournee in Bischofshofen den Gesamtsieg errungen!
Der Pole ist damit aufgenommen in den Skisprung-Olymp: Neben ihm haben nur 4 weitere Springer neben dem Olympiasieg und Weltmeistertitel ebenfalls den Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee erspringen können!

Stoch hat heute Unglaubliches erreicht, berücksichtigt man vor allem, dass er durch seinen Sturz im Probedurchgang von Innsbruck nach wie vor gehandicapt ist.
Nach dem 1. Durchgang lag Polens Nationalheld noch auf dem 2. Rang hinter dem Slowenen Jurij Tepes, den er aber mit einer Weite von 138.5 m im 2. Durchgang deutlich überflügelte.

Gleichzeitig bot das Springen von Bischofshofen, und hier vor allem der zweite Durchgang, aber auch geradezu Dramatisches: Bekanntermaßen lag Stoch vor dem Abschlussspringen 1.7 Punkte hinter dem Norweger Daniel Andre Tande auf dem 2. Platz der Gesamtwertung. Er wandelte diesen Rückstand zwar bereits im ersten Durchgang in einem knappen Vorsprung von 2.8 Punkten, aber Tande lag auf Platz 3 in Lauerstellung.
So hielt die Skisprungwelt den Atem an, als der Norweger zum 2. Durchgang in die Spur ging: Aber was war das? Der Norweger kam direkt nach dem Absprung in's Trudeln und konnte nur mit Mühe einen Sturz vermeiden und landete bei indiskutablen 117.0 m.
Was war passiert? War er im Anlauf irgendwo hängen geblieben? Oder hatte er schlichtweg den Absprung verpasst? War etwas mit der Bindung?
Man kann zum jetzigen Zeitpunkt nur Vermutungen anstellen. Klar war, dass dieser Satz Tandes Aus in der Gesamtwertung bedeutete. Er landete zwar hinter Stochs Landsmann Piotr Zyla noch auf dem 3. Rang, dürfte aber den Tränen nahe gewesen sein: So nah war er dran am großen Triumph...

Jedoch darf bezweifelt werden, ob Tande ohne dieses Missgeschick Stoch wirklich hätte Paroli bieten können. Der Norweger schien mit der Paul-Ausserleitner-Schanze während aller Sprünge nie 100%ig klarzukommen. Ganz anders Kamil Stoch: Er zauberte einen Spitzensprung nach dem anderen in den Schnee von Bischofshofen, so dass er heute wahrscheinlich nicht zu schlagen war!
Daher gilt unser Glückwunsch dem Doppelolympiasieger von Sotschi!
Hinter Stoch kam dessen Landsmann Piotr Zyla auf Platz 2 in der Gesamtwertung ein, was eine absolute Überraschung darstellt. Da mit Matiej Kot auf Platz 4 ein weiterer Pole folgt, war die polnische Mannschaft erfolgreich wie noch nie bei der Vierschanzentournee.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur deutschen Mannschaft: Richard Freitag schaffte mit Platz 6 heute sein bestes Tourneeergebnis. Mit Stephan Leyhe auf dem 8. und Karl Geiger auf dem 9. Rang kamen zwei weitere Deutsche in die Top-Ten, so dass man insgesamt zufrieden sein darf mit dem Auftritt der deutschen Adler. Es fehlt leider nur das Top-Ergebnis.
In der Gesamtwertung kamen mit Markus Eisenbichler als 7. und Stephan Leyhe als 8. zwei Springer unter die ersten 10 der Gesamtwertung, was für die Zukunft durchaus hoffen lässt!

Mittwoch, 4. Januar 2017

Bergisel-Springen vom Winde verweht

Die ärgsten Befürchtungen haben sich bei der dritten Station der diesjährigen Vierschanzentournee, am Bergisel in Innsbruck, leider bewahrheitet, und es kam zu der fast schon angekündigten Windlotterie.

Dabei überschlugen sich die Ereignisse bereits vor Start des ersten Wettkampfdurchgangs:
Severin Freund, im letzten Jahr noch Zweiter in der Gesamtwertung, musste bereits am Vortag krankheitsbedingt seine Koffer packen und die Heimreise antreten. Gleiches gilt für den in der Gesamtwertung noch aussichtsreich auf Rang 6 liegenden Österreicher Michael Hayböck: Ein Magen-Darm-Virus hatte einen Großteil des österreichischen Teams erfasst, den Vorjahres-Dritten am stärksten. Für den Tiroler war ein Springen am heutigen Tag leider undenkbar. Aber auch den Oberstdorf-Sieger und Gesamt-Zweiten, Stefan Kraft, sowie Andreas Kofler erwischte es; beide konnten jedoch, wenn auch geschwächt, in Innsbruck an den Start gehen.

Dann kam es beim heutigen Probedurchgang zu einem fast verhängnisvollen Sturz: Der Gesamtführende Kamil Stoch bekam nach der Landung aufgrund des sehr ruppigen Auslaufs, der einem Springen bei der Vierschanzentournee nicht wirklich würdig war, einen Schlag auf den Ski, wodurch sich die Bindung löste und der Pole zu Fall kam. Zunächst sah alles nicht ganz so dramatisch aus, dann stellte sich jedoch heraus, dass der Doppelolympiasieger von Sotschi empfindlich auf die Schulter gefallen war und der Start auf der Kippe stand. Schlussendlich konnte der polnische Mannschaftsarzt aber grünes Licht geben, so dass der legitime Nachfolger von Adam Malysz an den Start gehen konnte.

Um 14:00 sollte dann der erste Springer, Jurij Tepes, vom Bakken gehen, aber es kam bereits jetzt aufgrund der drehenden und wechselnden Winde zu Verzögerungen. Dieses sollte sich den ganzen ersten Durchgang über durchziehen, so dass dieser erst kurz nach halb 4 beendet werden konnte. Lange sah es sogar mehr als schlecht aus, ob der Durchgang überhaupt zu Ende gebracht werden könnte.
Manch Springer, darunter vor allem die vom Winde verwehten Markus Eisenbichler und Stefan Kraft, hätte sich wohl einen Abbruch gewünscht, aber es kam nicht dazu: Die Jury "prügelte" den ersten Durchgang regelrecht durch, so dass nach einem Durchgang der Sieger feststand. Der zweite Durchgang konnte, obwohl die Winde gemäßigter waren, wegen anbrechender Dunkelheit nicht mehr gestartet werden. Man fragt sich, warum ein so geschichtsträchtiger Ort, wie der Bergisel, nicht in eine Flutlichtanlage investiert?!

Mit Daniel Andre Tande siegte jedoch gewiss kein unbeschriebenes Blatt. Der Norweger hatte bereits beim Neujahrsspringen triumphiert, hatte aber am Bergisel, das muss man fairer Weise erwähnen, von allen Favoriten die besten Bedingungen, die er jedoch auch mit einem Sprung auf 128.5 m zu nutzen wusste.
Das weitere Podium mit Tandes Landsmann Robert Johansson und dem Russen Ewgenij Klimow war hingegen überraschend. Die beiden hatten die Gunst der Stunde genutzt und mit der Tagesbestweite von 133.0 m (Johansson) und 127.0 m weite Sprünge in die Bergiselanlage gezaubert.

Was aber war mit den anderen Favoriten?
Kamil Stoch kam trotz Schulterproblemen auf dem 4. Platz ein und rangiert nun mit 1.7 Punkten Rückstand auf Tande auf Rang 2 der Gesamtwertung.
Stefan Kraft hingegen hat es, wie bereits erwähnt, böse erwischt: Nicht nur dass er durch den Magen-Darm-Infekt geschwächt an den Start ging, nein, er erwischte denkbar schlechte Bedingungen und kam nur auf 116.0 m, wodurch er auf Rang 3 der Gesamtwertung abrutschte und nun mit 16.6 Punkten bereits einen deutlichen Rückstand auf Tande aufweist.
Ähnlich bitter traf es Deutschlands letzte Hoffnung in der Gesamtwertung, Markus Eisenbichler: Der Bayer saß zweimal extrem lange auf dem Bakken, beim zweiten Mal hatte Bundestrainer Werner Schuster bereits in der Gewissheit, dass die Ampel auf rot springen würde, abgedreht, ehe er sah, dass die Ampel in allerletzter Sekunde, bei sehr schwierigen Windbedingungen, auf Grün umsprang und Eisenbichler springen musste: Er kam leider nur auf 112.0 m, wodurch er in der Gesamtwertung hinter dem Polen Piotr Zyla und dem Lokalmatador Manuel Fettner auf Rang 6 abrutschte und so keine Chance mehr auf das Podium in der Gesamtwertung haben dürfte. Ärgerlich!

Ein wenig Licht aus deutscher Sicht gab es heute hingegen bei Stephan Leyhe, der gute 120.5 m in den Schnee brachte und als Tages-Elfter einen Sprung auf Platz 8 in der Gesamtwertung machte. Andreas Wellinger liegt dort, nach Platz 13 heute, auf Rang 11.

Als Resumée des heutigen Tages mag man ziehen, dass es evtl. besser gewesen wäre, die Jury hätte nicht zwanghaft versucht, wenigstens einen Durchgang nach unten zu bringen, sondern hätte das Springen für heute abgesagt bzw. abgebrochen.
Stattdessen hätte das Springen, wie bereits 2008 geschehen, am morgigen Tag in Bischofshofen nachgeholt werden können. Dieses wäre zwar ein erheblicher Verlust für Innsbruck als Skisprungstandort gewesen, aber wäre es im Sinne eines möglichst fairen Wettbewerbs nicht gerechter gewesen?!