Montag, 27. Dezember 2021

Vierschanzentournee - Favoritencheck

Morgen startet sie - die 70. Vierschanzentournee!

Wer wird Nachfolger des Vorjahressiegers Kamil Stoch? Wird es 20 Jahre nach Sven Hannawald endlich wieder einen deutschen Gesamtsieger geben? Wer sind die Favoriten, wer die Geheimfavoriten? Mit wem ist eher nicht zu rechnen? 

Es wäre fast zu schön um wahr zu sein, wenn es endlich einmal wieder ein deutscher Adler ganz nach oben auf das Treppchen der Gesamtwertung schaffen würde. Nach sehr erfolgreichen Jahren mit Weltmeistertiteln, Olympiasieg, einem 2. und 3. Platz in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee durch Karl Geiger in den Vorjahren, wäre die deutsche Mannschaft eigentlich endlich einmal dran. Aber was zählt das schon, wenn der traditionsreiche Wettbewerb erst einmal läuft?! Zu oft hat in den letzten Jahren vor allem das Bergiselspringen den deutschen Springern die Suppe versalzen. Also mag man fast meinen, dass es genau auf dieses dritte Springen ankommen wird. Aber ganz so einfach ist es ja nun auch wieder nicht: Die Tournee besteht aus 4 Springen, inklusive Qualifikation also insgesamt 12 Einzelsprünge. - Da kann viel passieren...

Der derzeitige Gesamtweltcupführende Karl Geiger darf aber sicherlich zum Favoritenkreis gezählt werden. Vielleicht gelingt dem Oberstdorfer auf seiner Heimschanze wieder ein perfekter Tourneeeinstand?! - Zu wünschen wäre es dem Allgäuer!
Markus Eisenbichler, die Nummer 2 im deutschen Lager, ist eher als Wundertüte oder vielleicht auch als Geheimfavorit anzusehen. Der Eisei sprang zuletzt zu unkonstant und landete meist doch einige Meter hinter der Spitze, aber wir wissen auch: Wenn der Siegburger erst einmal in einen Flow kommt, ist auch bei ihm alles möglich!
Den wiedergenehsenen Andreas Wellinger unf Stephan Leye darf noch nicht zu viel zugetraut werden. Aber die Hoffnung besteht, dass sie sich durch immer bessere Sprünge immer besser in Form bringen, um dann bei den Olympischen Spielen vielleicht wieder die Trumpfkarte im deutschen Team sein zu können. Youngster Constantin Schmid, der in dieser Saison die eher schwächere Vorsaison fast vergessen lässt und Pius Paschke könnten zur guten mannschaftlichen Geschlossenheit beitragen. Eine entscheidende Rolle in der Gesamtwertung dürften sie jedoch eher nicht spielen. So liegen die deutschen Hoffnungen also einmal mehr auf den Schultern von Karl Geiger.

Als Topfavorit sollte jedoch eher der Japaner Ryoyu Kobayashi angesehen werden. Der Japaner hat seine Technikprobleme eindrucksvoll in den Griff bekommen und zeigt fast wieder die Form, als er, wie Hannawald vor 20 Jahren, den Grand Slam bei der Tournee schaffte.

Außer Acht lassen darf man sicherlich auch nicht die Norweger um Halvor Egner Granerud, der zwar noch nach seiner Topform sucht, aber sollte dem Norweger ein guter Start gelingen, ist auch ihm einiges zuzutrauen. Schließlich hat er vom Vorjahr ja noch eine Rechnung mit der Tournee offen. Neben Granerud könnte Marius Lindvik auf seiten der Norweger im Fokus stehen. Die übrigen Springer scheinen nicht die für einen Tourneesieg erforderliche konstant gute Form zu bringen. Dennoch sollten Daniel Andre Tande und Robert Johannsen zumindest in den erweiterten Kreis der Favoriten gezählt werden.

Und was ist mit den Österreichern? - Mit Stefan Kraft ist immer zu rechnen, aber wen hat Rot-Weiß-Rot noch zu bieten? Hier könnte evtl. Jan Hörl als Geheimfavorit angesehen werden, mehr aber auch nicht.

Die Polen um Vorjahressieger Kamil Stoch sind erstaunlich schwach in die Saison gestartet, aber vielleicht können sie ähnlich überraschen wie Killian Peier aus der Schweiz. - Seien wir gespannt!

Mittwoch, 30. Juni 2021

Ausgerechnet England

Die Reise für die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der EURO 2020 ist mit der Achtelfinalniederlage gegen England beendet. Dieses bedeutet gleichzeitig den traurigen Schlusspunkt der Ära Löw.

Zugegebener Maßen ist ein Scheitern im Achtelfinale bei einer Europameisterschaft grundsätzlich durchaus keine Schmach. Vor allem die Achtelfinalspiele haben gezeigt, dass das Niveau in Europa derart ist, dass im Grunde fast Jeder Jeden schlagen kann. So hat beispielsweise die Schweiz Weltmeister Frankreich niedergerungen.
Damit ist die deutsche Fußballnationalmannschaft in bester Gesellschaft, da neben Frankreich auch der noch amtierende Europameister Portugal und Holland die Koffer packen müssen.

ABER es ist mehr als nur schmerzhaft, dass die deutsche Nationalmannschaft ausgerechnet gegen England ausgeschieden ist. Diese Duelle sind immer von einer besonderen Brisanz und zumeist, während der zurückliegenden 55 Jahre bei Meisterschaftsspielen immer, ging Deutschland als Sieger vom Platz. Dass ausgerechnet bei dieser EM diese Serie riss, ist tragisch. So wird das Ende der Ära Löw immer mit dieser Niederlage verbunden sein. Dieses gibt seiner Amtszeit einen negativen Touch, den der Weltmeistertrainer von 2014 in dieser Weise nicht verdient hat.

Nun, man muss aber auch zugeben, dass von der deutschen Mannschaft in dieser Achtelfinalbegegnung insgesamt zu wenig kam. Über lange Phasen des Spiels waren beide Mannschaften jedoch gleichwertig. Chancen gab es auf beiden Seiten. Beide Mannschaften waren darauf bedacht, möglichst keinen Gegentreffer zu fangen. Ballbesitz, Ball-Halten stand dabei vor allem bei der deutschen Mannschaft mal wieder im Fokus.
Tempo kam dabei bei den deutschen Spielern jedoch zu selten auf, der Pass in die Spitze, in den Lauf, wurde zu selten gespielt. Die bei den vorherigen Spielen immer wieder aufkommende Unkonzentrierung konnten die Mannen von Jogi Löw zudem auch in diesem Spiel nicht ganz abstellen. So gab es kurz vor Halbzeit einen mehr als unnötigen Ballverlust, der fast zum ersten Tor der Engländer geführt hätte, hätte Mats Hummels nicht in allerletzter Sekunde weltmeisterlich gerettet!

So kam es in der zweiten Halbzeit, wie es kommen musste: Etwa 15 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit netzte Raheem Sterling zum ersten Mal für die Engländer ein.
Noch blieb der deutschen Mannschaft genügend Zeit, leider verpufften jedoch - einmal wieder - die Einwechselungen. Löw ließ dabei eine klare Strategie vermissen. Von Jokers war nichts zu sehen.
Dennoch hatte Thomas Müller den Ausgleich auf dem Schlappen. Leider konnte er diese Großchance nicht nutzen... Kurze Zeit später sorgte ausgerechnet der bislang torlose Harry Kane für die endgültige Entscheidung. - Die Schmach war perfekt.

Sonntag, 14. Februar 2021

Silberfestival in Cortina d'Ampezzo geht weiter

Viertes Speedrennen bei den alpinen Skiweltmeisterschaften von Cortina d'Ampezzo - dritte Silbermedaille für den DSV! - Unglaublich, auf ein solch erfolgreiches Auftreten konnte man im Vorfeld bestensfalls hoffen, aber damit rechnen?! 

Nachdem Romed Baumann im Auftaktrennen der WM Silber im Super-Ski hinter Vincent Kriechmayr gewinnen konnte, fuhr Kira Weidle gestern in der Abfahrt sensationell ebenfalls auf den Silberrang. Weidle, bislang im Weltcup noch nie auf das Siegerpodest gefahren, musste sich um 20 Hunderttselsekunden nur der Weltmeisterin Corine Sutter aus der Schweiz geschlagen geben und kam noch vor der neuen Super-Ski-Weltmeisterin Lara Gut-Behrami, ebenfalls aus der Schweiz, ein! Eine Wahnsinnsleistung dieser Vizeweltmeistertitel der Stuttgarterin!

Heute stand dann nun die Köngisdiziplin, die Abfahrt der Herren auf dem Programm: Aus deutscher Sicht stand im Vorfeld vor allem Thomas Dreßen im Fokus, der nach über 300-tägiger Verletzungpause in Cortina in sein erstes Rennen ging, es aber nur auf Rang 18 beenden konnte. Dennoch kann man von einem erfolgreichen Comeback sprechen.

Ins Rampenlicht fuhr hingegen ein anderer Deutscher, der ähnlich wie Weidle, es auch noch nicht auf das Weltcupodium schaffen konnte: Andreas Sander, der bislang die  Saison seines Lebens fährt und regelmäßig in den Top-Ten landete. Daher gab es schon die berechtigte Hoffnung, dass Sander es, wenn ihm einmal ein richtig guter Lauf gelingen würde, auch einmal nach vorne packen würde, aber das ihm dieses ausgerechnet bei der WM gelingen würde ... - das ist schon ein Wintermärchen!!
Kommen wir zum Rennen: Vincent Kriechmayr ging mit der Nummer 1 in's Rennen und brachte eine gute Fahrt nach unten, aber zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner einschätzen, was diese wirklich wert sein würde. Mit Startnummer 2 kam dann Andreas Sander, der es mit dem kleinsten aller Rückstände, 0,01 Sek. hinter Kreichmayr in's Ziel schaffte.
Die folgenden Starter sollten nun zeigen, dass diesen Beiden eine von oben bis unten sehr gute Fahrt gelungen ist, mit den wenigsten Fehlern aller Starter. Denn weder der Lokalmatador Domink Paris und große Favorit, am Ende 4., weder Beat Feuz, der Kugelblitz und Streifsieger dieses Jahres aus der Schweiz, 17 Hunderstelsekunden hinter Sander zum Abschluss auf dem Bronzerang und auch nicht der Doppel-Olympiasieger aus Österreich, Matthias Mayer aus Österreich, der gar ausschied, kamen an Kriechmayr und Sander heran.
Und so fährt Kriechmayr tatsächlich seinen zweiten WM-Titel von Cortina ein, und Sander wird denkbar knapp Vizeweltmeister! - Die alpine Skiwelt verbeugt sich!


Samstag, 23. Januar 2021

Wiedergutmachung gegen Brasilien

 Vor Start des zweiten Hautrundenspiels der deutschen Handball Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Ägypten war leider bereits klar, dass das deutsche Team das Minimalziel Viertelfinale verfehlt hat. - Polen hatte gegen Ungarn nicht die erhoffte Schützenhilfe gezeigt. Damit fiel auch die letzte Hintertür für die deutschen Handballer zu.

Dennoch zeigte das Team von Bundestrainer Alfred Gislason eine couragierte Leistung und hatte die brasilianische Mannschaft das ganze Spiel über im Griff. Vorne mit vielen guten und vor allem auch erfolgreichen Varianten, mit einem starken Kreisläufer Johannes Golla, mit 7 Toren und einer 100%igen Ausbeute zudem Mann des Spiels, sowie einem wiederum klug Regie führenden Philipp Weber. Die Fehlpassquote bzw. die Ballverluste waren im Vergleich zu dem Spanienspiel auch geringer, so dass die Brasilianer im Gegensatz zu den Spaniern im ersten Hauptrundenspiel kaum zu Tempogegenstößen kamen. Eine klasse Torwartleistung von Jogi Bitter, und auch die Abwehr um Abwehrchaft Johannes Golla schien die Lage besser im Griff zu haben, auch wenn man in die Wagschale werfen könnte, dass die Brasilianer ein anderes Kaliber als Spanien sind. - Sicherlich, aber eben diese Brasilianer hatten den Iberern in der Vorrunde noch ein Unentscheiden abgerungen.

Nun, dennoch bleibt ein bitterer und auch ein wenig trauriger Beigeschmack, da die WM-Reise der deutschene Handballnationamannschaft früher vorbei ist, als erhofft. Dabei muss man sagen, dass diese junge und aufgrund der Absagen von vielen Stammkräften neu formatierte deutsche Mannschaft in den vergangenen Spielen viele sehr gute Ansätze gezeigt hat. - Man denke nur an die überragende erste Viertelstunde in der zweiten Halbzeit gegen Spanien, wo ein deutlicher Rückstand in eine 3-Tore-Führung gewandelt wurde und die Mannschaft genialen Handball zeigte. Leider war diese Herrlichkeit nicht von Dauer, denn die spanischen Routiniers drehten das Spiel wieder. Und hier liegt wahrscheinlich derzeit die Crux: Der deutschen Mannschaft fehlt in manchen Phasen die Routine, das Eingespieltsein, die Kaltschnäuzigkeit. - Zu schnell konnten sich wieder Fehler in Abwehr und vor allem im Abschluss vor dem gegnerischen Tor einschleichen, die die deutsche Sieben letztendlich dann doch wieder auf die Verliererstraße brachten. Dennoch, über das gesamte Turnier hinweg gab es so viele gute Ansätze, dass man auf eine gute Zukunft hoffen darf! Denn war es nicht auch so, dass sowohl gegen Ungarn als auch gegen Spanien die deutsche Mannschaft knapp dran und durchaus auf Augenhöhe gespielt hat?! - Es fehlte dieser letzte Puntch, die letzte Entschlossenheit und auch die letzte Überzeugung, auch diese Gegner schlagen zu können. Aber mit jedem weiteren Spiel gewinnt die Mannschaft mehr an Erfahrung, spielt sich besser ein und wird sich weiterentwickeln, um dann, auch mit Unterstützung der in Ägypten fehlenden Stammkräfte, schon bald wieder im Konzert der Großen mitspielen zu können!

Mittwoch, 6. Januar 2021

Ende gut, Alles gut - Geiger auf dem Podium

König Kamil krönt sich beim heutigen Abschlussspringen der Vierschanzentournee einmal mehr selbst und erspringt seinen dritten Tourneegesamtsieg. Mit seinem Sieg in Bischofshofen, bei dem er bei beiden Durchgängen Bestweite sprang, machte er diesen klar und ließ der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance. Das muss man ehrlicherweise anerkennen, so gern man sich auch über einen deutschen Gesamtsieger gefreut hätte.

Dennoch gab es für die deutschen Adler einen versöhnlichen Abschluss der deutsch-österreichischen Traditionsveranstaltung. Auch wenn die Ausgangssituation alles andere als gut für Deutschlands derzeitigen Vorzeigespringer, Karl Geiger, war und auch die heutigen Trainingssprünge eher mittel- als spitzenmäßig waren, hatte sich der Oberstdorfer mit einem Satz von 138,0 m bereits nach dem ersten Durchgang auf den zweiten Rang in der Gesamtwertung nach vorn gekämpft. Dawid Kubacki und Halvor Egner Granerud hatten nach eher mäßigen Sprüngen das Nachsehen. Wobei man fairer Weise sagen muss, dass Granerud auch aufgrund eines Schachzugs seines Trainers Alexander Stöckel Federn lassen musste, denn der österreichische Trainer der Norweger hatte alles in eine Waagschale geworfen und vor Granerud den Anlauf verkürzen lassen, was leider nicht aufging, da Granerud nicht auf die geforderte Weite kam und so wertvolle Punkte liegen ließ. Aber dennoch Chapeau vor diesem Versuch, den Rückstand auf Stoch so aufholen zu wollen, denn nur so wäre aus norwegischer Sicht das fast Unmögliche wahrscheinlich noch möglich gewesen.

Da sowohl Kubacki, heute Tages-15ter, als auch Granerud, heute 12. von Bischofshofen, keinen überragenden zweiten Durchgang zeigten, Geiger aber einmal mehr sehr solide auf 133,5 m kam, war der dritte Platz von Bischofshofen sowie Rang 2 in der Gesamtwertung für den Oberstdorfer gesichert! - Wer hätte das nach Innsbruck noch für möglich gehalten?! - Es war wahrscheinlich ein gutes Omen, dass Linus Strasser kurz vor Start des letzten Tourneespringens in Zagreb überraschend seinen ersten Weltcupsieg in einem Slalom erringen konnte!

Dennoch muss festgehalten werden, dass es wohl selten bei einer  Tournee ein solches Auf- und Ab gab, wie in diesem Jahr. Es fing bereits in Oberstdorf an, wo die Polen erst ganz raus und dann doch wieder zugelassen waren. Geiger sprang dort, doch ein wenig überraschend auf die Nummer 1.
Dann musste der 3. von Oberstdorf, Marius Lindvik, heute Dritter hinter Stoch und Geiger, die Springen in Garmisch-Partnerkirchen und Innsbruck aufgrund einer Kiefernentzündung auslassen. Springer, die man vorn im Gesamtklassements erwarten durfte, patzten bei mindestens einem der vier Springen: So büßte Stefan Kraft in Garmisch, heute Vierter, alle Chancen in der Gesamtwertung bereits früh ein. Oder aber der Zweite von Innsbruck, Anze Lanisek, packte in Bischfhofen noch nicht einmal die Qualifikation für den ersten Durchgang und konnte seine gute Ausganssituation in der Gesamtwertung als 6. nach Innsbruck nicht nutzen. Auch der durchaus mit Außenseiterchancen an den Start gegangene Norweger Robert Johansson stand bereits in Oberstdorf im Abseits, wo er den zweiten Durchgang nicht erreichen konnte.
Leider reiht sich auch ein deutscher Adler hier ein: Markus Eisenbichler, nach Innsbruck auf dem 5. Gesamtrang liegend, schielte vor dem Abschlussspringen durchaus noch auf das Podium, musste aber nach einem schwachen Sprung auf 120,5 m im ersten Durchgang bereits vorzeitig seine Sachen packen und erlebte den zweiten Durchgang nur als Zuschauer... - Bitter für den Eisei, aber der Weltmeister hatte einen aggressiven Sprung riskiert, den er in der momentanen Form aber leider nicht wie erhofft nach unten brachte.

So bleibt es der deutschen Fangemeinde sich über den wiedererstarkten Karl Geiger und seinen Platz auf dem Podium zu freuen. - Ein versöhnliches Ende der Vierschanzentournee, und nach Gesamtrang 3 im Vorjahr, dem zweiten Platz in diesem Jahr, wäre im nächsten Jahr dann doch eigentlich der Gesamtsieg an der Reihe...

Sonntag, 3. Januar 2021

Schicksalsberg Bergisel - Was für eine Dramatik!

Bergisel - der Schicksalsberg der deutschen Skiadler - wie oft galt dieses zuletzt für die Vierschanzentournee?! Während Eisenbichler sich vor zwei Jahren am Bergisel noch zum Weltmeister und Geiger zum Vizeweltmeister kührten, schien beim heutigen 3. Springen der Vierschanzentournee, wie auch in den Vorjahren, einmal mehr alles gegen die deutschen Vorzeigespringer zu laufen, zumindest im ersten Durchgang...

Karl Geiger ging als Qualifikationssiebter als erster der Topfavoriten vom Bakken. Die Fangemeinde stellte sich die bange Frage, ob der Oberstdorfer den heutigen schwachen Trainingssprung hinter sich lassen und einmal mehr seine Wettkampfstärke zeigen konnte. - Nein! Geiger zeigte seit langer Zeit im Wettkampf einen schwachen Sprung und kam nur auf  117,0 m. - Wären Zuschauer im Stadion zugelassen gewesen, hätte man sicher ein Raunen im weiten Rund erleben können... War es das mit dem Stockerl in der Gesamtwertung für den bislang Gesamtzweiten?!

Ein schwacher Trost dürfte es für den Skiflugweltmeister gewesen sein, dass auch Stefan Kraft Federn lassen musste und deutlich hinter seinem Potential zurückblieb, aber der Österreicher spielt im Gesamtklassement schon länger keine Rolle mehr. Im nächsten Pärchen ging dann König Kamil vom Bakken. - Kamil Stoch, in Oberstdorf wegen eines positiven Coronatests seines Teamkollegen Klemens Muranka zunächst gesperrt und dann doch kurzfristig zugelassen, zauberte 127,5 m in den Schnee, womit er den ersten Durchgang für Innsbruck für sich entscheiden konnte und auch in der Gesamtwertung an Geiger vorbeizog ... Sollte es wieder einen Triumph für den Polen geben?

Oder konnte doch noch der zweite deutsche Trumpf, Markus Eisenbichler, stechen? - Die Hoffnung war da, aber auch der Eisei hatte im ersten Durchgang von Innsbruck lahme Flügel und schloss diesen Durchgang lediglich auf Rang 15 ab - zu schlecht, um, wie gewünscht, Punkte in der Gesamtwertung, in der er zu Halbzeit auf Rang 5 rangierte, gutmachen zu können, aber immerhin noch 15 Plätze vor Geiger, der tatsächlich lediglich den 30. Rang nach Durchgang 1 in Innsbruck belegte... Was für eine Schmach!!

Aber was machte nun als nächstes der Vorjahresgesamtsieger Dawid Kubacki? Dem Polen scheinen nach seinem Sieg in Garmisch Flügel gewachsen zu sein, und er konnte sich deutlich von Geiger und Eisenbichler absetzen. - Was für ein Auftritt der Polen, die doch eigentlich schon "weg vom Fenster" waren!
Aber es gab da ja noch den großen Überflieger dieser Saison, Halvor Egner Granerud aus Nordwegen, der den ersten Durchgang abschloss. Graneruds Sprung sah grundsätzlich aus wie seine vorherigen - souverän und ... weit? - Nein! Auch der Norweger ließ im ersten Durchgang etliche Meter liegen und lag zur Halbzeit nur knapp vor Geiger... - Unglaublich, wann hat es das schon einmal gegeben, dass die ersten Beiden in der Gesamtwertung nach einem ersten Durchgang lediglich auf den Rängen 29 und 30 rangierten?!  

Was war nun in Durchgang 2 noch möglich? Geiger ging als erster vom Backken und landete bei 128,5 m! - "Warum nicht gleich so?!" rief er sich selber zu. Er, der sich nach Durchgang 1 so maßlos über seinen schwachen Sprunge geärgert hatte, hatte zumindest ein wenig Schadensbegrenzung betrieben. Und auch Granerud zeigte sich wiedererstarkt und setze sich um 0,1 Punkte vor Geiger. - Im Hinblick auf die Gesamtwertung ist das nicht viel und war nach Geigers Auftritt in Durchgang 1 nicht zu erwarten, aber da war ja noch die polnische Armada... Bevor Stoch & Co. jedoch vom Bakken gingen, war der Weltmeister an der Reihe. Und auch Eisenbichler betrieb mit einem Satz auf 128,5 m Schadensbegrenzung und kam sogar noch bis auf Tagesrang 6 nach vorn.
Ganz vorn lagen am heutigen Tag jedoch die polnischen Skispringer: Mit Piotr Zyla und Dawid Kubacki setzen sich zwei Springer aus Polen zunächst an die Spitze des Tableaus, lediglich Anze Lanisek, zweiter nach dem 1. Durchgang, konnte sich knapp vor die Beiden setzen. Aber sollte es für einen slowenischen Tagessieg reichen? Es schien fast unwahrscheinlich, dass Kamil Stoch eine Schwäche zeigen würde. - Und so kam es dann auch: Mit der Bestweite von 130,0 m im 2. Durchgang setze er sich mit über 10 Punkten Vorsprung an die Spitze. - Der zweimalige Sieger in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee scheint keine Nerven zu kennen!
So setzt er sich auch in der Gesamtwertung deutlich von der Konkurrenz ab. Auf Rang 2 folgt Dawid Kubacki, bereits über 15 Punkte hinter Stoch. Dritter nach 3 Springen ist Granerud, Vierter Geiger. Noch ist das Podium in Greifweite, aber der Toruneesieg sollte fast nicht mehr möglich sein.
Da tröstet auch der 5. Gesamtrang von Markus Eisenbichler kaum. Die beiden deutschen Vorzeigespringer waren gestartet, um die Nachfolge von Sven Hannawald anzutreten. Dass es dazu kommt, ist mehr als unwahrscheinlich. Dennoch hoffen wir auf Bischofshofen, denn auch dort sind noch 2 Sprünge zu erbringen und wie sehr 2 Sprünge das Klassement durcheinander bringen können, haben wir heute sehen dürfen ...