Samstag, 31. Dezember 2016

Überraschender Tournee-Auftakt in Oberstdorf

Die 65. Auflage der deutsch-österreichischen Vierschanzentournee startete in Oberstdorf gleich mit den ersten Überraschungen: Der Weltcupführende Domen Prevc aus Slowenien landete weit abgeschlagen auf dem 26. Rang und darf seine Ambitionen in der Gesamtwertung bereits jetzt begraben, die beiden anderen Brüder des Prevc-Clans kamen über Rang 8 nicht hinaus, Vorjahressieger Peter Prevc kam gar nur auf dem 10. Rang ein, und der Qualifikationsbeste und Mitfavorit auf den Gesamtsieg, Daniel Andre Tande, verpasste als 4. das Podest.

Nun aber genug der Überraschungen: Mit dem Oberstdorf-Sieger aus dem Jahr 2014, Stefan Kraft, hatte das Auftaktspringen einen würdigen Sieger. Mit Sprüngen auf 139.0 m und 134.5 m überflügelte er selbst Doppelolympiasieger Kamil Stoch aus Polen, der im Vorfeld neben Daniel Andre Tande und Domen Prevc als einer der Top-Favoriten gehandelt wurde. Aber mit dem zweiten Rang in Oberstdorf liegt der Pole voll im Soll und ist seinem Ziel, als zweiter polnischer Springer nach dem großen Adam Malysz die Vierschanzentournee zu gewinnen, ein Stückchen näher gekommen.
Hinter Stoch kam mit dem Österreicher Michael Hayböck ein weiterer Mitfavorit ein, dem jedoch nur wenige den ganzen großen Coup zutrauen.
Und dann wäre da ja noch Daniel Andre Tande: Der Norweger lag nach dem ersten Durchgang nur auf einem entäuschten 9. Rang und sah da bereits, neben Domen Prevc, der zur Halbzeit gar nur 27. war, als der große Verlierer von Oberstdorf aus. Aber Norwegens Vorzeigespringer machte es im 2. Durchgang  besser als der 17-jährige Youngster aus Slowenien und überflügelte mit 138.5 m, der Bestweite des 2. Durchgangs, einige seiner Konkurrenten, so dass er jetzt mit knapp 13 Punkten Rückstand auf Kraft noch durchaus in Reichweite.
Spannung in der Gesamtwertung ist daher vorprogrammiert. Und ob der großen Dichte in der Spitze dürfte Sven Hannawald einigermaßen beruhigt in die nächsten Tage gehen können, denn es erscheint mehr als unwahrscheinlich, dass es Stefan Kraft gelingen wird, die weiteren drei Springen ebenfalls für sich zu entscheiden.

Was aber ist mit den deutschen Adlern? Weltmeister Severin Freund ist bekannter Maßen nach seiner Hüft-OP noch nicht wieder der Alte und kann nur von Springen zu Springen schauen. Ein Top-Rang in der Gesamtwertung war bereits vor dem Start nie ein Thema, dennoch war er nach dem gestrigen 20. Rang ein wenig enttäuscht, denn es wäre noch etwas mehr drin gewesen.
Bester deutscher Springer war wie zuletzt Markus Eisenbichler auf Rang 6, der durchaus noch mehr erhoffen lässt, hat der junge Deutsche doch einige Punkte durch eine unsaubere Landung im 2. Durchgang liegen gelassen.
Die nächsten deutschen Adler kamen auf den Rängen 14 (Richard Freitag), 15 (Andreas Wellinger) und 17 (Stephan Leyhe) ein. Mit Andreas Wank auf dem 20. Platz und Karl Geiger als 27. kamen zwar insgesamt 7 deutsche Springer in die Punkte, aber da die Top-Platzierung fehlte, dürfte man nur bedingt zufrieden im deutschen Lager sein.

Aber wir wissen auch: Es warten noch drei Springen auf die Adler und bekannter Maßen kann auf den Schanzen von Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen eine Menge passieren. Freuen wir uns darauf!