Gestern nach dem Abpfiff stand nicht nur die Köln-Arena Kopf: Nein, Tausende, Zehntausende feierten den dritten Weltmeistertitel im Handball! - Und mitten drin Heiner Brand, der wohl berühmteste Schnauzbartträger der Nation.
Ohne den Gummersbacher wäre dieser Erfolg nie möglich gewesen: Er hat diese Mannschaft aufgebaut und geformt, und sie so hervorrragend auf das Turnier eingestellt, dass sie absolut davon überzeugt war, den Titel gewinnen zu können. - Dieses wünschte sich zwar auch Heiner Brand, aber so recht vorstellen konnte er es sich dieses ob der zahlreichen Verletzungssorgen vor der WM nicht. Zudem verfügt die Mannschaft nicht über die überragenden Einzelspieler, wie z.B. die Franzosen oder auch die Kroaten. Aber Heiner Brand hat es verstanden, eine wahre Mannschaft zu formen. Etwa 50 Spielzüge, wie "Polen", "Halle" oder "Schweden" haben unsere Weltmeister in Petto - damit ließ sich so mancher Gegener ausspielen. Und hier liegt die Stärke unserer Handball-Helden: Sie sind zwar nicht unbedingt körperlich überlegen, aber spielerisch. Verbunden mit einer erstklassigen Physis haben sie einen Teamgeist in der Mannschaft entwickelt, der sie letztendlich zum Weltmeistertitel geführt hat.
Zu dem Weltmeistertitel, der ihren Trainer spätestens jetzt zum Mr. Handball, zum Handball-Kaiser gemacht hat. Heiner Brand ist das gelungen, was Franz Beckenbauer im Fussball vorgemacht und Jürgen Klinsmann vergeblich versucht hat: Dem Weltmeistertitel als Spieler 1978 ließ er 26 Jahre später diesen gandiosen, gestern errungenen Sieg als Trainer folgen! - Ganz Handball-Deutschland verneigt sich vor Heiner Brand...
Es ist immer noch unfassbar, was unsere Handball-Helden erreicht haben...
Und dabei sah es nach der Vorrunden-Niederlage gegen die Polen alles andere als rosig aus: Die Mannschaft war geknickt und man mochte ihr nicht mehr den ganz großen Wurf zutrauen. Aber hier zeigte sich jetzt die wahre Stärke der Mannschaft: Sie hat ihre Lehren aus dieser Niederlage gezogen, Lehren, die sie letztendlich nur noch stärker machten. Und es sind nicht wenige, nicht zuletzt die Spieler selber, die der Meinung sind, dass gerade diese Niederlage gegen Polen auf dem Weg zum Weltmeistertitel entscheidend und richtungsweisend war.
In dieser Phase hat vor allem ein Spieler die Mannschaft wach gerüttelt: Der Rückkehrer Christian Schwarzer! Er, der zu Beginn der WM noch Kommentator beim ZDF war, ist zum genau richtigen Zeitpunkt zur Mannschaft gestossen. Er war ein Glücksgriff! Er war der Motivator schlechthin.
Ins All-Star-Tem der Handball-WM wurde Schwarzer zwar nicht gewählt, aber dennoch ist auch er ein ganz Großer dieses Turniers.
Von der deutschen Mannschaft sind zwei Spieler in diese begehrte Auswahl gewählt worden: Henning Fritz, unser überragender Torhüter, und Michael Mimi Kraus, der von 0 auf 100 für den eigentlichen Spielmacher Markus Baur einspringen musste und seine Sache exzellent machte. - Eine große Auszeichnung für die beiden.
Leider können nicht alle deutschen Spieler in dieses Team berufen werden, aber verdient hätte es ein jeder auf seine Weise:
Toto Jansen mit seinen eisernen Nerven vom Siebenmeterpunkt, seinen schnellen Tempogegenstößen, und seinen sicheren Toren von Linksaußen- wenn er denn mal angespielt wurde. Ganz zu schweigen von seiner Abwehrleistung.
Unser Dauerbrenner Florian Kehrmann, der unermüdlich auf Rechtsaußen im Einsatz sein musste, obwohl gerade erst von einer Verletzung genesen.
Unser Abwehrrecke Olli Roggisch, der mal zusammen mit Sebastian Preiß, oder auch Christian Schwarzer und Andre Klimowetz unseren zumeist exzellenten Mittelblock bildete.
Christian Zeitz mit seinen Wahnsinns-Toren und zahlreichen Balleroberungen in der Abwehr. Zeitzi war für die Hammer-Tore verantwortlich, da mag man ihm seine z.T. überzogenen Abschlüsse verzeihen.
Pascal Hens, der Lange vom HSV Hamburg, unser Top-Scorer!
Jogi Bitter. eigentlich zu gut für eine Nummer 2, aber Fritz war so gut, dass Bitter nur wenige Spielanteile bekam. Wenn es dann aber zählte, so wie im Finale nach dem verletzungsbedingten Ausfall der etatmäßigen Nummer 1, war er 100%ig da!
Holger Glandorf mit seinen zahlreichen Treffern, Markus Baur, Dominik Klein, Lars Kaufmann, Oliver Preiß, Andre Klimowetz..., sie alle waren großartig!
Es wurde im Vorfeld der WM viel gemutmaßt, dass diese Weltmeisterschaft zwei Jahre zu spät kommt, da angeblich zu viele Spieler der Europmeisterschaftsmannschaft von 2004 zurückgetreten sind, wie Stefan Kretzschmar, Daniel Stephan oder Volker Zerbe, um nur einige zu nennen.
Aber das Team von Heiner Brand hat diese überlegungen Lügen gestraft. Wir haben eine absolut geniale Mannschaft, die verdient Weltmeister geworden ist!!!
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