Samstag, 10. Februar 2007

Staffel-Entscheidung der Herren in Antholz

Im Vorfeld der Herren-WM-Staffel in Antholz wurden viele Staffeln genannt, denen man zutrauen durfte, in die Medallienvergabe eingreifen zu können. Als erstes waren dieses sicher die Russen, die die bisherigen Staffeln in dieser Saison z.T. deutlich dominierten und zwei von vier Staffeln gewinnen konnten. Aber selbstverständlich zählte auch die deutsche Mannschaft neben Norwegen, Frankreich und Schweden zu den Favoriten.

Der Startläufer der deutschen Herren, Ricco Groß, der heute seinen letzten WM-Staffeleinsatz hatte, zeigte ungewohnte Schwächen am Schießstand: Im Liegendschießend noch gewohnt sicher und fehlerfrei, ließ er im Stehendanschlag gar eine Scheibe trotz dreier Nachlader stehen und musste in die Strafrunde: Ein großer Rucksack für ihn und die drei noch folgenden...
Michael Rösch, unser zweiter Läufer, wollte es besser machen, aber auch er musste nach dem Stehendschießen in die Strafrunde und übergab auf der vierten Position mit über 1 Minute Rückstand auf die Spitze an Sven Fischer.
Vorne zogen derweilen die Russen ihre Runden, gewohnt sicher am Schießstand hatten sie sich schon in der zweiten Runde des Startläufers an die Spitze gesetzt. Zu Halbzeit lag die ebenfalls favorisierte norwegische Staffel auf Rang zwei, Dritter waren überraschend die US-Amerikaner. Die ebenfalls hochgewetteten Franzosen, die heute allerdings ohne ihren Einzelweltmeister Raphael Poiree antreten mussten, sowie die Schweden, die am Mittwoch noch in der Mixed Staffel siegten, lagen bereist im geschlagenen Feld.

Nun war Sven Fischer in der Loipe: Trotz eines Nachladers beim Liegendanschlag lief er auf den dritten Rang vor. Beim Stehendschießen konnte er leider aufgrund zweier Nachlader und einer insgesamt eher, für ihn ungewohnten, langsamen Schießeinlage, nicht vom schlechten Schießen des Norwegers Frode Andresen profitieren. Der Norweger ging trotz einer Strafrunde als erster auf die Verfolgung vom Russen Dimitri Jaruschenko.

Als Schlussläufer war dann unser Ass, Michael Greis, in der Loipe. Auf der Schlussrunde hatte er aber keinen geringeren als den überragenden Norweger Ole-Einar Bjoerndalen sowie den Russen Nikolai Kruglov als direkte Konkurrenten. Keine leichte Aufgabe.
Auf Rang 4 lagen nach drei Läufern überraschend die Italiener, die ihrem heimischen Publikum fürwahr einen für sie grandiosen Wettkampf lieferten.
Gleich auf seiner ersten Runde setze Michael Greis dem 7 sec eher in die Loipe gegangenen Bjoerndalen nach und erreichte mit ihm zeitgleich den Schießstand: Parallelschießen der den Weltcup-dominierenden Läufer: Beide blieben fehlerfrei. In der zweiten Runde lieferten sich die beiden dann einen wahren Fight: Führungswechsel und riskante Uberholungsmanöver hielten die Zuschauer in Atem. Dann das Stehendschießen: Bjoerndalen setzte den ersten, den zweiten Treffer. Dann begann Michael Greis. Aber die Runde hat wohl einiges an Kraft gekostet oder waren es seine Nerven, die eigentlich hart wie Stahseile sind, dass er drei Nachlader brauchte, um alle Scheiben abzuräumen? Der Norweger seinerseits brauchte einen Nachlader und konnte über 10sec zwischen sich und Greis legen. Das bedeutete daher am Ende Silber für Norwegen und Bronze für die deutschen Herren. - Glückwunsch!
Gold ging an die überragenden Russen, die für 40 Scheiben nur sage und schreibe einen Nachlader brauchten.
Der vierte Platz der Italiener verdient ebenso Beachtung wie der 5. Platz der Slowenen. Diese beiden Mannschaften hätten man nicht unbedingt so weit vorn erwartet.

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