Dienstag, 20. Februar 2007

Quo vadis Radsport?

Der Dopingskandal um den spanischen Arzt Fuentes hat die Radsportwelt im vergangenen Sommer ins Wanken gebracht. - Und sie wankt immer noch...

Unter den Radsportlern scheint es beinahe nur einen ganz großen Verlierer zu geben: Unseren einzigen deutschen Tour de France Sieger Jan Ullrich. Die übrigen mehr als 50 in die Dopingaffäre verwickelten Fahrer, scheinen nicht so in den Sumpf gezogen worden zu sein, wie Jan Ullrich. Warum?
Ja, man kann berechtigter Weise anmerken, dass Jan Ullrich sich dieses z.T. auch selber zuzuschreiben hat. Ist doch schließlich sein Verhalten seit dem Ausschluss aus der letztjährigen Tour mehr als verwunderlich. Immer wieder hat er seine Unschlud beteuert, aber Beweise für diese hat er nicht bringen wollen. Einen DNA-Test hat er kategorisch abgelehnt.
Jan Ullrich hat sich durch sein Verhalten unglaubwürdig gemacht. Wenn er doch nur während oder nach der Tour die Karten offen auf den Tisch gelegt hätte. - Viele sind davon überzeugt, dass man ihm, auch wenn er zugegeben hätte, in die Affäre verwickelt und Kunde bei Fuentes gewesen zu sein, hätte verzeihen können. Vielleicht nicht sofort, aber man hätte es ihm verziehen. Jan Ullrich ist doch immer irgendwie der große Junge geblieben, der trotz aller Radsport-Erfolge, seine Fehler hat, die ihn so menschlich machten. Er war ein Liebling der Massen. Daher hätten die Massen ihm auch irgendwann verzeihen können.
Aber er hat diesen Zeitpunkt, die Karten offen auf den Tisch zu legen, ungeachtet verstreichen lassen. Dadurch kann man ihm eigentlich nicht mehr glauben.
Ein Speicheltest ist zwar inzwischen vor ca. drei Wochen genommen worden, aber Ergebnisse sind noch nicht bekannt. Und was werden diese Ergebnisse bringen?
Zeigen sie, dass Jan Ullrichs DNA nicht zu den Blutkonserven passt, bleibt dennoch ein Makel und Zweifel zurück. Denn es würde die Frage bleiben: Warum konnte dieses nicht bereits vor Monaten geklärt werden?
Ergeben die Untersuchungen, dass Jan Ullrich schuldig ist, würde man sich in seinem Verdacht nur bestätigt fühlen, der durch Ullrichs Zögern und Versteckspiel schon vor langer Zeit entstanden ist.

Im Grunde ist es traurig, was aus dem wohl größten deutschen Radsportalent geworden ist.
Aber eines sollte auch gesagt werden. Es ist absolut richtig, dass der Fall Ullrich nicht zu den Akten gelegt wird, sondern dass man sich weiter darum bemüht, Klarheit zu erlangen - mit welchen Ergebnis auch immer.
Aber man regt sich innerlich dennoch auf, sieht man wie andere Fahrer, die genauso wie Ullrich in die Affäre verstrickt sind, unbeschadet ihrem Radsport wieder nachgehen können. Hier ist vor allem der Giro-Sieger vom vergangenen Jahr, Ivan Basso, zu nennen. Wie bekannt, hat ihn das US-amerikanische Discovery Channel Team trotz Ehrenkodex der Pro-Tour-Teams verpflichtet. Und der Italiener ist inzwischen bei der Kalifornien-Rundfahrt so in die Saison gestartet, als wenn nichts gewesen wäre.

Dieses Statement soll keine Verurteilung von Ivan Basso sein, nein, ganz bestimmt nicht, aber der Gerechtigkeit halber sollte ein Ivan Basso genauso behandelt werden wie ein Jan Ullrich oder wie jeder andere in den Fall Fuentes verstrickte Radprofi. Dass dem aber nicht so ist, läßt Empörung aufkommen. Empörung, die letztendlich dazu führen kann, dass der gemeine Radsport-Fan keine große Lust mehr verspürt, sich stundenlang an den Straßenrand zu setzen und seinen unter Umständen mühsam erkämpften Zuschauerplatz eisern zu verteidigen, um die Helden der Landstraße an sich vorbeiradeln zu sehen... -
So weit ist es noch nicht, aber wird nicht endlich durchgegriffen, um den Radsport sauber und fair für alle zu machen, oder zumindest den Wilen dafür geschlossen zu zeigen, ist dieser Moment nicht mehr fern. Dann werden auch die Sponsoren ihr Interesse verlieren, und der Radsport wird endgültig am Ende sein. Wollen wir das? - Nein, das wollen wir ganz bestimmt nicht! Und daher hoffen wir immer noch auf bessere Zeiten... Noch ist Hoffnung da!

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