Unnötige Ballverluste, kein Biss, keine Bewegung, der absolute Siegeswille war vor Spielbeginn in der Kabine geblieben. Die Franzosen hingegen spielten wacher, fitter, wenngleich der Kräfteverzehr auch ihnen, die wie die Deutschen während des Turniers zumeist wenig durchgewechselt hatten, zu schaffen machte. Zu viel musste der entthronte Europameister heute jedoch nicht zeigen, zu einfach machte es die deutsche Mannschaft den Franzosen.
Der Weltmeister kam von Anfang an denkbar schlecht in diese Partie und lag schon früh mit 2:9 im Hintertreffen. Zu diesem Zeitpunkt war eigentlich schon klar, dass es nichts würde werden können, mit der EM-Medaille, wenn kein Hallo-Wach-Effekt durch die Mannschaft gehen würde. Und dazu kam es leider nicht.
Zudem machte das Verletzungspech, das den Weltmeister durch das gesamte Turnier begleitet hat, auch beim letzten Spiel nicht halt. Mussten bereits Florian Kehrmann und Oliver Preiss verletzungsbedingt das gesamte Spiel von außen betrachten, erwischte es in der 12. Minute auch Kapitän Markus Baur. Der neue Lemgoer Trainer war umgeknickt und leider nicht mehr einsetzbar.
Mit 9:18 ging es in die Halbzeitpause. Nun war Moral gefragt, um die Demütigung noch abwenden zu können. Das erhoffte Aufbäumen sah man beim Weltmeister in der zweiten Halbzeit aber leider nicht. Zwischenzeitlich betrug der Rückstand gar 14 Tore, in dieser Phase unterliefen aber auch den Franzosen einige leichte Fehler, was anbetracht des großen Vorsprungs sicher nicht verwundert.
Man war beinahe froh, als dieses Spiel endlich zu Ende war. Es war keine Freude, die deutsche Mannschaft heute spielen zu sehen. Es war eine ganz schwache Leistung.
Aber fest steht auch, dass die Mannen von Heiner Brand insgesamt eine gute Europameisterschaft gespielt haben. Und das Ziel, mindestens ins Halbfinale einzuziehen, ist erreicht worden. Leider wird dieses gute Bild, das die deutsche Mannschaft wieder einmal bei einem Großereignis erbrachte, durch den heutigen Auftritt ein wenig getrübt.
In den vergangen Jahren war es meist so, dass viele Spieler vor einem Großereignis verletzt ausfielen. In diesem Jahr schien es, dass Heiner Brand aus dem Vollen schöpfen kann. Aber das Verletzungspech klebte dennoch an den Hacken der deutschen Mannschaft: Oleg Velyky, Oliver Roggisch, Florian Kehrmann, Oliver Preiss, Markus Baur - da kann man stolz sein, trotzdem EM-Vierter geworden zu sein.