Den Anfang machte der ehemalige Team-Telekom-Profi Bert Dietz am vergangenen Montag, als er zugab seit 1995 regelmäßig mit Epo gedopt zu haben, das von den Freiburger Uniärzten Lothar Heinrich und Andreas Schmid beschafft und verabreicht wurde.
Christian Henn war der zweite ehemalige Telekom-Profi, der ebenfalls Epo-Doping gestanden hatte. Henn, mittlerweile als Sportlicher Leiter beim Team Gerolsteiner tätig, bleibt in seinem Posten. Gerolsteiner steht weiterhin hinter dem Ex-Profi, der sich jetzt ganz und gar für den sauberen Radsport einsetzen will.
Heute haben sich die Ereignisse dann überschlagen: Sowohl Rolf Aldag, Teamchef von T-Mobile, als auch Udo Bölts, Sportlicher Leiter bei Gerolsteiner, haben Epo-Missbrauch zugegeben. T-Mobile hält weiterhin an Rolf Aldag als Teamchef fest. Bölts hingegen ist von seinem Posten beim Team Gerolsteiner zurückgetreten.
Es war fast zu erwarten, nach den Enthüllungen der letzten Tage, dass auch Bölts und Aldag in die Dopingpraktiken bei Telekom verstrickt waren. Aber man möchte es eigentlich nicht glauben, es tut fast schon regelrecht weh, dass gerade diese beiden Fahrer, die immer so ehrlich und echt wirkten, auch gedopt haben...
Und auch Erik Zabel hat heute unter Tränen eingestanden Epo eingesetzt zu haben. Damit ist er der erste aktive Fahrer, der aus freien Stücken ein Dopinggeständnis abgibt. Das zeugt von Mut! Das muss an dieser Stelle auch einmal gesagt werden, denn eine mögliche Konsequenz seines Geständnisses ist die Suspendierung durch sein Team Milram. Dieses hat er wissentlich auf sich genommen. - Ein Beispiel, das Schule machen sollte!
Natürlich kann man nun auch sagen, dass er, wie die übrige Geständigen auch, diesen Schritt eher hätte tun müssen. Ja, das stimmt, jahrelange Lügen stehen nun im Raum, die dem Radsport-Fan all die Freuden, die er beim Radsport empfunden hat, fast nehmen. Aber immerhin ist jetzt ein Anfang gemacht, ein Anfang, der sicherlich nicht leicht war. Ja, die Dopingpraktiken, die die Radsportler zugegeben haben, liegen fast alle so lange zurück, dass sie verjährt sind, manche sprechen daher von Kalkül. Soweit möchte ich an dieser Stelle aber keinesfalls gehen, denn die Tat an sich mag verjährt sein, der Schatten, den sie auf das hier und jetzt wirft, aber noch lange nicht.
Damit hat nun ein Großteil der Telekom-Mannschaft gestanden, Epo-Doping in den Jahren der großen Team-Erfolge, in die auch die Tour de France-Siege von Bjarne Riis 1996 und der von Jan Ullrich 1997 fallen, praktiziert zu haben.
Auch ohne Geständnis erscheint es daher unwahrscheinlich, dass ausgerechnet die beiden Kapitäne, Riis und Ullrich, nicht mit Epo gedopt haben sollen. Noch gibt es kein Geständnis: Jan Ullrich beteuert nach wie vor seine Unschuld, die ihm jedoch kaum noch einer abzunehmen vermag. Als eine erste Reaktion kann evt. seine Trennung von seinem Anwalt Diestel gesehen werden. Was aber in den folgenden Tagen um Jan Ulrich geschehen wird, vermag man nicht vorherzusagen, zu sehr überstürzen sich die Ereignisse in diesen Tagen.
Bjarne Riss, der Tour-Sieger von 1996 und jetztige Teamchef von CSC, hat für Freitag eine Presseerklärung angekündigt. Man darf gespannt sein, was der Däne wie von sich geben wird. Es ist bekannt, dass er nicht unbedingt völlig hinter dem Einsatz der deutschen Teams T-Mobile und Gerolsteiner steht, alles daran zu setzen, den Radsport sauberer werden zu lassen.
Daher erscheint es fast unwahrscheinlich, dass er ebenfalls Epo-Doping zugeben wird. Aber wer weiss? Im Grunde ist nach den letzten Tagen alles möglich.
Eines steht in jedem Fall fest: Es ist gut und richtig, dass die ehemaligen Team-Telekom-Fahrer ihre Dopingpraktiken gestanden haben.
Ein Rolf Aldag geht beispielsweise jetzt, nach seinem Geständnis, sehr offen mit seinem Vergehen um und ist auch bereit jedwede Konsequenz zu tragen. Ein solches Verhalten ist löblich, wenn man ihm denn glauben kann, dass er heute tatsächlich jegliches Doping nicht nur ablehnt, sondern auch bekämpfen will. Nun, einem Rolf Aldag möchten man dieses glauben, hat er doch über Jahre hinweg mit seiner ihm eigenen Art Rad zu fahren viele Fans und Anhänger gefunden. Aber letzte Sicherheit wird es wohl nie geben, leider.
Man hofft nun, dass dieses Beispiel der ehemaligen Telekom-Fahrer Schule macht, und weitere ehemalige und aktive Radprofis es Aldag & Co. nachtun. Denn momentan ist es das Team Telekom bzw. T-Mobile, das im schlechten Licht steht, und damit auch zwangsläufig der deutsche Radsport.
Dass aber nur hier Epo-Doping praktiziert worden ist, glaubt keiner mehr, aber an die Öffentlichkeit sind bislang keine Fahrer anderer Teams getreten. Hoffen wir, dass dieses anders wird.
Denn dann hätte der Radsport noch eine Chance! Die Chance, sich einem sauberen Radsport zu verschreiben, und sich den guten Vorsetzen der deutschen Teams T-Mobile und Gerolsteiner anzuschließen. Dass es gerade deutsche Teams sind, die bessere Kontrollen, größere Transparenz und verstärktes Vorgehen gegen Dopingsünder fordern, erscheint vor dem Hintergrund des fast schon systematisch zu nennenden Dopings im Team-Telekom in den 90er Jahren in einem ganz anderen Licht: Man mag den Eindruck gewinnen, dass T-Mobile durch dieses forsche Auftreten die ehemaligen Dopingpraktiken keinesfalls vertuschen will, sondern dass die Verantwortlichen aus dieser dunklen Vergangenheit gelernt und ihre Konsequenzen gezogen haben, sich nicht mehr in den Dopingsumpf ziehen zu lassen, sondern sich für einen saubereren Radsport stark zu machen.
Dass nicht alle im Radsport tätigen Sportler und verantwortlichen Teamchefs auch an diesem Strang ziehen, ist leider (noch?!) Tatsache. Als Beispiel sei nur der zähe Kampf eines Floyd Landis genannt, sich aus seinen positiven Dopingbefunden während der Tour de France 2006 herausreden zu wollen. - Ein Urteil wird erst in etwa vier Wochen erwartet. Man stelle sich vor: Fast ein Jahr nach Ende der letztjährigen Tour!
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