Wolfgang Loitzl konnte beim heutigen dritten Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck erneut triumphieren und liegt nun, nach seinem zweiten Tageserfolg, auch in der Tournee-Gesamtwertung deutlich in Front.
Nach dem ersten Durchgang stellte sich noch ein anderes, in den letzten Jahren rar gewordenes Bild dar: Martin Schmitt lag nach hervorragenden 128.5 m in Front. Es blinkte der erste Weltcupsieg seit Jahren am Horizont oder zumindest ein Podestplatz, den Schmitt in dieser Saison als Vierter schon mehrfach knapp verpasst hatte. Eines aber war schon jetzt gewiss: Martin Schmitt, vierfacher Weltmeister aus Furtwangen, ist zurück in der Weltspitze!
Im zweiten Durchgang, den neben Schmitt ebenso seine Teamkollegen Michael Neumayer, Michael Uhrmann, Felix Schoft und Stephan Hocke erreichen konnten, sollten sich nun die Ereignisse zuspitzen: Michael Neumayer, nach Durchgang 1 auf Rang 9 liegend, sprang auf exzellente 126 m, wodurch er sich klar an die Spitze des Klassements setzen konnte. Am Ende sollte Rang 7 für den letztjährigen Gesamt-Dritten herausspringen. Aber schon Matti Hautamaeki, bei dem man in dieser Saison nie so recht weiß, wie gut er ist, der aber am Bergisel durchweg gute Sprünge zeigte, setzte sich mit 128 m an die Spitze. Die im ersten Durchgang vor ihm platzierten Noriaki Kasai, Altmeister aus Japan, und Thomas Morgenstern, Doppelolympiasieger von Turin, kamen beide nicht an seine Weite heran, so dass der Finne in Front liegend den Sprung von Simon Ammann, des Zweitplatzierten in der Gesamtwertung, erwartete. Ammann, nach Durchgang 1 nur auf Platz 5 liegend, kam lediglich auf schwache 123.5 m – ist das das Aus um den Tournee-Gesamtsieg?! Lange Gesichter auch im Schweizer Lager, da eigentlich mit einem Angriff auf’s Podium gerechnet wurde, aber nicht mit einem regelrechten Absturz auf Rang 8.
Die Österreicher-Fraktion um den Garmisch Sieger Wolfgang Loitzl und den Lokalmatadoren Gregor Schlierenzauer machte es hingegen deutlich besser. Loitzl konnte sich mit 128.5 m denkbar knapp um 0.7 Punkte vor Schlierenzauer, der auf 127.5 m kam, setzen. Und nun schaute alles nach Oben: Was würde Martin Schmitt erreichen können?! Die Spannung wuchs: Bundestrainer Werner Schuster schwang die Fahne zum Zeichen des Abstoßens, der Schwarzwälder fuhr an und flog auf 125.5 m – zu wenig für den Tageserfolg, aber dennoch der sichere dritte Platz vor Matti Hautamaeki. Martin Schmitt hatte endlich wieder nach 8 jähriger Abstinenz einen Podiumsplatz bei einem Tourneespringen erreicht!
Auch in der Gesamtwertung verbesserte sich Schmitt durch dieses hervorragende Ergebnis auf den vierten Rang.
Wolfgang Loitzl hingegen baute seine Führung in der Tournee-Gesamtwertung weiter aus und liegt nun 15.8 Punkte vor Simon Ammann. Der Schweizer verlor damit am Bergisel deutlich an Boden. Und der Oberstdorf-Sieger wird es schwer haben gegen Loitzl, diesen Rückstand in Bischofshofen beim Abschlussspringen am kommenden Dienstag aufzuholen. Und auch ein zweiter Österreicher mischt kräftig mit: Skiflugweltmeister Gregor Schlierenzauer liegt mit nur 7.7 Punkten Rückstand auf Ammann in Lauerstellung.
Es erscheint wahrscheinlich, dass diese drei Springer den Gesamtsieg unter sich ausmachen werden, da auch Martin Schmitt bereits über 20 Punkte Rückstand auf Schlierenzauer hat. Jedoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass beim Skispringen bekanntermaßen alles möglich ist. Man sollte sich nur das letztjährige Abschlussspringen in Bischofshofen in Erinnerung rufen, als das Gesamtklassement noch einmal derart durcheinander gewirbelt wurde, so dass Michael Neumayer schlussendlich als lachender Gesamt-Dritter aus dem Springen hervorging. Mit dieser Platzierung konnte man nach ¾ der Tournee auch noch nicht rechnen.
Warten wir also ab, was das Abschlussspringen bringen wird. In jedem Fall große Spannung, das steht fest! Freuen wir uns darauf!
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