Mittwoch, 7. Januar 2009

Wolfgang Loitzl Sieger bei Vierschanzentournee

Der Österreicher Wolfgang Loitzl hat in beeindruckender Manier die Vierschanzentournee 2008/ 2009 für sich entschieden und damit für den ersten österreichischen Gesamtsieg seit 1999/ 2000 gesorgt.
Er war eine Klasse für sich, der 28jährige Bad Mitterndorfer. Das musste auch der im Vorfeld als Topfavorit gehandelte Simon Ammann aus der Schweiz neidlos anerkennen, der letztendlich Zweiter, 32.6 Punkte hinter Loitzl wurde. Man sah dem Doppelolympiasieger von Salt Lake City die Enttäuschung an, denn zu gerne hätte der Springfloh aus der Schweiz den ersten Gesamtsieg für die Eidgenossen geholt. Aber schon nach dem ersten Durchgang beim Abschlussspringen in Bischofshofen war klar, dass Loitzl heute kaum zu schlagen sein würde. Dabei standen die Chancen für Ammann und den nach Innsbruck drittplatzierten Gregor Schlierenzauer im Vorfeld des letzten Springens nicht schlecht, Loitzl die erforderlichen Meter evt. noch abnehmen zu können: Loitzl schien die Schanze von Bischofshofen nicht so richtig zu liegen. Sowohl seine Trainingssprünge als auch die in der Qualifikation und im Probedurchgang gezeigte Leistung sah nicht so gut aus, so dass es durchaus im Rahmen des Möglichen zu liegen schien, dass Ammann die ca. 9 Meter Rückstand auf Loitzl würde aufholen können. Zudem kamen auch Zweifel auf, ob Loitzl, der ja in Garmisch am Neujahrstag erst seinen ersten Weltcupsieg überhaupt feiern konnte, dem Druck würde standhalten können.

Aus diesem Grund kam die Skisprungwelt ob Loitzl’s erstem Durchgang aus dem Staunen nicht heraus. Als Viertbester der Qualifikation im viertletzten Pärchen vom Bakken gehend flog der Österreicher auf die Tagesbestweite von 142.5 m hinunter und erhielt mit 5 x 20.0 Punkten die Traumnote schlechthin! 5 x 20.0 – das haben vor Loitzl noch nicht viele Springer erreicht: Es fällt einem Loitzl’s Landsmann Toni Innauer ein, dem dieses Kunststück 1976 erstmals gelang, oder aber Kazuyoshi Funaki beim Weltcup von Willingen 1999. Und man bedenke, dass es für Loitzl nicht irgendein Sprung war: Es galt um den Tournee-Gesamtsieg. Er musste vorlegen, da sowohl Ammann als auch Schlierenzauer erst nach ihm vom Bakken gingen. Und dann zauberte der im Vorfeld der Tournee eher immer in der zweiten Reihe hinter seinen Landsmännern Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern stehende Loitzl einen derart perfekten Sprung in den Schnee, der alle verstummen ließ. Schon jetzt war klar: Würde Loitzl in Durchgang 2 nicht stürzen, wäre ihm der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen!
Und er stürzte nicht: Er sprang mit 141.5 m nochmals über die 140 m, und damit weiter als alle seine Konkurrenten, und hat bewiesen, dass nur er der verdiente Sieger der diesjährigen Vierschanzentournee ist. Ihm konnte wahrlich niemand das Wasser reichen, weder Simon Ammann noch der drittplatzierte Gregor Schlierenzauer, kein Martin Schmitt, kein Anders Jacobsen, einfach niemand! Und auch Sven Hannawald dürfte froh sein, dass zumindest in Oberstdorf Loitzl nicht triumphieren konnte, sondern hinter Ammann „nur“ den zweiten Platz erreichte, denn andernfalls müsste er seinen Rekord, bei der Tournee alle vier Einzelspringen gewonnen zu haben, nun womöglich teilen.Wie dem auch sei. Loitzl dürfte nach seinem Triumph nicht enttäuscht sein, dieses Kunststück nicht auch noch erreicht zu haben. Zu groß ist die Freude über diesen Gesamtsieg. Und ganz sicher war er auch nicht der Einzige der bei der Siegerehrung eine Träne aus dem Augenwinkel wischen musste...

Für das Skisprungland Österreich bedeutet dieser Triumph den ersten Sieg in der Gesamtwertung nach Andreas Widhölzl 2000. - Eine Durststrecke von 9 Jahren ist überwunden. Und zwar nicht durch die im Vorfeld deutlich höher eingeschätzten Gregor Schlierenzauer oder Thomas Morgenstern, nein, sondern durch den bislang eher als Mannschaftsspringer in Erscheinung getretenen Wolfgang Loitzl! Der eher bescheidenen Stilist aus Bad Mitterndorf hat alle überrascht! Sich selbst vielleicht am meisten. Und eines dürfte sicher sein: Das am kommenden Wochenende anstehende Skifliegen in Bad Mitterndorf vom Kulm werden Loitzl-Festspiele, egal welches Ergebnis der Lokalmatador dort erreichen wird.

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