Aber so ungetrübt ist die Welt in der schwäbischen Hauptstadt leider nicht. Anstatt sportlicher Erfolge, wie etwa der Weltmeistertitel im Zeitfahren durch Hanka Kupfernagel, steht wieder einmal das Thema Doping im Vordergrund. Dass dieses so ist, hat sich bereits seit Monaten angekündigt, wenngleich auch immer die Hoffnung bestand, dass der Sport selber im Mittelpunkt stehen wird und nicht Doping.
Nach der dopingerschütterten Tour de France im vergangenen Juli stand der Weltradsportverband nicht im allerbesten Licht da. Für viele war es beispielsweise unverständlich, dass die UCI vor Start der Großen Schleife nicht bekannt gegeben hatte, dass der Däne Michael Rasmussen seiner Meldepflicht nicht wie gefordert nachgekommen ist. Welch hohe Wellen dieses dann während der Tour geschlagen hat, ist noch allzu gut bekannt. Es war daher auch nur allzu verständlich, dass Organisationen, wie die Tour-Direktionen erbost über das Verhalten der UCI war, und es kamen immer wieder Zweifel auf, wie ernst es der Weltradsportverband mit seinem Kampf gegen Doping tatsächlich meint.
Im Vorfeld der WM hat sich die Stadt Stuttgart, die bekanntermaßen als eine, wenn nicht sogar die Sportstadt Deutschlands gilt, für eine WM stark gemacht, bei der alles getan wird, um eine möglichst saubere WM durchführen und dem Radsport so zumindest ein wenig Glaubwürdigkeit zurückgeben zu können.
Der Umfang an Dopingproben vor und während der WM wurde enorm erhöht und die WM-Organsiatoren machten es der Tour de France gleich und forderten von jedem Starter eine Unterschrift unter die Anti-Dopingerklärung. Dieses war soweit auch mit der UCI abgestimmt.
Als sich aber nun herauskristallisierte, dass der Titelverteidiger und amtierende Olympiasieger Paolo Bettini sich weigert, diese zu unterschreiben, schieden sich die Geister zwischen den WM-Organsiatoren und der UCI, und auch der BDR mit Präsident Rudolph Scharping an der Spitze verhielt sich nicht unbedingt so, wie man von einem konsequenten Kampf gegen Doping hätte erwarten dürfen.
Ja, die Stadt Stuttgart wollte sogar vor Gericht durchsetzen, Bettini die Starterlaubnis zu entziehen. Das Landesgericht Stuttgart wies jedoch die Einstweilige Verfügung gegen einen Start Bettinis ab, was auch zu erwarten gewesen war, da die Ehrenerklärung bekanntermaßen nicht gerichtsfest ist. Die UCI mit ihrem Präsidenten Pat McQuaid hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits gegen den WM-Gastgeber gestellt und für einen Start Bettini's plädiert. Zudem ist ein Streit entbrannt um Gelder, die die WM-Stadt an die UCI zu zahlen hat. McQuaid kündigte bereits rechtliche Schritte um, um die von der Stadt Stuttgart zurückgehaltene Gelder in Höhe von 675000 zu erhalten. Die Haltung Stuttgarts brachte der Oberbürgermeister jedoch auf den Punkt, indem er sagte, dass die Stadt Stuttgart keine Steuergelder an Verbände gäbe, die Doping nicht konsequent bekämpfen.
Die Haltung und das Verhalten des WM-Gastgebers ist konsequent und gegen Doping ausgerichtet. Das verdient höchste Bewunderung in einer Zeit, in der immer wieder letztendlich meist recht leere Versprechen gegeben werden, einen Neuanfang ohne Doping im Radsport anzustreben und durchzusetzen.
Stuttgart hat das getan, was in ihrer Macht steht und die WM-Organisatoren verdienen es nicht, an den Pranger gestellt zu werden. Nein! Denn sie tun etwas!
Dass dieses Verhalten von der UCI nicht mitgetragen wird, ist traurig. So kann man sich kaum vorstellen, dass ein Neuanfang tatsächlich gelingt.
Zudem hat sich die Stadt Stuttgart möglicherweise durch ihr Verhalten die Ausrichtung weiterer Sportgroßereignisse verbaut, da es denkbar ist, dass auch andere Verbände eine derartige Konfrontation scheuen.
Dass wäre mehr als schade, denn dass Stuttgart es wie kaum eine zweite Stadt versteht, Sportereignisse zu zelebrieren, ist weit bekannt, man denke nur an die Leichtathletik Weltmeisterschaft.
Nun, wie sich dieses Thema weiterentwickeln wird, wird die Zukunft zeigen. Für das Hier & Heute kann festgehalten werden, dass der Radsport noch einen ganz weiten Weg vor sich hat, den Dopingsumpf hinter sich zu lassen. Und vor diesem Hintergrund ist es leider wieder einmal eher zweitrangig, wer das heutige abschließende Straßenrennen der Männer gewinnt.
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