In beeindruckender Manier, als ob er nie durch die auf der 5. Etappe zugezogenen Knieverletzungen zurückgeworfen worden wäre, spulte er die 54 km des ersten langen Einzelzeitfahrens der Tour ab und hatte am Ende über eine Minute Vorsprung auf den Zweiten des heutigen Tages.
Diesen Platz nahm ein wenig überraschend der bisherige Vierte der Gesamtwertung, Cadel Evans von Predicto-Lotto, ein, der dadurch seine Ambitionen in der Gesamtwertung untermauern konnte.
Vielmehr war im Vorfeld mit dem neuen Astana-Kapitän Andreas Klöden gerechnet worden. Nicht wenige Fachleute waren der Ansicht, dass der Wahl-Schweizer dieses erste Einzelzeitfahren der Tour dominieren würde und nach Abschluss der Etappe den ersten Platz in der Gesamtwertung würde inne haben.
Dass es nicht soweit kam, lag zum einem an seinem wiedererstarkten Teamkollegen Vinokourov und zum anderen am Sturzpech des Cottbusers selbst. Andreas Klöden kam leider zum zweiten Mal auf der Großen Schleife zu Fall und zog sich dabei nicht nur blutige Schürfwunden zu, sondern verlor auch wichtige Sekunden um den Tagessieg und den Kampf ums Gelbe Trikot. Klöden war auf regennasser Fahrbahn ausgeglitten, und es dürfte ihn wohl kaum trösten, dass er heute in bester Gesellschaft war, derartige Stürze betreffend, da beispielsweise kein geringerer als Zeitfahrweltmeister und Prologsieger Fabian Cancellara und sein Team-Kollege Andreij Kaschechkin ebenfalls gestürzt waren.
Klöden brauchte ein wenig, um wieder ins Rennen zu finden, kam jedoch dennoch mit der drittbesten Zeit im Ziel an, 1:39 Minuten hinter seinem Teamgefährten Vinokourov.
Den Astana-Triumph komplettierte der ebenfalls gestürzte Kasache Kaschechkin als Vierter mit nur 5 sec Rückstand auf Klöden.
Ein sehr gutes Zeitfahren absolvierte ebenfalls T-Mobile-Profi Linus Gerdemann, der auf dem 13. Rang liegend 3:09 Minuten Rückstand auf den Spitzenreiter hatte. Mit diesem guten Aufreten konnte sich der Münsteraner zudem auf den 13. Rang der Gesamtwertung verbessern.
Im Kampf um das Weisse Trikot des besten Jungprofis büßte er im Vergleich zum derzeit Führenden in dieser Wertung, dem Spanier Alberto Contador von Discovery Channel, zwar weitere ca. 50 sec ein, absolviert aber dennoch eine sehr gute Tour.
Bleibt nun noch die Frage, wie sich der Träger des Gelben Trikots und die weiteren Favoriten bzw. im Vorderfeld der Gesamtwertung bislang Platzierten bei diesem Einzelzeitfahrens verkaufen konnten.
Während die bislang Zweiten und Dritten der Gesamtwertung, die Spanier Alejandro Valverde und Ivan Majo, mit über 6 Minuten Rückstand auf den Tagessieger Vinokourov einkamen und damit in der Gesamtwertung auf die Ränge 11 und 12 abrutschten, fuhr der Mann in Gelb, Michael Rasmussen, ein für seine Verhältnisse erstaunlich gutes Zeitfahren.
Der Däne, der immer mehr in die Kritik gerät und von dem nicht nur aus dem Fahrerlager gefordert wird, dass er von der Tour ausgeschlossen wird, fuhr das Zeitfahrens seines Lebens.
Der ehemalige Mountenbiker, der bekanntermaßen nicht als der beste Zeitfahrer gilt, überholte sogar den 3 Minuten vor ihm gestarteten Valverde und hatte im Ziel auf Rang 11 nur 2:54 Minuten Rückstand auf Vinokourov. Damit konnte er das Gelbe Trikot einmal mehr verteidigen, womit im Vorfeld der heutigen Etappe kaum jemand gerechnet hatte.
Der Däne liegt nun 1:00 Minuten vor Cadel Evans. Auf den dritten Platz verbesserte sich Alberto Contador mit nun 2:31 Minuten Rückstand auf die Spitze, nur 3 sec dahinter liegt Andreas Klöden als Vierter in Lauerstellung. Klödens Astana-Team-Kollege Kaschechkin und der US-Amerikaner Levi Leipheimer folgen auf den Plätzen.
Alexander Vinokourov konnte sich mit seinem Tageserfolg auf Rang 9 der Gesamtwertung verbessern, hat mit 5:10 Minuten aber immer noch einen deutlichen Rückstand auf die Spitze.
Dass Michael Rasmussen nach Abschluss der heutigen Etappe immer noch auf Platz 1 liegt, erstaunt sehr, wie bereits erwähnt. Nicht wenigen ist sicherlich noch sein Zeitfahren von St. Etienne von vor zwei Jahren in Erinnerung, bei dem er mehrfach stürzte und am Ende einen sehr großen Rückstand im Ziel hatte, der ihm den Platz auf dem Podium in Paris kostete. - Und dieser Fahrer soll plötzlich das Zeitfahren gelernt haben?
Natürlich beflügelt ein Gelbes Trikot, aber angesichts der UCI-Verwarnungen wegen seinem Nicht-Nachkommen der Meldepflicht und seinem Ausschluss aus der dänischen Nationalmannschaft, müssen Spekulationen erlaubt sein.
Hat Rasmussen seine heutige Leistung tatsächlich mit ehrlichen Mitteln erreicht? Man möchte es wünschen, glauben kann man es hingegen nicht so recht.
Man darf gespannt sein, was in den nächsten Tagen mit und um Michael Rasmussen geschieht. Leider steht somit wieder einmal nicht nur der sportliche Aspekt des Radsports im Vordergrund, sondern vielmehr mögliche bzw. tatsächliche Dopingfälle von Radprofis.
Morgen geht es zunächst aber in die Pyrenäen, und mit zwei Anstiegen der höchsten Kategorie zum Schluss der Etappe, die mit der Bergankunft in Plateau-de-Baille endet, dürfte es wieder spannend werden in der Gesamtwertung.
Mit Spannung darf ebenfalls erwartet werden, ob Rasmussen diese Etappe in Angriff nehmen darf.
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