Samstag, 21. Juli 2007

Doping überschattet Tour de France erneut

Zunächst brachte die positive A-Probe von T-Mobile Profi Patrik Sinkewitz vor allem die Radsportwelt in Deutschland und die von Team-Sponsor T-Mobile in's Wanken, dann kam am Donnerstag die Meldung des Dänischen Radsportverbandes, dass der derzeitig Gesamtführende Michael Rasmussen aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden sei, hinzu. - Das Thema Doping und die Tour de France 2007 scheinen in diesem Jahr nicht voneinander zu trennen zu sein.

Eine von Patrik Sinkewitz, der eigentlich für die junge, neue, saubere Mannschaft von T-Mobile stehen sollte, entnommene Dopingprobe während eines Trainingslagers in der Pyrenäen
am 8. Juni ist positiv! Dieses gilt zumindest für die A-Probe, aber kaum jemand bezweifelt, dass auch die B-Probe, deren Öffnung Sinkewitz inzwischen beantragt hat, ebenfalls positiv ist.
Demnach hat Sinkewitz mit Testosteron gedopt, wie schon Matthias Kessler vor ihm, der auch kürzlich überführt wurde.

Die Bekanntgabe der positiven A-Probe Sinkewitz' löste eine wahre Lawine aus: ARD und ZDF beendeten mit sofortiger Wirkung ihre Live-Berichterstattung der Tour de France, die Diskussionen um die weitere Unterstützung von T-Mobile und Gerolsteiner im Radsport brandete erneut auf, beinahe jeder Kenner und Nicht-Kenner der Szene meinte, seine Meinung Kund tun zu müssen, ja selbst die Straßenrad-Weltmeisterschaft im September in Stuttgart steht auf der Kippe ... - Es ist nichts mehr so wie es war ...
In der Tat ist diese positive Dopingprobe mehr als nur ein einfacher Dopingfall. Gerade T-Mobile stand für den Umschwung im Radsport, sprach vom gläsernen Athleten und dass alles getan werde, den Radsport doping-frei zu machen. Und nun steht gerade T-Mobile da mit dem Dopingfall Sinkewitz - sicher mehr als nur schlecht für das Image des Teams und auch des Sponsors, noch mehr kommt die Frage auf: Wem und vor allem was kann man noch glauben? Der dopingfreie Radsport ist und bleibt eine Illusion, zumindest für die kommende Zeit. Denn so vehement T-Mobile, Gerolsteiner & Co. sich in den letzten Monaten auch für einen Umschwung hin zum Radsport ohne Doping eingesetzt haben, es ist spätestens jetzt klar, dass eine solche Veränderung nicht binnen von Monaten möglich ist. Wie soll man erwarten, dass Sportler, die womöglich bereits jahrelang dopen, sich plötzlich davon überzeugen lassen, nur noch sauber zu fahren?! - Das ist sicher ein Prozess, der lange dauert.
Das Konzept von T-Mobile auf junge Fahrer zu setzen ist sicher richtig, aber ein Patrik Sinkewitz gehörte wider aller Beteuerungen in den vergangenen Wochen nicht dazu! Dabei war der 26jährige Radprofi in der Vergangenheit immer wieder aufgefallen, nicht zuletzt seine Verpflichtung beim ehemaligen Mapei-Team, für das er mehrere Jahre fuhr und das inzwischen auch in das Kreuzfeuers des jahrelangen, planmäßigen Dopings geraten ist, hätte Zweifel aufkommen lassen müssen.

Man kann nur hoffen, dass T-Mobile die Fortsetzung seines Engagement im Radsport beschließt, denn die Ansätze bei T-Mobile gegen Doping anzukämpfen, sind sicher nicht schlecht. Schlimm wäre, wenn durch die Überführung von Sinkewitz das alles in Frage gestellt werden würde.

In Frage gestellt werden darf auch der Rückzug von ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung der Tour. Sicherlich ist es korrekt, dass der Radsport zum großen Teil von den Finanzen lebt, die durch Fernseh-Übertragung und Werbeauftritte gewonnen werden, und dass Doping weniger reizvoll wäre, wenn die Einnahmen sinken und weniger Geld im Spiel sein würde. Ob dieses aber durch den Rückzug von ARD und ZDF erreicht werden kann, ist mehr als fraglich.
Sicher haben die Fernsehanstalten damit ein Zeichen gesetzt, das aber im Grunde spätestens dann verpufft war, als der Privatsender SAT1 die Live-Übertragungsrechte erwarb, und schon am Donnerstag auf Sendung war. Da zudem Eurosport ebenfalls live von der Tour berichtet, ist die Medienpräsenz dennoch gegeben, und man fragt sich, ob der Rückzug von ARD und ZDF wirklich sinnvoll ist.
Jeder Zuschauer, der einigermaßen im Bilde ist, ist sich dessen bewusst, dass im Sport gedopt wird, nicht nur im Radsport, nein auch in der Leichtathletik, im Schwimmen, im Langlauf ... , um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Aber Sportsendungen werden dennoch mit großem, in den letzten Jahren sogar wachsendem Interesse verfolgt. Von daher ist die Haltung vieler zu verstehen, die den Rückzug der beiden öffentlichen Sender nicht begrüßen, sondern sich in gewissem Maße betrogen fühlen. Eine kritische Fortsetzung der Berichterstattung wäre möglicherweise angemessener gewesen, aber die Verantwortlichen der beiden großen Fernsehanstalten waren anderer Meinung.

Aber nicht nur das T-Mobile-Team um Patrik Sinkewitz ist in den letzten Tagen in den Verruf geraten. Nein, auch der Träger des Gelben Trikots, Michael Rasmussen.
Laut wurden die Stimmen, stark rauschte es im Blätterwald, als der Dänische Radsportverband verkündete, Rasmussen aus dem Nationalmannschafts-Kader für die WM in Stuttgart und die Olympischen Spiele in Peking im kommenden Jahr gestrichen zu haben.
Der derzeitige Träger des Gelben Trikots war mehrfach seiner Meldepflicht gegenüber der UCI nicht nachgekommen. Da nach UCI-Statuten Radprofis ihren Aufenthaltsort der UCI für mögliche Dopingtests melden müssen, hatte die UCI Rasmussen bereits am 29. Juni offiziell gewarnt. - Nun reagierte der dänische Radsportverband.

Aber auch hier kommen Fragen auf: Es heißt, dass die UCI eigentlich Grund gehabt haben soll, Rasmussen bereits dreimal wegen Nicht-Antreffens bzw. wegen nicht Nachkommens der Meldepflicht hätte verwarnen müssen. Dieses ist offensichtlich nicht geschehen. Denn dann wäre der Däne automatisch drei Monate gesperrt worden, und hätte erst gar nicht bei der Tour de France an den Start gehen dürfen.
Desweiteren hat der Dänische Radsportverband Rasmussen bereits am 26. Juni mitgeteilt, dass dieser nicht mehr im Nationaltrikot fahren dürfe.
Nun darf die Frage erlaubt sein, warum dieses alles erst jetzt an die Öffentlichkeit getragen wird? Mitten während der zweiten Tour-Woche, wo Rasmussen tagtäglich als Träger des Gelben Trikots im Fokus steht?
Antworten auf diese Fragen wären sehr willkommen, auch darauf, ob die UCI tatsächlich ihren eigenen Regeln nicht vollständig nachgekommen ist. Denn so, wie dieser Fall derzeit in der Öffentlichkeit dargestellt wird, kommen Zweifel auf, ob auch bei der UCI alles sauber läuft.
Natürlich, dieses sind nur Vermutungen und Fragen, die aber nicht ohne Grund aufgeworfen werden.

Vor diesem Hintergrund leidet der sportliche Aspekt der Tour de France einmal mehr. Sicher wurde am Donnerstag der erste Sieg eines südafrikanischen Radprofis, von Robert Hunter vom Team Barloworld in Montepellier ebenso bejubelt wie der gestrige Erfolg des ehemaligen Weltmeisters Tom Boonen, der Erik Zabel am Schluss der 12. Etappe in Castres nur knapp schlagen konnte, aber man hat den Eindruck, dass das Thema Doping im Radsport momentan fast wichtiger ist ...

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