War Boonen auf der 2. Etappe noch eher unplanmäßig hinter seinem etatmäßigen Anfahrer Gert Steegmans Zweiter geworden, konnte er heute über seinen eigenen Tageserfolg jubeln. Mit diesem Sieg entriss Boonen zudem Milram-Profi Erik Zabel das begehrte Grüne Trikot des Punktbesten. Zabel, der erstmals seit fünf Jahren gestern das grüne Leibchen überstreifen durfte, musste es damit nach nur einem Tag wieder abgeben.
Der Unnaer liegt nun mit 9 Punkten hinter Boonen auf dem Zweiten Platz in der Sprintwertung, hat aber dennoch gute Chancen das Grüne Trikot erstmals seit 2001 wieder zu gewinnen. Es wäre dann sein siebter Gewinn, jedoch wird es immer wahrscheinlicher, dass er das 1996 erfahrene Grüne Trikot abgeben muss, da er, wie bekannt, vor einigen Wochen die Einnahme von Epo während der Tour 1996 gestanden hatte. - Hoffen wir, dass Zabel nun tatsächlich sauber fährt. In jedem Fall ist die Verbissenheit der letzten Jahre von ihm gewichen. Heute mag man es ihm glauben, dass er sich so wie heute über einen dritten Platz auch freuen kann. - Früher wäre er vor lauter Enttäuschung nach der Zielankunft kaum ansprechbar gewesen.
Nun, ein Tagessieg ist Zabel bislang noch nicht gelungen, wenngleich er mit den Plätzen 2 und 3 angedeutet hat, dass er mit etwas Glück auch ganz vorne landen kann. Dennoch dürften in den nächsten Tagen andere Fahrer um den Etappensieg fahren. - Morgen geht es in die Alpen, ein Terrain, das den wenigsten Sprintern behagt, wenngleich Zabel traditionell gut über die Berge kommt.
Morgen und vor allem am Sonntag, wo in Tignes die erste Bergankunft auf dem Programm steht, wird die Gesamtwertung mit Sicherheit auf den Kopf gestellt. Und es wird auch sicher die Spitzenposition des Schweizers Fabian Cancellara wackeln. Der seit seinem Prolog-Sieg in Gelb fahrende CSC-Profi konnte zwar auf der 3. Etappe nochmals triumphieren, als er durch einen beherzten Antritt auf den letzten 100 Metern seinen zweiten Tageserfolg feiern konnte, aber er ist bekannter Maßen kein begnadeter Bergfahrer, so dass nun die Stunde der eigentlichen Tour-Favoriten schlagen könnte.
Von diesen liegt Astana-Fahrer Andreas Klöden als Zweiter der Gesamtwertung mit 33sec Rückstand auf Cancellara am aussichtsreichsten. Aber der Cottbuser, der sich in den vergangenen Tagen durch sein Verhalten zum Thema Doping ganz sicher keine Freunde gemacht hat, ist durch einen Sturz geschwächt und es ist fraglich, ob es ihm gelingen wird trotz des gestern erlittenen Haarrisses im Steissbein die Tour bis Paris fortzusetzen.
Klödens Journalisten-Boycott und seine Äußerungen, die Geständnisse von Rolf Aldag und Jörg Jaksche betreffend, haben sicher nicht dazu beigetragen, ihm den sauberen Radsport 100%ig abzunehmen, obwohl er nie verdächtig auffiel. Daher sympathisieren mit dem Bronze-Medaillen-Gewinner von Sydney sicher nicht alle Radsportfans, aber dennoch wünscht man ihm keine solche Verletzung - vor allem bei seiner Vorgeschichte, die ihn bereits einmal zwang die Tour wegen einer Steissbeinverletzung vorzeitig zu beenden. Wünschen wir ihm daher trotz aller unsympathischen und unverständlichen Auftritte während der letzten Wochen alles Gute!
Ebenfalls sehr hart hat es Klödens Team-Kollegen und großen Tour-Favoriten Alexander Vinokourov getroffen. Der Kasache stürzte ebenfalls auf der vorletzten Etappe und zog sich tiefe Fleischwunden an Beinen und Armen zu, so dass er an beiden Knien mit mehreren Stichen genäht werden musste und die heutige Etappe wahrscheinlich nur unter Schmerzen bestreiten konnte.
Vor diesem Hintergrund bleibt abzuwarten, was sich in den nächsten Tagen in der Gesamtwertung tun wird. Ganz sicher wird es spannend werden...
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