Montag, 16. Juli 2007

Rasmussen nach erfolgreicher Flucht mit Gelbem und Gepunktetem Trikot belohnt

Die 8. Etappe von Le Grand-Bornand hinauf nach Tignes stand ganz im Zeichen des letztjährigen Bergkönigs der Tour, dem Dänen Michael Rasmussen.
Mit zunächst weiteren Mitstreitern hatte der Rabobank-Fahrer sich aufgemacht, auf dem Weg über zwei Berge der ersten Kategorie hinauf zum Skiort Tignes wichtige Punkte für die Verteidigung des Bergtrikots zu sammeln, das er in den vergangenen zwei Jahren gewinnen konnte. Auf den letzten steilen Kilometern demonstrierte der ehemalige Mountenbike-Fahrer dann seine Kletterkünste und bewies so, dass auch in diesem Jahr der Gewinn des Gepunkteten Trikots nur über ihn gehen kann.
Im Ziel hatte Rasmussen einen so deutlichen Vorsprung, dass er nicht nur das Bergtrikot, sondern auch das Gelbe Trikot erobern konnte!
Zweiter wurde der Spanier Ivan Mayo mit 2:47 Minuten Rückstand. Als Dritter konnte Alejandro Valverde zwar einiges auf seine direkten Konkurrenten gut machen, hatte im Vergleich zu Rasmussen aber auch das Nachsehen.

Die Taktik des Astana-Rennstalls dürfte wohl so manchem Zuschauer der gestrigen Etappe ein Rätsel gewesen sein. Mit Andreij Kashechkin hatten sie einen Fahrer in der Valverde-Gruppe, der seine Aufgabe gut machte und zusammen mit der spanischen Tour-Hoffnung das Ziel erreichte.
Seine Teamkollegen Andreas Klöden und Alexander Vinokourov konnten dieser Gruppe bereits nicht mehr folgen und waren abgehängt. Dabei sah vor allem Klöden nicht so schlecht aus, er konnte zusätzliche Kräfte mobilisieren und durch harte Tempoarbeit am Berg den Abstand auf die Valverde-Gruppe ein wenig verringern. Je näher der Gipfel aber kam, desto schwerer wurden die Beine bei Alexander Vinokourov - er musste abreißen lassen. Dass Andreas Klöden sich in dieser Situation nun zu Vinokourov zurückfallen ließ und damit wertvolle Zeit in der Gesamtwertung auf seine direkten Konkurrenten verlor, war wohl den meisten unverständlich. Vinokourov wusste es Klöden zwar direkt nach der Zieldurchfahrt zu danken, dass er so nur ca. 1/2 Minute zusätzlich verlor, aber ob diese Taktik von Astana wirklich sinnvoll war, darf mehr als nur in Frage gestellt werden.
Klöden liegt nun auf dem 13. Rang der Gesamtwertung, 3:46 Minuten hinter Michael Rasmussen und knapp eine Minute hinter Majo und Valverde. - Dieser große Rückstand wäre vermeidbar gewesen, möchte man meinen.
Zudem liegt Vinokourov lediglich auf Rang 22 und besitzt mit 5:23 Minuten einen weitaus größeren Rückstand auf die Spitze als Klöden, der Kasache bräuchte in jedem Fall einen wirklich guten Tag, um aufzuschließen. Ob ihm dieses allerdings angesichts seiner Verletzungen gelingen wird, ist mehr als fraglich. - Man kann wirklich gespannt sein, wie sich das Duo Klöden-Vinokourov auf der morgigen Alpenetappe über das Dach der Tour, den 2770 m hohen Col de l'Iseran, und über den gefürchteten Col du Galibier verhalten wird...

Bester Deutscher in der Gesamtwertung ist aber nach wie vor der T-Mobile Fahrer Linus Gerdemann, mit 43 sec Rückstand auf Rasmussen.
Gerdemann musste zwar leider schon einem Tag nach seinem überraschenden und beeindruckenden Sieg in Le Grand-Bornand das begehrte gelbe Leibchen wieder abgeben, hat aber mit seinem gestrigen Auftritt bewiesen, dass sein Sieg auf der vorherigen Etappe keine Eintagsfliege war. Der Münsteraner musste erst am Schlussanstieg abreißen lassen und kam mit beachtlich kleinem Rückstand von 5:05 Minuten auf Rasmussen ins Ziel und lag damit nur 34 sec hinter Klöden & Co.

Sonnte sich T-Mobile am französischen Nationalfeiertag noch im Erfolg Gerdemann's, war das Team auf der Etappe nach Tignes vom Pech verfolgt: Der etatmäßige Sprinter Mark Cavendish musste während der Etappe ebenso aufgeben, wie der gestürzte Kapitän Michael Rogers, der bis zu diesem Zeitpunkt noch aussichtsreich im Rennen lag.
Auf dem Weg vom Ziel in das Mannschaftshotel kam es noch heftiger, als Patrik Sinkewitz einem Zuschauer nicht mehr ausweichen konnte und in ihn hineinfuhr. Beide erlitten heftige Verletzungen, und Sinkewitz musste die Tour nach erlittener Mittelgesichtsfraktur, Schädeltrauma, Schulter und Knie-Verletzung sowie weiteren Gesichtsverletzungen aufgeben. Der angefahrene Luxemburger musste ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Das verbliebene Rumpfteam, das in den verbleibenden 2 Tour-Wochen von Axel Merckx angeführt wird, dürfte sich über den heutigen Ruhetag gefreut haben, um nicht nur die geschundenen Körper zu regenerieren, sondern um auch die neue Team-Taktik zu besprechen.

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