Samstag, 7. Juli 2007

Tour de France startet heute mit Prolog in London

Der 94. Auflage der Tour de France, die am heutigen Samstag mit dem Prolog in London startet, wird mit gemischten Gefühlen entgegen geblickt.

Seitdem direkt vor Start der letztjährigen Tour die Dopingaffäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes aufflog und zahlreiche Fahrer, darunter die Tour-Favoriten Jan Ullrich und Ivan Basso, aufgrund ihrer Verstrickung in diesen Skandal keine Starterlaubnis bekamen, ist es nicht mehr ruhig geworden in der Radsportszenen. - Doping und Radsport gehört in diesen Tagen leider zusammen. Zu viele Doping-Geständnisse ehemaliger und aktiver Radprofis in den letzten Wochen haben den Glauben an einen sauberen Radsport fast im Keim erstickt.
Die UCI, die Tour-Direktion sowie einige Pro-Tour-Teams, allen voran die beiden deutschen Mannschaften T-Mobile und Gerolsteiner, haben reagiert und versucht, die Weichen für einen dopingfreien Radsport zu stellen. - Leider fehlt in einem Großteil der Radsport-(Fan)gemeinde noch der Glaube daran bzw. die Überzeugung, dass dieses tatsächlich möglich ist. Alle 189 haben zwar die Ehrenerklärung, keine Dopingmittel einzusetzen, vor Start der Tour unterschrieben, aber dass auch tatsächlich alle Fahrer mit weißer Weste in die große Schleife gehen werden, darf mit Recht angezweifelt werden. Aber solange keine positiven Dopingproben vorliegen - und alle im Vorfeld von den Startern genommenen waren negativ - gelten die Profis als sauber.

Vor diesem Hintergrund scheint der sportliche Wettstreit der Tour de France an Bedeutung zu verlieren. Noch übertragen die großen deutschen Fernsehanstalten, ZDF und ARD, das Radspektakel auf Frankreichs Straßen, aber sie haben gedroht, sich zurückzuziehen, falls es einen erneuten Dopingskandal gibt. - Und das wäre sicher ein harter, finanzieller Schlag für den Radsport...

Versuchen wir dennoch, die Favoriten der diesjährigen Tour zu benennen: Allen voran ist das Team Astana um die Doppelspitze Alexander Vinokourov und Andreas Klöden zu nennen, das aber leider auch immer wieder mit Doping in Verbindung gebracht wurde, zuletzt durch den positiv getesteten und suspendierten Deutschen Matthias Kessler. Daher vermochte man lange nicht vorherzusehen, wer von diesem Team tatsächlich an den Start gehen wird.
Bei den Buchmachern gilt Vinokourov als erster Anwärter auf den Tour-Sieg. Bedenkt man allerdings, das "Vino" bei fast jeder größeren Rundfahrt immer wieder seine schlechten Tage hat, die ihm einen Rückstand von i.d.R. mehreren Minuten einbringen, erscheint eigentlich Klöden als aussichtsreicherer Favorit. Der in der Schweiz lebende Cottbuser stand bereits zweimal auf dem Podium in Paris und gibt den Gesamtsieg als sein Ziel aus.
Klöden und Vinokourov haben zudem mit dem ehemaligen Giro-Sieger Paolo Salvodelli und dem Kasachen Andrej Kashechkin starke Helfer an ihrer Seite.

Ebenfalls hoch gehandelt um den Tour-Sieg wird Spaniens Hoffnung Alejandro Valverde vom Team Casse d'Epargne. Jedoch muss abgewartet werden, ob der Pro Tour-Sieger des vergangenen Jahres tatsächlich an den Start gehen wird. Ihm wird ebenfalls eine Verstrickung in den Fuentes-Skandal nachgesagt, die allerdings nie richtig geklärt wurde. Ein Pressetermin des Teams endete vor Kurzem in einem Eklat, als der Team-Chef jegliche Fragen zum Thema Doping unterbot und auch Valverde sich auffällig wand.
Unterstützt könnte Valverde von seinem Teamkollegen Oscar Perreiro werden, der die Tour im letzten Jahr hinter dem eigentlich des Doping-überführten Floyd Landis beendete, der aber immer noch darauf wartet, nachträglich zum Gesamtsieger 2006 erklärt zu werden. - Aber auch der Name Oscar Perreiro fiel in der letzten Zeit immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema Doping...

Weiteren Fahrern, wie Levi Leipheimer von Discovery Channel, Carlos Sastre von CSC oder Iban Mayo von Saunier Duval-Prodir werden allenfalls Aussenseiter-Chancen zugesprochen.
Dieses gilt noch viel mehr für die deutschen Starter hinter Andreas Klöden, bei denen Markus Fothen vom Team Gerolsteiner und Patrik Sinkewitz von T-Mobile die besten Chancen für das Gesamtklassemant besitzen dürften, evt. kann Grischa Niermann von Rabobank in diesen Kreis vorstossen.
Jens Voigt wird, wie in den Jahren zuvor, darauf aus sein, in einer Ausreissergruppe erfolgreich zu sein, und Milram-Kapitän Erik Zabel möchte ebenso wie Robert Förster von Gerolsteiner im Sprint triumphieren.

Was aber genau in den nächsten drei Wochen auf den Straßen Frankreichs passieren wird, ist in diesem Jahr so schlecht vorherzusehen, wie vielleicht noch nie in den 104 Jahren Tour-Geschichte.

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