Montag, 30. Juli 2007

Tour am Ende - oder Neuanfang möglich?!

Die Tour de France 2007 ist Geschichte. - Manch einer atmet sicherlich auf, dass das Spektakel nun endlich vorbei ist.
Die letzten drei Wochen haben Spuren hinterlassen, sie haben an den Nerven gezerrt, haben die Freude am Radsport beinahe im Keim erstickt und immer neue Fragen aufgeworfen, wie es mit der Tour, mit dem gesamten Radsport weitergehen kann.
Man fragte sich doch im Verlauf der diesjährigen Frankreichrundfahrt eher, welcher Fahrer als nächstes als Dopingsünder überführt wird, welches Team sich noch zurückziehen wird oder welche Fahrer noch ausgeschlossen werden, als dass über den Sieger der nächsten Etappe oder den Kampf um die Gesamtwertung diskutiert wurde.

Und dass die Tour 2007 tatsächlich Geschichte ist, darf auch angezweifelt werden. Der Gesamtsieger Alberto Contador wurde zwar gestern auf den Champs-Élysées gefeiert und wird in Spanien als der neue Indurain angesehen, aber ob der Verstrickung des jungen Spaniers in die Operation Puerto darf angezweifelt werden, ob sein Gesamtsieg nicht dennoch ein Nachspiel haben wird.
Wir kennen es doch noch nur zu gut aus dem letzten Jahr: Der vermeintliche Tour-Sieger 2006 Floyd Landis vom damaligen Team Phonak wurde erst auf den Champs-Élysées als Tour-Held gefeiert und wenige Tage später als Dopingsünder überführt. Dass dem US-Amerikaner sein Tour-Sieg noch immer nicht aberkannt wurde und er stattdessen immer noch vor Gerichten seine angebliche Unschuld verteidigt, gleicht einer Farce, wie sie in diesen Tagen im Radsport beinahe an der Tagesordnung ist.

Warum wurde ein Michael Rasmussen zur Tour überhaupt zugelassen, obwohl er den UCI-Statuten zur Folge eigentlich nicht hätte starte dürfen? Warum gab es ein tagelanges Ringen bis endlich der Teamsponsor Rabobank die Reißleine zog und den zu diesem Zeitpunkt dem Toursieg entgegenfahrenden Dänen aus dem Verkehr zog?
Wieso stellt sich die UCI nun vehement gegen den Vorschlag der WADA, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen sollen, um gemeinsam zu überlegen, wie der Radsport aus dem Dopingsumpf herauskommen kann? - Warum verhält sich die UCI so?
Selbstverständlich kann man dem Weltradsportverband zugute halten, dass die Dopingtests effektiver geworden sind und immer mehr Radsportler überführt werden. Das ist sicher ein Gewinn, aber wieso hält sich die UCI im Gegenzug nicht an ihre eigene Regeln, warum stellt sie sich gegen eine große Runde am Dopingtisch?! - Man vermag nicht wirklich eine plausible Erklärung zu finden.

Allerdings scheint der Radsport fast nur noch diese eine Chance zu besitzen, dass sich alle zusammensetzen, Organisationen wie die WADA und die UCI, die Tour-Organisation bzw. deren Vereinigung, Teams, Manager, aktive Radsportler, ja auch die Medien, um gemeinsam zu überlegen, wie es weiter gehen kann. Dann scheint ein Neuanfang möglich.
Jedoch liegt die Betonung hier bewusst im Konjunktiv: Ob ein Neuanfang tatsächlich möglich ist, liegt auch an den Gerichtsbarkeiten in den einzelnen Ländern. Solange sich ein Land wie Spanien derart verhält wie im Falle Contador's, kann es keinen kompletten Neuanfang geben. Die Hintergründe, warum der Tour-Sieger von der Fuentes-Liste gestrichen wurde, auf der er erwiesener Maßen stand, möglicherweise sogar mehrmals, sind nicht klar, sie liegen im Dunkeln.
Nur wenn auf der ganzen Linie versucht wird, Dopingpraktiken zu unterbinden, überführte Dopingsünder konsequent zu bestrafen, möglicherweise dem Vorschlag des geständigen Jaksches zu folgen, im Falle eines Dopingvergehens eines Fahrers auch dessen Team zu strafen, - nur dann kann der Radsport sauberer werden. Dass er ganz sauber wird, dieser Illusion sollte man sich nicht hingeben, denn Schwarze Schafe gibt es überall und wird es immer geben!

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