Das Verfolgungsrennen der Herren bei den Biathlon-Weltmeisterschaften in Pyeongchang wird sicherlich nicht so schnell in Vergessenheit geraten: Zu unklar war lange Zeit, wer denn nun als Verfolgungsweltmeister gekrönt werden würde.
Aber der Reihe nach: Ole-Einar Bjoerndalen als Sprintsieger ging als Erster vor seinen Landsmännern Lars Berger, Halvard Hannevold und Alexander Os in die Loipe. Kurz nach dem Start passierte dann das Missgeschick, das den Biathlontag in Pyeongchang bestimmen sollte: Der Norweger bog falsch ab und lief über eine kleine Brücke, anstatt den etwas weiteren Weg außen um die Brücke herum zu nehmen. Lars Berger, hinter Bjoerndalen laufend, nahm denselben Weg, genauso wie noch etwa 10 weitere Läufer, unter ihnen auch Michael Rösch.
Dieses Vergehen, das den Läufern zwar faktisch kaum einen Zeitvorsprung brachte, das aber dennoch nicht regelkonform war, ließ die Köpfe der Jury und des Kampfgerichtes noch lange nach Schluss des Rennens, bei dem Ole-Einar Bjoerndalen mit deutlichem Vorsprung vor dem Russen Maxim Tschudov und seinem Landsmann Alexander Os als Erster über die Ziellinie lief, rauchen.
Immer wieder stellte sich die Frage: Wer ist denn nun der neue Verfolgungsweltmeister?
Bei klarer Regelauslegung hätten alle die Athleten, die die Abkürzung genommen haben, disqualifiziert werden müssen. Eine Haltung, die nicht wenige vertreten haben, und die auch regelkonform gewesen wäre. Dass die Biathleten von der eigentlichen Loipe abwichen, durch Begrenzungsklötzchen hindurch auf die Brücke zuliefen, war in den Fernsehbildern klar zu sehen. Ganz so klar sah es die Jury dann aber wohl doch nicht. Nach langem Hin & Her sollten alle Läufer, die in der ersten Runde fälschlicherweise über die Brücke gelaufen waren, eine Strafminute bekommen, wodurch Tschudov Weltmeister geworden wäre, vor Os und Bjoerndalen. Michael Greis, der korrekt gelaufen war, wäre vom 13. auf den 9. Rang nach vorne gerutscht.
Aber wieder gab es Diskussionen: Dann endlich, lange nachdem das Rennen beendet worden war, wurde die endgültige Entscheidung bekannt gegeben: Es würde weder eine Disqualifikation noch eine Strafminute geben, sondern der Verfolger in der Reihenfolge gewertet, in der die Athleten ins Ziel gelaufen sind. Das bedeutet nun also: Verfolgungsweltmeister 2009 ist der Norweger Ole-Einar Bjoerndalen, der damit seinen insgesamt 12. Weltmeistertitel feiern kann. Ob die Feier tatsächlich so freudig ausfallen wird, wie noch diejenige nach seinem Sprintsieg, mag angezweifelt werden. Zu lange waren nicht nur die Athleten unsicher, wie das Rennen gewertet werden würde. – Verlierer bei diesem kuriosen Rennen ist sicherlich der Sport selber. Eine schnellere, endgültige Entscheidung wäre im Sinne des Sports sicherlich besser gewesen!
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