Jens Voigt hat in beeindruckender Manier seinen im Vorjahr erstmals errungenen Titel bei der Deutschland-Tour verteidigt und ließ sich am gestrigen Samstag als Gesamtsieger 2007 im Zielort Hannover feiern.
Der Radprofi vom dänischen CSC-Team fuhr in diesem Jahr bei der Deutschland-Tour in einer anderen Liga und ließ während der gesamten Tour keinen Zweifel aufkommen, dass der Sieg nur über ihn gehen kann. Er schien alles zu beherrschen: Den Kampf gegen die Uhr, harte Bergankünfte - Jens Voigt entwickelte in der vergangenen Woche ungeahnte Qualitäten, vor allem am Berg. So hatte ihm kaum jemand eine derart gute Leistung auf der Königsetappe hinauf zum Rettenbachferner in Sölden zugetraut, bei der der gebürtige Mecklenburger den harten Schlussanstieg hinter dem Tagessieger David Lopez Garcia als Zweiter bewältigte. Dieser Triumph war ein ganz wichtiger Grundstein zu seinem Gesamtsieg.
Beim Einzelzeitfahren am Freitag untermauerte er dann mit dem Tagessieg seine Siegambitionen so eindrucksvoll, dass er die gestrige Etappe von Einbeck nach Hannover in Gelb genießen konnte.
Es war aber nicht nur Jens Voigt zu danken, dass die Deutschland-Tour in diesem Jahr fest in deutscher Hand war: Erik Zabel vom Milram-Team, der zudem die Sprintwertung für sich entscheiden konnte, sowie Robert Förster von Gerolsteiner konnten je eine Etappe für sich entscheiden. Sie stehen aber beide im Schatten des neuen Sprintstars von T-Mobile: Der erst 20jährige Gerald Ciolek war bei drei Zielankünften der Schnellste, und auch die Schlussetappe entschied der Jungprofi für sich.
All diese Emotionen und Erfolge taten dem Radsport sicher gut. Auch der Zuschauerzuspruch ließ trotz der Dopingproblematik kaum zu wünschen übrig. Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben, noch ist die Deutschland-Tour knapp einen Tag Geschichte, aber es war endlich mal wieder eine Rundfahrt, bei der das Thema Doping zwar allgegenwärtig war, bei der aber nicht tatsächliche und mögliche Dopingsünder die Schlagzeilen bestimmten, sondern die eigentlichen Leistungen der Randprofis.
Dass Tour de France-Sieger Alberto Contador nicht am Start war, sowie das Doping-erschütterte, man mag fast schon denken dopingverseuchte, Astana-Team eine Rennpause eingelegt und möglicherweise nicht mehr in den Rennzirkus zurückkehren wird, tat der Deutschland-Tour sicher gut.
Jedoch bleiben leider auch bei dieser Deutschland-Tour Zweifel zurück: Wie kann ein Jens Voigt, der bislang nicht gerade als Kletterkünstler galt, am Rettenbachferner eine derart starke Vorstellung abliefern? Ist dieses mit legalen Mitteln erbracht, hat ihm wirklich nur das Gelbe Trikot zusätzliche Flügel verliehen? - Fragen, die kommen müssen, mit denen auch Voigt leben muss. Hoffen wir, dass seine Leistung wirklich so sauber erbracht ist, wie er immer behauptet. Aber sein wir ehrlich: Ganz sicher kann man leider nicht sein.