Montag, 30. April 2007

Handball-Bundesligisten Maß aller Dinge

Der gestrige Sonntag wird in die Geschichte des Handball-Sports eingehen: Nach dem Gewinn des Weltmeistertitels gingen nun auch alle drei Titel im internationalen Vereinshandball an deutsche Clubs! Das hat es noch nie gegeben!
Den Anfang machte der SC Magdeburg im EHF-Pokal, der damit zum 13. Mal von einer deutschen Mannschaft gewonnen werden konnte. Dem 30:30 im Hinspiel gegen den spanischen Vertreter CA Aragon ließen die Magdeburger ein 31:28 in der Bördelandhalle folgen!

Deutlich knapper ging es hingegen beim Finalrückspiel im Pokal der Pokalsieger zwischen Ademar Leon und dem HSV Hamburg zu.
Das Hinspiel hatten die Hanseaten mit 28:24 in der Color Line-Arena für sich entschieden. Mit diesem 4 Tore-Polster trat die Truppe von HSV-Trainer Martin Schwalb im spanischen Leon an. - Es sollte mehr als nur knapp werden! Nach einem spannenden Spiel setzten sich die Hamburger nur aufgrund der auswärts mehr erzielten Tore gegen die Spanier durch: 37:33 hiess es am Ende für Ademar - gewonnen und trotzdem verloren. - Der HSV Hamburg hingen darf sich über den ersten Triumph in diesem prestigeträchtigen Wettbewerb freuen!

Ähnlich spannend, aber mit wesentlich stärkerer Brisanz, ging es beim deutsch-deutschen Finale der Champions-League zu: Im Rückspiel in der Kieler Ostseehalle hatte der THW Kiel nach dem 28:28 in der Campushalle von Flensburg gegen den Dauerrivalen zwar die besseren Trümpfe in der Hand, aber es ist bekannt, dass die Flensburger, geht es gegen den Erzrivalen aus Kiel, immer noch eine Schüppe drauf packen und auch verloren geglaubte Spiele noch umbiegen können. Zudem hatten die Flensburger bereits im Halbfinale des DHB-Pokals beim Final-Four in Hamburg nach einem äußerst spannenden Match den Kürzeren gegen den späteren Pokalsieger aus Kiel gezogen: Es war also noch eine Rechnung offen.
Aber die SG Flensburg-Handewitt sollte ein zweites Mal innerhalb weniger Wochen als Verlierer vom Platz gehen. Nach einem spannenden Spiel hiess es zu guter Letzt 29:27 für den THW Kiel, der damit zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Handball-Champions League gewinnen kann!
Erfolgreichster Werfer bei den Kielern war einmal mehr der französische Nationalspieler Nikolai Karabatic mit 9 Treffern, der ebenso wie sein Kollege aus dem Nationalteam, Torwart Thierry Omeyer, immer wieder entscheidende Akzente setzen konnte. Aber auch unsere beiden Weltmeister im Kieler Team, Christian Zeitz und Dominik Klein, versteckten sich nicht. Und es war vor allem auch Christian Zeitz zu danken, dass die Kieler sich schlussendlich die begehrteste Trophäe im Vereinshandball sichern konnten!
Nach Schluss des Spiels saß Linksaußen Domink Klein völlig sprachlos vor Freude inmitten einer Sektdusche und fand nicht so recht die Worte, seiner Freude Ausdruck zu verleihen: Er kenne den Champions-League Pokal doch eigentlich nur aus dem Fernsehen und hält ihn jetzt selber in den Händen... - Sicher ein bewegender Moment nicht nur für den Kieler!

Bundesliga-Finale spannend wie selten

Die Entscheidung um den Gewinn der Meisterschaft in der Fussball-Bundesliga spitzt sich immer weiter zu: Nachdem die Schalker zwischenzeitlich mehr als deutlich in Front lagen, haben sie durch ihre 2:1 Niederlage beim VfL Bochum das Rennen unfreiwillig wieder offen gestaltet.
Der VfB Stutgart ist durch seinen 0:1 Sieg bei denen als ersten Absteiger feststehenden Gladbachern nur noch einen Punkt von den Schalkern getrennt. 61 Punkte haben die Schwaben nun auf ihrem Konto, derer 62 die Königsblauen aus Gelsenkirchen.
Die Bremer hingegen verspielten am gestrigen Sonntag bei Arminia Bielefeld die ganz große Chance an die Tabellenspitze vorzurücken. Durch ihre 3:2 Niederlage haben sie nun 60 Punkte auf dem Konto.
Damit trennen die ersten drei Vereine der Fussball-Bundesliga nur ganze 2 Punkte. - Da ist bei den noch verbliebenen drei Spieltagen noch alles möglich!

Das Restprogramm der drei Clubs liest sich ähnlich: Der ganz harte Brocken ist nicht mehr dabei, aber Spiele gegen Abstiegskandidaten wie Bielefeld (Schalke), Frankfurt (Werder) oder auch Mainz (Stuttgart) sind häufig deutlich schwieriger zu gewinnen als eines gegen einen so genannten Top-Club. Die Bremer wissen ein Lied davon zu singen...

Der FC Bayern München hingen hat sich durch seine 1:2-Heimschlappe gegen den HSV endgültig aus dem Titelrennen verabschiedet. Rein rechnerisch haben die Bayern mit 9 Punkten Rückstand auf den Tabellenführer Schalke zwar noch die Möglichkeit, vorne mitzumischen, aber keiner hält dieses noch für möglich. Den Bayern droht damit das schwächste Abschneiden seit mehr als 10 Jahren...
Die Teilnahme in der Champions-League ist für die Bayern in der nächsten Saison ausser Reichweite, stattdessen gilt es, sich auf den UEFA-Cup zu konzentrieren! - Wer hätte das zu Saisonbeginn voraussagen können?!

Freitag, 13. April 2007

Bremen glänzt, Bayern + Bayer patzen

Werder Bremen hat beim gestrigen Viertelfinal-Rückspiel gegen den AZ Alkmaar eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass der Gewinn des Uefa-Cups in diesem Jahr nur über sie gehen kann.
Nach dem 0:0 im Hinspiel beim derzeitigen Zweiten der holländischen Liga hätten die Voraussetzungen für das Rückspiel besser sein können, aber Werder ließ dennoch zu keinem Zeitpunkt Zweifel an einem Weiterkommen aufkommen. Tim Borowski gelang mit seinem 1:0 ein glänzender Einstand nach längerer Verletzungspause. Die Bremer ließen sich auch durch den zwischenzeitlichen Ausgleich der Holländer nicht aus dem Konzept bringen und gingen noch vor der Pause mit 2:1 in Führung. Dass mit diesem Tor der Topstürmer mit Ladehemmungen, Miroslav Klose, seine lange Durststrecke ohne Torerfolg überwinden konnte, freute an der Weser besonders. Im zweiten Durchgang erhöhte der Torschützenkönig der WM des letzten Jahres noch auf 3:1, ehe Diego in der 82. Minute den 4:1 Endstand besiegelte.
Nach 1988 und 1990 steht Werder damit zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte im Halbfinale des Uefa-Cups, in dem sie auf den katalanischen Club Espanyol Barcelona treffen.

Der zweite Vertreter der Fussball-Bundesliga, Bayer Leverkusen, schied dagegen sang und klanglos aus. Hatte die Werkself bereits das Hinspiel zu Hause in der Bay-Arena mit 0:3 gegen CA Osasuna verloren, machte sie es in Pamplona nicht besser und verlor auch auf spanischen Boden. 1:0 hieß es am Ende für die Nordspanier, die sich auf ein spanisch-spanisches Duell im Halbfinale gegen den FC Sevilla freuen können.
Damit stehen insgesamt 3 spanische Clubs in der Runde der letzten Vier des Uefa-Cups, nur Werder Bremen gelang es als nicht-spanische Mannschaft in das Halbfinale einzuziehen!

Ähnlich der Dominanz der spanischen Mannschaften im Uefa-Cup gestaltet es sich für die der englischen aus der Premier League in der Champions League: Neben Manchester United, das den im Vorfeld sogar ein wenig höher eingeschätzten AS Rom vor heimischen Publikum sensationell mit 7:1 schlagen konnte, stehen der FC Liverpool und der Ballack-Club FC Chelsea im Halbfinale der Champions-League. Pendant zu Werder Bremen ist in diesem Wettbewerb der AC Mailand. - Aber es hätte genau so gut auch der FC Bayern München sein können. Für die Bayern standen die Chancen vor dem Viertelfinal-Rückspiel nach dem 2:2 im Guiseppe Meazza-Stadium recht gut. Aber die Truppe von Ottmar Hitzfeld konnte diesen Vorteil nicht nutzen und verlor vor heimischem Publikum 0:2. - Der Traum des erneuten Champions-League-Triumphs hat sich an der Säbener Strasse ausgeträumt...
Nun denn, vielleicht ist es sogar besser so für die Bayern. So können sie ihre ganze Kraft nun daran setzen, in der Meisterschaft noch von Rang 4 weiter nach vorne zu kommen. Dieses Unterfangen scheint aber dennoch nicht so leicht, zu schlecht, zu unkonstant spielen die Bayern in dieser Saison für ihre Verhältnisse.
Aber sein wir gespannt, was die letzten fünf Spieltage in der Fussball-Bundesliga noch bringen werden!

Sonntag, 8. April 2007

Flandern-Rundfahrt: Sieg für Italiener Alessandro Ballan

Bei der 91. Auflage der Flandern-Rundfahrt wurde einmal mehr am vorletzten Anstieg, an der Mauer von Gerardsbergen, die entscheidende Attacke um den Sieg bei diesem prestige- trächtigen Frühjahrsklassiker gesetzt:
Der Italiener Alessandro Ballan vom Lampre-Team setzte am Fuß dieser brutalen Kopfsteinpflaster-Steigung an und ließ das gesamte Feld hinter sich. Leif Hoste, der Belgier vom Lotto-Team, konnte am besten folgen, und bildete zusammen mit Ballan fortan das Führungsduo auf diesen letzten Kilometern. Beide konnten etwa 20 Sek zwischen sich und die Verfolgergruppe legen, in denen sich neben dem großen Favoriten, Tom Boonen, auch Weltmeister Paolo Bettini und Zeitfahrweltweltmeister Fabio Cancellara, der bis kurz vor der Mur das Rennen durch einen beherzten Antritt über knapp 20km bestimmt hatte, befanden.
Tom Boonen war im Vorfeld von den meisten als größter Favorit eingeschätzt worden. Der Weltmeister aus dem Jahre 2005 hatte die Flandern-Rundfahrt bereits in den beiden vergangenen Jahren für sich entschieden. Sollte er als bislang zweiter Radfahrer diesen Klassiker zum dritten Mal in Folge gewinnen?

Aber die beiden Führenden konnten nicht mehr gestellt werden: Alessandro Ballan und Leif Hoste gingen gemeinsam auf die letzten Meter, Ballan wie zumeist seit Gerardsbergen, in Front. Dann kam Leif Hoste, der zweimalige Zweite der Flandern-Rundfahrt von 2004 und 2006, aus seinem Windschatten geflogen und sah schon wie der sichere Sieger aus. Aber Ballan konterte und sicherte sich den ersten großen Sieg seiner Karriere. Der als Nachfolger des Weltmeisters Bettini gehandelte Ballan ist verdienter Sieger der diesjährigen Flandern-Rundfahrt! Es ist zwar bitter für Leif Hoste, zum dritten Mal auf dem zweiten Platz zu landen, aber Ballan hat diesen Sieg eindeutig mehr verdient, da er den Großteil der Führungsarbeit geleistet hatte!

Deutsche Fahrer spielten in der Schlussphase des Rennens leider keine entscheidende Rolle: Markus Burkarth von T-Mobile kam als bester Deutscher auf Rang 13. Der ebenfalls mit Ambitionen an den Start gegangenen Milram-Profi Erik Zabel schied vorzeitig bei einem Sturz aus dem Rennen aus, bei dem er sich ersten Informationen zufolge nicht schwerer verletzte.

Deutschland im Halbfinale des Davis Cup

Das deutsche Davis Cup-Team hat bereits am zweiten Tag der Viertelfinalpartie gegen Belgien in Ostende den Halbfinaleinzug perfekt gemacht!
Erstmals seit 1995 steht Deutschland damit wieder im Halbfinale des prestigeträchtigen Davis Cups! Dieses ist ein großer Erfolg für das deutsche Tennis, das nach den Lichtjahren einer Steffi Graf und eines Boris Becker mehr Schatten als Licht erlebt hatte. Tommi Haas wurde zwar schon in jungen Jahren großes Talent nach- und eine große Karriere vorhergesagt, aber so recht konnte der heute 29jährige die Erwartungen nicht erfüllen. In dieser Saison nun scheint er stark, wie selten, was er mit seiner Halbfinalteilnahme bei den Australian Open eindrucksvoll unterstreichen konnte.
So lagen daher auch die größten Hoffnungen von Teamchef Patrick Kühnen beim Auftritt gegen Belgien auf seiner Nummer 1. Haas sollte seine beiden Einzel gewinnen, um damit den Grundstein für den Erfolg gegen das Nachbarland Belgien zu legen. Dass diese Viertefinalbegegnung auf den vom deutschen Team eher ungeliebten Sandplatz stattfnden sollte, schien zwar kein gutes Omen, ließ die Augabe aber dennoch nicht unmöglich erscheinen.

Tommi Hass trat am Freitag im ersten Match gegen den Belgier Kristof Vliegen an. Im ersten Satz, den er im Tiebreack 7:6 abgeben musste, fiel es ihm noch ein wenig schwer, sich auf Gegner und Platz einzustellen. Im zweiten Durchgang fand die Nummer 10 der Weltrangliste dann aber immer besser in sein Match und hatte beim Stande von 5:5 Breakball, als der Belgier sich eine Verletzungspause nahm. Diese war nicht gespielt, wie man bei dem Spielstand hätte vermuten können, der Belgier hatte sich eine Verletzung am Rücken zugezogen und wurde minutenlang behandelt. - Für Haas keine einfache Situation, aber er meisterte sie und sicherte sich dieses entscheidende Spiel zum 5:6. In der Folge wude Haas' Überlegenheit immer deutlicher, wenngleich man auch sehen konnte, dass der Belgier ob seiner Verletzung nicht mehr 100%ig fit war. Dieses soll die Leistung von Tommi Hass aber keinesfalls schmälern, verdient brachte er Deutschland, nachdem er die Sätze 2 bis 4 für sich entscheiden konnte, mit 1:0 in Front.

Im zweiten Match des Tages erlebte Philipp Kohlschreiber gegen die belgische Nummer 1, Olivier Rochus, eine Sternstunde: Überaschend deutlich gewann der Deutsche den ersten Satz mit 3:6 und kämpfte auch im zweiten verbissen weiter. Ein frühes Break des Belgiers ließ ihn nicht aus der Ruhe bringen, er nahm dem Belgier stattdessen seinerseits das Aufschlagspiel ab. Dieser Satz war ebenso wie der dritte heiß umkämpft, aber Kohlschreiber sollte das bessere Ende für sich behalten: 5:7 und 6:7 gingen die beiden Sätze an ihn und es hieß am Ende des ersten Tages doch ein wenig überraschend 2:0 für Deutschland!

Beim gestrigen Doppel machten Alexander Waske und Michael Kohlmann gegen die beiden Rochus-Brüder dort weiter, wo Hass und Kohlschreiber am vergangenen Tag aufgehört hatten: Sie kämpften, steckten nicht auf, spielten ihr Spiel - und gewannen! Den ersten Satz mussten die beiden Deutschen noch mit 6:4 an die beiden Belgiern abgeben, ließen den beiden in den folgenden Sätzen mit 2:6, 3:6 und 1:6 aber nicht mehr so viele Chancen. - Der Halbfinaleinzug war perfekt!

Die heute noch auzutragenden Spiele haben nun nur noch untergeordnete Bedeutung, so wird auch Tommi Hass geschont und es wird an seiner Statt Michael Kohlmann zum Einsatz kommen.
Das deutsche Tennis hat gezeigt, dass es noch nicht am Boden liegt. Im Halbfinale, das gegen Frankreich oder Russland ausgetragen wird, scheint ob der Vorstellung des deutschen Teams in Ostende, alles möglich!

Samstag, 7. April 2007

Deutscher Handballer lassen Portugiesen keine Chance

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat bei den ersten zwei Auftritten nach dem grandiosen Gewinn der Weltmeisterschaft dort weiter gemacht, wo sie beim WM-Finale aufgehört haben: Mit Spielfreude, Durchsetzungsvermögen, Klasse und Taktik haben sie ihrem Gegner aus Portugal sowohl am Donnerstag als auch am heutigen Samstag keine Chance gelassen. Dem 38:28 am Donnerstag folgte heute ein zweiter überlegener Sieg mit 31:20.

Zugegebener Maßen waren die Portugiesen nicht der ebenbürtige, starke Gegner, aber gerade gegen einen solchen Gegner so aufzutreten, wie es unsere WM-Helden taten, ist häufig schwer. Zudem stehen viele der Spieler mit ihrem Verein vor entscheidenden Spielen: Die Entscheidung in der Meisterschaft rückt näher und auch international mischen erfreulich viele Bundesligisten noch mit, steht doch bereits vor dem Finale der Handball-Champions-League fest, dass in jedem Fall eine deutsche Mannschaft gewinnen wird.
Da mag es dem ein oder anderem schwer fallen, sich bei der Nationalmannschaft zusätzlich richtig reinzuhängen, wenn es "nur" um die Goldene Ananas geht. - Aber nicht so unsere Handball-Nationalspieler!
Heiner Brand's Spieler zeigen immer wieder, dass sie in jedem Spiel ihr Bestes geben wollen und wie viel Freude sie im Kreis der Nationalmannschaft verspüren. Zudem haben bei Spielen, wie denen gegen Portugal auch Spieler aus der 2. Reihe mehr Chancen zu zeigen, was in ihnen steckt, wie z.B. Torhüter Carsten Lichtlein, der bei der WM nicht zum Einsatz kam und heute aber ein glänzendes Spiel machte!

Wir können uns also auf weitere Auftritte der Handball-Nationalmannschaft freuen. Die Mannen von Heiner Brand befinden sich nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft auf einem guten Weg Richtung EM in Norwegen und den Olympischen Spielen in Peking, die beide im nächsten Jahr stattfinden.

DNA-Abgleich: Jan Ullrich überführt

Es scheint amtlich zu sein: Die im Rahmen der "Operacion Puerta" in Spanien gefundenen Blutkonserven wurden von der Bonner Staatsanwaltschaft eindeutig Jan Ullrich zugeordnet.
Damit dürfte wohl endgültig bewiesen sein, dass der einzige deutsche Tour de France-Sieger sehr wohl Umgang mit dem Dopingarzt Fuentes gepflegt hatte, in dessen Machenschaften verstrickt war und seit seinem Ausschluss kurz vor dem Prolog der letztjährigen Tour zu unrecht seine Unschuld beteuert hat. Jan Ullrich ist nicht unschuldig, er hat aller Wahrscheinlichkeit nach gedopt. - Diese bittere Wahrheit, die die Welt des einstigen Lieblings der Massen, der den Radsport in Deutschland belebt und zu einem nicht nur medialen Großereignis gemacht hat, ins Wanken bringen dürfte, wird nur die wenigsten verwundern. Zu tief schien das einstige größte deutsche Radsporttalent gesunken, zu peinlich und unglaubwürdig seine Auftritte.

Die Anwälte von Jan Ullrich sprechen zwar von Manipulation und ihren Mandanten nach wie vor von jedweder Dopingpraktik frei; sie werden damit auch sicher den Prozess noch weiter in die Länge ziehen, ob ihnen am Ende jedoch Recht zugesprochen wird, scheint sehr fraglich.
Ganz sicher wird aber Jan Ullrich als Verlierer da stehen. Und er wird viel Kraft brauchen das Ganze durchzustehen. Wünschen wir ihm trotz seiner begangenen Vergehen und seiner ständigen, unglaubwürdigen Unschuldsbeteuerungen alles Gute und die richtigen Freunde an seiner Seite. Immerhin hat Ullrich den Radsport in Deutschland zu dem gemacht, der er heute ist. Ohne ihn, der regelmäßig im Juli die Massen an die Strasse und vor die Fernsehr lockte, um mitzufiebern, wie er sich Riesen wie den Galibier, Alp d'Huez oder den Mont Venteaux hochquält, wie er im gleißendem Sonnenlicht eine seiner Sternstunden in Andorra Arcalis erlebte, wie ihn Udo Bölts mit "Quäl Dich, Du Sau" zu seinem ersten und einzigen Tour-Sieg den entscheidenden Anstieg, die entscheidenden Kilometer nach vorne trieb... , hätte es all dieses nicht gegeben. Und wer möchte diese schönen, beeindruckende Momente missen?
Ganz sicher werfen die Dopingpraktiken auch ein schlechtes Licht auf seine Erfolge und seine Sternstunden, aber sein wir so fair, ihm diese nicht auch noch zu nehmen.

Es ist absolut korrekt, dass alles getan wird, die Dopingvergehen der Fahrer aufzudecken. Der Abgleich der Blutkonserven mit Ullrich's DNA war mehr als hinfällig, und es sollte auch alles daran gesetzt werden, alle Zweifel aus dem Weg zu räumen. Aber dieses sollte nicht nur mit Ullrich, sondern mit allen in die Operacion Puerta verstrickten Radprofis geschehen! Momentan scheint es, dass vor allem Jan Ullrich der ganz große Verlierer dieses größten Dopingskandals der Radsportgeschichte ist. Aber wer sagt denn, dass ein Ivan Basso beispielsweise nicht genauso im Dopingsumpf steckt?? Basso ist einer der Fahrer, die inzwischen wieder bei einem Pro-Tour-Team untergekommen sind und Rennnen bestreiten. - Das kann nicht sein! Auch bei diesen Fahrern muss ein DNA-Abgleich durchgeführt werden, muss untersucht werden, inwieweit sie tatsächlich unschuldig sind oder ob alle ihre Praktiken nur verschleiert werden und sie so weiter munter Siege einfahren können!
Nur durch genaueste Untersuchungen kann der Radsport seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Alle Unschuldsbeteuerungen und Vereinbarungen gegen Doping nutzen nicht viel, wenn belastete und nicht zweifelsfrei unschuldige Radprofis im Fahrerfeld weiterhin mitfahren... Alle Dopingpraktiken aufdecken zu können, scheint fast nicht möglich, aber man sollte zumindest die Fälle nicht im Sande verlaufen lassen, wo erwiesener Maßen Sand im Getreibe bzw. mögliches Doping im Spiel ist!

Donnerstag, 5. April 2007

Die Schwimm-WM von Melbourne im Rückblick

Was bleibt in Erinnerung von diesen Welttitelkämpfen der besten Schwimmer in Melbourne?
Sicher die 7 Weltmeistertitel des Michael Phelps aus den USA, womit er den Titel-Rekord von Mark Spitz bei den Olympischen Spielen von München 1972 einstellte. Ein 8. Weltmeistertitel blieb ihm verwehrt, da die 4x100m Lagen-Staffel der USA erstmalig den Vorlauf aufgrund eines Wechselfehlers nicht überstand.
Ganz sicher wird auch Phelps Dominanz im Becken in Erinnerung bleiben, vor allem seine mehr als nur deutlich herausgeschwommenen Weltrekorde über 200m Schmetterling und 400m Lagen.

Aus deutscher Sicht sind vor allem Annika Lurz über 200m Freistil und Britta Steffen über 100m Freistil hervorzuheben. Nach mehr Schatten als Licht während der ersten Tage mit dem negativen Höhepunkten des vierten Platzes der favorisierten 4x100m Freistil-Staffel der Damen war der Gewinn der Silbermedaille durch Annika Lurz über die 200m Freistil eine Erlösung! Sie unterbot ebenso wie die Weltmeisterin Laure Manaudou aus Frankreich die alte Weltrekordmarke von Franziska van Almsick. Eine herausragende Leistung von Lurz! - Leider reichte es nicht zu Gold. Ein kleines Trostpflaster dürfte für die Würzburgerin gewesen sein, dass sie Manaudou in der 4x200m Freistil-Staffel im direkten Vergleich deutlich besiegen konnte und der Staffel Silber brachte!
Es sollte nur noch eine weitere Medaille für die deutschen Damen geben: Bronze für Britta Steffen über die 100m Freistil. Die als Weltrekordlerin an den Start gegangene Berlinerin wurde hinter der Australierin Lisbeth Lenton und Marleen Veldhuis aus den Niederlanden Dritte. Über die 50m Freistil schwamm Steffen mit Platz 4 nur knapp am Podest vorbei, und kann damit auf eine durchaus erfolgreiche WM zurückblicken.

Ansonsten gab es viele Enttäuschungen im deutschen Lager: Die sonst konstant gute Antje Buschschulte konnte ihr Leistungsvermögen nicht annähernd abrufen. In den Halbfinalläufen war regemäßig Schluss. Vor allem über ihre Spezialstrecke, die 100m Rücken, war dieses extrem bitter. Aber auch die mit dem 50m Rücken Weltrekord angereiste Janine Pietsch enttäuschte.
Insgesamt waren erschreckend wenig deutsche Farben in den Finalläufen vertreten, die Endlaufteilnahmen von Janne Schäfer über 50m Brust, von Birte Steven über 200m Brust und von Paul Biedermann über die 200m Feistil einmal ausgenommen.

Da wären wir nun auch bei dem nächsten Kapitel, das, hätte es nicht zum Abschluss die Silbermedaille von Thomas Rupprath über die 50m Schmetterling gegeben, ganz bitter ausgegangen wäre: Das Abschneiden der deutschen Herren.
Helge Meeuw, mehrfach medaillen-dekoriert bei der EM in Budapest, stand völlig neben sich. Mark Warnecke hatte mit seinem Vorlauf-Aus über die 50m Brust einen undankbaren Abgang von der großen Schwimmer-Bühne, Thomas Rupprath entäuschte während der ersten Tage und suchte ein wenig fadenscheinig klingende Erklärungen in den vom DSV aufgezwungenen Aidas-Anzügen, die Staffeln waren eine weitere große Enttäuschung, ... .

Ja, auf dem Weg nach Peking muss einiges getan weren, um die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer wieder weiter nach vorne zu bringen. Es sollte doch möglich sein, die Vorbereitung derart zu bestreiten, dass zum Punkt X das optimale Leistunngsvermögen abgerufen werden kann. - Andere Nationen schaffen es doch schließlich auch.
Hoffen wir daher auf ein besseres Abschneiden in Peking!

Dienstag, 3. April 2007

Deutscher Handball weiter auf Erfolgskurs

Das deutsch-deutsche Finale in der Handball Champions-League ist perfekt: Neben dem THW Kiel hat nun auch die SG Flensburg-Handewitt als zweiter Bundesligist das Finale in der Handball-Königsklasse erreicht!
Den Flensburgern genügte eine 25:24-Niederlage im Rückspiel in Valladolid. Die zwei Tore Unterschied aus dem Hinspiel reichten somit auf das Tor genau dafür aus, dem Nordrivalen aus Kiel in das Champions-League-Finale zu folgen. Damit steht schon vor den beiden Finalspielen fest, dass es in jedem Fall einen deutschen Champions-League-Sieger geben wird.
Der Sieg einer deutschen Mannschaft in der 1993 eingeführten Champions-League ist bislang nur 2002 dem SC Magdeburg gelungen. Sowohl der THW Kiel 2000, als auch die SG Flensburg-Handewitt 2004 standen je einmal im Endspiel, verloren dieses aber. Einer dieser beiden Clubs wird nun als erster Nordclub die begehrte Trophäe gewinnen!

Bislang war die Handball-Champions-League eine spanische Domäne, aber Handball made in Germany hat die Iberer in diesem Jahr nicht nur bei den Weltmeisterschaften, sondern auch im Vereinshandball hinter sich gelassen.
Denn auch im EHF-Pokal steht mit dem SC Magdeburg, ebenso wie im Pokal der Pokalsieger mit dem HSV Hamburg eine deutsche Mannschaft im Finale!

Sonntag, 1. April 2007

Timo Boll Europameister - 3 x Gold in Belgrad

Timo Boll ist zum zweiten Mal nach 2002 Tischtennis-Europameister! Gegen den Titelverteidiger Wladimir Samsonow gewann der ehemalige Weltranglistenerste 4:1. Zudem gewann Boll zusammen mit Christian Süss Doppel-Gold. Da zuvor bereits der Mannschafts-Titel gewonnen werden konnte, ist Timo Boll mit drei Gold-Medaillen der erfolgreichste Spieler dieser Titelkämpfe in Belgrad. - Besser geht es nicht!

Mit diesen drei Gold und zusätzlich zwei Bronze Medaillen, die im Herren-Einzel durch den Newcomer Dimitri Owtscharow und durch das Damen-Doppel Elke Wosik/ Wu Jiaduo gewonnen wurden, ist es die erfolgreichste Europameisterschaft für den DTTB seit 1962!

Finaltag in Melbourne: Silber für Thomas Rupprath

Das erste Finale des Tages wurde vor allem aus deutscher Sicht mit großer Spannung erwartet: War es doch über die Einzelstrecken nach den 200m Freistil erst das zweite Finale mit deutscher Beteiligung, und zwar gleich im Doppelpack: Steffen Driesen, der Zweite der Halbfinalläufe, und unser Weltrekordhalter Thomas Rupprath.
Und es gab die erste so lang ersehnte Medaille für die deutschen Herren bei dieser WM: Silber für Thomas Rupprath in 25.20 Sek!
Neuer Weltmeister wurde in 24.98 Sek Gerhard Zandberg aus Südafrika. Steffen Driesen kam 6/100 hinter dem Drittplatzierten, dem Briten Liam Tancock, auf dem unglücklichen 4. Rang ein. - Ein Platz, der im Allgemeinen ob der verpassten Medaille eher traurig stimmt, nicht aber so für den langen Driesen: Natürlich hätte er gerne zusammen mit Rupprath auf dem Podest gestanden, aber für ihn persönlich ist auch dieser vierte Platz ein großer Erfolg!

Die 50m Brust der Damen wurden ebenfalls mit deutscher Beteiligung ausgeschwommen: Janne Schäfer hatte als Halbfinal-Vierte souverän dieses Finale erreicht.
Im Vorfeld stellte sich die große Frage: Gewinnt die Australierin Liesel Jones als erste Frau bei einer WM über alle drei Bruststrecken? - Nein, es sollte anders kommen: Die US-Amerikanerin Jessica Hardy wurde in 30.63 Sek neue Weltmeisterin! Leisel Jones wurde in 30.70 Sek Zweite und verpasste diesen neuen Rekord um nur 7/100 Sek. Janne Schäfer wurde in 31.35 Sek Fünfte und lag damit 3/10 Sek hinter der drittplatzierten US-Amerikanerin Tara Kirk.
Nach einem verhaltenen Start waren die 50m für Janne Schäfer ein wenig zu kurz, auf die anderen Schwimmerinnen noch aufzuschwimmen. Nun denn, Platz 5 ist aller Ehre werte, wenngleich von den Zeiten her auch eine Medaille möglich gewesen wäre...

Über die 400m Lagen wollte US-Star Michael Phelps Geschichte schreiben, und als erster Athlet bei einer WM sieben Mal Gold gewinnen. Angepeilt waren ursprüngich 8 Weltmeistertitel, dieses war jedoch nicht mehr möglich, da die 4x100m Lagen-Staffel der USA aufgrund eines Wechselfehlers im Vorlauf, der ohne Phelps stattfand, disqualifiziert wurde. Aber über die 400m Lagen qualifizierte er sich souverän als Schnellster für den Endlauf.
Es wurde eine Demonstration von Michael Phelps Stärke. Vom Start weg bestimmte der US-Superstar das Rennen. Landsmann Ryan Lochte kam über Rücken zwar wieder heran und lag zu Beginn der Bruststrecke leicht in Front, aber über diese schwierigste Lage, die Brustdistanz, brachte Phelps die Entscheidung. In sensationellen 4:06.22 Minuten schlug er an - Weltrekord! - Über zwei Sekunden unter der alten Bestmarke.. - wiederum eine Welt im Schwimmsport....
Silber ging an den 200m Rücken Weltmeister Lochte in 4:09,74 Minuten vor Luca Marin aus Italien, der 14/100 Sek später anschlug. Titelverteidiger Lazlo Czeh aus Ungarn wurde Fünfter.
Die 400m Lagen der Frauen gewann Titelverteidigerin Katie Hoff aus den USA, die den Weltrekord der Ukrainerin Jana Klotschkowa in 4:32.89 Minuten um 7/10 Sek unterbieten konnte.

Über die 50m Freistil gewann Publikumsliebling Lisbeth Lenton in 24.53 Sek. Die100m Freistil-Weltmeisterin siegte vor der Schwedin Therese Alshammer und Marleen Veldhuis aus den Niederlanden. Auf Rang 4 schlug die Berlinerin Britta Steffen in 24.79 Sek an, nur 9/100 Sek fehlten zu Bronze...
Wäre das Rennen noch ein paar Meter länger gewesen, hätte sie die Holländerin sicher noch gepackt, aber so ist es der vierte Platz geworden. Die 100m Freistil Weltrekordlerin ist dennoch mit diesem Ergebnis sehr zufrieden, mit einer Medaille über die 50m Freistil hatte sie selbst in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet.
Damit gehen diese Weltmeisterschaften mit einer Silber und einer Bronze Medaille zuende. Es ist zwar nicht Gold geworden, aber sie kann dennoch mit diesen Weltmeisterschaften zufrieden sein. - Und Gold hat sie sich für Peking aufgespart...

Über die 1500m Freistil der Herren stellte sich im Vorfeld die große Frage: Was macht der Weltrekordler Grant Hacket, für den diese Weltmeisterschaften bislang so enttäuschend verlaufen sind? Viermal in Folge gewann Hacket über die 1500m Freistil bei einer WM, diese Serie riss am heutigen Tag...
Mateusz Sawrymowitsch aus Polen gewann in der neuen Europarekordzeit von 14:45.94 Minuten vor dem Russen Juri Prilukov. Für Grant Hacket blieb leider nur der siebte Platz. immerhin blieb er in 14:59.59 Minuten noch einmal unterhalb der 15 Minuten-Grenze.

Das letzte Finale dieser WM, die 4x100m Lagen der Herren, fand überraschend ohne den Titelverteidiger USA statt, der nach dem Vorlauf aufgrund eines Wechselfehlers von Ian Crocker disqualifizierte wurde. Leider war auch keine deutsche Staffel vertreten, die als Vorlauf-15. gescheitert war.
Neuer Weltmeister wurde in einem spannenden Staffelrennen mit wechselnden Führungspositionen die australische Staffel vor den Überraschungs-Zweiten aus Japan und den Russen.