Erstmals seit 1995 steht Deutschland damit wieder im Halbfinale des prestigeträchtigen Davis Cups! Dieses ist ein großer Erfolg für das deutsche Tennis, das nach den Lichtjahren einer Steffi Graf und eines Boris Becker mehr Schatten als Licht erlebt hatte. Tommi Haas wurde zwar schon in jungen Jahren großes Talent nach- und eine große Karriere vorhergesagt, aber so recht konnte der heute 29jährige die Erwartungen nicht erfüllen. In dieser Saison nun scheint er stark, wie selten, was er mit seiner Halbfinalteilnahme bei den Australian Open eindrucksvoll unterstreichen konnte.
So lagen daher auch die größten Hoffnungen von Teamchef Patrick Kühnen beim Auftritt gegen Belgien auf seiner Nummer 1. Haas sollte seine beiden Einzel gewinnen, um damit den Grundstein für den Erfolg gegen das Nachbarland Belgien zu legen. Dass diese Viertefinalbegegnung auf den vom deutschen Team eher ungeliebten Sandplatz stattfnden sollte, schien zwar kein gutes Omen, ließ die Augabe aber dennoch nicht unmöglich erscheinen.
Tommi Hass trat am Freitag im ersten Match gegen den Belgier Kristof Vliegen an. Im ersten Satz, den er im Tiebreack 7:6 abgeben musste, fiel es ihm noch ein wenig schwer, sich auf Gegner und Platz einzustellen. Im zweiten Durchgang fand die Nummer 10 der Weltrangliste dann aber immer besser in sein Match und hatte beim Stande von 5:5 Breakball, als der Belgier sich eine Verletzungspause nahm. Diese war nicht gespielt, wie man bei dem Spielstand hätte vermuten können, der Belgier hatte sich eine Verletzung am Rücken zugezogen und wurde minutenlang behandelt. - Für Haas keine einfache Situation, aber er meisterte sie und sicherte sich dieses entscheidende Spiel zum 5:6. In der Folge wude Haas' Überlegenheit immer deutlicher, wenngleich man auch sehen konnte, dass der Belgier ob seiner Verletzung nicht mehr 100%ig fit war. Dieses soll die Leistung von Tommi Hass aber keinesfalls schmälern, verdient brachte er Deutschland, nachdem er die Sätze 2 bis 4 für sich entscheiden konnte, mit 1:0 in Front.
Im zweiten Match des Tages erlebte Philipp Kohlschreiber gegen die belgische Nummer 1, Olivier Rochus, eine Sternstunde: Überaschend deutlich gewann der Deutsche den ersten Satz mit 3:6 und kämpfte auch im zweiten verbissen weiter. Ein frühes Break des Belgiers ließ ihn nicht aus der Ruhe bringen, er nahm dem Belgier stattdessen seinerseits das Aufschlagspiel ab. Dieser Satz war ebenso wie der dritte heiß umkämpft, aber Kohlschreiber sollte das bessere Ende für sich behalten: 5:7 und 6:7 gingen die beiden Sätze an ihn und es hieß am Ende des ersten Tages doch ein wenig überraschend 2:0 für Deutschland!
Beim gestrigen Doppel machten Alexander Waske und Michael Kohlmann gegen die beiden Rochus-Brüder dort weiter, wo Hass und Kohlschreiber am vergangenen Tag aufgehört hatten: Sie kämpften, steckten nicht auf, spielten ihr Spiel - und gewannen! Den ersten Satz mussten die beiden Deutschen noch mit 6:4 an die beiden Belgiern abgeben, ließen den beiden in den folgenden Sätzen mit 2:6, 3:6 und 1:6 aber nicht mehr so viele Chancen. - Der Halbfinaleinzug war perfekt!
Die heute noch auzutragenden Spiele haben nun nur noch untergeordnete Bedeutung, so wird auch Tommi Hass geschont und es wird an seiner Statt Michael Kohlmann zum Einsatz kommen.
Das deutsche Tennis hat gezeigt, dass es noch nicht am Boden liegt. Im Halbfinale, das gegen Frankreich oder Russland ausgetragen wird, scheint ob der Vorstellung des deutschen Teams in Ostende, alles möglich!
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