Samstag, 7. April 2007

DNA-Abgleich: Jan Ullrich überführt

Es scheint amtlich zu sein: Die im Rahmen der "Operacion Puerta" in Spanien gefundenen Blutkonserven wurden von der Bonner Staatsanwaltschaft eindeutig Jan Ullrich zugeordnet.
Damit dürfte wohl endgültig bewiesen sein, dass der einzige deutsche Tour de France-Sieger sehr wohl Umgang mit dem Dopingarzt Fuentes gepflegt hatte, in dessen Machenschaften verstrickt war und seit seinem Ausschluss kurz vor dem Prolog der letztjährigen Tour zu unrecht seine Unschuld beteuert hat. Jan Ullrich ist nicht unschuldig, er hat aller Wahrscheinlichkeit nach gedopt. - Diese bittere Wahrheit, die die Welt des einstigen Lieblings der Massen, der den Radsport in Deutschland belebt und zu einem nicht nur medialen Großereignis gemacht hat, ins Wanken bringen dürfte, wird nur die wenigsten verwundern. Zu tief schien das einstige größte deutsche Radsporttalent gesunken, zu peinlich und unglaubwürdig seine Auftritte.

Die Anwälte von Jan Ullrich sprechen zwar von Manipulation und ihren Mandanten nach wie vor von jedweder Dopingpraktik frei; sie werden damit auch sicher den Prozess noch weiter in die Länge ziehen, ob ihnen am Ende jedoch Recht zugesprochen wird, scheint sehr fraglich.
Ganz sicher wird aber Jan Ullrich als Verlierer da stehen. Und er wird viel Kraft brauchen das Ganze durchzustehen. Wünschen wir ihm trotz seiner begangenen Vergehen und seiner ständigen, unglaubwürdigen Unschuldsbeteuerungen alles Gute und die richtigen Freunde an seiner Seite. Immerhin hat Ullrich den Radsport in Deutschland zu dem gemacht, der er heute ist. Ohne ihn, der regelmäßig im Juli die Massen an die Strasse und vor die Fernsehr lockte, um mitzufiebern, wie er sich Riesen wie den Galibier, Alp d'Huez oder den Mont Venteaux hochquält, wie er im gleißendem Sonnenlicht eine seiner Sternstunden in Andorra Arcalis erlebte, wie ihn Udo Bölts mit "Quäl Dich, Du Sau" zu seinem ersten und einzigen Tour-Sieg den entscheidenden Anstieg, die entscheidenden Kilometer nach vorne trieb... , hätte es all dieses nicht gegeben. Und wer möchte diese schönen, beeindruckende Momente missen?
Ganz sicher werfen die Dopingpraktiken auch ein schlechtes Licht auf seine Erfolge und seine Sternstunden, aber sein wir so fair, ihm diese nicht auch noch zu nehmen.

Es ist absolut korrekt, dass alles getan wird, die Dopingvergehen der Fahrer aufzudecken. Der Abgleich der Blutkonserven mit Ullrich's DNA war mehr als hinfällig, und es sollte auch alles daran gesetzt werden, alle Zweifel aus dem Weg zu räumen. Aber dieses sollte nicht nur mit Ullrich, sondern mit allen in die Operacion Puerta verstrickten Radprofis geschehen! Momentan scheint es, dass vor allem Jan Ullrich der ganz große Verlierer dieses größten Dopingskandals der Radsportgeschichte ist. Aber wer sagt denn, dass ein Ivan Basso beispielsweise nicht genauso im Dopingsumpf steckt?? Basso ist einer der Fahrer, die inzwischen wieder bei einem Pro-Tour-Team untergekommen sind und Rennnen bestreiten. - Das kann nicht sein! Auch bei diesen Fahrern muss ein DNA-Abgleich durchgeführt werden, muss untersucht werden, inwieweit sie tatsächlich unschuldig sind oder ob alle ihre Praktiken nur verschleiert werden und sie so weiter munter Siege einfahren können!
Nur durch genaueste Untersuchungen kann der Radsport seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Alle Unschuldsbeteuerungen und Vereinbarungen gegen Doping nutzen nicht viel, wenn belastete und nicht zweifelsfrei unschuldige Radprofis im Fahrerfeld weiterhin mitfahren... Alle Dopingpraktiken aufdecken zu können, scheint fast nicht möglich, aber man sollte zumindest die Fälle nicht im Sande verlaufen lassen, wo erwiesener Maßen Sand im Getreibe bzw. mögliches Doping im Spiel ist!

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