Nachdem am gestrigen Tag am traditionsreichen Bergisel in Innsbruck aufgrund von Fönwinden kein Springen möglich war, wurde das 3. Springen der Vierschanzentournee, wie bereits 2008, in Bischofshofen nachgeholt.
Kurzzeitig kam dabei an der Paul-Ausserleitner-Schanze Spannung auf, ob Ryoyu Kobayashi, Japans Überflieger, vielleicht doch noch vom Thron der Gesamtwertung gestürzt werden konnte: Der Norweger Marius Lindvik kam nach einem blitzsauberen ersten Durchgang auf bis 4m an den Japaner heran, ehe Kobayashi im 2. Durchgang mit einem Satz auf 137,5 m und 19er Noten allerdings wieder an Lindvik vorbeiflog. Der Norweger sprang zwar nur 2 m kürzer, wirkte aber ein wenig verkrampft und konnte den Sprung auch nicht so sauber stehen wie der Japaner. So liegt Kobayashi vor dem abschließenden Springen am morgigen Dreikönigstag 17,9 Punkte vor dem Norweger. - Ein Vorsprung, den Kobayahsi in der derzeitigen Form eigentlich nicht mehr aus der Hand geben dürfte, denn - dieses muss man neidlos anerkennen - der Gesamtsieger von 2018/2019 ist in einer bestechenden Form und wird seiner Favoritenrolle in eindrucksvoller Weise gerecht.
So stellt sich beinahe nur noch die Frage: Gelingt Ryuyo Kobayahsi als erstem Springer zum zweiten Mal der Grand Slam, d.h. der Sieg bei allen 4 Springen der Vierschanzentournee?! - Die Chancen dazu stehen sehr gut, denn, auch wenn die Konkurrenz immer wieder am Throns Japaners rüttelt, wie Markus Eisenbichler beim Neujahrsspringen oder heute Marius Lindvik beim nachgeholten Bergiselspringen, es scheint nicht zu gelingen, den Japaner in 2 Durchgängen in Schach zu halten.
Aber warten wir es ab. Vielleicht flattern dem Favoriten morgen doch noch einmal die Nerven, oder er hat Pech mit den Bedingungen. - Dann könnte der Grand Slam evtl. noch verhindert werden. Der Gesamtsieg sollte dem Japaner allerdings fast nicht mehr zu nehmen sein dürfen. Einzig Marius Lindvik scheint noch eine Chance zu besitzen, an Kobayashi vorbeizuziehen. Dafür müsste dann aber schon sehr viel passen. Wahrscheilicher ist es, dass es Kobayashi Janne Ahonen gleichmacht und beide Springen von Bishofshofen gewinnt wird, wie es dem Finnen 2008 gelungen ist.
Der Dritte der Gesamtwertung, Lindviks Landsmann Halvor Egner Granerud, liegt mit 38,7 Punkten Rückstand auf Kobayashi schon beinahe aussichtslos zurück. Granerud dürfte eher ein Kampf um den Podestplatz mit den beiden deutschen Vorfliegern, Markus Eisenbichler, derzeit Gesamtvierter, und Karl Geiger, mit 4,1 Punkten Rückstand auf Granerud zur Zeit auf Rang 5 der Gesamtwertung, bevorstehen.
Ja, es wäre den deutschen Adlern zu wünschen, in Bischofshofen wenigstens auf dem Podium der Gesamtwertung zu stehen, nachdem der angepeilte erste deutsche Gesamtsieg nach Sven Hannawalds Grand Slam vor 20 Jahren nicht gelingen dürfte.
Immerhin scheint Karl Geiger heute sein Tief verlassen zu haben und zeigte fast wieder seine alte Stärke, die ihn, der als Gesamtweltcupführender in die Tournee gegangen ist, vor der Tournee ausgezeichnet hatte. Sein Satz auf 136,0 m im zweiten Durchgang lässt zumindest für das morgige Springen einen Podestplatz als möglich erscheinen, nachdem der Oberstdorfer heute mit dem undankbaren 4. Platz Vorlieb nehmen musste.
Vielleicht kann aber auch Markus Eisenbichler zwei ähnliche Granaten zünden, wie im 2. Durchgang heute, bei dem er mit 140,5 m die größte Weite in den Schnee zauberte. Drauf hätte es der Siegsdorfer alle Mal, aber er muss eben auch mal 2 Top-Durchgängen nach unten bringen.
Es bleibt damit trotz der deutlichen Führung von Ryoyu Kobayashi spannend beim morgigen Dreikönigsspringen in Bischofshofen...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen