Die deutsche Handball-Nationalmannschaft wird nach der 25:21-Niederlage gegen Vizeweltmeister Schweden kein Wort bei der Medaillenvergabe dieser EM mehr mitsprechen können. Nach den Hauptrundenniederlagen gegen Spanien, Norwegen und eben gestern gegen Schweden ist auch rechnerisch das Halbfinale nicht mehr zu erreichen.
Aber wenn man ehrlich ist, hatte man das im Vorfeld der EM auch nicht ernsthaft von dem jungen Team, das Alfred Gislason mit Blick auf die Heim-EM 2024 formen möchte, erwartet. Dabei wäre vielleicht sogar eine Überraschung möglich gewesen, wenn denn das Team, das sich in den Vorbereitungsspielen vor allem gegen Frankreich als ebenbürtiger Gegner gezeigt und stark agiert hatte, wenigstens überwiegend diese EM hätte gemeinsam durchspielen dürfen. Aber Corona machte es unmöglich: Kein anderes Team musste dermaßen viele Ausfälle verkraften, wie die deutsche Mannschaft. Zuletzt traf es den Polen-Helden Christoph Steiner und Nachrücker Firnhaber. Und auch der direkt erkrankte Henrik Wagner, rechtzeitig zum Schweden-Spiel einsetzbar, musste nach etwa 4 Minuten entkräftet aufgeben. Es war kein gemeinsames Training möglich, um sich so auf die Gegner einstellen zu können, wie es eigentlich erforderlich gewesen wäre. Mit Videovorbereitungen in EM-Partien zu gehen war nicht nur für die Spieler neu! Da ist es nicht erstaunlich, dass im Angriff Spielzüge nicht klappen und Bälle verloren gehen. Gegen Schweden zugegebener Maßen einmal mehr zu viele, aber dieser Mannschaft, die immer aufopferungsvoll kämpfte und sich voll in jedes Spiel reinhing, möchte mach dennoch keine Vorwürfe machen!
Und es tut einem auch leid für Alfred Gislason, für Viele der weltbeste Trainer: Wie soll der Isländer eine neue Mannschaft formen, wenn es ihm die äußeren Bedingungen einmal mehr fast unmöglich machen?!
Und obwohl diese Mannschaft in den einzelnen Aufstellungen vorher in dieser Form so gut wie nie zusammen gespielt hatte, zeigten sie auch wieder gegen Schweden, welches Potential in ihnen steckt: Von Anfang an zwar hinten liegend, ließ das deutsche Team die Schweden nie wirklich wegziehen und ging mit einem 2-Tore-Rückstand in die Pause. Aus dieser kamen die Deutschen mit viel Power und konnten zum 13:13 ausgleichen. Zu diesem Zeitpunkt, und auch noch später in der Partie, hätte das Spiel kippen können. Die deutschen Handballer um Shootingstar Julian Köster hatten mehrfach Chancen in Führung zu gehen, vergaben diese aber kläglich. Kein Tempogegenstoß, der gegen die eingespielten Skandinavier so wichtig gewesen wäre, zündete. Da nütze es auch nicht, dass zwischenzeitlich in der Abwehr Beton angerührt wurde und die Recken um Abwehrchef Johannes Golla eine wirklich Klasse-Leistung zeigten.
So kam es wie es kommen musste: Zum Ende ging der deutschen Mannschaft ein wenig die Puste aus, und die Schweden konnten uneinholbar davonziehen. Der Vize-Weltmeister nutzte seine Chancen einfach besser als das deutsche Team und agierte abgebrühter, so dass die Schweden letztendlich verdient gewonnen haben. Allerdings kann die deutsche Mannschaft mit erhobenem Haupt von der Platte und in das abschließende Hauptrundenspiel gegen Russland gehen: Nach einem recht dürftigen Auftritt gegen Spanien haben sie sich erst gegen Norwegen und nun noch einmal deutlich gegen Schweden gesteigert. Das macht Lust auf mehr, und zwar dann hoffentlich wieder mit einem Team, das nicht immer wieder neu zusammengesetzt durch ein Turnier gehen muss! Der Trainer an der Seite ist auf jeden Fall einer der Besten und brennt darauf Handball-Deutschland wieder da hinzubringen, wo sie nach Ansicht Vieler hingehören: In die Weltspitze!
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