König Kamil krönt sich beim heutigen Abschlussspringen der Vierschanzentournee einmal mehr selbst und erspringt seinen dritten Tourneegesamtsieg. Mit seinem Sieg in Bischofshofen, bei dem er bei beiden Durchgängen Bestweite sprang, machte er diesen klar und ließ der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance. Das muss man ehrlicherweise anerkennen, so gern man sich auch über einen deutschen Gesamtsieger gefreut hätte.
Dennoch gab es für die deutschen Adler einen versöhnlichen Abschluss der deutsch-österreichischen Traditionsveranstaltung. Auch wenn die Ausgangssituation alles andere als gut für Deutschlands derzeitigen Vorzeigespringer, Karl Geiger, war und auch die heutigen Trainingssprünge eher mittel- als spitzenmäßig waren, hatte sich der Oberstdorfer mit einem Satz von 138,0 m bereits nach dem ersten Durchgang auf den zweiten Rang in der Gesamtwertung nach vorn gekämpft. Dawid Kubacki und Halvor Egner Granerud hatten nach eher mäßigen Sprüngen das Nachsehen. Wobei man fairer Weise sagen muss, dass Granerud auch aufgrund eines Schachzugs seines Trainers Alexander Stöckel Federn lassen musste, denn der österreichische Trainer der Norweger hatte alles in eine Waagschale geworfen und vor Granerud den Anlauf verkürzen lassen, was leider nicht aufging, da Granerud nicht auf die geforderte Weite kam und so wertvolle Punkte liegen ließ. Aber dennoch Chapeau vor diesem Versuch, den Rückstand auf Stoch so aufholen zu wollen, denn nur so wäre aus norwegischer Sicht das fast Unmögliche wahrscheinlich noch möglich gewesen.
Da sowohl Kubacki, heute Tages-15ter, als auch Granerud, heute 12. von Bischofshofen, keinen überragenden zweiten Durchgang zeigten, Geiger aber einmal mehr sehr solide auf 133,5 m kam, war der dritte Platz von Bischofshofen sowie Rang 2 in der Gesamtwertung für den Oberstdorfer gesichert! - Wer hätte das nach Innsbruck noch für möglich gehalten?! - Es war wahrscheinlich ein gutes Omen, dass Linus Strasser kurz vor Start des letzten Tourneespringens in Zagreb überraschend seinen ersten Weltcupsieg in einem Slalom erringen konnte!
Dennoch muss festgehalten werden, dass es wohl selten bei einer Tournee ein solches Auf- und Ab gab, wie in diesem Jahr. Es fing bereits in Oberstdorf an, wo die Polen erst ganz raus und dann doch wieder zugelassen waren. Geiger sprang dort, doch ein wenig überraschend auf die Nummer 1.
Dann musste der 3. von Oberstdorf, Marius Lindvik, heute Dritter hinter Stoch und Geiger, die Springen in Garmisch-Partnerkirchen und Innsbruck aufgrund einer Kiefernentzündung auslassen. Springer, die man vorn im Gesamtklassements erwarten durfte, patzten bei mindestens einem der vier Springen: So büßte Stefan Kraft in Garmisch, heute Vierter, alle Chancen in der Gesamtwertung bereits früh ein. Oder aber der Zweite von Innsbruck, Anze Lanisek, packte in Bischfhofen noch nicht einmal die Qualifikation für den ersten Durchgang und konnte seine gute Ausganssituation in der Gesamtwertung als 6. nach Innsbruck nicht nutzen. Auch der durchaus mit Außenseiterchancen an den Start gegangene Norweger Robert Johansson stand bereits in Oberstdorf im Abseits, wo er den zweiten Durchgang nicht erreichen konnte.
Leider reiht sich auch ein deutscher Adler hier ein: Markus Eisenbichler, nach Innsbruck auf dem 5. Gesamtrang liegend, schielte vor dem Abschlussspringen durchaus noch auf das Podium, musste aber nach einem schwachen Sprung auf 120,5 m im ersten Durchgang bereits vorzeitig seine Sachen packen und erlebte den zweiten Durchgang nur als Zuschauer... - Bitter für den Eisei, aber der Weltmeister hatte einen aggressiven Sprung riskiert, den er in der momentanen Form aber leider nicht wie erhofft nach unten brachte.
So bleibt es der deutschen Fangemeinde sich über den wiedererstarkten Karl Geiger und seinen Platz auf dem Podium zu freuen. - Ein versöhnliches Ende der Vierschanzentournee, und nach Gesamtrang 3 im Vorjahr, dem zweiten Platz in diesem Jahr, wäre im nächsten Jahr dann doch eigentlich der Gesamtsieg an der Reihe...
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