Bergisel - der Schicksalsberg der deutschen Skiadler - wie oft galt dieses zuletzt für die Vierschanzentournee?! Während Eisenbichler sich vor zwei Jahren am Bergisel noch zum Weltmeister und Geiger zum Vizeweltmeister kührten, schien beim heutigen 3. Springen der Vierschanzentournee, wie auch in den Vorjahren, einmal mehr alles gegen die deutschen Vorzeigespringer zu laufen, zumindest im ersten Durchgang...
Karl Geiger ging als Qualifikationssiebter als erster der Topfavoriten vom Bakken. Die Fangemeinde stellte sich die bange Frage, ob der Oberstdorfer den heutigen schwachen Trainingssprung hinter sich lassen und einmal mehr seine Wettkampfstärke zeigen konnte. - Nein! Geiger zeigte seit langer Zeit im Wettkampf einen schwachen Sprung und kam nur auf 117,0 m. - Wären Zuschauer im Stadion zugelassen gewesen, hätte man sicher ein Raunen im weiten Rund erleben können... War es das mit dem Stockerl in der Gesamtwertung für den bislang Gesamtzweiten?!
Ein schwacher Trost dürfte es für den Skiflugweltmeister gewesen sein, dass auch Stefan Kraft Federn lassen musste und deutlich hinter seinem Potential zurückblieb, aber der Österreicher spielt im Gesamtklassement schon länger keine Rolle mehr. Im nächsten Pärchen ging dann König Kamil vom Bakken. - Kamil Stoch, in Oberstdorf wegen eines positiven Coronatests seines Teamkollegen Klemens Muranka zunächst gesperrt und dann doch kurzfristig zugelassen, zauberte 127,5 m in den Schnee, womit er den ersten Durchgang für Innsbruck für sich entscheiden konnte und auch in der Gesamtwertung an Geiger vorbeizog ... Sollte es wieder einen Triumph für den Polen geben?
Oder konnte doch noch der zweite deutsche Trumpf, Markus Eisenbichler, stechen? - Die Hoffnung war da, aber auch der Eisei hatte im ersten Durchgang von Innsbruck lahme Flügel und schloss diesen Durchgang lediglich auf Rang 15 ab - zu schlecht, um, wie gewünscht, Punkte in der Gesamtwertung, in der er zu Halbzeit auf Rang 5 rangierte, gutmachen zu können, aber immerhin noch 15 Plätze vor Geiger, der tatsächlich lediglich den 30. Rang nach Durchgang 1 in Innsbruck belegte... Was für eine Schmach!!
Aber was machte nun als nächstes der Vorjahresgesamtsieger Dawid Kubacki? Dem Polen scheinen nach seinem Sieg in Garmisch Flügel gewachsen zu sein, und er konnte sich deutlich von Geiger und Eisenbichler absetzen. - Was für ein Auftritt der Polen, die doch eigentlich schon "weg vom Fenster" waren!
Aber es gab da ja noch den großen Überflieger dieser Saison, Halvor Egner Granerud aus Nordwegen, der den ersten Durchgang abschloss. Graneruds Sprung sah grundsätzlich aus wie seine vorherigen - souverän und ... weit? - Nein! Auch der Norweger ließ im ersten Durchgang etliche Meter liegen und lag zur Halbzeit nur knapp vor Geiger... - Unglaublich, wann hat es das schon einmal gegeben, dass die ersten Beiden in der Gesamtwertung nach einem ersten Durchgang lediglich auf den Rängen 29 und 30 rangierten?!
Was war nun in Durchgang 2 noch möglich? Geiger ging als erster vom Backken und landete bei 128,5 m! - "Warum nicht gleich so?!" rief er sich selber zu. Er, der sich nach Durchgang 1 so maßlos über seinen schwachen Sprunge geärgert hatte, hatte zumindest ein wenig Schadensbegrenzung betrieben. Und auch Granerud zeigte sich wiedererstarkt und setze sich um 0,1 Punkte vor Geiger. - Im Hinblick auf die Gesamtwertung ist das nicht viel und war nach Geigers Auftritt in Durchgang 1 nicht zu erwarten, aber da war ja noch die polnische Armada... Bevor Stoch & Co. jedoch vom Bakken gingen, war der Weltmeister an der Reihe. Und auch Eisenbichler betrieb mit einem Satz auf 128,5 m Schadensbegrenzung und kam sogar noch bis auf Tagesrang 6 nach vorn.
Ganz vorn lagen am heutigen Tag jedoch die polnischen Skispringer: Mit Piotr Zyla und Dawid Kubacki setzen sich zwei Springer aus Polen zunächst an die Spitze des Tableaus, lediglich Anze Lanisek, zweiter nach dem 1. Durchgang, konnte sich knapp vor die Beiden setzen. Aber sollte es für einen slowenischen Tagessieg reichen? Es schien fast unwahrscheinlich, dass Kamil Stoch eine Schwäche zeigen würde. - Und so kam es dann auch: Mit der Bestweite von 130,0 m im 2. Durchgang setze er sich mit über 10 Punkten Vorsprung an die Spitze. - Der zweimalige Sieger in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee scheint keine Nerven zu kennen!
So setzt er sich auch in der Gesamtwertung deutlich von der Konkurrenz ab. Auf Rang 2 folgt Dawid Kubacki, bereits über 15 Punkte hinter Stoch. Dritter nach 3 Springen ist Granerud, Vierter Geiger. Noch ist das Podium in Greifweite, aber der Toruneesieg sollte fast nicht mehr möglich sein.
Da tröstet auch der 5. Gesamtrang von Markus Eisenbichler kaum. Die beiden deutschen Vorzeigespringer waren gestartet, um die Nachfolge von Sven Hannawald anzutreten. Dass es dazu kommt, ist mehr als unwahrscheinlich. Dennoch hoffen wir auf Bischofshofen, denn auch dort sind noch 2 Sprünge zu erbringen und wie sehr 2 Sprünge das Klassement durcheinander bringen können, haben wir heute sehen dürfen ...
1 Kommentar:
Super! Danke für diese tolle Zusammenfassung!
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