Die ärgsten Befürchtungen haben sich bei der dritten Station der diesjährigen Vierschanzentournee, am Bergisel in Innsbruck, leider bewahrheitet, und es kam zu der fast schon angekündigten Windlotterie.
Dabei überschlugen sich die Ereignisse bereits vor Start des ersten Wettkampfdurchgangs:
Severin Freund, im letzten Jahr noch Zweiter in der Gesamtwertung, musste bereits am Vortag krankheitsbedingt seine Koffer packen und die Heimreise antreten. Gleiches gilt für den in der Gesamtwertung noch aussichtsreich auf Rang 6 liegenden Österreicher Michael Hayböck: Ein Magen-Darm-Virus hatte einen Großteil des österreichischen Teams erfasst, den Vorjahres-Dritten am stärksten. Für den Tiroler war ein Springen am heutigen Tag leider undenkbar. Aber auch den Oberstdorf-Sieger und Gesamt-Zweiten, Stefan Kraft, sowie Andreas Kofler erwischte es; beide konnten jedoch, wenn auch geschwächt, in Innsbruck an den Start gehen.
Dann kam es beim heutigen Probedurchgang zu einem fast verhängnisvollen Sturz: Der Gesamtführende Kamil Stoch bekam nach der Landung aufgrund des sehr ruppigen Auslaufs, der einem Springen bei der Vierschanzentournee nicht wirklich würdig war, einen Schlag auf den Ski, wodurch sich die Bindung löste und der Pole zu Fall kam. Zunächst sah alles nicht ganz so dramatisch aus, dann stellte sich jedoch heraus, dass der Doppelolympiasieger von Sotschi empfindlich auf die Schulter gefallen war und der Start auf der Kippe stand. Schlussendlich konnte der polnische Mannschaftsarzt aber grünes Licht geben, so dass der legitime Nachfolger von Adam Malysz an den Start gehen konnte.
Um 14:00 sollte dann der erste Springer, Jurij Tepes, vom Bakken gehen, aber es kam bereits jetzt aufgrund der drehenden und wechselnden Winde zu Verzögerungen. Dieses sollte sich den ganzen ersten Durchgang über durchziehen, so dass dieser erst kurz nach halb 4 beendet werden konnte. Lange sah es sogar mehr als schlecht aus, ob der Durchgang überhaupt zu Ende gebracht werden könnte.
Manch Springer, darunter vor allem die vom Winde verwehten Markus Eisenbichler und Stefan Kraft, hätte sich wohl einen Abbruch gewünscht, aber es kam nicht dazu: Die Jury "prügelte" den ersten Durchgang regelrecht durch, so dass nach einem Durchgang der Sieger feststand. Der zweite Durchgang konnte, obwohl die Winde gemäßigter waren, wegen anbrechender Dunkelheit nicht mehr gestartet werden. Man fragt sich, warum ein so geschichtsträchtiger Ort, wie der Bergisel, nicht in eine Flutlichtanlage investiert?!
Mit Daniel Andre Tande siegte jedoch gewiss kein unbeschriebenes Blatt. Der Norweger hatte bereits beim Neujahrsspringen triumphiert, hatte aber am Bergisel, das muss man fairer Weise erwähnen, von allen Favoriten die besten Bedingungen, die er jedoch auch mit einem Sprung auf 128.5 m zu nutzen wusste.
Das weitere Podium mit Tandes Landsmann Robert Johansson und dem Russen Ewgenij Klimow war hingegen überraschend. Die beiden hatten die Gunst der Stunde genutzt und mit der Tagesbestweite von 133.0 m (Johansson) und 127.0 m weite Sprünge in die Bergiselanlage gezaubert.
Was aber war mit den anderen Favoriten?
Kamil Stoch kam trotz Schulterproblemen auf dem 4. Platz ein und rangiert nun mit 1.7 Punkten Rückstand auf Tande auf Rang 2 der Gesamtwertung.
Stefan Kraft hingegen hat es, wie bereits erwähnt, böse erwischt: Nicht nur dass er durch den Magen-Darm-Infekt geschwächt an den Start ging, nein, er erwischte denkbar schlechte Bedingungen und kam nur auf 116.0 m, wodurch er auf Rang 3 der Gesamtwertung abrutschte und nun mit 16.6 Punkten bereits einen deutlichen Rückstand auf Tande aufweist.
Ähnlich bitter traf es Deutschlands letzte Hoffnung in der Gesamtwertung, Markus Eisenbichler: Der Bayer saß zweimal extrem lange auf dem Bakken, beim zweiten Mal hatte Bundestrainer Werner Schuster bereits in der Gewissheit, dass die Ampel auf rot springen würde, abgedreht, ehe er sah, dass die Ampel in allerletzter Sekunde, bei sehr schwierigen Windbedingungen, auf Grün umsprang und Eisenbichler springen musste: Er kam leider nur auf 112.0 m, wodurch er in der Gesamtwertung hinter dem Polen Piotr Zyla und dem Lokalmatador Manuel Fettner auf Rang 6 abrutschte und so keine Chance mehr auf das Podium in der Gesamtwertung haben dürfte. Ärgerlich!
Ein wenig Licht aus deutscher Sicht gab es heute hingegen bei Stephan Leyhe, der gute 120.5 m in den Schnee brachte und als Tages-Elfter einen Sprung auf Platz 8 in der Gesamtwertung machte. Andreas Wellinger liegt dort, nach Platz 13 heute, auf Rang 11.
Als Resumée des heutigen Tages mag man ziehen, dass es evtl. besser gewesen wäre, die Jury hätte nicht zwanghaft versucht, wenigstens einen Durchgang nach unten zu bringen, sondern hätte das Springen für heute abgesagt bzw. abgebrochen.
Stattdessen hätte das Springen, wie bereits 2008 geschehen, am morgigen Tag in Bischofshofen nachgeholt werden können. Dieses wäre zwar ein erheblicher Verlust für Innsbruck als Skisprungstandort gewesen, aber wäre es im Sinne eines möglichst fairen Wettbewerbs nicht gerechter gewesen?!
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