Es ist wieder so weit: Der Weihnachtsbraten ist verspeist, die Weihnachtsgeschenke sind verteilt und ausgepackt. - Endlich kann es wieder losgehen mit der prestigeträchtigen deutsch-österreichischen Vierschanzentournee!
Und es steht ein deutscher Springer im Mittelpunkt: Beim heutigen Tourneeauftakt in Oberstdorf sind aller Augen auf den derzeit Führenden in der Weltcup-Gesamtwertung gerichtet: Richard Freitag aus Erlabrunn. Sollte endlich einmal wieder ein deutscher Adler ganz oben auf dem Podest der Gesamtwertung stehen?!
Seit Sven Hannawalds sagenhaftem Triumph 2002 mussten die Deutschen immer anderen Springern den Vortritt lassen, zumeist Springern aus unserem Nachbarland Österreich.
Nun aber stehen die Vorzeichen aus deutscher Sicht gut wie lange nicht: Neben Freitag ist vor allem auch Andreas Wwellinger, derzeit Zweiter im Gesamtweltcup, in Top-Form. Und mit Markus Eisenbichler haben wir einen weiteren Podestspringer am Start.
Auch nicht zu vergessen die Adler aus der zweiten Reihe: Karl Geiger (4. der gestrigen Quali) und Stepan Leyhe (gestern Achter).
Aber alle überstrahlt der 26-jährige Freitag, der in diesem Jahr reifer und wie ausgewechselt erscheint. Möglich, dass sein Umzug nach Oberstdorf hier eine entscheidende Rolle gespielt hat: Der Erzgebirgler wirkt erwachsener und wesentlich abgeklärter als in früheren Jahren, wo er zwar immer als großes Talent gehandelt wurde, es aber nie konstant nach ganz oben schaffte.
Seine Weltcupsiege in Nischni Tagil, Titisee-Neustadt und zuletzt in Engelberg sprechen eine eigene Sprache. Aber es ist vor allem diese neue Souveränität, die erstauen lässt. Ein gutes Beispiel dafür gab es gestern in der Qualifikation, die seit diesem Jahr auch für die Top-10 der Weltcupgesamtwertung verpflichtend ist: Der Wind änderte sich ständig, die Jury ging direkt vor ihm, dem letzten Springer der Quali, mal mit dem Anlauf rauf, mal runter. Und was macht Richard Freitag? - Er hockt neben der Anlaufspur und macht geradezu Faxen, um dann - endlich losgelassen - auf 130 m hinunterzusegeln, die Platz 1 in der Qualifikation bedeuten. - Ganz großes Kino!
Aber wir sollten vorsichtig sein und nicht zu euphorisch in die Tournee gehen: Erfahrungsgemäß kann auf den 4 Schanzen eine Menge geschehen. Und auch Überraschungen, wie beispielsweise Thomas Diethardt 2014, gab es immer wieder.
Mit wem ist, neben Freitag und Wellinger, in der Gesdamtwertung aber noch zu rechnen?
Da wären vor allem der letztjährige Vierschanzentourneesieger und Doppelolympiasieger Kamil Stoch und Österreichs Dauerbrenner Stefan Kraft zu nennen. Aber auch die Norweger um Daniel Andre Tande, der nach seinem Bindungsmissgeschickt im vergangenen Jahr in Bischofshofen, gereift scheint, und dem Super-Flieger Johann Andre Forfang sind nicht außer Acht zu lassen.
Dass es Peter Prevc, dem Gesamtsieger von 2016, bereits zur Tournee gelingen wird, die alte Topform zu erreichen, mag man ebenso wenig glauben, wie die "Wiederauferstehung" des Altmeisters Simon Amman.
Eher sollte man Stochs Teamkollegen Matjei Kot und Piotr Zyla auf dem Zettel haben.
Nun, in knapp einer Stunde gehen in Oberstdorf die ersten Springer vom Bakken. - Dann wissen wir mehr.
Freuen wir uns darauf!
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