Es sollte anders werden bei der diesjährigen Vierschanzentournee, anders als in den vergangenen Jahren, wo die deutschen Adler den Anforderungen nicht gerecht wurden und das Podium in der Gesamtwertung in weiter Ferne lag. Und die Vorraussetzungen waren nicht schlecht: Beide deutschen Vorzeigespringer, Freund und Freitag, konnten in dieser Saison bereits einen Weltcupsieg erringen, und vor allem Freund schien seit dem Team-Olympiasieg von Sotschi und dem Weltmeistertitel im Skifliegen gereift - aber nun das: Freund scheint sich seine schlechtesten Saisonsprünge für den Tournee-Auftakt auf seiner Heimschanze aufgespart zu haben. Wie kann das passieren?!
Bundestrainer Werner Schuster fand zum Ende des Skisprungtages von Oberstdorf deutliche Worte und zeigte sich schlicht und ergreifend enttäuscht von dem Auftreten seiner Topspringer!
36.9 Punkte Rückstand auf den Tagessieger Stefan Kraft aus Österreich hat Freund als Tages-Dreizehnter im Tourneegepäck, Freitag gar 40.5... Das scheint zu viel, um noch einmal ganz vorne angreifen zu können. Scheinbar schaffen es die deutschen Adler nicht, ihr ohne Zweifel vorhandenes Können auch in der Heimat und vor allem bei der prestigeträchtigen deutsch-österreichischen Vierschanzentournee abzurufen. Wieder einmal sind sie an ihren Nerven gescheitert...
Zugegebener Maßen sind dieses deutliche Worte, die sich jedoch ein als Tournee-Mitfavorit gestarteter Freund anhören können muss.
Jedoch sei angemerkt, dass sich die deutschen Springer in bester Gesellschaft befinden: So hat der ebenfalls als Mitfavorit an den Start gegangene 4-fache Olympiasieger Simon Ammann aus der Schweiz bereits alle Chancen auf eine vordere Platzierung verspielt. Anders als bei Freund & Co., die durch ein starkes Auftreten bei den verbleibenden 3 Springen durchaus theoretisch noch etwas erreichen können, liegt Ammann nach dem verpassten 2. Durchgang von Oberstdorf zu weit hinten. Der Schweizer wollte im 1. Durchgang zu viel, als er bei 133.0 m noch einen Telemark in den im Auslauf recht tiefen Schnee zaubern wollte. Bekanntermaßen sind Ammann und der Telemark nicht unbedingt Freunde. Dieses hat sich heute leider einmal mehr bewahrheitete.
Unglücklich lief auch der Wettkampf für den hoch gehandelten zweimaligen Gesamtsieger Gregor Schlierenzauer, der nach dem 1. Durchgang noch auf Rang 6 lag, sich am Ende jedoch noch hinter Freund und Freitag auf Platz 17 wiederfand.
Damit lag der Tiroler nur einen Rang vor Marinus Kraus, der nach dem Fast-Sturz am Vortag einen beeindruckenden Wettkampf zeigte.
Die Adler haben nun einen Tag Pause, bevor es am Silvestertag mit der Qualifikation für das Neujahrsspringen weiter geht.
Neues Spiel, neues Glück, heißt es dann.
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