Halbzeit bei der Vierschanzentournee - diese kann man kurz und knapp wie folgt beschreiben:
Überraschende norwegische Gesamtführung, unerwartet schwächelnde Österreicher, Deutsche Adler hinter den Erwartungen und Norweger stark wie lange nicht.
Ein alter Bekannter stand sowohl in Oberstdorf als auch in Garmisch ganz oben auf dem Siegerpodest: Anders Jacobsen, der nach einem Jahr Abstinenz stark wie lange nicht springt. Vor allem seit erster Satz in Garmisch dürfte noch lange in Erinnerung bleiben: Nachdem seine Ski kurz nach dem Absprung miteinander kollidierten, pendelte er, mit den Armen rudernd, in der Luft und alle hielten den Atem an. Aber es kam zu keinem Sturz, der gelernte Klemptner bekam das Flugsystem schnell wieder in Griff und segelte noch auf Zwischenrang 9. Im 2. Durchgang sprang er dann auf die Tagesbestweite von 143.0 m und überholte sogar noch seinen ärgsten Konkurrenten, Gregor Schlierenzauer, der nach dem 1. Durchgang in Führung lag. Es war dem Tiroler anzusehen, dass ihn diese Niederlage nicht schmeckte. Sicherlich hatte er sich erhofft, den ca. 10 Punkte-Rückstand aus Oberstdorf beim Neujahrsspringen ein wenig minimieren zu können. Aber daraus wurde bekanntlich nichts. Inzwischen ist der Vorsprung des Norwegers auf 12 Punkte angewachsen. - Ein bereits deutlicher Rückstand, aber es ist nicht unmöglich, dass der stabiler springende Schlierenzauer dieses noch aufholen wird.
Allerdings scheint Jacobsen wesentlich entspannter und lockerer in seine Sprünge zu gehen. Wird letztendlich diese Lockerheit das entscheidende Zünglein an der Waage sein?!
Schlierenzauer ist Druck durchaus gewohnt, aber nicht, dass er als fast einziger seiner Zunft die rot-weiß-rote Fahne hochhalten muss. Denn der zu Beginn als Mitfavorit gehandelter Andreas Kofler, der in Oberstdorf wegen zu großem Anzug disqualifiziert wurde, und der in Oberstdorf im ersten Durchgang gescheiterte Thomas Morgenstern, sind beide nicht mehr im Rennen um den Gesamtsieg. - Ein ungewohntes Bild für die Alpenrepublik!
Aber auch die deutschen Adler sind nach starkem Beginn leistungsmäßig etwas abgefallen. Severin Freund, in Oberstdorf noch 3., kam in Garmisch über einen 15. Rang nicht hinaus und musste sowohl den Norweger Tom Hilde als auch Dimitri Vassiliev aus Russland in der Gesamtwertung an sich vorbeiziehen lassen. Die Abstände zwischen diesen dreien sind aber noch gering, so dass das Podium in Bischofshofen durchaus noch in Sichtweite ist. Und sagt man nicht der Bergisel-Schanze nach, dass sie Freund liege?!
Was ist mit den anderen Deutschen? Freitag, dem durchaus vordere Platzierungen im Vorfeld zuzutrauen gewesen sind, scheint dem eigenen Erwartungsdruck nicht standhalten zu können, er wirkt zu verkrampft - ein für ihn enttäuschender Zwischenrang 15 ist das Ergebnis.
Ganz anders Shootingstar Andreas Wellinger: er springt auch bei der Vierschanzentournee frei von der Leber weg - Ein guter 8. Rang steht im Gesamtklassement zu Buche.
Michael Neumayer folgt auf Rang 10, was ein gutes Ergebnis für den Bayern ist. Aber es wäre mehr drin gewesen, wäre im der etwas verunglückte erste Sprung in Garmisch besser geglückt.
Überraschendes zeigt Martin Schmitt, der nach zwei überzeugenden ersten Springen und Rang 12 in der Tourneegesamtwertung die Tournee zu Ende springen darf!
Mannschaftlich steht die deutsche Mannschaft damit sehr geschlossen da, auch wenn die absoluten Top-Platzierungen derzeit fehlen. Aber noch haben wir 2 Springen, da kann viel passieren!
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