Der Seriensieger der laufenden Weltcupsaison hat auch das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf gewonnen: Der Österreicher Thomas Morgenstern, nach dem 1. Durchgang noch auf Rang 3 liegend, sprang mit einem überragenden 2. Sprung von 141.5 m ganz nach Vorne. Auch die nach Durchgang 1 noch vor ihm Platzierten, seine Landsleute Wolfgang Loitzl und Gregor Schlierenzauer, konnten nicht mehr an ihm vorbei ziehen. Zugegebener Maßen waren die äußeren Bedingungen im Vergleich zu Morgenstern vor allem für Gregor Schlierenzauer, den Oberstdorf-Sieger des vergangenen Jahres, deutlich schlechter, aber Skispringen ist nun einmal eine Freiluftsportart, bei der sich Vor- bzw. Nachteile aber im Tourneeverlauf erfahrungsgemäß aufheben, und davon abgesehen, muss man bessere Bedingungen auch zu nutzen wissen. Und eben dieses ist Thomas Morgenstern geglückt.
Der Doppelolympiasieger von Turin vollbringt in der laufenden Saison noch nie Dagewesenes: In Oberstdorf landete er bereits seinen siebten Weltcupsieg von insgesamt 8 Springen - so etwas hat vor ihm noch kein zweiter Springer geschafft. Ob es ihm aber auch gelingen wird, den Rekord von Sven Hannawald, dem es als bisher einzigem Springer gelang alle vier Springen der Tournee zu gewinnen, bleibt abzuwarten. Wir wissen alle, dass im Verlauf der Vierschanzentournee so viel passieren kann, das es beinahe unmöglich ist, einen solchen Ausgang vorauszusagen.
Morgenstern's Landsmann Andreas Kofler gab heute auf der Schattenbergschanze das beste Beispiel ab, wie schnell es gehen kann, dass hochgehandelte Favoriten auf dem Boden der Tatsachen bzw. im Schnee landen. Kofler war im ersten Durchgang auf 126.0 m geflogen, als er nach dem Aufsprung noch vor der Sturzlinie ins Straucheln kam und ähnlich wie in Engelberg stürzte - aus der Traum in der Gesamtwertung ein gewichtiges Wort mitsprechen zu können. Ja, es sah lange sogar so schlimm aus, dass Kofler womöglich eine schwerere Verletzung davon getragen hat. Nachwievor ist zwar nicht klar, ob er in Garmisch starten kann, aber man ist optimistisch im österreichischen Lager. Die Gesamtwertung freilich ist abgeschrieben.
Aber die Österreicher haben eine derart große Breite an erstklassigen Skispringern, dass sie dieses verschmerzen können: Hinter Thomas Morgenstern kam Gregor Schlierenzauer auf Rang 2 ein, Wolfgang Loitzl wurde 6., Arthu Pauli 9..
Der dritte Platz auf dem Podium ging ein wenig überraschend, berücksichtigt man den bisherigen Saisonverlauf, an den Finnen Janne Ahonen. Aber es ist schon seit Jahren bekannt, dass auf Ahonen, wenn es darauf ankommt, Verlass ist. Spätestens pünktlich zur Tournee kommt der vierfache Gesamtsieger meist in Form und springt ganz vorne mit - so scheint es auch in diesem Jahr zu sein.
Mit Tom Hilde aus Norwegen und dem Schweizer Simon Ammann auf den Rängen 4 und 5 liegen Springer, denen auch im Vorfeld der Tournee Platzierungen im vorderen Springerfeld zugetraut wurden. Dieses durfte man auch von dem derzeit besten Deutschen hoffen, nur ob es im Wettkampf gelingen würde, die guten Vorleistungen abrufen zu können, konnte nicht automatisch erwartet werden. Die Rede ist von Michael Neumayer, der auf einem hervorragenden 7. Rang einkam. Martin Schmitt, der Oberstdorf-Sieger vergangener Jahre, rundete das positive Ergebnis des DSV auf Rang 11 ab. - Damit dürfte es um Peter Rohwein zumindest bis zum Neujahrsspringen ein wenig ruhiger werden, ein Umstand, der den DSV-Springern sicher eher zugute kommt, als die andauernde Trainerdiskussion.
Neben Neumayer und Schmitt haben es mit Georg Späth und Severin Freund noch zwei weitere deutsche Springer in den zweiten Durchgang geschafft, in dem sie aber eher abgeschlagen auf den Rängen 27 und 30 landeten. Michael Uhrmann hatte diesen Sprung unter die Top 30 leider nicht geschafft. Zugegebener Maßen hatte er im ersten Durchgang auch eine harte Nuss zu knacken, er traf im direkten Duell auf den späteren Dritten Janne Ahonen: Uhrmann's 118.5 m reichten deutlich nicht für den zweiten Durchgang. Schade, aber von dem Rastbüchler durfte nach überstandener Verletzung auch nicht zu viel erwartet werden.
So mischen die DSV-Adler zwar im Feld der erweiterten Weltspitze durchaus mit, ganz vorne spielen aber wie erwartet die Österreicher, Norweger, Schweizer und nun doch auch wieder die Finnen die Musik.
Morgenstern hat in der Gesamtwertung durch seinen grandiosen zweiten Sprung nun bereits über 15 Punkte Vorsprung auf Schlierenzauer. Man mag denken, ein schon sicheres Polster - aber wir wissen, dass der Weg zum Tournee-Gesamtsieg noch weit ist. 6 Wertungssprünge warten noch auf die Athleten. Morgen geht es zunächst weiter mit dem Qualifikationsspringen für das traditionelles Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.
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