Donnerstag, 27. Dezember 2007

Deutsche Skispringer im Aufwind oder nur im Zwischenhoch?

Vor dem Start des Saisonhöhepunktes der Skispringer, der deutsch-österreichischen Vierschanzentournee, liegen im Lager der deutschen Skispringer einmal mehr Freud und Leid nah beieinander.
Bundestrainer Peter Rohwein steht mit dem Rücken zur Wand, und sein Trainerstuhl wackelt mehr als nur bedenklich. Ja, er selbst hat seinen Job inzwischen zur Disposition angeboten, obwohl er nach eigenen Aussagen solange wie möglich den Bundetrainerjob ausüben möchte. Sicher scheint jedoch momentan lediglich, dass Rohwein die deutschen Adler während der Vierschanzentournee betreuen wird, was danach kommt, bleibt abzuwarten. Entscheidend wird sicher auch das deutsche Abschneiden sein. Unabhängig davon kommt jedoch immer mehr der Eindruck auf, dass dem deutschen Skispringen ein neues Gesicht mehr als nur gut täte. Ein neuer Trainer vermag vielleicht eher den Umschwung schaffen, der Peter Rohwein in den vergangenen Jahren nicht undbedingt geglückt ist, ein neuer Trainer bringt möglicherweise die festgefahrene Struktur im Lager des DSV, die sich nicht unbedingt zum Wohl der Athleten entwickelt hat, ins Wanken, so dass wieder mehr an einem Strang gezogen wird.
Dass Peter Rohwein als Skisprung-Fachmann gilt, soll hier nicht angezweifelt werden, es scheint lediglich fragwürdig, ob er nachwievor der rechte Mann auf dem rechten Posten ist. Aber diese Frage wurde auch bereits vor Jahresfrist aufgeworfen mit dem Resultat, dass Peter Rohwein immer noch Bundestrainer ist, vielleicht auch deswegen weil die Alternativen fehlen?! - Dieses mag man kaum glauben, da der Bundestrainerjob in Deutschland sicher einige reizen würde, der Verband müsste nur entsprechend mitziehen.

Aber lassen wir dieses Thema zunächst ruhen und konzentrieren wir uns auf das Sportliche: Die deutschen Adler haben bei den letzten beiden Springen vor Start der Vierschanzentournee mehr als nur aufhorchen lassen, wenngleich der so ersehnte Podestplatz noch nicht erreicht wurde, aber er scheint wieder im Bereich des Möglichen zu liegen. Im schweizerischen Engelberg gab es durch Michael Neumayer und Michael Uhrmann je zwei sechste Plätze, sowie einen zwölften und sechszehnten Rang durch Georg Späth und wiederum Michael Neumayer.
Uhrmann und Neumayer klopfen damit nach überstandener langwieriger Verletzung wieder an das Tor der Weltelite, was vor allem im Falle von Michael Uhrmann überraschend früh kommt. Derart gute Leistungen waren von dem Rastbüchler zu Beginn der Saison noch nicht unbedingt zu erwarten gewesen.
Dass ein Georg Späth nach langer Durststrecke einmal wieder einen zwölften Rang ersprungen hat, lässt hoffen, wenngleich auch eher nur ein wenig. Zu unkonstant sprang der Oberstdorfer, dem nachwievor großes Talent nachgesagt wird, in der Vergangenheit. Die Nerven schienen nicht immer unbedingt mitzuspielen, der letzte Biss schien zu fehlen. Aber hoffen wir, dass er durch sein gutes Auftreten beim letzten Springen in Engelberg Auftrieb bekommen hat für das Auftaktspringen auf seiner Heimschanze in Oberstdorf.

Ein weitere deutscher Springer hat an Oberstdorf eigentlich beste Erinnerungen, da er hier schon mehrmals triumphieren konnte, leider liegen diese Erfolge nur schon länger zurück. Die Rede ist vom Ex-Weltmeister Martin Schmitt, der in Engelberg erst gar nicht zum Einsatz kam, sondern in den Continentalcup strafversetzt wurde. Dort kam er in Garmisch-Partenkirchen auf die Plätze 1 und 4, so dass auch hier gehofft werden darf, dass Schmitt rechtzeitig zum Auftakt der Vierschanzentournee in Form kommt.

Wunderdinge sind von den deutschen Skispringern jedoch nicht zu erwarten. Die Plätze auf dem Podium der Gesamtwertung werden andere Nationen unter sich ausmachen, alles andere käme dann doch sehr überraschend. Die großen Zeiten des deutschen Skispringens, in denen Hannawald, Schmitt & Co. die Szene bestimmten und reihenweise Siege ersprungen haben, gehören leider der Vergangenheit an.