Die 62. Auflage der diesjährigen Vierschanzentournee entwickelt sich immer mehr zu einer Wunderkiste mit ungeahntem Ausgang.
Denn wer hätte es voraussagen können, dass der bis dato noch recht unbekannte Thomas Diethart aus Österreich nicht nur das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen gewinnen, sondern auch die Gesamtwertung der Tournee nach 2 Springen anführen würde?
Wer hätte im Vorfeld prophezeit, dass der Gesamtsieger der beiden Vorjahre und Top-Favorit auf den Gesamtsieg, Gregor Schlierenzauer, zur Halbzeit schon abgeschlagen auf Rang 7 der Gesamtwertung liegen und sein Rückstand auf den Führenden bereits 47 (!) Punkte betragen würde?
Wer hätte gedacht, dass die deutsche Mannschaft zur Halbzeit keinen Springer unter den Top-10 der Gesamtwertung würde platzieren können und dass Oldie Michael Neumayer mit Gesamtrang 11 bester deutscher Adler sein würde?
Und wer hätte damit gerechnet, dass Noriaki Kasai, die 41jährige Skisprunglegende aus Japan, nach den ersten beiden Springen auf Platz 4 der Gesamtwertung rangieren würde?
... diese Auflistung ließe sich weiter fortführen, so dass als Zwischenfazit zu sagen ist, dass diese Tournee als eine Tournee der Überraschungen anzusehen ist. Man mag nicht vorhersehen, wer am Ende das Rennen machen wird. Dass Diethart seine grandiosen Sprünge auch in Innsbruck und Bischofshofen wird zeigen können, erscheint schwer vorstellbar, denn müssten dem Youngster nicht irgendwann die Knie zu zittern beginnen ob der für ihn so ungewohnten Situation?
Da werden dem derzeit Zweiten in der Gesamtwertung, Thomas Morgenstern aus Österreich, der beim heutigen Neujahrsspringen ebenfalls 2. wurde, deutlich höhere Chancen auf seinen zweiten Gesamtsieg eingeräumt.
Und auch der Schweizer Simon Ammann liegt in Lauerstellung: Nach seinem Sieg in Oberstdorf und dem 3. Platz beim Neujahrsspringen rangiert er derzeit auf Rang 3 der Gesamtwertung, hat aber bereits 13 Punkte Rückstand auf Diethart.
Man kann daher gespannt sein, was bei den zwei verbleibenden Springen auf österreichischem Boden passieren wird. Unsere österreichischen Nachbarn werden sich nicht ganz zu unrecht Hoffnungen auf den 6. Gesamtsieg eines Austria-Adlers in Folge machen, was als Rekord in die Annalen der Vierschanzentournee eingehen würde.
Aus deutscher Sicht sind die Hoffnungen bescheidender: Man wäre schon froh, wenn es einer der deutschen Springer auf's Podium schaffen würde. Am ehesten ist dieses derzeit dem Newcomer der Vorsaison, Andreas Wellinger, zuzutrauen, der heute nach einem verkorksten Tournee-Auftakt in Oberstdorf guter Fünfter wurde.
Im Gegensatz dazu springt der eigentliche Vorspringer des deutschen Lagers, Severin Freund, seiner Form der vergangenen Wochen leider hinterher und erreichte heute noch nicht einmal den 2. Durchgang.
Nun, warten wir ab, ob die Überraschungen bei der diesjährigen Vierschanzentournee weitergehen. Falls dem so ist, landet ein deutscher Adler vielleicht doch noch viel weiter vorn.
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