Dienstag, 7. Januar 2014

Österreicher Diethart macht Sensation perfekt

Es dominiert wieder einmal, zum 6. Mal in Folge, rot-weiß-rot auf dem Siegerpodest der Vierschanzentournee. Aber es ist nicht der Sieger der beiden Vorjahre, Gregor Schlierenzauer, oder der Tourneesieger des Jahres 2011, Thomas Morgenstern, der ganz oben auf dem Podest steht: Nein, Thomas Diethart aus Niederösterreich, der österreichischen Skisprung-Diaspora, ist in einem Wahnsinns-Tempo in die Weltelite gestürmt und ganz oben angekommen: Er ist der Gesamtsieger der Vierschanzentournee 2013/ 2014!

Wer diesen Sieg bei den Buchmachern vorausgesagt hätte, wäre jetzt wahrscheinlich reich, denn mit diesem Triumph war nicht zu rechnen. Denn wer ist Diethart? - Ein 21jähriger Skispringer, der bislang nur sporadisch im österreichischen Weltcup-Team zum Zuge kam und seinen Einsatz eigentlich nur dem Sturz Morgenstern's in Titisee-Neustadt zu verdanken hatte. Denn so hatte er von seinem Cheftrainer Alexander Pointner die Chance bekommen, anstelle von Morgenstern in Engelberg, dem traditionell letzten Weltcupspringen vor der Vierschanzentournee, an den Start zu gehen. In Engelberg hat der Newcomer seine Sache dann so gut gemacht, dass er bei der Tournee starten durfte. Dort hat er dann wohl aller Erwartungen übertroffen: Platz 3 in Oberstdorf, ein 5. Rang in Garmisch-Partenkirchen und Sieger sowohl in Innsbruck als auch in Bischofshofen! - Der Gesamtsieg war Diethart nicht mehr zu nehmen.

Dabei wäre gerade der Gesamt-Dritte, Simon Ammann, so gerne an Stelle des jungen Österreichers gewesen: War der Schweizer dem ersehnten Gesamtsieg bei der Tournee doch so nah wie lange nicht, aber er konnte in Bischofshofen die entscheidenden Punkte nicht aufholen, verlor stattdessen deutlich und wurde in Bischofshofen nur Vierter. Da alles darauf hindeutet, dass Ammann seine erfolgreiche Karriere nach den Olympischen Spielen in Sotschi beenden wird, wird dem vierfachen Olympiasiege, dieser eine große Titel in seiner Sammlung fehlen. Ansonsten hat er alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Olympia-Gold, WM und Skiflug-WM, Gesamtweltcup, nur eben die Vierschanzentournee nicht.

Der Zweite der Gesamtwertung, Thomas Morgenstern, darf sich bereits Tournee-Gesamtsieger nennen, aber gerne hätte der Doppelolympiasieger von Turin seinem Triumph von 2011 einen zweiten hinzugefügt. Aber es sollte nicht sein. Morgenstern, der im 2. Durchgang von Bischofshofen, den besten Sprung der gesamten Konkurrenz zeigte, kam zwar an der Gesamtwertung noch an Ammann vorbei, aber Diethart war in diesem Jahr einfach zu stark und hatte, das muss man fairer Weise auch zugestehen, über die gesamte Tournee hinweg, bessere Bedingungen als Morgenstern. Denn im Kreis der Favoriten war es vor allem Morgenstern, der unter schlechteren Windbedingungen leiden musste. Hier zeigte Morgenstern jedoch seine exzellente Klasse, auch bei schlechteren äußeren Bedingungen gute Sprünge abliefern zu können.
Es reichte aber nicht für ganz oben. Nach seinem brutalen Sturz in Titisee-Neustadt kurz vor der Tournee dürfte der Österreicher aber auch sehr froh über den 2. Gesamtplatz sein, da hiermit noch vor wenigen Wochen definitiv nicht zu rechnen war!

Zu rechnen war eigentlich mit den deutschen Springern, die in der ersten Hälfte des Weltcups immer wieder auf das Siegerpodest gesprungen waren und mit Severin Freund zeitweise sogar den Träger des Gelben Trikots stellten.
Aber die deutschen Adler zeigten zu inkonstante Leistungen und müssen diese Tournee unter "Das war nix" verbuchen. Letztendlich sprang nur ein Top-Ten-Platz in der Gesamtwertung heraus: Platz 10 für den 18jährigen Andreas Wellinger. Severin Freund wurde gar nur 16.!
Nun, die deutschen Skispringer sind in guter Gesellschaft, denn nicht nur sie kehren enttäuscht von der Tournee zurück: Der Mitfavorit Gregor Schlierenzauer wurde nur 8., und die im Vorfeld hoch gehandelten Polen wurden den Erwartungen ebenfalls nicht gerecht und brachten mit Kamil Stoch als 7. auch nur einen Springer unter die Top-10 der Gesamtwertung. Für die Ansprüche Stoch's, der im Gelben Trikot des Gesamtweltcup-Führenden zur Tournee gereist war, zu wenig. Aber auch die Norweger um Anders Bardal, dem Gesamt-Sechsten, dürften nicht zufrieden mit dem Ausgang der Tournee sein.

Aber wir wissen ja: Es steht noch ein ganz anderes Highlight in dieser Saison auf dem Programm: Die Olympischen Spiele in Sotschi! - Eine Chance für alle, wieder anzugreifen und den ersehnten Podestplatz zu erreichen.

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