Sonntag, 30. Dezember 2007

Morgenstern gewinnt Auftaktspringen in Oberstdorf

Der Seriensieger der laufenden Weltcupsaison hat auch das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf gewonnen: Der Österreicher Thomas Morgenstern, nach dem 1. Durchgang noch auf Rang 3 liegend, sprang mit einem überragenden 2. Sprung von 141.5 m ganz nach Vorne. Auch die nach Durchgang 1 noch vor ihm Platzierten, seine Landsleute Wolfgang Loitzl und Gregor Schlierenzauer, konnten nicht mehr an ihm vorbei ziehen. Zugegebener Maßen waren die äußeren Bedingungen im Vergleich zu Morgenstern vor allem für Gregor Schlierenzauer, den Oberstdorf-Sieger des vergangenen Jahres, deutlich schlechter, aber Skispringen ist nun einmal eine Freiluftsportart, bei der sich Vor- bzw. Nachteile aber im Tourneeverlauf erfahrungsgemäß aufheben, und davon abgesehen, muss man bessere Bedingungen auch zu nutzen wissen. Und eben dieses ist Thomas Morgenstern geglückt.
Der Doppelolympiasieger von Turin vollbringt in der laufenden Saison noch nie Dagewesenes: In Oberstdorf landete er bereits seinen siebten Weltcupsieg von insgesamt 8 Springen - so etwas hat vor ihm noch kein zweiter Springer geschafft. Ob es ihm aber auch gelingen wird, den Rekord von Sven Hannawald, dem es als bisher einzigem Springer gelang alle vier Springen der Tournee zu gewinnen, bleibt abzuwarten. Wir wissen alle, dass im Verlauf der Vierschanzentournee so viel passieren kann, das es beinahe unmöglich ist, einen solchen Ausgang vorauszusagen.
Morgenstern's Landsmann Andreas Kofler gab heute auf der Schattenbergschanze das beste Beispiel ab, wie schnell es gehen kann, dass hochgehandelte Favoriten auf dem Boden der Tatsachen bzw. im Schnee landen. Kofler war im ersten Durchgang auf 126.0 m geflogen, als er nach dem Aufsprung noch vor der Sturzlinie ins Straucheln kam und ähnlich wie in Engelberg stürzte - aus der Traum in der Gesamtwertung ein gewichtiges Wort mitsprechen zu können. Ja, es sah lange sogar so schlimm aus, dass Kofler womöglich eine schwerere Verletzung davon getragen hat. Nachwievor ist zwar nicht klar, ob er in Garmisch starten kann, aber man ist optimistisch im österreichischen Lager. Die Gesamtwertung freilich ist abgeschrieben.
Aber die Österreicher haben eine derart große Breite an erstklassigen Skispringern, dass sie dieses verschmerzen können: Hinter Thomas Morgenstern kam Gregor Schlierenzauer auf Rang 2 ein, Wolfgang Loitzl wurde 6., Arthu Pauli 9..

Der dritte Platz auf dem Podium ging ein wenig überraschend, berücksichtigt man den bisherigen Saisonverlauf, an den Finnen Janne Ahonen. Aber es ist schon seit Jahren bekannt, dass auf Ahonen, wenn es darauf ankommt, Verlass ist. Spätestens pünktlich zur Tournee kommt der vierfache Gesamtsieger meist in Form und springt ganz vorne mit - so scheint es auch in diesem Jahr zu sein.

Mit Tom Hilde aus Norwegen und dem Schweizer Simon Ammann auf den Rängen 4 und 5 liegen Springer, denen auch im Vorfeld der Tournee Platzierungen im vorderen Springerfeld zugetraut wurden. Dieses durfte man auch von dem derzeit besten Deutschen hoffen, nur ob es im Wettkampf gelingen würde, die guten Vorleistungen abrufen zu können, konnte nicht automatisch erwartet werden. Die Rede ist von Michael Neumayer, der auf einem hervorragenden 7. Rang einkam. Martin Schmitt, der Oberstdorf-Sieger vergangener Jahre, rundete das positive Ergebnis des DSV auf Rang 11 ab. - Damit dürfte es um Peter Rohwein zumindest bis zum Neujahrsspringen ein wenig ruhiger werden, ein Umstand, der den DSV-Springern sicher eher zugute kommt, als die andauernde Trainerdiskussion.
Neben Neumayer und Schmitt haben es mit Georg Späth und Severin Freund noch zwei weitere deutsche Springer in den zweiten Durchgang geschafft, in dem sie aber eher abgeschlagen auf den Rängen 27 und 30 landeten. Michael Uhrmann hatte diesen Sprung unter die Top 30 leider nicht geschafft. Zugegebener Maßen hatte er im ersten Durchgang auch eine harte Nuss zu knacken, er traf im direkten Duell auf den späteren Dritten Janne Ahonen: Uhrmann's 118.5 m reichten deutlich nicht für den zweiten Durchgang. Schade, aber von dem Rastbüchler durfte nach überstandener Verletzung auch nicht zu viel erwartet werden.

So mischen die DSV-Adler zwar im Feld der erweiterten Weltspitze durchaus mit, ganz vorne spielen aber wie erwartet die Österreicher, Norweger, Schweizer und nun doch auch wieder die Finnen die Musik.
Morgenstern hat in der Gesamtwertung durch seinen grandiosen zweiten Sprung nun bereits über 15 Punkte Vorsprung auf Schlierenzauer. Man mag denken, ein schon sicheres Polster - aber wir wissen, dass der Weg zum Tournee-Gesamtsieg noch weit ist. 6 Wertungssprünge warten noch auf die Athleten. Morgen geht es zunächst weiter mit dem Qualifikationsspringen für das traditionelles Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Vierschanzentournee: Favoriten-Check

Vor dem Start der diesjährigen Vierschanzentournee am kommenden Sonntag in Oberstdorf wird wie die Jahre zuvor heiß diskutiert, wem in diesem Jahr der Gesamtsieg zuzutrauen ist.
Als erstes wird hier immer wieder der Seriensieger der noch jungen Saison, Thomas Morgenstern, genannt. Der Doppelolympiasieger von Turin gewann die ersten sechs Weltcup-Springen der Saison und musste nur beim letzten Springen in Engelberg mit Rang 3 vorlieb nehmen.
Neben Morgenstern bestimmen noch weitere Österreicher derzeit die Skisprungszene, ja man darf mit Fug und Recht behaupten, dass Österreich derzeit klar die Skisprung-Nation Nummer 1 ist. Neben Morgenstern mischen Gregor Schlierenzauer, der zum Abschluss in Engelberg Zweiter wurde und Andreas Kofler, der am vergangenen Sonntag in Engelberg, seinen zweiten Weltcupsieg seiner Karriere vor Augen im Auslauf noch vor der Sturzlinie zu Fall kam und so nur 5. wurde, ganz vorne mit. Neben diesen drei Vorspringern sind desweiteren Wolfgang Loitzl und auch dem jungen Manuel Fettner immer wieder vordere Platzierungen zuzutrauen.

Neben den Österreichern hoffen vor allem die norwegischen Skispringer an die Erfolge des vergangenen Jahres anklopfen zu können. Der letztjährige Sieger der Gesamtwertung, Anders Jacobsen, scheint so langsam in Schwung zu kommen. Und alte Haudegen, wie Roar Ljoekelsoy oder auch den Skiflugweltrekordler Bjoern-Einar Romoeren sollte man nie ganz abschreiben. Unwahrscheinlicher erscheint es hingegen, dass der ehemalige Tournee-Sieger Sigurd Pettersen an alte Erfolge anknüpfen kann, wenngleich er in dieser Saison stabiler wirkt wie noch während der vergangenen. Eher ist dem jungen Tom Hilde der Sprung nach ganz oben zuzutrauen, aber ob dieses die österreichischen Adler zulassen, darf doch sehr angezweifelt werden.

Noch nicht so recht in Tritt gekommen in der laufenden Saison ist neben Altmeister Adam Malysz aus Polen die finnische Skisprunggilde. Janne Ahonen, der bereits viermal in der Gesamtwertung triumphieren konnte, findet sich erstaunlich häufig weiter hinten im Klassement wieder. Und ob ein Matti Hautamaeki oder ein Harri Olli ausgerechnet bei der Vierschanzentournee wieder oben auf sind, darf angezweifelt werden.

Gespannt dürfen wir hingegen sein auf das Abschneiden des Schweizer-Erfolgsduos Andreas Küttel/ Simon Ammann. Durch den ersten schweizerischen Sieg in Engelberg überhaupt durch Andreas Küttel dürften die beiden Eidgenossen den Auftrieb bekommen haben, der so wichtig ist für konstant weite Flüge. Der Sprung auf das Podium der Gesamtwertung scheint durchaus im Rahmen des Möglichen zu liegen.
Aber warten wird ab, was die vier Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen bringen werden. Erfahrungsgemäß mischen immer wieder Springer ganz vorne mit, die man im Vorfeld nicht unbedingt auf der Liste hatte. Zudem darf nicht vergessen werden, dass konstante Leistung gefragt ist. Was nützt ein Sieg in Oberstdorf, wenn in Garmisch der zweite Durchgang nicht erreicht wird?! In Hinblick auf die Gesamtwertung nicht wirklich viel. Aber gerade diese Konstellation macht die Vierschanzentournee jedes Jahr aufs Neue so reizvoll, so spannend. Freuen wir uns darauf!

Deutsche Skispringer im Aufwind oder nur im Zwischenhoch?

Vor dem Start des Saisonhöhepunktes der Skispringer, der deutsch-österreichischen Vierschanzentournee, liegen im Lager der deutschen Skispringer einmal mehr Freud und Leid nah beieinander.
Bundestrainer Peter Rohwein steht mit dem Rücken zur Wand, und sein Trainerstuhl wackelt mehr als nur bedenklich. Ja, er selbst hat seinen Job inzwischen zur Disposition angeboten, obwohl er nach eigenen Aussagen solange wie möglich den Bundetrainerjob ausüben möchte. Sicher scheint jedoch momentan lediglich, dass Rohwein die deutschen Adler während der Vierschanzentournee betreuen wird, was danach kommt, bleibt abzuwarten. Entscheidend wird sicher auch das deutsche Abschneiden sein. Unabhängig davon kommt jedoch immer mehr der Eindruck auf, dass dem deutschen Skispringen ein neues Gesicht mehr als nur gut täte. Ein neuer Trainer vermag vielleicht eher den Umschwung schaffen, der Peter Rohwein in den vergangenen Jahren nicht undbedingt geglückt ist, ein neuer Trainer bringt möglicherweise die festgefahrene Struktur im Lager des DSV, die sich nicht unbedingt zum Wohl der Athleten entwickelt hat, ins Wanken, so dass wieder mehr an einem Strang gezogen wird.
Dass Peter Rohwein als Skisprung-Fachmann gilt, soll hier nicht angezweifelt werden, es scheint lediglich fragwürdig, ob er nachwievor der rechte Mann auf dem rechten Posten ist. Aber diese Frage wurde auch bereits vor Jahresfrist aufgeworfen mit dem Resultat, dass Peter Rohwein immer noch Bundestrainer ist, vielleicht auch deswegen weil die Alternativen fehlen?! - Dieses mag man kaum glauben, da der Bundestrainerjob in Deutschland sicher einige reizen würde, der Verband müsste nur entsprechend mitziehen.

Aber lassen wir dieses Thema zunächst ruhen und konzentrieren wir uns auf das Sportliche: Die deutschen Adler haben bei den letzten beiden Springen vor Start der Vierschanzentournee mehr als nur aufhorchen lassen, wenngleich der so ersehnte Podestplatz noch nicht erreicht wurde, aber er scheint wieder im Bereich des Möglichen zu liegen. Im schweizerischen Engelberg gab es durch Michael Neumayer und Michael Uhrmann je zwei sechste Plätze, sowie einen zwölften und sechszehnten Rang durch Georg Späth und wiederum Michael Neumayer.
Uhrmann und Neumayer klopfen damit nach überstandener langwieriger Verletzung wieder an das Tor der Weltelite, was vor allem im Falle von Michael Uhrmann überraschend früh kommt. Derart gute Leistungen waren von dem Rastbüchler zu Beginn der Saison noch nicht unbedingt zu erwarten gewesen.
Dass ein Georg Späth nach langer Durststrecke einmal wieder einen zwölften Rang ersprungen hat, lässt hoffen, wenngleich auch eher nur ein wenig. Zu unkonstant sprang der Oberstdorfer, dem nachwievor großes Talent nachgesagt wird, in der Vergangenheit. Die Nerven schienen nicht immer unbedingt mitzuspielen, der letzte Biss schien zu fehlen. Aber hoffen wir, dass er durch sein gutes Auftreten beim letzten Springen in Engelberg Auftrieb bekommen hat für das Auftaktspringen auf seiner Heimschanze in Oberstdorf.

Ein weitere deutscher Springer hat an Oberstdorf eigentlich beste Erinnerungen, da er hier schon mehrmals triumphieren konnte, leider liegen diese Erfolge nur schon länger zurück. Die Rede ist vom Ex-Weltmeister Martin Schmitt, der in Engelberg erst gar nicht zum Einsatz kam, sondern in den Continentalcup strafversetzt wurde. Dort kam er in Garmisch-Partenkirchen auf die Plätze 1 und 4, so dass auch hier gehofft werden darf, dass Schmitt rechtzeitig zum Auftakt der Vierschanzentournee in Form kommt.

Wunderdinge sind von den deutschen Skispringern jedoch nicht zu erwarten. Die Plätze auf dem Podium der Gesamtwertung werden andere Nationen unter sich ausmachen, alles andere käme dann doch sehr überraschend. Die großen Zeiten des deutschen Skispringens, in denen Hannawald, Schmitt & Co. die Szene bestimmten und reihenweise Siege ersprungen haben, gehören leider der Vergangenheit an.