Montag, 28. August 2023

Nullnummer in Budapest

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Budapest ist leider das eingetreten, was die Kritiker bereits befürchtet, die meisten allerdings dann doch eher für unwahrscheinlich gehalten haben: Deutschland ist erstmals bei den seit 1983 ausgetragenen Weltmeisterschaften in der Leichtathletik ohne eine einzige Medaille geblieben. Das sind alles andere als rosige Aussichten für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Paris.

Wo ist beispielsweise die deutsche Überlegenheit bei den technischen Disziplinen der Damen hin? - Denken wir im Kugelstoßen an eine Astrid Kumbernuss, dann an eine Christina Schwanitz, die reihenweise Medaillen einheimsten? Was ist mit den einst so erfolgreichen Speerwerferinnen um Steffi Nerius, Linda Stahl oder Katharina Molitor?! Im Finale des Diskuswerfens waren zwar immerhin drei deutsche Damen vertreten, aber mehr als Platz 6 von Kristin Prudenz, Silbermedaillengewinnerin von Tokio, sprang nicht heraus. Platz 7 von Christina Honsel beim gestrigen Hochsprungwettbewerb ist für sie persönlich zugegebener Maßen ein sehr großer Erfolg, aber die Weltspitze scheint enteilt.
Das gilt auch für unsere Erupameisterin Gina Lückenkemper, die mit der deutschen Staffel, nachdem sie das Finale über 100 m nicht erreichen konnte, immerhin noch auf Platz 6 einkam.
Ohne eine Milaika Mihambo, Konstanze Klosterhalfen oder Gesa Krause hatten die deutschen Damen wenig Chance auf Edelmetall - eine Überraschung bleib leider aus.

Es gibt aber auch Lichtblicke, so der gestrige 3000 m Hindernislauf von Olivia Gürth, die zwar mit dem Podium nichts zu tun hatte, aber mit einer Zeit von 9:20,08 schneller als Gesa Krause, die gerade aus der Baybapause zurückkommt, im gleichen Alter war. Aber ob Gürth eine solche Entwicklung machen wird wie seinerzeit Krause ist ungewisse, obwohl die Tatsache, dass sie mit Krause eine Trainingsgruppe bildet natürlich hoffen lässt.

Hoffen lassen uns auch die deutschen Zehnkämpfer, von denen man eigentlich eine Medaille erwartet hatte. Aber nachdem Ex-Weltmeister Niklas Kaul am ersten Tag - wieder einmal - nach dem Hochsprung verletzt das Handtuch werfen musste und der neue deutsche Rekordhalter Leo Neugebauer nach Platz 1 zur Hälfte einen Tiefschlag über die 110 m Hürden und den Diskuswurf zu Beginn des zweiten Tages hinnehmen musste, war mehr als Platz 5 des Newcomers nicht drin. Dieses Ergebnis ist alleridngs, auch wenn ohne Medaille belohnt, sehr vielversprechend für die Zukunft. Hat sich der 23jährige im Stabhochsprung doch selbst aus dem Tal hochgezogen und mit Bestleistung im Speer wieder in seine Erfolgsbahn zurückgefunden. Diesmal waren die Lepas, Warner & Co. noch besser, aber in Paris kann es anders ausgehen
Das gilt auch für das Speerwerfen der Männer - eigentlich auch eine deutsche Erfolgsgeschichte, aber wahrscheinlich war der Druck, der auf der letzten deutschen Hoffnung, Julian Weber, lastete, zu groß. Wieder einmal Platz 4 bei einem Großereignis für den Mainzer ist fast schon tragisch, aber mit Johannes Vetter und vielleicht auch mit einem wiedererstarkten Thomas Röhler oder auch Andreas Hofmann an seiner Seite in Paris sieht es auch hier in einem Jahr vielleicht ganz anders aus.

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