Zum Abschluss der European Championships in München gab es noch einmal zweimal Gold für das deutsche Team! - Was für ein grandioses Finale nach den so enttäuschend laufenden Weltmeisterschaften von Eugene im Vormonat.
Nachdem es in den USA mit dem WM-Gold durch Milaika Mihambo und Staffel-Bronze bei den 4x100 m der Damen lediglich zweimal Edelmetall gegeben hatte, standen die Leichtathleten bei den European Championships ganz besonders im Fokus. Und getragen durch das gradiose Heimpublikum wuchsen die Athleten über sich hinaus und lieferten: Am Ende standen 16 Leichtathletik-Medaillen, 7 davon aus Gold, für das deutsche Team zu Buche!!
Angefangen hat der goldene Reigen mit dem Sieg von Richard Ringer im Marathon. Mit einem unfassbaren Endspurt überholte er den wie den sicheren Sieger aussehenden Maru Teferi aus Isreal und holte sensationell den Europameistertitel. Unfassbar, was Ringer nach 43 km für einen Sprint auspackte, dabei schien er zuvor schon deutlich abgehängt, aber er wuchs über sich hinaus und gab so den Startschuss für eine aus deutscher Sicht so erfolgreiche Europameisterschaft.
Es könnte an dieser Stelle Vieles aufgeführt werden. Ganz sicher werden aber vier Momente im Gedächtnis der deutschen Leichtathletik Fans bleiben: Der goldene Dienstag, der Siegeslauf der Konstanze Klosterhalfen, der unglaubliche 3000m Hindernislauf der Lea Mayer und der goldene Abschluss zum Schluss!
Am goldenen Dienstag krönte sich binnen von Minuten zunächst Niklas Kaul, der am 1. Tag schon abgschlagen schien, nach seinem WM-Titel von vor drei Jahren, erstmals zu Europas König der Athleten! 27 Sekunden musste der 24jährige im abschließenden 1500m Lauf auf seinen Kontrahenten Simon Ehammer aus der Schweiz aufholen. - Am Ende waren es 38 Sek, als Kaul mit neuer persönlicher Bestzeit über die Ziellinie lief!
Kurze Zeit stürmte die allenfalls mit Außenseiterchancen angetretene Gina Lückenkemper in 10,99 Sek. über die 100m als Erste in's Ziel und so, nach der Silbermedaille 4 Jahre zuvor in Berlin, zum bislang größten Triumph ihrer Karriere. Was für ein Abend!
Zwei Tage später gab es wieder einen unglaublichen Gänsehautmoment: Konstanze Klosterhalfen, bei der WM noch geschwächt durch eine Corona-Infektion und 4. über die 10.000 m in München, lief das Rennen ihres Lebens! Dabei sollte sie nach Einschätzung ihres Trainers eigentlich gar nicht an den Start gehen, aber die in den USA lebenden und trainierende Klosterhalfen entschied anders und trat an. - Gold für die so zierlich wirkende Leverkusenerin bedeutet den ersten Titel. Koko Klosterhalfen kam aus dem Lächeln nicht mehr heraus und fand kaum Worte für ihren bislang größten Triumph.
Am vergangenen Samstag dann bildeten die 3000 m Hindernis der Frauen den Abschluss des Tages. Ganz sicher hatten die Veranstalter diesen Zeitplan bewusst gewählt, gilt Gesa Felicitas Krause, ihres Zeichens Titelverteidigerin von Berlin, doch seit Jahren als eines der Aushängeschilder der deutschen Leichtathletik und als eine der besten, wenn nicht sogar die beste Hindernisläuferin Europas. Aber Gesa Krause musste, nachdem sie in Eugene das Finale nur mit letzten Kräften zu Ende bringen konnte, in München passen, so dass plötzlich eine andere Deutsche im Rampenlicht stand: Lea Mayer.
Lea Mayer, in Eugene noch spektaluär im Wassergraben gestürzt, lief völlig überraschend das Rennen ihres Lebens und holte, lange Zeit auf Rang vier liegend, mit einem Lächeln im Gesicht Läuferin um Läuferin auf und holte am Ende sensationell Silber! Was für ein Rennen, nachdem die 24jährige in den vergangenen Monaten, wie mit dem Tod ihres Trainers und dem so gefährlich aussehenden Sturz bei der WM, eine schwere Zeit durchmachen musste. - Dieses Silber glänzt auch ein wenig golden!
Gestern abend dann das krönende Ende der Titelkämpfe von München: Julian Weber wurf den Speer mit 87,66 m am weitesten und wurde so Nachfolger von Thomas Röhler, der noch im Vorkampf gescheitert war. Wieder einmal war auf die Speerwerfer Verlass!
Und dann standen da ja noch die abschließenden 4x100 m Staffeln auf dem Programm, beide deutschen Staffeln mit Medaillenambitionen. Aber es ging nicht gut los: Die deutschen Männer waren nach einem Wechselfehler zu Beginn früh raus aus dem Medaillenrennen, so dass sich bereits Tristesse breizumachen drohte, aber dann kamen die deutschen Mädels: In der Besetzung Alexandra Burghardt, Lisa Meyer, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase stürmten sie zum Europameistertitel!! - Der Jubel kannte keine Grenzen.
Das Fazit dieser Titelkämpfe fällt damit sehr positiv aus, auch wenn die vielen Medaillen nicht darüber hinweg täuschen dürfen, dass die deutsche Mannschaft in vielen Disziplinen der Spitze weit hinterher läuft und auch das Heimpublikum einiges dazu beigetragen haben dürfte, dass die deutschen Athleten so erfolgreich abgeschlossen haben, aber diese Tage von München sind sicherlich ein Ansporn für Alle, auch in den eher schwächeren Diszipinen, wozu z.B. leider auch die einstige Vorzeigedisziplin Kugelstoßen gehört, wieder vorn anzugreifen.
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