Es war ein Beben, das in dieser Woche den DHB ordentlich durcheinander rüttelte. Und seit Donnerstag ist es offiziell: Christian Prokop muss als Handball-Bundestrainer seinen Hut nehmen, Alfred Gislason folgt ihm nach.
Rein sportlich gesehen ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar, schließlich ist der Isländer Gislason einer der ganz Großen im Handball und kann, nicht zuletzt mit dem THW Kiel, unzählige Titel aufweisen. Das, was der Isländer anpackte, gelang. Er ist ein Meister seines Fachs!
Wenn solch ein Trainer signalisiert, dass er für den Job des Bundestrainers zur Verfügung steht, und die Erfolge unter dem momentanen Trainer unter den Erwartungen blieben, wundert es nicht, dass es den Wechsel gab.
Und dennoch - die Art und Weise, wie mit Prokop umgegangen wurde, ist das Allerletzte!!! So etwas hat der 41-jährige nicht verdient!!!
Aber sind wir einmal ehrlich: Christian Prokop blies seit Amtsantritt der Wind in's Gesicht, und er musste sich eigentlich ständig Kritik gefallen lassen. Zu Anfang seiner Amtszeit noch als der neue Heilsbringer gefeiert, den der DHB unbedingt verpflichten wollte und ihn sogar aus seinem laufenden Vertrag in Leipzig herauskaufte, stand er nach seinem ersten großen Turnier, der EM 2018, schon fast vor dem Aus: Das Verhältnis Manschaft - Trainer war mehr als schlecht, die Leistung auf dem Platz, sowohl von der Mannschaft, als auch dem Trainer, deutlich unter den Erwartungen. Hier war Kritik angebracht, ganz sicher.
Aber man war sich beim DHB einig, dass man mit dem jungen Trainer weitergehen möchte, und man gab ihm eine weitere Chance. Und diese Chance hat Prokop durchaus genutzt: Er hat sich selbst, sein Auftreten und sein Verhalten der Mannschaft gegenüber grundlegend geändert. Das verdient Respekt!
Die Heim-WM im vergangenen Jahr lief dann auch zunächst traumhaft gut, bis ja, bis zum Halbfinale gegen Norwegen, bei dem die deutsche Sieben ihre bislang schlechteste Turnierleistung zeigte und verdient verlor. Da auch das Spiel um den dritten Platz verloren ging, war die schon fast greifbare Medaille futsch ... Trauer pur, aber Mannschaft und Trainer hielten zusammen. Und auch der DHB sprach sich offiziel für Prokop auch, wenngleich öffentlich, auch mit/ durch DHB-Offizielle, Prokop - mal wieder - deutlich in Frage gestellt wurde, und er sich rechtfertigen und verteidigen musste. Klar, er hat das Ziel verfehlt und er ließ auch vermissen, die Mannschaft in den wirklich wichtigen Spielen erfolgreich leiten zu können, aber ihn - mal wieder - so an den Pranger zu stellen? - Nein, wenn ein Verband sich vor seinen Trainer stellt, sollten derartige Diskussionen nicht in dem Maße auftreten!
Und nun die im Januar stattgefundene EM in Dänemark, Schweden und Österreich: Wieder war die Medaille als Ziel ausgegeben worden, obwohl es schon vor Turnierstart fast unmöglich schien, da doch sehr viele Leistungsträger verletzungsbedingt ausgefallen waren. Aber Prokop gab weiterhin die Medaille als Ziel aus. Aber mal ehrlich - jetzt, nachdem das Ziel bekanntermaßen verfehlt wurde, wirft man Prokop vor, seine selbstgesteckten Ziele nicht zu erreichen; hätte er das Medaillenziel jedoch nicht so klar formuliert, wäre es auch nicht richtig gewesen.
Man hat das Gefühl: Prokop konnte machen, was er wollte, er bekam immer Kritik! Und zwar deutliche und nicht unbedingt konstruktive! - Jetzt im Rückblick betrachtet, hat man den Eindruck, dass er nie eine ehrliche Chance gehabt hatte! - Egal wie groß die Beteuerung der DHB-Spitze, hinter dem Trainer zu stehen, auch gewesen sein mag.
Zugegeben, Prokop agierte auch bei der zurückliegenden EM nicht immere glücklich. Aber muss man ihm die Tatsache, dass ihm im ersten Spiel der Name von Timo Kastenig nicht einfiel, immer und immer wieder derart auf's Brot schmieren?! - Ich denke nein. So etwas sollte eigentlich nicht sein, aber kann in Situationen wie den kurzen Auszeiten während eines EM-Spiels doch mal passieren!
Dass er es zusammen mit der Mannschaft nicht schaffte, den deutlichen Vorsprung gegen Kroatien im entscheidenden Hauptrundenspiel über die Runde zu bringen, kann man ihm schon eher vorwerfen. - Wieder einmal hatten er und seine Mannschaft in einem entscheidenen Spiel ihr Leistungsniveau nicht über die gesamte Spiellänge gebracht und verloren.
Aber auch jetzt gab der DHB Prokop Rückendeckung und die Zusage, mit ihm in die Olympiaquali im März zu gehen, um dann jetzt, zwei Wochen später, vor die Tür zu setzen. Was soll das?! Was ist das für ein Verhalten?!
Man kann Christian Prokop nur wünschen, dass er bei seiner nächsten Trainerstation nicht derart in der Kritik und vor allem unter dauernder Beobachtung steht, wie als Bundestrainer.
Für die Nationalmnnschaft hingegen ist einem nicht bange, denn schließlich steht der Isländer Alfred Gislason für Qualität, Stärke, Durchsetzungskraft, Standing und Erfolg!
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