Montag, 7. Januar 2019

Kobayashi Top, zwei Deutsche auf dem Podest

Was für ein Finale der 67. Vierschanzentournee:
Japans Überflieger, der 22-jährige Ryoyu Kobayashi, trat mit 45 Punkten Vorsprung in der Gesamtwertung auf Markus Eisenbichler an, um den Grand Slam der Skispringer klar zu machen und auch das letzte der 4 Springen zu gewinnen.
Markus Eisenbichler, Zweiter von Oberstdorf und Garmisch war sowohl im am wegen widriger Wetterbedingungen am Vortag ebenfalls am Dreikönigstag ausgetragenem Training und der Qualifikation der Beste und hatte spätestens nach dem 1. Durchgang von Bischofshofen, den er als Erster beendete, seinen ersten Weltcupsieg vor Augen und drohte, Kobayashis Grand Slam zunichte zu machen.
Und dann Stephan Leyhe, der erst in diesem Jahr so richtig in's Rampenlicht gesprungene Willinger, sah immer noch geringe Chancen auf einen Podestplatz in der Gesamtwertung, obwohl er mit deutlichem Abstand auf die vor ihm platzierten Kamil Stoch und Andreas Stjernen vom Backken ging. Nach Durchgang 1 lag der 27jährige jedoch nur auf Rang 11...
Und nicht zu vergessen Dawid Kubacki: Der Pole, der wie Eisenbichler noch immer auf seinen ersten Weltcupsieg wartet, war zwar durch sein schwaches Auftreten von Innsbruck von Rang 3 auf den 7. Platz in der Gesamtwertung zurückgefallen, aber spätestens nach seinem in der Quali von Bischofshofen ersprungenen Schanzenrekord, durfte mit dem Polen wieder zu rechnen sein.

Ryoyu Kobayashi gleitete im ersten Durchgang dann jedoch nicht ganz so elegant wie gewöhnlich durch die Luft und beendete mit 4 Punkten Rückstand auf Eisenbichler den ersten Durchgang nur auf Rang 4, was aber an sich schon als eine Meisterleistung zu werten war, musste er doch vor seinem Sprung minutenlang im Schneetreiben von Bischofshofen abwarten, bis er endlich vom Bakken gelassen wurde.
Im zweiten Durchgang zeigte er mit einem Sprung auf 137,5 m dann aber wieder seine ganze Klasse und setze sich vor den bis dahin führenden Stephan Leyhe, der mit 137 m ebenfalls einen fabelhaften Sprung gezeigt hatte, auf Platz 1. Nun  war es an Stefan Kraft, Kubacki und Eisenbichler, den 4-fach-Triumph des Japaners zu verhindern. Der Gesamtsieg konnte Kobayashi zum jetzigen Zeitpunkt bereits nicht mehr genommen werden.
Kraft zeigte einen soliden Sprung, aber nicht mehr, der in zwar mit Rang 3, den dritten Podestplatz der diesjährigen Vierschnanzentournee einbrachte, mit dem er Kobayahsi aber nicht bezwingen konnte. Bei Kraft, dem Gesamtsieger von 2015, dürfte die Freude über den Podiumsplatz seine Enttäuschung aus Garmisch ein wenig mindern, wo er durch Verpassen des zweiten Durchgangs alle Chancen auf einen vorderen Platz in der Gesamtwertung einbüßen musste.

Nun waren alle Blicke auf Dawid Kubacki gerichtet: Gelang dem Polen ein weiterer Zaubersprung oder flatterten die Nerven? Letzteres war der Fall: Kubacki landete bereits bei 130 m und büßte wichtige Punkte in der Gesamtwertung ein, was schlussendlich dazu führte, dass Stephan Leyhe, der zu diesem Zeitpunkt bereits Stoch und Stjernen, die beim Abschlussspringen beidesamt einttäuschten, in der Gesamtwertung hinter sich gelassen hatte, sich mit 3,3 Punkten Vorsprung an Kubacki vorbeischob: Platz 3 in der Gesamtwertung war geschafft! - Unglaublich!!! Was für ein Geschenk hat sich der Willinger, der am Vortag seinen 27. Geburtstag feierte, selbst gemacht.

Aber es saß ja noch Markus Eisenbichler auf dem Bakken der Paul-Außerleitner-Schanze: Später sollte er sagen, dass er doch sehr nervös gewesen sei und ihm daher wohl die entscheidende Lockerheit gefehlt hatte. Er sprang bei 131,5 auf und landete auf Tagesplatz 5. Der zweite Platz in der Gesamtwertung war dennoch erreicht! Dieses ist ein Riesen-Erfolg für den Siegsdorfer, der bis zum Springen von Oberstdorf als Trainingsweltmeister galt und Konstanz im Wettkampf vermissen ließ. Auch wenn der Allgäuer weiter auf seinen ersten Weltcupsieg warten muss, hat er bei der diesjährigen Vierschanzentournee seine Meisterstück geschafft!!

Aber verneigen wir uns zum Abschluss vor Ryoyu Kobayashi, der mit erst 22 Jahren des Unglaubliche geschafft hat und alle vier Springen bei der Vierschanzentournee gewonnen hat! Glückwunsch an den Überflieger, den selbsternannten Neojapaner!!
Auch wenn bereits im Vorjahr Kamil Stoch dasselbe Kunststück gelang und man daher denken mag, dass es an der Tagesordnung sei, auf allen vier Schanzen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu triumphieren, dem sei gesagt, dass das ganz und gar nicht zutrifft! Dieses zeigt allein schon der Blick in die Geschichte und dass bei 67 Tourneen dieses Kunststück erst drei Springern gelungen ist und man bei Sven Hannawalds Triumph 2002 noch dachte, dass sein Triumph für die Ewigkeit sei...

Keine Kommentare: