Montag, 14. Juli 2014

Unsere Weltmeister, unsere Helden

Es waren bewegende Bilder im Maracana gestern Abend nach dem Abpfiff des Finals: Erschöpfte, aber überglückliche Spieler jubelten und lagen sich in den Armen; und ließen auch ihre Familien an der Freude teilhaben: Das kam gut an bei den deutschen Fans und wohl auch in der Fußballwelt.
Die deutsche Mannschaft zeigte einmal mehr ihre menschliche Seite, keine Spur von Überheblichkeit oder Größenwahn ob des soeben errungenen Weltmeistertitels.
Nein, im Gegenteil, man hat das Gefühl, dass die Jungs geerdet und einfach nur überglücklich darüber sind, endlich den so ersehnten Weltmeistertitel errungen zu haben.

Es ist eine Mannschaft mit Charakter, eine Mannschaft, die über die Jahre hindurch gewachsen und zu einem verschworenen Haufen geworden ist. Man glaubt es einem Schweinsteiger, einem Lahm, dass auch die Ersatzspieler, die Bank, ihren Anteil am Erfolg haben. Man glaubt, dass dieser Titel ein Sieg der ganzen Mannschaft ist, auch wenn immer nur 11 Spieler auf dem Platz stehen können.
Diese 11 hat Löw im Laufe der WM durchaus durcheinander gewürfelt, aber dann hatte unser Weltmeistertrainer pünktlich zum Viertelfinale gegen Frankreich seine Traumelf gefunden: Lahm, da wo ihn Fussball-Deutschland sehen möchte, auf der rechten Seite, wo er wie nur er zaubern und sowohl nach vorne als auch nach hinten seine Akzente setzen kann.
Im defensiven Mittelfeld war dann auch endlich wieder das Traumduo Khedira & Schweinsteiger einsatzbereit. - Spieler, von denen man nicht sicher war, ob sie es überhaupt schaffen würden, pünktlich zur WM wieder fit zu werden. So war Khedira zu Beginn der WM nach gerade überstandenen Kreuzbandriss auch nur ein Schatten seiner selbst. Es tat fast weh, den ehemaligen Stuttgarter so agieren zu sehen, und wie sehr erfreute man sich darüber, dass er im Halbfinale wieder mit alter Stärke aufspielen konnte. Dann aber wieder ein Schreck: Wadenprobleme beim Aufwärmen vor dem Finale. - Khedira zeigt Größe und verzichtet auf seinen Einsatz - ganz großes Kino!
Und dann Schweinsteiger, der unglaubliche Antreiber der deutschen Mannschaft! Dabei war auch er zu Beginn des Turniers nicht fit und saß gegen Portugal sogar nur auf der Bank. Er durfte aber gegen Ghana die letzten ca. 20 Minuten ran und drückte dann auch gleich dem deutschen Spiel seinen Stempel auf. Aber sonderlich erfreut war die Fangemeinde nicht zu sehen, dass Schweini nach diesem Kurzeinsatz absolut platt war. Wie soll so ein Spieler 90 Minuten oder gar 120 Minuten durchhalten? - Er kann, und wie er kann! Vor allem im Finale hat Schweinsteiger gezeigt, zu welch grandioser Leistung er fähig ist, er lief und ackerte, obwohl der Körper eigentlich schon nicht mehr konnte. Er, der vor allem in der Schlussphase des Finals Opfer zahlreicher, recht rüder Attacken der Argentinier war, sich am Boden vor Schmerzen krümmte und kaum alleine wieder auf die Beine kam. Aber kaum stand er, lief er auch schon wieder, dirigierte, machte Lücken zu. Da konnte ihn auch ein Cut unter dem linken Auge nicht bremsen!

Schauen wir weiter nach hinten: Unsere Abwehrrecken mit Matts Hummels und Jerome Boateng im Zentrum und Benedikt Hövedes auf Links. Letzterer hat sich im Verlauf der WM in unglaublicher, nicht zu erwartender Weise gesteigert und ungeahnte Leistungen auf der für ihn ungewohnten Außenposition erbracht.
Aber kommen wir zum Zenrum: Diese Innenverteidigung hat einfach nur Spaß gemacht. Es tat einem schon fast leid für Per Mertesacker, der für Boateng weichen musste, obwohl er selber durchaus auch gute Leistungen abgeliefert hatte. Aber Boateng glänzte nicht nur durch hervorrangendes Stellungsspiel und gutes Auge, sondern vor allem durch seine Schnelligkeit. Hier ist er Mertesacker klar überlegen. Das Finale war dann sein Spiel! Man hat wohl noch nie einen besseren Boateng im Nationaltrikot spielen sehen.
Matts Hummels an seiner Seite war der uneingeschränkte Abwehrchef, der selber zwei Tore, darunter das wichtige 1:0 gegen Frankreich, beisteuerte.
Ecke Kroos, Kopfball Hummels, Tor! Hach, was ist das schön!

Und dann der Mann dahinter: Unser Welttorhüter Manuel Neuer - ein Teufelskerl, der zurecht den Goldenen Handschuh als bester Torwart der WM bekommen hat. Was hat er für ein Turnier gespielt! Holte Dinger raus, wie etwa den Schuss von Karim Benzema in der 94. Minute des Viertelfinals, rettete in einem einmaligen Radius nach Libero-Manier mehrfach gegen Algerien, und war einfach die Bank, die Sicherheit, die eine Weltmeisterelf braucht. Neuer, Du bist unser Held!

Wen haben wir noch? - Einen Toni Kroos, der ebenfalls eine unglaubliche WM gespielt hat und als Denker und Lenker im Mittelfeld agierte. Beeindruckend auch seine Standards. Man dachte oft: Endlich kann die deutsche Fußballnationalmannschaft auch wieder aus Standardsituationen Tore machen! Kroos sei Dank!
Da im Zentrum kein Platz mehr war, musste Mesut Özil auf die für ihn ungewohnte linke Seite ausweichen, auf der er sich nicht immer wohl gefühlt hat. Aber auch er hat Entscheidendes beigetragen und hat vor allem nach hinten enorm viel gearbeitet.

Kommen wir nun zum Sturm: Mit wem soll man beginnen? Mit dem Tausendsassa Thomas Müller, der immer richtig zu stehen scheint und wieder 5 WM-Tore geschossen hat, wie schon 2010 in Südafrika? Müller, der nie aufzugeben scheint, immer rennt und tut und macht und doch immer nur dieses eine Ziel vor Augen hat: Den Weltmeisterpokal zu gewinnen. Nun hat er ihn!
Auch Miro Klose hat nun endlich sein WM-Finale gewonnen, nachdem er 2002 Brasilien noch unterlegen war. Klose, der Oldie mit seinen 36 Jahren, war auch eher ein Wackelkandidat im Vorfeld der WM, zu oft war er im Verlauf der Saison verletzt gewesen. Aber Jogi Löw hat an ihm festgehalten und wurde belohnt: Mit dem 2:0 gegen Brasilien hat er nicht nur sein 2. WM-Tor geschossen, sondern ist nun auch alleiniger WM-Rekordtorschütze mit 16 Treffern! Glückwunsch, Miro, Du hast es Dir verdient!

Und dann unsere Joker: Hier ist vor allem Andre Schürle zu nennen. Er brachte jedes Mal frischen Wind in die Elf und belohnte sich selber mit drei Toren! Solche Joker brauchen wir!
Und dann zu guter Letzt Mario Götze, der während der WM über weite Strecken unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Aber dann war gerade er der Matchwinner im Finale und hat uns zum Weltmeistertitel geschossen; und das in einer Art und Weise, wie nur wenige agieren können.

Jungs, ihr seid klasse. Danke für vier wunderbare Wochen! Und Danke, dass wir uns alle ein wenig als Weltmeister fühlen dürfen!!!

... 54, 74, 90, 2014, ja so stimmen wir alle ein ... - Wir haben ihn, den vierten Stern!!!
Ein Traum wurde wahr ...

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