Sinkewitz legte ein umfassendes Geständnis ab, das in seiner Deutlichkeit erschüttert. Namen anderer Radprofis nennt er zwar nicht, aber er gesteht seine Dopingpraktiken mit einer derartigen Offenheit, die schon fast an Selbstverständlichkeit grenzt, dass man zu dem Schluss kommt, inzwischen jedem alles zutrauen zu müssen.
Ja, manche mögen sagen: Wir haben es doch schon immer gewusst, aber wieder andere haben sicher doch noch einen kleinen Funken Hoffnung gehabt, dass der Radsport nicht so durch und durch dopingverseucht ist.
Sinkewitz Dopingbeichte reichen bis in das Jahr 2006, noch bei der letztjährigen Tour de France hat er Eigenblutdoping begangen. Und wir erinnern uns noch allzu gut: Es war das Jahr, in dem Jan Ullrich neben Ivan Basso und anderen Fahrern kurz vor dem Start der Tour de France suspendiert wurde, da Kontakte zum Dopingarzt Eufemiano Fuentes nachgewiesen worden waren, die gleichbedeutend mit praktizierten Eigenblutdoping waren.
Die (Radsport-) Welt war erschüttert, die ehemaligen Helden so tief fallen zu sehen. Die Lust, Radsport weiterhin zu verfolgen, war mehr als nur deutlich getrübt. T-Mobile hatte sich bereits zu diesem Zeitpunkt von Dopingpraktiken distanziert, und Patrik Sinkewitz sollte als einer der Fahrer der jungen, sauberen Generation gelten. - Aber das war wohl doch nur alles Schein: Sinkewitz griff eben während dieser Tour auf seine in Freiburg gelagerten Blutbeutel zurück mit dem Ziel zu betrügen, mit den Mitteln zu betrügen, die Jan Ullrich die Karriere gekostet haben.
Es ist zwar auf der einen Seite beeindruckend, wie offen Sinkewitz seine Dopingpraktiken gesteht, aber auf der anderen Seite ist es auch erschütternd mit welch einer Selbstverständlichkeit er von sich gibt, dass es in dieser Zeit - wir sprechen vom vergangenen Jahr - üblich war, zu dopen. Er beschuldigt auch nicht direkt sein Team, sondern nimmt selber alle Schuld auf sich. Er selbst sei auf die Freiburger Ärzte zugegangen, mit dem Wunsch Eigenblutdoping zu begehen, und die inzwischen entlassenen Ärzte Schmid und Heinrich haben ihn nicht weggeschickt, sondern ihm diesen Wunsch erfüllt. - Eine Mauer des Schweigens schützte ihn.
Einzig vorstellen kann es sich Sinkewitz kaum, dass er im Team ein Einzelfall gewesen sein soll. Und so stehen nun weitere Fahrer in Verdacht, wie etwa der ehemalige Zeitfahrweltmeister Michael Rogers, mit dem Sinkewitz bereits gemeinsam beim belgischen Radstall Quick Step fuhr.
Mit dem Wechsel an der Spitze von T-Mobile, das nun von Bob Stapelton geführt wird, soll es endgültig einen Neuanfang gegeben haben. Laut Sinkewitz sind die Zeiten von 2006 nicht mit denen von 2007 zu vergleichen. Das Team täte alles, Doping zu unterbinden. Ja, können wir denn das noch glauben?! - Wir möchten es gern, einzig die Überzeugung fehlt. Und wurde nicht Sinkewitz im vergangenen Juni erst positiv getestet?!
Ja, es scheint, das T-Mobile nun einen neuen Weg eingeschlagen ist, dem Doping endlich Herr zu werden, aber dachten wir das nicht bereits 2006?! Kann in einem Jahr ein so großer Umschwung so radikal vollzogen werden?! - Fragen auf die man momentan schwer Antworten zu finden vermag. So erscheint es auch nur logisch, dass der T-Mobile-Konzern in dieser Woche ernsthaft über sein Engagement im Radsport beraten wird. Ein Rücktritt, nachdem erst im August das Radsport-Engagement bis 2010 verlängert worden ist, scheint nicht ausgeschlossen.
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