Sie steht wieder in den Startlöchern, die traditionsreiche deutsch-österreichische Vierschanzentournee. Und wieder einmal stellt sich die Frage: Wird es endlich wieder einen deutschen Gesamtsieger, den ersten nach Sven Hannawalds grandiosen Triumph 2002, geben?!
Man mag denken, dass die Zeichen in diesem Jahr so gut wie selten stehen: Pius Paschek, mit 34 Jahren zu den älteren Semestern zählend, springt in dieser Saison von Sieg zu Sieg: Lillehammer, Kuusamo, Wisla, Titsee-Neustadt - auf all diesen Schanzen triumphierte der Spätstarter aus Kiefersfelden und ist souverän Träger des Gelben Trikots. Und auch Andreas Wellinger, Gesamtzweiter der Tournee des Vorjahres, trug sich in dieser Saison bereits in die Siegerlisten ein. Allerdings schwächelten die deutschen Vorzeigespringer ausgerechnet beim letzten Springen vor der Tornee im schweizerischen Engelberg. Hier triumphierten andere, vor allem die Österreicher um Daniel Tschonfeni und Jan hörl, die in einer exzellenten Form sind.
Man fragt sich daher bang: Ist der Höhenflug der deutschen Adler vor Start der Tournee schon wieder vorbei?!
Nun, man sollte hier nicht zu schwarz malen: Paschke, der gesundheitlich angeschlagen in die zwei Springen von Engelberg ging, war die Wochen zuvor derart gefestigt und souverän, dass man durchaus hoffen darf, dass er sich diese Form bewahrt und über die Weihnachtsfeiertage gestärkt zurückkehrt. Zudem war es in den letzten Jahren für die Tournee nicht unbedingt ein gutes Omen, in Engelberg gewonnen zu haben. Auch Hannawald wurde beim letzten Springen vor der Tournee 2001 dort nur 15. Was danach in Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen geschah ist bekannt und ging mit 4 Einzelsiegen in die Geschichte ein. Und mit Blick auf die Ergebnisliste von Engelberg stellen wir fest, dass Andreas Wellinger am verganenen Sonntag dort 15. wurde... Ein gutes Omen?!
Fest steht, dass die deutschen Adler um Paschke und auch Wellinger in dieser noch jungen Saison vorne mitspringen. Und in Person von Pius Paschke habe sie die Springen derart triumphiert, dass nicht nur Bundestrainer Stefan Horngacher voll des Lobes, sondern auch der jetztige Co-Kommentator und TV-Experte Sven Hannawald sprachlos war, was eher eine Seltenheit ist.
Die übrigen deutschen Springer suchen teilweise jedoch noch nach ihrer Form. So kommt Karl Geiger zwar immer besser in Form und in Podestnähe. Stephan Leyhe, Phillipp Raimund und Markus Eisenbichler lassen Konstanz und gute Sprünge allerdings leider noch zu oft vermissen.
Neben Paschke und Wellinger muss man ganz sicher die Riege der österreichischen Adler im Blick haben: Daniel Tschofenig, dem in Wisla sein 1. Weltcupsieg gelang, Jan Hörl, Stefan Kraft und auch der junge Maximilian Ortner gilt es definitiv zu beachten. Und die Österreicher dürften heiß sein auf die Torunee, haben in den vergangenen Jahren doch stets Springer aus anderen Nationen triumphiert, als Rot-Weiß-Rot.
Stark aufgetrumpft hat in diesem Jahr bislang auch Gregor Deschwanden, auch wenn der Schweizer nach wie vor seinem ersten Weltcupsieg hinterher springt. Aber das ihm der ganz große Coup bei der Tournee gelingen wird, mag man eher nicht glauben.
Dann dürfte sich eher einer der starken Slowenen, die zuletzt teilweise noch nach ihrer Form suchten, in den Fokus springen: vor allem Anze Lanisek, der bereits im Vorjahr bewiesen hat, dass ihm die Tourneeschanzen, vor allem in Garmisch und Bischofhofen, liegen. Vielleicht findet auch ein Timi Zaijc zurück in die Erfolgsspur?
Ob dieses auch für den Vorjahressieger Ryoyu Kobayashi gelten kann, vermag man schwer vorherzusehen. Zumindest bislang war es nicht die Saison des Japaners, aber wenn Kobayashi wieder in seinem Flow kommen sollte, ist ihm alles zuzutrauen.
Wen haben wir noch? Was ist mit den Norwegern? Der ehemalige Gesamtsieger Halvor-Egner Granerud sucht noch nach seiner Form, der sonst so beständige Marius Lindvik ist bislang zu schwankend in seinen Leistungen. Am ehesten wäre hier noch Johann-Andre Forfang zu nennen, aber auch bei ihm kann man sich, ähnlich wie bei Deschwanden, kaum vorstellen, dass er auf allen 4 Schanzen durchstarten kann.
Eine bislang untergeordnete Rolle haben in dieser Saison bislang die sonst so erfolgsverwöhnten polnischen Adler gespielt. Altmeister Kamil Stoch ist gar in Oberstdorf nicht Teil des Teams. So ist unseren Nachbar in diesem Jahr nicht ganz so viel zuzutrauen.
Vielleicht gibt es aber auch einen Überraschungsspringer à la Thomas Diethart 2014?! - Wir wissen es nicht, und das ist auch gut so. Freuen wir uns erst einmal auf das Auftaktspringen in Oberstdorf auf einer Schanze, die durchaus als Schanze der Deutschen bezeichnet werden darf. So ist Träumen erlaubt...
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